Watch Dogs: Legion

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Watch Dogs: Legion Review

London in Aufruhr.

Als im Jahre 2014 der erste Teil der Watch Dogs Franchise erschienen war, gab es einige staunende Augen. Nicht nur, weil wieder mal der ominöse “Ubisoft-Downgrade” bei Release zum Vorschein kam, sondern auch, weil das Projekt an sich ein interessantes, aber auch gesellschaftlich kritisches und relevantes Thema behandelt hat. Die vollständige Überwachung und Kontroller über uns Bürger, getrieben von der immer präsenter werdenden Technik, die unseren Alltag begleitet. Und wenn man sich ansieht, wo die Reise der letzten Jahre hinging, dann war das fiktive Werk aus 2014 noch harmlos. Watch Dogs: Legion hat an der Formel, welche die ersten beiden Ableger ausmachte, wenig geschraubt. Man hackt sich immer noch mit Leichtigkeit fröhlich die Sicherheitskameras, Computer oder Smartphones anderer Leute und hat das Ziel vor Augen, sich Goliath in den verschiedenen Formen der Story des Spiels zu stellen. Doch diesmal ist eines ausschlaggebend: ihr seid nicht mehr allein. Ihr seid alle!

Das größte neue Feature und wohl der Aufhänger des gesamten Spiels ist, dass ihr jegliche Mitbürger, denen ihr auf der Straße begegnet, auch rekrutieren könnt. DedSec heißt die Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen das 1984 von heute vorzugehen. Anfangs wusste ich nicht wirklich, was ich mit dieser Möglichkeit anfangen sollte, nachdem diese von vielen in den Himmel gehyped wurde. Und ganz ehrlich: auch nach etlichen Stunden Spielzeit hat mich das Feature nicht wirklich umgehaun. Aber man muss Ubisoft dafür applaudieren, dass sie es zumindest versucht haben, all das ins Spiel zu packen und es dadurch frisch wirken zu lassen. Immerhin gibt es jede Menge neuer Gesichter, als auch neue Stimmen und Dialoge, die wohl kaum ein zweiter Spieler bei seinem Vorhaben, das Spiel durchzuspielen, genau so erleben wird. Und selbst bei euch selbst wird ein zweiter Marsch durch London völlig anders verlaufen, als ihr das beim ersten Mal erlebt haben werdet.

Neue Rekruten anheuern ist relativ einfach. Mit eurem Smartphone könnt ihr die Person eurer Wahl ausspionieren, seht, was die Person so treibt und welche Fähigkeiten sie hat. Daraufhin treten sie euch nach einem kurzen Plausch gleich bei oder fordern zuerst eine Gegenleistung von euch im Voraus ein. Meist müsst ihr irgendwelches Zeug hacken oder Daten löschen. Nichts wirklich Aufregendes. Habt ihr das erledigt, gehört diese Person fortan zu eurer Revoltengruppe, die bis zu 45 Mitglieder zählen kann. Da bietet es sich natürlich an, Personen mit verschiedenen Vorteilen zu rekrutieren. Beispielsweise helfen euch Krankenpfleger eher, Personen schneller wieder aus dem Krankenhaus zu bekommen. Andere wiederum bringen körperliche Vorteile mit sich oder kämpfen ausgezeichnet. Je mehr verschiedene Rekruten ihr im Team habt, desto mehr Vorteile schaltet ihr folglich für alle frei. Und das ist auch das schöne an diesem System: ihr habt nicht nur einen Charakter, auf den ihr euch konzentrieren müsst. Ihr nutzt einfach alle, da es kein Levelsystem gibt und ihr so auch immer wieder mal experimentieren könnt, wozu euch das Spiel auch einlädt.

Und weil ich vorher das Krankenhaus erwähnt habe: Ubisoft gibt euch die Möglichkeit, das Spiel entweder im Kindergeburtstags- oder auch Elite-Modus zu spielen. Soll heißen: entweder landen eure Mitglieder bei einem K.O. für einige Zeit im Krankenhaus oder sterben permanent. Solltet ihr folglich keine einsatzfähigken Rekruten mehr im Team haben, endet das Spiel. Dabei lehnt sich das Spiel an Vorbilder wie Fire Emblem oder Diablo an und bringt sicherlich für den ein oder anderen Watch-Dogs-Fan einen gewissen Nervenkitzel mit sich. Denn dadurch wird jeder einzelne Rekrut noch viel wertvoller und ein Verlust dürfte emotional schwieriger zu verarbeiten sein. Vor allem, wenn es sich um recht elitäre Mitglieder handelt, die sich so kein zweites Mal rekrutieren lassen.

Damit es aber gar nicht zu so einer Situation kommt, müsst ihr euer Spielverhalten der Situation entsprechend anpassen. Ihr könnt natürlich auf Teufel komm raus durch die Vordertüre preschen und alles niedermetzeln oder aber ihr wählt den Weg des Unsichtbaren und schleicht euch durch die Orte eures Interesses. Dabei stehen euch Kameras und andere elektronische Geräte zur Verfügung, mit denen ihr interagieren könnt, um eure Widersacher in Form von Security-Mitarbeitern zu irritieren bzw. auszuschalten. Elektronische Fallen sind dabei genau so relevant, wie Gadgets und Fähigkeiten, die ihr für das gesamte Team freischaltet. So könnt ihr beispielsweise mit Drohnen durch die Lüfte fliegen, Roboter-Spinnen einsetzen oder auch für kurze Zeit unsichtbar werden und so unbemerkt an Gegnern und Kameras vorbeischleichen. Um neue Fähigkeiten freizuschalten, müsst ihr ETO sammeln, der Währung im Spiel, die ihr durch das Rekrutieren neuer Mitglieder, Abschließen von Missionen oder durch das Sammeln von Upgrade-Kits erhaltet. Die Anzahl an verschiedenen Gadgets ist beachtlich groß und sollte reichlich Abwechslung bieten. Ihr könnt jedoch immer nur eines dieser Gadgets ausrüsten und auch nur außerhalb von Sperrgebieten, was absolut keinen Sinn macht und ein großer Kritikpunkt von mir ist. Ich musste bei einer Mission eine Roboter-Spinne einsetzen und hatte was anderes ausgerüstet, nachdem ich das im Voraus ja nicht ahnen konnte. Daher musste ich den ganzen Weg raus aus dem Sperrgebiet laufen, das Gadget per Menüauswahl wechseln und wieder den ganzen Weg retour nehmen. Und da ist es völlig egal, ob ihr noch Gegner vor euch habt, diese alamiert sind, oder nicht. Das nervt schlichtweg und ist auch nicht nachvollziehbar.

Der Rest des Spiels unterscheidet sich dann auch nicht sonderlich viel von seinen beiden Vorgängern und wird schnell mal repetitiv, da die Missionen größtenteils gleich ablaufen und man alles irgendwie schon mal gesehen und gespielt hat. Lediglich die Abwechslung der einzelnen Charaktere frischt das Gameplay und den Ablauf der Missionen ein wenig auf, ist aber wohl nicht für jedermann Grund genug, motiviert zu bleiben. Dazu kommt, dass es auch die übliche “Ubisoft-Formel” zu bestaunen gibt. Sprich: ihr habt einzelne Gebiete, müsst diese über einen Turm ein prominentes Objekt in diesem Gebiet einnehmen, seht dann sämtliche Aufgaben und Geheimnisse in dieser Umgebung und arbeitet euch so von Gebiet zu Gebiet vor. Been there, done that. Und das ist auch das, was mir am meisten Bauchweh an dieser neuer Konsolengeneration bereitet. Auflösung, Framerate und Festplattengeschwindikeit stehen zwar im Fokus und sind sicherlich ein längst überfälliger technischer Sprung, aber wenn die Spiele dieselben sind, wie sie alle schon mal da waren und nur marginale Änderungen oder lediglich kleine, interessante Features mit sich bringen und der Rest gleich bleibt, dann wird’s bald mal langweilig werden. Klar, Watch Dogs: Legion probiert hier was Neues aus und bietet damit eine Art Sandbox-Erlebnis, aber so bahnbrechend finde ich persönlich es am Ende dann auch wieder nicht. Da hätte sich am grundlegenden Gameplay was ändern und das Spiel sich viel mehr von Watch Dogs 1 & 2 abheben müssen. Aber trotz all dieser recht subjektiven Kritik ist es ein gutes Spiel, welches sicherlich mehr Kanten und unausgereifte Aspekte hat, als der Durchschnittstitel in den Verkaufsregalen. Von daher ist es durchaus zu applaudieren, was Ubisoft hier versucht hat und es werden sich sicherlich viele Rekruten finden, die dem Experiment verfallen werden. Ich wünsche mir jedenfalls mehr Mut für den nächsten Teil, der eventuell auch mal tiefer auf die Hacking-Materie eingeht und sich von der Ubisoft-Blaupause abhebt.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Watch Dogs: Legion für Xbox Series X|S und Xbox One
Watch Dogs: Legion für PlayStation 5
Watch Dogs: Legion für PlayStation 4

The Good

  • Beliebige Bürger rekrutieren
  • Abwechslunsgreiche Gadgets
  • Gesellschaftskritisches Thema

The Bad

  • Missionen nach einiger zeit repetitiv
  • Gadgetwechsel grundlos restriktiv
  • Wenig Neuerungen im Gameplay und der Struktur des Spiels
  • Relativ viele Bugs, die den Abschluss von Missionen unmöglich machen
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at