Travis Strikes Again: No More Heroes

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Travis Strikes Again: No More Heroes Review

Travis sitzt wieder am Häusel.

Boy oh boy. Was war das für ein Erlebnis? Ich muss gestehen, dass mich die No More Heroes Reihe bis vor Kurzem relativ kalt gelassen hat. Auf meiner Wii drehte sich kein einziges der beiden verrückten Spiele – doch aufgrund meines Vorhabens, nostalgische Erlebnisse nachzuholen, die in sämtlichen Top- oder auch Hidden-Gems-Listen auftauchen, musste ich auch hier, etwas verspätet, ran an den Speck! Und ich hatte definitiv meine Freude mit Travis Touchdown und dem abgefahrenen Trip durch seine actiongeladenen Abenteuer. Auch war ich folglich sehr erfreut darüber, dass man der Nintendo Switch, welche sich durchaus bereits zu meiner absoluten Lieblingskonsole manifestiert hat, ebenfalls einen Ableger der Franchise schenkt. Travis Strikes Again: No More Heroes wurde der Titel getauft und ist zwar leider noch kein dritter Teil, aber ein direkter Nachfolger zum zweiten. Aber nach einer relativ langen Funkstille seit der Ankündigung war ich etwas besorgt um den Titel. Wohl zurecht, wie sich herausstellte.

Das Spiel setzt seine Handlung rund sieben Jahre nach dem Ende von Teil zwei ein. Travis hat sich einen Wohnwagen gegönnt und sich mit seiner Katze zur Ruhe gesetzt. Doch plötzlich taucht Bad Man auf, der Vater von Bad Girl, welche ihr im ersten Abenteuer getötet hattet. Die Rachegelüste setzen zwar recht spät, dafür umso entschlossener ein und so werdet ihr unmittelbar in einen Kampf mit ihm verwickelt. Doch während ihr euch die Köpfe einzuschlagen versucht, geht etwas völlig schief und ihr werdet in eine Spielekonsole gesogen. Das Death Drive Mk II ist eine legendäre Konsole, welche ihre Spiele über so genannte Death Balls abspielen kann. Davon gibt es (offiziell) sechs Stück und wer sie alle findet, der hat einen Wunsch frei. Da sich nicht nur Travis, sondern auch Bad Man in der Konsole befinden, bleibt euch beiden keine andere Wahl, als zusammenzuarbeiten und eure Differenzen kurzzeitig beiseite zu legen. Der Plan ist nämlich, sämtliche Death Balls zu finden und Bad Girl wieder zum Leben zu erwecken. Dementsprechend könnt ihr nicht nur Travis selbst, sondern auch Bad Man steuern und diversen Bugs in den Spielen den Garaus machen. Habt ihr jemanden, der mit euch Spielen möchte, so ist das ebenfalls im lokalen Koop-Modus möglich. Dafür wird auch nur jeweils ein JoyCon benötigt, um dem Spektakel beizuwohnen.

Wie ihr eventuell bereits aus dem Plot herauslesen konntet, besteht das Spiel aus irrsinnig vielen Referenzen zur Pop-Kultur, diversen Filmen, Anime, Manga oder auch früheren Spielen von Gōichi Suda aka Suda51. Nicht nur Dragon Ball, sondern auch Resident Evil oder Die Fliege zauberten mir das ein oder andere Schmunzeln ins Gesicht. Dazu kommen die recht kitschigen Videosequenzen am Anfang eines jeden neuen Spiels, welche aber nicht unbedingt mit ihrer VHS-Bildqualität brillieren. Doch das Gameplay selbst hinterließ einen recht bitteren Beigeschmack in meinem Mund. Die Ausrichtung von Travis Strikes Again: No More Heroes geht ganz klar in Richtung Arcade. Ihr spielt den Charakter eurer Wahl zumeist in der Top-Down-Perspektive und greift mit euren leichten bzw. kraftvollen Attacken an. Zusätzlich könnt ihr auch noch ausweichen, springen und findet im Verlauf der Geschichte auch Skill-Chips, mit denen ihr dann bis zu vier Spezialattacken gleichzeitig ausrüsten könnt, welche sich nach und nach wieder von selbst aufladen. Diese reichen von einem simplen “Greifen” eines Gegners über eine Streuattacke bis hin zur Selbstheilung. Hier ist definitiv ein wenig Spielraum für Kreativität vorhanden – genau das, was eben im üblichen Spielverlauf leider fehlt. Ihr schnetzelt euch sonst relativ sinnlos durch Massen an Gegnern und lauft einen generischen Weg nach dem anderen ab, um ans Ziel zu kommen. Gegner unterscheiden sich optisch nur kaum von einander, spielerisch glücklicherweise schon. Dennoch nicht genug, um Spaß, Spannung oder überhaupt Interesse aufkommen zu lassen. Hingegen ist man froh, wenn man ein Spiel abgeschlossen hat und ziemlich genervt, wenn nach erhofftem Ende doch noch ein Abschnitt kommt.

Versteht mich nicht falsch, denn ich liebe Arcade-Spiele, die in ihrer Glanzzeit auch nur relativ simple Beat ’em Ups waren. Dennoch passte das Level- und Art-Design gepaart mit einem knackigen Gameplay und coolen Moves. Travis Strikes Again: No More Heroes wirkt billig, unfertig und einfach lustlos. Da hilft auch das witzige Text-Adventure nicht viel, in welchem ihr neue Death Balls finden könnt. Denn nach dem zweiten Abschnitt ist der Gag leider abgedroschen und bis auf das VR-Spiel, in welchem ihr wie in Dragster vom Atari die Gänge gekonnt hochschalten und als erster über die Ziellinie müsst, sind die übrigen Spiele simples Copy & Paste mit lediglich einem anderen Anstrich und laschem Gameplay. Spätestens nach dem Ende der rund neunstündigen Tortur wurde mir klar, warum Travis Strikes Again: No More Heroes von einem Vollpreisspiel zu einem Budget-Titel mit Option auf einen Season-Pass degradiert wurde. Es ist leider einfach nicht gut. Einziger Lichtblick sind die Endbosse, welche allesamt eigene Verhaltensmuster, Attacken und Kniffe mit sich bringen. Da kann man auf höheren Schwierigkeitsstufen schon mal ins Schwitzen geraten, welche sich aber jederzeit verändern lassen. Doch das alleine rettet das alles auch nicht mehr. Dort wo es einen Lichtblick gibt, sind ebenso viele Schattenseiten. Eine nette Idee, aber eben nicht mehr. Habt ihr im Übrigen genügend Spielwährung gefunden, könnt ihr am PC neue T-Shirts kaufen, welche mit richtig coolen Indie-Game-Logos bedruckt sind. Definitiv eine Inspiration für euch, solltet ihr mal nach wahren Perlen der Szene suchen. Auch wenn Travis Strikes Again: No More Heroes am Ende nicht mal annähernd einer Empfehlung nahekommt, so hoffe ich doch, dass No More Heroes 3, welches nicht nur unzählige Male im Spiel erwähnt, sondern auch von offizieller Seite bereits als durchaus möglich angeteasert wurde, zu seinen Wurzeln zurückkehrt und wieder das bietet, was die ersten beiden Spiele ausgemacht hat. Aber leider scheint Suda51 sich selbst in seine eigene kleine Welt eingesperrt zu haben, wodurch er verpasst hat, dass sich die Welt um ihn rum inzwischen weitergedreht hat. Daher Frage ich mich, ob ich ein No More Heroes 3 nun überhaupt noch möchte. Hm.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Travis Strikes Again: No More Heroes + Season Pass für Nintendo Switch

The Good

  • Verrückte und abgedrehte Ideen, die eine solide Basis für ein Spiel bieten würden
  • Endbosskämpfe sind das Highlight des Spiels
  • Viele coole Referenzen auf andere Spiele, die Pop-Kultur, Anime und Manga

The Bad

  • Langweiliges und lasches Gameplay
  • Eintöniges Leveldesign
  • Die einzelnen Death Drive Mk II Spiele sind quasi nur copy & paste
  • Keine umfangreiche Variation an Gegnern
  • Zwischenbosse sind immer die selben; wenn auch im Namen anders gefärbt – Reservoir Dogs lässt grüßen
5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at