The World Ends With You -Final Remix-

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The World Ends With You -Final Remix- Review

Ein Geheimtipp im Remix.

Wenn man sich online auf die Suche nach den besten Spielen einer gewissen Konsole begibt, dann erhält man in vielen Fällen immer sehr ähnliche Ergebnisse. Vor allem, wenn es um Nintendo Konsolen geht. Dann führen meist sämtliche hauseigenen Serien, wie Super Mario, Pokémon, The Legend of Zelda & Co. das Feld an und lassen Softwareperlen von Third-Party-Publishern meist weit hinter sich zurück. Doch wenn man seine Suchbegriffe ein wenig ändert und nach Geheimtipps unter der riesigen Auswahl sucht, dann wird für den Nintendo DS ein ganz besonderer Titel hervorgehoben. Die Rede ist natürlich von The World Ends With You aus dem Hause Square Enix. Dieser vielen recht unbekannte Titel hatte damals quasi das Dual-Screen-Gameplay definiert. Mit geschicktem Einsatz von beiden Bildschirmen, einer überdachten Steuerung und dem absolut unvergleichlichen Soundtrack war es ein Geheimtipp der Sonderklasse. Doch wie es Geheimtipps eben so an sich haben, kennt sie fast keiner. Auch ein Release auf dem Smartphone-Markt änderte nur wenig daran, da das Spiel sich als “Premium-Game” auszeichnet und das bekanntlich Leute in der heutigen Pay2Win Free2Play-Zeit abschreckt. Doch das möchte man mit dem -Final Remix- und dem Boom der Nintendo Switch Konsole nun ändern. Wir haben uns die finale Version des Klassikers für euch angeschaut.

Ihr übernehmt die Rolle von Neku, einem schrillen Jungen mit Kophörern, welcher auf der berühmten Kreuzung in Shibuya aufwacht. Nicht wissend, wie er dort gelandet ist, bemerkt er schnell, dass sich um ihn rum alle sehr ignorant verhalten, als er mit seinen Mitmenschen interagieren möchte. Den Grund dafür erfährt er nur kurz darauf, als man ihm mitteilt, dass er in einer Art Zwischenwelt gefangen ist, ihn somit niemand bemerkt und am Spiel von so genannten Reapern teilnimmt. Seine Aufgabe ist es schlichtweg zu überleben und nach sieben Tagen als letzter übrig zu bleiben. Schaffen kann er dies nur, indem er einen Pakt mit einem anderen Spieler schließt. Tut er dies nicht, stirbt er ebenfalls. Mit guter Mine zum bösen Spiel kommt der sozial eher isolierte Neku der Pflicht nach und wird sobald auch gleich in die Spielregeln eingeweiht. Es geht um Noise, eine Art von dämonischen Aktivitäten, die es zu besiegen gilt und in weiterer Folge auch noch um andere Aufgaben, die sich tagtäglich ändern – sofern er natürlich überlebt. Dabei behilflich sind ihm diverse Pins, die er über den Verlauf der Spiele einsackt – entweder über die Belohnungen nach einem Kampf oder durch Shopping in diversen Geschäften von Shibuya. Durch die Pins kann Neku gewisse Psi-Kräfte nutzen, wie beispielsweise den Gegnern Feuer unterm Hinter machen, rumstehende Gegenstände (wie beispielsweise Autos) auf sie werfen oder auch elektrische Blitze durch die Gegend schießen. Er gibt mehr als hundert verschiedene davon und diese lassen sich auch hochleveln und entwickeln, haben jedoch ein gewisses Maximal-Level, wodurch ihr von Haus aus immer wieder neue Pins ausprobieren möchtet.

Zu Hilfe kommt Neku ein Partner, welcher im Nintendo-DS-Original noch am oberen Bildschirm mittels D-Pad gesteuert wurde. Durch den Wegfall eines zweiten Bildschirms agiert dieser nun automatisch, wenn man auf seine Gegner tippt. Dabei lädt sich mit jedem Angriff eine Synchro-Leiste auf, die ab 100% Synchronität in einem fatalen Angriff enden kann. Dafür müsst ihr nur ein kleines Karten-Minispiel absolvieren, bei dem quasi im Memory-Stil für den Bruchteil einer Sekunde alle Karten gezeigt werden und dann ein Symbol zweimal korrekt aufgedeckt werden muss. Tut ihr dies mehrmals korrekt in Folge, so erhöht sich euer Schadens-Multiplikator und der Kampf wird somit ein Leichtes. Begünstigen könnt ihr den Kampf auch noch durch eure Marken-Klamotten. In jedem Teil von Shibuya ist eine andere Marke angesagt, welche euch entweder einen Bonus gibt oder auch zurückhält. Habt ihr das Richtige an, werdet ihr eure Vorteile daraus ziehen können. Aber ihr könnt durch beeindruckende Kämpfe diese Top-Listen auch beeinflussen und so eure Marke zum Angesagtesten in diesem Stadtteil machen.

Die Eingabe all der Befehle erfolgt über den Touchscreen der Nintendo Switch oder auch per einzelnem JoyCon, wenn ihr am TV spielen wollt. Nun, wenn man sich die Ausgangslage ansieht, dann wird man schnell merken, dass das Spiel ursprünglich für zwei Bildschirme mit einem Touchscreen ausgelegt war. Aber Entwickler h.a.n.d. hat hier einiges an Kreativität bewiesen und eine recht ansehnliche Fassung für Nintendos Hybridkonsole umgesetzt. Die Touchscreen-Eingaben sind aber dennoch nicht so präzise, wie man diese einerseits erwarten würde und andererseits auch vom Nintendo DS gewohnt ist. Der TV-Modus hingegen wird mit dem JoyCon eurer Wahl entweder in der linken oder rechten Hand gespielt und nutzt den Gyrosensor des Controllers um quasi eine Wiimote zu simulieren. Das funktioniert die meiste Zeit auch recht gut, bis man dann leider alle 3-5 Minuten den Pointer neu zentrieren muss. Die ursprüngliche Wiimote (und zwar jene ohne Wii Motion Plus!) war halt immer noch das A und O. Das kann auch ein JoyCon nicht ohne Sensorbar simulieren. Dementsprechend kann man die TV-Steuerung zwar gut erlernen, richtig Spaß macht diese aber nicht. Da bevorzugen wir dann doch die nicht ganz so präzise Touch-Steuerung.

Natürlich hat sich seit dem Nintendo DS Release auch etwas an der Grafik getan. Völlig überarbeitet und in glorreichem HD erstrahlt das Spiel in allen möglichen Farben am Bildschirm. Zudem wurde auch der etwas schräge, dafür richtig rockig-fetzige Soundtrack nochmals überarbeitet und untermalt das Geschehen zu jeder Situation perfekt. Alleine aufgrund des Soundtracks, den ihr im Menü zwischen Original und Remix jederzeit ändern könnt, würde ich das Spiel schon mal jedem ans Herz legen. Die Nintendo Switch Version bietet euch im -Final Remix- auch ein weiteres Kapitel, den Epilog, welchen ihr nach den drei großen Abschnitten und rund 15-20 Stunden Spielzeit in Angriff nehmen dürft. Es ist ein netter Bonus mit einem neuen Charakter, welcher am Smartphone einen recht kurzen und unwichtigen Auftritt hatte. Schön zu sehen, dass dieser nun ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhält. Ihr könnt das neue Kapitel wohl mit dem Umfang eines handelsüblichen DLCs von rund 3-5 Stunden vergleichen.

Fazit

Als Gesamtpaket betrachtet bietet euch The World Ends With You -Final Remix- ein absolut ansprechendes Angebot mit einer durch und durch packenden Geschichte und gut geschriebenen Charakteren. Etwas, das man heutzutage in der generischen Spielelandschaft oft vermisst. Doch seid gewarnt! Scheut euch nicht davor, einiges an Text zu lesen. Dieser wird euch in vielen, vielen Sprechblasen ohne Sprachausgabe präsentiert, da es sich ja immer noch um einen HD-Port eines relativ alten Handheld-Spiels handelt. Doch wer weiß, sollte der -Final Remix- gute Verkaufszahlen erreichen, könnte uns eventuell doch noch ein innovativer zweiter Teil ins Haus stehen. Daher nutze ich einfach mal die Möglichkeit und spreche meine uneingeschränkte Kaufempfehlung an all jene aus, die mal etwas anderes auf ihrer Nintendo Switch suchen. Für Kenner des Originals wird es aber eine Vielzahl an Einbußen geben, die das Spiel nicht unbedingt besser machen, außer einige Quality of Life Änderungen, wie beispielsweise den jederzeit adaptierbaren Schwierigkeitsgrad à la Kid Icarus: Uprising oder der Möglichkeit seine Kämpfe jederzeit zu starten und verketten zu können, anstatt auf den Zufall zu setzen. Wie dem auch sei: beide Versionen haben ihre Vor- und Nachteile. Ein großartiges Erlebnis bieten jedoch beide. Welches davon euch mehr zusagt bleibt am Ende Geschmacksache.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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The World Ends With You -Final Remix- für Nintendo Switch

The Good

  • Tolle, gut geschriebene Geschichte
  • Interessante Charakter-Entwicklung
  • Rockig-fetziger Soundtrack
  • Schöne Überarbeitung sämtlicher Grafiken
  • Viele verschiedene Pins für den Kampf
  • Neuer Epilog

The Bad

  • Touch-Steuerung nicht präzise genug
  • JoyCon-Steuerung eher suboptimal und ungenau
  • Den Verlust des zweiten Bildschirms merkt man enorm
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at