The LEGO Movie 2 Videogame

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The LEGO Movie 2 Videogame Review

Neue Wege für die Videospiele der LEGO-Franchise.

Ich bin seit je her ein großer Fan der LEGO-Spiele. Meine persönliche Laufbahn begannt mit LEGO Star Wars: Das Videospiel und sie hält bis heute immer noch an. Ich mag vielleicht nicht jeden Ableger der Franchise gespielt haben, aber die meisten davon landeten dann doch in einer meiner Konsolen oder Handhelds. Meine erste Erfahrung mit dem stereoskopischen 3D-Effekt des Nintendo 3DS machte ich tatsächlich ebenfalls mit einem LEGO-Spiel, nämlich LEGO Pirates of the Caribbean: Das Videospiel. Dass man der LEGO-Videospiel-Marke seit Längerem einen notwendigen Richtungswechsel zuspricht, ist kein Geheimnis. Es ist eine simple Formel, die bislang lediglich auf neue Filme übertragen wurde, ohne etwas großartig an der Erfolgsformel zu ändern. The LEGO Movie 2 Videogame zieht jetzt aber ganz neue Regeln auf und ändert damit beinahe alles.

Wer LEGO Worlds gespielt hat, wird sich umgehend in The LEGO Movie 2 Videogame wohl fühlen, sofern man die offene Welt und die neuen Features genossen hat. Für alle anderen heißt es erstmal adaptieren. Waren LEGO-Spiele bislang immer in 15 Kapiteln aufgeteilt, welche einzelne Szenen der Filme nachstellten und mit ulkigen Animationen und Zwischensequenzen ausgestattet waren, so gibt es diesen roten Faden durch das Spiel in dieser Form nicht mehr. Ihr startet euer Abenteuer auf einem der sieben Planeten der Hauptgeschichte (plus weiterer sechs frei erkundbarer Planeten) und findet euch in einer jeweils dem Film nachempfundenen Welt wieder, die komplett aus LEGO-Steinen besteht. Richtig, es gibt keine gerenderten Hintergründe oder Elemente mehr, die nicht aus LEGO-Steinen bestehen, wie das bislang oft der Fall war. Die Welt ist auch viel offener und lässt es zu, einzelne Nebenmissionen anzunehmen, während man das große Ziel verfolgt, genügend Meistersteine zu sammeln, um den nächsten Planeten freizuschalten. Dabei reichen die Missionen von einem simplen Bauauftrag über das Besiegen von Gegnern bis hin zu schnellen Rundkursrennen, die quer durch das Level führen. Apropos Bauauftrag: es gibt keine vorgefertigten Steinhaufen mehr, die ihr zu fixen Bauwerken zusammenschustern müsst, sondern ihr bekommt neue Kreationen entweder durch das Scannen von vorhandenen Objekten oder dem Erfüllen bzw. Annehmen von neuen Missionen. Diese sind dann ständig in eurem Inventar verfügbar und ihr müsst nur mehr die richtigen gesammelten LEGO-Steine mit unterschiedlichen Farben einsacken, um das Objekt immer und überall bauen zu können.

Auch die Restriktionen bezüglich der Charaktere gehören der Vergangenheit an. Es gibt zwar Missionen, die nur mit bestimmten Figuren erledigt werden können, aber bislang war es immer üblich, dass eine Story-Mission beim ersten Mal nur mit bestimmten und fixen Charakteren gespielt werden konnte. Erst im freien Modus war es möglich, unterschiedliche LEGO-Männchen mit eigenen Fähigkeiten mitzunehmen, wodurch man bei einer falschen Auswahl gezwungen war, nochmals neu zu starten. Nun kann man ebenfalls immer und überall seinen Charakter wechseln, sofern man diesen freigeschaltet hat. Dies geschieht durch das Erledigen von Missionen oder dem Öffnen von bunten LEGO-Kapseln, die quasi die Lootboxen dieses Spiels darstellen. Finden kann man sie in Schatztruhen, die über die Welt verteilt sind und kein Echtgeld erfordern. Aus den Kapseln kommen übrigens auch Bauwerke oder Fahrzeuge bzw. Reittiere, die sich ebenfalls dauerhaft in eurem Inventar einnisten.

Zu eurer Grundausstattung gehören nun auch einige nützliche Utensilien, die ihr mit dem Geschichtsverlauf freischaltet und die euch bei eurem Abenteuer durch die Galaxie helfen. Da wären der Micro-Manager, mit dem ihr Hindernisse wegballern könnt; das Trampolin, mit welchem ihr höher gelegene Ebenen erreicht; der Generator, der bestenfalls genug Strom für zu aktivierende Maschinen liefert; ein Stampfer, der LEGO-Hindernisse am Boden wegbügelt und neue Wege freimacht; ein Sprinkler, der als tolle Bewässerungsanlage dient; ein Farb-Stab, mit dem ihr euer Abenteuer bunt gestaltet und noch viele weitere, wie eine Kamera, ein Schneidbrenner oder EisenBarts Kopf, um auch die ulkige Seite des Spiels zu beleuchten. Alles davon bewirkt, dass man sich nun Gedanken um Rätsel machen muss und wie man sie löst. Hat man die zündende Idee noch nicht gefunden, kann man sich durch die offene Welt ja inzwischen wo anders umsehen. Es wirkt dadurch definitiv freier und weniger gezwungen.

Das klingt soweit ja alles schon mal gut, doch wie spielt es sich in der Praxis dann tatsächlich? Nun, für meinen Geschmack etwas wenig wie ein homogenes Ganzes. Das kompakte 15-Kapitel-Konzept mit durchgängigem roten Faden hatte schon was Gutes an sich. Ich mochte diese Art zu spielen und verliere mich in der offenen Welt von The LEGO Movie 2 Videogame immer wieder bzw. sind die Missionen nicht durchgehend interessant und solide, um meine Begeisterung dafür ins Unermessliche zu steigern. Manchmal bekommt man die Meistersteine fast schon fürs Nichtstun geschenkt, manchmal liegen diese auch einfach nur so am Weg rum. Hier wirkt das Spiel phasenweise etwas zu einfach bzw. fehlt der letzte Feinschliff. Ich hatte zwar gut und gerne 10 Stunden meinen Spaß an der Hauptgeschichte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die 100% wirklich abschließen möchte. Zuvor hatte ich LEGO-Spiele immer zweimal durchgespielt, um diese ominöse Bestleistung zu knacken, auch wenn ich immer wieder kritisiert hatte, dass dafür eben zwei Durchgänge nötig seien.

Wie ihr merkt, bin ich etwas unschlüssig, wie ich mit The LEGO Movie 2 Videogame umgehen soll. Es hat viele Elemente über den Haufen geworfen und einiges einfacher bzw. besser gemacht. Andererseits vermisse ich schmerzlich eingesessene Praktiken, welche die LEGO-Spiele so charmant gemacht hatten. Das Level-Design ist für mich ebenfalls mal besser, mal schlechter. Ich denke, dass man hier viel experimentiert, sich unter Zeitdruck aber zu viel auf einmal vorgenommen hat, um das Spiel pünktlich zum Start des Films zu veröffentlichen. Man ist ohnehin schon spät dran – vielleicht war wohl gerade das von Anfang an kein gutes Vorzeichen. Ich bin gespannt, was TT Games aus den nächsten Iterationen der LEGO-Franchise machen wird, da einiges schon gut funktioniert, aber eben noch den nötigen Feinschliff vermisst. The LEGO Movie 2 Videogame hat mir viele Stunden an Unterhaltung gebracht, die keinesfalls schlecht waren. Aber wer daran Interesse hat, muss wissen, auf was er sich da einlässt. Das gute alte LEGO-Konzept ist nicht mehr. Lang lebe die offene Welt … oder so ähnlich.


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The Good

  • Die Welten bestehen nun vollständig aus LEGO-Steinen
  • Eine offene Welt mit optionalen Missionen wirkt befreiter und ungezwungener
  • Charaktere, Bauwerke und Reittiere sind nun immer und überall auswählbar
  • Viele abwechslungsreiche Planeten zu erkunden

The Bad

  • Die offene Welt ist teilweise schlecht genutzt bzw. etwas leer
  • Missionen sind nicht immer die besten bzw. interessantesten
  • Meistersteine zu sammeln ist phasenweise viel zu einfach und uninspiriert
  • Der nötige Feinschliff fehlt an vielen Ecken und Enden

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at