The Evil Within 2

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The Evil Within 2 Review

Rechtzeitig zum Freitag, den 13., durften wir in Shinji Mikamis neuestes Horror-Erlebnis eintauchen.

Shinji Mikami, der Großmeister des Horrors, hat es wieder getan. Nach einem wahrlich großartigen ersten Teil beschenkt uns der Resident-Evil-Schöpfer nun nach einer doch recht überraschenden und unerwarteten Ankündigung auf der E3 dieses Jahres mit The Evil Within 2. Der erste Teil der nunmehr als Franchise geltenden Marke konnte mich persönlich so sehr in den Bann ziehen, dass die Schreckens- und Angstmomente es mir nicht möglich machten, das Spiel jemals zu beenden. Zu groß war einfach der Bammel vor dem, was noch kommen mag. Für mich das beste aller Argumente für den Titel. Ob Teil zwei da mithalten oder vielleicht sogar noch einen drauf legen konnte, werde ich euch auf den nächsten Zeilen erläutern.

The Evil Within 2 präsentiert sich von Anfang an als etwas völlig Neues. Keine schwarzen, beklemmenden Balken am oberen und unteren Rand des Bildes; kein Griesel-Filter, welcher die Szenerie stört und auch kein wirklicher Horror, so wie man diesen aus dem ersten Teil kannte. Es ist mehr Action-geladen, als zuvor – dennoch nicht weniger verstörend. Aber wer sich einen waschechten Horror-Trip erhofft hat, könnte eventuell enttäuscht werden.

Ihr spielt abermals Sebastian Castellanos, der diesmal verzweifelt nach seiner gekidnappten Tochter sucht. Dabei wollen ihm ausgerechnet die Leute unterstützend unter die Arme greifen, die seine Tochter entführt haben. Mobius nennt sich die Organisation, welche eine utopische Welt erschaffen hat, die sich – wer hätte es gedacht – wiederum Utopia nennt. Über ein an The Matrix erinnerndes Badewannen-System, welches sich STEM nennt, schlüpft ihr in die quasi nicht existente Welt. Dort soll sich eure Tochter befinden, auch wenn sie von niemandem mehr in Utopia geortet werden kann. Sicherlich ist es gegen eure Prinzipien, aber ihr wollt eure Tochter so oder so finden. Warum also nicht gleich auf eigene Faust, selbst wenn ihr dafür mit dem Teufel einen Pakt schließen müsst?

Die Story ist nicht wirklich tiefgründig, reicht aber dennoch so weit, dass ihr für die rund 10- bis 15-stündige Kampagne unterhalten bleibt. Je nach Schwierigkeitsgrad und Bereitwilligkeit an Nebenmissionen teilzuhaben, kann sich die Spielzeit auch gut und gerne auf 20 Stunden ausweiten. Dabei ist das Spiel in drei große Bereiche aufgeteilt, die sich stark von einander unterscheiden. Ist das erste Drittel noch sehr Horror-lastig und düster, findet ihr euch spätestens nach rund fünf Stunden in einer etwas helleren, anderen und weniger gruseligen Umgebung wieder, ehe ihr zwar erneut zurück zum Ursprung kehrt, aber dennoch viel actionreicher agieren werdet. Das ist natürlich auch den Upgrades von persönlichen Fähigkeiten und Waffen geschuldet, die es schon in Teil eins gab. Dazu nutzt ihr die bereits bekannten Spiegel, die euch an einen abgelegenen – aber bekannten – Ort bringen. Dort angekommen verhilft euch Schwester Tatiana zu hilfreichen Items im Tausch gegen gefundene Schlüssel für den Leichenschrank oder verbesserte eure Fähigkeiten gegen eine gewisse Portion an grünem oder rotem Gel. Ersteres lassen Gegner nach ihrem Untergang fallen, letzteres müsst ihr in der teils offenen Welt von Utopia selbst finden.

Apropos offene Welt: entgegen dem linearen Verlauf in The Evil Within könnt ihr diesmal viel mehr erkunden, sowie nach Items und Crafting-Materialen suchen, während ein roter Faden die Geschichte zusammenhält. Crafting funktioniert weiterhin wie gehabt, indem ihr verschiedene Teile zu Munition oder Heilmitteln vereint oder Waffenteile für Waffen-Upgrades einsetzt. Aber genau das ist es, was euch immer wieder aus der Immersion des Spiels rauswirft. Klar gibt es den gewissen Kick, wenn man sich in abgelegene Gegenden traut, um die ein oder andere Patrone bzw. neue Waffenteile zu finden – Waffenkraft ist nämlich das Ein und Alles im Spiel –, aber es schmeißt euch aus der sonst recht eindrucksvoll und cineastisch präsentierten Story leider recht schnell raus. Im ersten Teil der Reihe war das alles etwas dichter und mit weniger Ablenkung verbunden. Aber das ist halt das bekannte Problem bei Spielen mit einer mehr oder weniger offenen Welt.

Teilweise sind euch aber auch Passagen offen, in denen ihr mit Stealth zum Erfolg kommen könnt bzw. sogar müsst. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden ist Munition sparen angesagt! Habt ihr bei Schwester Tatiana eure Schleich- und Hinterhaltsfertigkeiten verfeinert, wird es euch enorm erleichtert, dass ihr unbemerkt davon kommen oder auch aus der Deckung angreifen könnt. Die Monster-Vielfalt ist im Übrigen recht überschaubar, dennoch beeindruckend widerlich. Konnte der erste Teil noch mit Angst und Schrecken vor dem Unerwarteten glänzen, so tut dies die Fortsetzung mit der schieren Abscheulichkeit eurer Widersacher. Wie dem auch sei, der gewissen Gruselfaktor ist euch garantiert, vor allem, weil manche Gegner unglaublich hart zupacken können und ihr dem sicheren Tod geweiht seid, sollten diese euch zu nahe kommen.

Ansonsten präsentiert sich The Evil Within 2 recht eindrucksvoll in 4K auf der PlayStation 4 Pro (und folglich dann auch auf der Xbox One X). Die Gesichter wirken durch ihren hohen Detailgrad erstaunlich echt und auch das Schauspiel mit Licht und Schatten konnte gut in Szene gesetzt werden. Untermalt wird das alles von einem wirklich stimmigen Soundtrack inklusive einem genialen Cover von Ordinary World. Shinji Mikami hat wieder Großartiges geleistet. Und ein dritter Teil dürfte uns nach dem kleinen Teaser im Abspann eventuell auch recht sicher sein.

Fazit

The Evil Within 2 ist ein solides Horror-Erlebnis und ein durchaus würdiger Nachfolger. Leider lässt dieser aber auch das Essenzielle vermissen, das den ersten Teil so genial gemacht hat. Richtiger Horror. Ich habe bis dato The Evil Within noch immer nicht durchgespielt, da ich einfach unbeschreiblich großen Schiss davor habe. Ich weiß, was mir bevorsteht und ich drehe beim ersten Stöhnen in der Finsternis die Konsole ab. Oftmals hatte ich richtiges Herzrasen und musste eine Zwangspause von mehreren Tagen einlegen, ehe ich weiterspielen konnte. Das alles vermisse ich in The Evil Within 2. Daher blicke ich mit ein wenige Wehmut auf den Titel, da es definitiv nicht das war, was ich mir erwartet bzw. erhofft hatte. Aber wie gesagt, es ist ein solider Horror-Schocker, der jedoch aus einer ganz anderen Motivation entstanden ist, als noch Teil eins. Wer jedoch weniger Herzrasen und dafür mehr Action geboten bekommen möchte, ist hier absolut richtig. Man kann es nicht ganz mit dem Eindruck von Alien vs. Aliens vergleichen, aber das würde dem wohl am nächsten kommen. Für Fans des Genres aber wohl ohnehin ein Pflichtkauf.

Wir bedanken uns bei Bethesda für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Solide Fortsetzung mit gutem Horror-Feeling
  • Abartiges Gegner-Design
  • Toller Soundtrack
  • Open World und Nebenmissionen bieten Raum zum Erkunden ...

The Bad

  • ... die aber auch von der Story ablenken können
  • Nicht so aufwühlend und gruselig, wie sein Vorgänger
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at