Syberia 3

By on on Reviews, 2 More

Syberia 3 Review

Das sibirische Abenteuer findet neue Wege.

Nachdem bereits Syberia als auch Syberia 2 das Line-up der Nintendo Switch bestens erweitert hatten, folgt nun fast schon logischerweise auch der dritte Teil des Abenteuers rund um Kate Walker. Diesmal werdet ihr eher unfreiwillig in ein neues Abenteuer geworfen. Kate wird in eisiger Kälte bewusstlos vom Volke der Youkol gefunden und somit vor dem sicheren Tod gerettet. Diese liefern unsere Protagonistin zusammen mit dem schwer verwundeten Anführer des Stammes in einer nahe gelegenen Klink ab. Glücklicherweise befand sich der Stamm gerade auf seiner jährlichen Schneestraußenwanderung, ansonsten wäre wohl jegliche Hilfe für Kate zu spät gekommen. Wieder bei Bewusstsein, unterhalten sich die beiden ausführlich über den Stamm, der Wanderung mit den Schneestraußen und die Probleme, die mit der russischen Regierung bestehen. Die Geschichte ist somit eine ganz neue und hat wenig mit den beiden vorangegangenen Titeln zu tun, auch wenn immer wieder bekannte Charaktere zu sehen sein werden. Wer möchte, kann sich als Einstieg auch ein Zusammenfassungsvideo der ersten beiden Teile ansehen, welches im Hauptmenü zu finden ist. Wirklich nötig hat man das aber nicht und so können sich nicht nur langjährige Syberia-Fans, sondern auch solche, die es noch werden wollen uneingeschränkt auf ein neues Abenteuer stürzen.

Das Gameplay bietet genau das, was sich Adventure-Fans wünschen. Eine durchaus interessante Geschichte gepaart mit kleinen Kopfnüssen, die es zu lösen gilt, um weiterzukommen. Zumeist müsst ihr wieder Gegenstände aufsammeln, diese mit anderen kombinieren und am richtigen Ort eine Verwendung dafür finden. Gesprächige Charaktere erzählen euch mehr über die Geschichte an sich und noch weitere Details über alles mögliche. Was euch gleich ins Auge springen wird, sind die Antwortmöglichkeiten, welche den Eindruck vermitteln, einen vermeintlich anderen Ausgang des Spiels zu bewirken – Stichwort: Telltale-Spiele. Es ist sicherlich ein nettes Feature, wenn auch nicht unbedingt bahnbrechend oder richtungsweisend für das Adventure-Genre, zumal die Geschichte ohnehin linear verläuft und sich dadurch nur wenige alternative Wege öffnen werden. Vielmehr wissen die meisten Rätsel zu beeindrucken, welche gut durchdacht sind und Lust auf mehr machen. Natürlich sind auch einige obskure und verwirrende Kopfnüsse dabei, aber so etwas ist immer schwer objektiv zu beurteilen, da wir alle unterschiedlich denken und funktionieren. So ist für jemanden ein Rätsel auf den ersten Blick klar, wo ein zweiter vielleicht nicht sofort den Zusammenhang sieht. Prinzipiell würde ich das bislang erwähnte aber durchaus positiv bewerten.

Das was leider nicht ganz so rosig rüberkommt, ist die doch recht veraltete Technik. Einerseits sieht das Spiel dadurch, dass es erstmals vollständig in 3D läuft und nicht mehr vorgerenderte Hintergründe (wie die ersten beiden Teile) verwendet, ziemlich seltsam aus. Die Umgebungen sind zwar sehr schön gestaltet und auch das Setting und die Atmosphäre geben einiges her, aber es fehlt eben der letzte Feinschliff, wodurch die ersten beiden Teile eben glänzen konnten. Die Sprachausgabe und Lippenanimation sind weitere Aspekte, die einen verblüfft zurücklassen. Die Lippen bewegen sich recht ungestüm auf und ab und haben offenbar keine Verbindung zu dem, was tatsächlich gesprochen wird. Selbst im französischen Original wirkt es alles andere als rund. Die Synchronsprecher im Deutschen sind teilweise auch unpassend zu den Charakteren, denen ihre Stimme geliehen wird. Aber das ist wohl auch Geschmacksache. Gesteuert wird das Spiel lediglich mit den Control-Sticks und Buttons. Touchscreen-Support, wie bei den ersten beiden Teilen, gibt es nicht. Dafür läuft das Spiel genau so gut im Handheld-Modus, wie auch im Dock. Hin und wieder sind aber auch hier Framerate-Einbrüche zu bemerken und eine etwas hakelige Steuerung trägt auch nicht unbedingt Gutes bei. Es schmerzt zu sehen, wie ein an sich recht interessantes Spiel so viele Wehwehchen mit sich bringt, die einem sicherlich den Spielspaß mindern können. Schade, dass man sich hier nicht mehr Zeit für Polishing genommen hat, wo doch das Spiel erst mehr als eineinhalb Jahre später auf die Nintendo Switch portiert wurde.

Fazit

Syberia 3 ist ein Erlebnis mit gemischten Gefühlen. Einerseits bietet es eine interessante Geschichte und viele tolle Rätsel, die Spaß machen. Auch das Setting und der Soundtrack fügen sich perfekt hinzu, nur leider scheitert es letztendlich an der technisch schwachen Umsetzung, um das Spiel uneingeschränkt empfehlen zu können. Da reißt der Bonus einer Zusatzgeschichte mit Oscar, welche ursprünglich als DLC erschienen war, auch nicht ganz raus. Aber, für Adventure-Fans, die über das ein oder andere Manko hinweg sehen können, bietet Syberia 3 auch diesmal wieder ein rundum gelungenes Abenteuer. Auf der Nintendo Switch gibt es zusätzlich die Möglichkeit dieses auch unterwegs zu spielen, wodurch es sicherlich an Mehrwert gewinnt. Ich für meinen Teil konnte die Geschichte trotz der Mängel genießen und freue mich durchaus auf einen vierten Teil, sollte dieser jemals kommen. Bis dahin hoffe ich, dass man auch die Unity Game Engine in den Griff bekommen hat und technische Kinderkrankheiten in Zukunft passé sind.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

Syberia 3 für Nintendo Switch
Syberia 1 + 2 für Nintendo Switch

The Good

  • Eine völlig neue Geschichte
  • Tolles Setting und Atmosphäre
  • Oscar als Zusatzgeschichte
  • Soundtrack sehr stimmig

The Bad

  • Vollständiges 3D tut dem Spiel sichtlich nicht gut
  • Lippenanimationen und Synchronisation ein Graus
  • Framerateeinbrüche und lange Ladezeiten
6

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at