Super Mario Party

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Super Mario Party Review

Eine Party zum Durchfeiern.

Es war ein recht lauer März im Jahre 1999, als ich mit meiner Mutter und meinem noch im Kinderwagen sitzenden Bruder die Rückseite des Schlossberges in Graz hinab spazierte. Kurz zuvor durfte ich mir ein Geburtstagsgeschenk im Kastner & Öhler Kaufhaus aussuchen, worauf ich schon sehnsüchtig gewartet hatte. Die Wahl fiel natürlich auf das frisch veröffentlichte Mario Party für das Nintendo 64, welches mir nach dem Durchschmökern des damals brandaktuellen Nintendo Club Magazins aufgefallen war. Eine Party mit allen Nintendo Charakteren, die nach den heiß begehrten Sternen greifen. Das Rezept klang vielversprechend und hielt das, was ich mir erhofft hatte. Da ich niemals die beiden Fortsetzungen für das Nintendo 64 besessen hatte, kurbelten ich und mein Bruder mehrere hundert Spiele am ersten Teil herunter. Die Minispiel-Insel wurde natürlich ebenso inhaliert, wie alle anderen auffindbaren Boni – aufgeschürfte Handflächen inklusive. Es ist bis heute mein liebster Mario-Party-Teil, an dem ich einfach alles messe.

Die GameCube-Ära wurde mit ebenso großartigen Fortsetzungen beschmückt, welche dann wieder in meiner Sammlung Platz fanden. Nur als die Wii das Tageslicht erblickte, ging es mit der Franchise rapide bergab. Man änderte die Modi so vehement ab, dass es einfach keinen Spaß mehr machte und der ganze Nebeneffekt von zerstörten Freundschaften passé war. Selbst die Ableger auf der Wii U und am Nintendo 3DS waren nur mittelmäßig bis unspielbar und demnach lechzte die Mario-Party-Fanbase seit einer gefühlten Ewigkeit nach einem nostalgischen Erlebnis, wie damals. Seit der Veröffentlichung der Nintendo Switch macht Nintendo aber wieder erstaunlich vieles richtig. Spieleserien, die ihren Tiefpunkt auf der Wii U fanden, wurden magischerweise wiederbelebt und erhielten richtig gute Umsetzungen. War das nun die Chance für einen zweiten Mario-Party-Frühling?

Die Trailer zu Super Mario Party, welches durch die Abwesenheit der Zahl am Ende des Titels wohl einen Reboot der Serie symbolisieren soll, sahen bereits vielversprechend aus. Der “Mario Party Modus”, welcher in den letzten Teilen mit Füßen getreten wurde bzw. gar nicht inkludiert war, kehrt wieder zu seinen Wurzeln zurück: klassisches Brettspiel-Prozedere, jedoch mit neuen Kniffen! Das Prinzip ist leicht erklärt: ihr würfelt, zieht die gewürfelte Anzahl an Feldern nach vorn und versucht den Stern von Toadette abzukaufen. Zwischen jeder Runde spielt ihr ein Minispiel und sammelt Münzen, um euch den ganzen Spaß leisten zu können. So weit, so gut. Doch was sind nun die neuen Kniffe?

Zum einen haben sich die Würfel drastisch geändert. Hattet ihr vormals einen Würfel mit den Zahlen von eins bis zehn, so gibt es am Standardwürfel nun nur noch jene bis sechs. Jeder Charakter hat jedoch einen eigenen personalisierten Würfel, der verschiedene Möglichkeiten bietet. So hat Mario einen, welcher mehr Dreien enthält; Peach darf sich manchmal über +2 Münzen freuen; Wario hat eine ziemlich hohe Chance auf eine Sechs und Bowser kann sogar nach der Zehn greifen. Aber je besser die Würfel und höher die Zahlen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ihr auch eine Niete zieht. So können auf solchen Würfeln dann auch Nullen oder Münz-Abzüge enthalten sein. Immerhin muss das alles ja ausgeglichen bleiben.

Ein weiteres neues Feature, welches euch bei euren Würfen hilft, sind die Partner. Landet ihr auf einem Partner-Feld oder setzt ein dementsprechendes Item ein, so wird euch zufällig ein Charakter der diesmal recht großen Auswahl zugewiesen. Dieser stellt euch dann seinen personalisierten Würfel zur Verfügung, welchen ihr je nach Bedarf einsetzen könnt. Zusätzlich hilft er euch dann auch bei eurem Wurf und kann euch ein bis zwei zusätzliche Schritte am Spielfeld bringen. Ihr könnt in einem Spiel bis zu vier Partner aufsammeln und es zahlt sich allenfalls aus, um schnell zum nächsten Stern zu gelangen.

Apropos nächster Stern: dieser kostet nicht wie üblich zwanzig Münzen, sondern nur mehr lediglich zehn (abgesehen vom geheimen Spielbrett). Die Kosten und Boni haben sich aber generell geändert, wodurch wohl versucht wird, dass es ein ausgeglicheneres Spiel für jedermann ist. Eine reine Dominanz, wie zu guten alten Zeiten, ist nicht mehr möglich. Zum Start erhaltet ihr nur mehr fünf Münzen als Puffer und Siege in Minispielen bringen euch nur mehr acht Münzen statt zehn, da auch die Verlierer ein kleines Trostpflaster von zwei Münzen abbekommen und demnach sind auch Items in Super Mario Party nicht mehr unerschwinglich. Das ist auch gleichzeitig der erste Kritikpunkt, da das Spiel an sich viel zu leicht und harmlos wirkt. Außerdem erfordert es nicht mehr viel Aufwand, Sterne zu erhalten oder anderen eines Auszuwischen. Beispielsweise kostet die goldene Röhre, welche uns direkt zu einem Stern befördert, lächerliche zehn Münzen. Sterne von anderen durch Lakitu stehlen zu lassen, schlägt ebenfalls nur mit 30 Münzen zu Buche. Bei vergangenen Ablegern musste man tatsächlich noch hart dafür arbeiten, um an solch gute Boni zu kommen.

Grund dafür könnte aber die Gestaltung der neuen Spielbretter sein. Diese wirken auf den ersten Blick vielleicht recht interessant, doch es stellt sich schnell heraus, dass man hier enorm viel Potential verschenkt hat. Einerseits sind die Spielbretter allesamt rechteckig und obendrein auch noch relativ kurz. Es ist keine Kunst mehr, mehrere Sterne pro Runde zu ergattern, wenn man ein wenig Glück mit der Positionierung von Toadette hat. Die besten Spielbretter in Mario Party hatten nicht nur mehr Charme, sondern auch verwinkelte Wege, schiefe Ebenen und nette Gimmicks, wie beispielsweise das berühmte Zug-Level, wo sich ganze Wagon-Abschnitte verschieben konnten. Nun gleicht alles eher einem wahren Brettspiel, was im digitalen Zeitalter aber irgendwie schade ist, hätte man doch so viel mehr aus den Spielbrettern rausholen können. Abgesehen davon gibt es lediglich vier davon, wovon man drei von Anfang an genießen kann und das letzte erst freischalten muss. Außerdem ist das erste Spielbrett eine Miniatur-Version aus dem ersten Mario-Party-Teil und somit nichts wirklich Neues.

Die Minispiele, welche natürlich wichtigster Bestandteil eines Partyspiels sind, bieten eine durchaus ansehnliche Abwechslung. Mehr als 80 verschiedene davon sind diesmal mit an Bord. Eine angenehme Neuerung ist, dass ihr, um ein Minispiel zu üben, nicht mehr einen Testlauf starten müsst, sondern dies direkt und ohne Ladezeiten im Menü machen könnt, wo gleichzeitig auch die Steuerung erklärt wird. Seid ihr dann bereit, müsst ihr nur auf eine der Schultertasten drücken und schon beginnt der Spaß. Dabei stehen sowohl Geschicklichkeitsspiele zur Auswahl, bei denen ihr euch nur bewegt oder ausweicht; Zeitspiele, bei denen ihr schnell handeln müsst; Münzspiele, bei dem jeder eigentlich nur Gewinnen kann oder auch 1-vs-3 bzw. 2-vs-2 Aufgaben, die euere Teamfähigkeit auf die Probe stellen. Einige Spiele nutzen natürlich auch den Bewegungssensor eurer JoyCon-Controller, um beispielsweise einen Eisblock zu schaben bzw. auch deren HD-Rumble-Feature, mit dem ihr erfühlen könnt, in welcher Box die meisten Nüsse purzeln. Von den Minispielen sind die meisten recht unterhaltsam, aber natürlich gibt es auch einige Nieten, wie bei jedem Mario Party. Insgesamt ist die Variation jedoch eine recht gute.

Am Ende jeder Mario Party steht natürlich die Auswertung. Wer am Ende die meisten Sterne und Münzen gesammelt hat, der darf sich die Krone aufsetzen. Damit es eventuell noch eine Überraschung geben kann, dafür sorgen die (diesmal lediglich) zwei Bonus-Sterne am Ende, welche immer zufällig ausgewählt werden. Wer hat die meisten Minispiele gewonnen? Wer hat die meisten Münzen oder Partner gesammelt? Wer hat die meisten Aktions-Felder betreten? Ihr wisst schon.

Was gibt es sonst noch in der Welt von Super Mario Party zu entdecken? Nun, ich sage ganz bewusst “Welt”, da Nintendo sich vom klassischen Menü verabschiedet hat und euch nach anfänglicher Auswahl, mit wie vielen Konsolen und Spielern ihr euch ins Getümmel schmeißen möchtet, direkt in eine Art “Hub” setzt und ihr euch darin frei bewegen könnt. Es gibt verschiedene Toad-Stationen, an denen ihr einen beliebigen Spielmodus aktivieren könnt, wie eben auch den “Mario Party Modus”. Davon gibt es im übrigen nun auch eine kooperative Variante, welche eine Mischung aus Altbekanntem und Verhasstem ist. Zumindest, was meinen persönlichen Geschmack betrifft. Der in Frage gestellte Modus war aus Mario Party: Star Rush bekannt und stellt das übliche Gameplay auf den Kopf. Ihr habt keine vorgegebenen Felder mehr, sondern eine Art Raster, wo ihr einen beliebigen Weg wählen könnt. Einziger Kniff: ihr müsst sämtliche gewürfelten Felder aufbrauchen und könnt nicht einfach nur an Feldern oder auch Sternen “vorbeimarschieren”, um sie einzusacken.

Was uns in Mario Party: Star Rush noch aufgezwungen wurde und schlichtweg alleine spielend keinen Spaß gemacht hat, das funktioniert plötzlich mit der kooperativen Komponente. Ihr müsst geschickt zusammenarbeiten, um am Ende siegreich mit den meisten Sternen hervorzugehen. Dabei kann sich ein Spieler zum Stern vorarbeiten und der andere geht auf Partnersuche bzw. Münzjagd. Durch den Einsatz von Items könnt ihr euch dann auch zu eurem Mitspieler hin portieren, um die Chance auf doppelt so viele Sterne pro Runde zu erhöhen. Eure gewürfelten Zahlen werden übrigens zusammengezählt und dann einzeln gezogen. Sprich: ein Spieler würfelt eine Sechs, der andere eine Neun. Ergibt in Summe 15, die dann jeder Spieler mindestens ziehen darf. Boni, wie beispielsweise der Würfel eines aufgesammelten Partners oder eines Items werden dann aber jeweils pro Spieler verrechnet. Apropos Items: davon habt ihr auch einen gemeinsamen Pool. Ihr müsst euch also jederzeit absprechen, was die klügste und erfolgreichste Vorgehensweise wäre.

Ansonsten findet ihr auf der Party-Insel noch einige weitere Modi, welche euch die nötige Freizeit-Unterhaltung bieten. So könnt ihr in Toads Freizeitraum zwei Nintendo Switch Konsolen zusammenlegen und bildschirmübergreifend eine Handvoll Minispiele ausprobieren. Diese sind keinesfalls weltbewegend, aber es ist durchaus ein nettes Gimmick, welches für den ein oder anderen unterhaltsamen Moment sorgen wird. Im Raft-Abenteuer sitzt ihr zu viert in einem Schlauchboot und brettert die steilen Wasserströme runter. Dabei müsst ihr mittels JoyCon rudern, um Hindernissen auszuweichen und zwischendurch auch mal Minispielen absolvieren, um Zeit zu gewinnen, die benötigt wird, um ans Ende der Wasserhölle zu gelangen. Die Beat-Bühne stellt ein Rhythmusspiel dar, welches ebenfalls den Einsatz eures JoyCon fordert. Nur jene Spieler mit Taktgefühlt werden hier überleben. Der Pfad der Prüfungen, welcher bereits aus vorangehenden Mario-Party-Spielen bekannt ist, fordert von euch gewisse Ziele in Minispielen zu erfüllen, in denen ihr nacheinander antreten müsst.

Zu guter Letzt bleibt nur noch der Online-Modus, welcher nicht unbedingt wie Gold glänzt. Hier könnt ihr eine drastisch reduzierte Auswahl an Minispielen online gegen Freunde oder Spielern aus aller Welt spielen. Diese sind dabei in verschiedenen Cups eingeteilt, aus welchen ihr wählen könnt. Leider gibt es keinen Party-Modus oder andere Möglichkeiten online mit anderen Spielern zu interagieren. Aber die beste Party findet ohnehin auf der eigenen Couch mit Freunden statt und das fehlen eines Voicechats macht die Online-Problematik wohl auch nicht einfacher. Ihr könnt zwar die offizielle Nintendo App zum Chatten hernehmen, aber was für eine Farce das darstellt, brauche ich wohl nicht weiter zu erwähnen.

Fazit

Super Mario Party hat seine Momente. Es ist definitiv ein Fortschritt gegenüber den letzten Teilen und seit beinahe mehr als 15 Jahren endlich wieder ein Mario Party, welches man empfehlen kann! Auch wenn es einige Schattenmomente gibt, so überwiegt am Ende doch die Rückkehr zu den Wurzeln und dem damit verbundenen Spaß. Leider ist Nintendo aber auch auf die weiche Schiene aufgesprungen und hat das Spiel zu sehr an den Massenmarkt angepasst, welcher keine Ecken, Kanten und zerstörte Freundschaften möchte. Super Mario Party ist definitiv kein Hochsicherheitsrisiko für eure Beziehungen, aber dennoch recht lustig zu spielen. Wenn ihr nach einem gelungenen Partyspiel sucht, dann werdet ihr bei Super Mario Party endlich wieder fündig. Wir hoffen beim nächsten Mal jedoch wieder auf mehr Spielbretter und mutige Entscheidungen, die vielleicht wieder in tieffliegenden Controllern resultieren. Bis dahin darf aber erstmal gefeiert werden!


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Super Mario Party für Nintendo Switch

The Good

  • Der klassische Modus ist zurück!
  • Der Partner-Modus überzeugt mit der kooperativen Komponente
  • Minispiel-Auswahl durchaus gelungen und mit gutem JoyCon-Support
  • Neue Würfel und Partner

The Bad

  • Gameplay-Änderungen machen das Spiel eher unspannend
  • Wenige Spielfelder, die auch eher einfach gestrickt sind
  • Kein wirklicher Freundschaftszerstörer
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at