Steins;Gate Elite

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Steins;Gate Elite Review

Eine packende Geschichte für unterwegs.

Ich muss gestehen, dass ich mich vor Steins;Gate wenig mit visual novels auseinandergesetzt hatte. Für mich war diese Art von “Spielen” wenig ansprechend, da man selbst kaum Einfluss auf das Spiel hat und stattdessen  ja quasi auch ein Buch irgendwo mit hin nehmen und an seinem Lieblingsort lesen könnte. Doch dann kam die Nintendo Switch und siehe da: plötzlich finde auch ich Gefalle an visual novels. Die Portabilität der Konsole ist nun mal ein guter Buch-Ersatz, man muss nicht unzählige Stunden vor dem TV sitzen und auch die 08/15-Shooter und Battle-Royale-Klone, welche derzeit den Markt fluten, interessieren mich nun mal keinen Tau und ich lege lieber Wert auf eine gute Geschichte. Da hätte Steins;Gate Elite in seinem neuen Gewand zu gar keinem besseren Zeitpunkt auf den Markt kommen können.

Steins;Gate war im Jahre 2009 ursprünglich ein exklusiv für die Xbox 360 erschienenes japanisches Abenteuerspiel, was seinerzeit recht ungewöhnlich war. Damals versuchte Microsoft mit allen Mitteln Fuß im japanischen Raum zu fassen, was jedoch bis heute misslang. Aus dieser Zeit ist eben auch Steins;Gate, welches später auch auf Windows und sämtlichen Konsolen aus dem Hause Sony portiert wurde, inklusive der PlayStation Vita. Nun mögen vielleicht einige von euch aufschreien und sagen, dass bereits diese Version einen portablen Komfort gehabt hätte und nicht erst die Nintendo Switch. Schon klar, aber in Wahrheit war die PlayStation Vita eine Totgeburt und genau so wie die PSP für mich keine Option. Nachdem Sony irgendwann angefangen hat, die PlayStation Vita selbst totzuschweigen, gingen viele solcher durchaus interessanten Umsetzung für den ungeliebten Handheld leider in der Informationsflut unter. Vielleicht hätte ich sonst schon früher zu diesem Spiel gegriffen. Dieses war im Übrigen eine sehr rudimentäre Umsetzung mit jeder Menge Standbildern und zehntausenden Zeilen Text, durch die man sich wühlen durfte. Ich sage absichtlich “durfte”, denn die Geschichte, welche das Spiel erzählt, ist unglaublich gut. So gut, dass 2011 sogar ein Anime veröffentlicht wurde, welcher sich am Script des Spiels orientiert. Nach den durchwegs positiven Reaktionen und dem Erfolg des Anime hat man dem Spiel nun eine Neuauflage in elitärer Form spendiert. Man nehme das Script des Originals und die animierten Szenen aus dem Anime und füge diese zu einem wahren Gaumenschmaus für Otakus zusammen.

Die Geschichte des Spiels handelt von eben solchen Otakus, die aus Versehen eine Zeitmaschine erschaffen. Dafür herhalten musste eine prinzipiell stinknormale Mikrowelle, die sich jedoch praktischerweise mit einem Handy steuern lässt. Nach den Testversuchen ihrer doch recht simplen Idee konnte noch keiner ahnen, welche Auswirkungen ihre Aktionen haben würden. Die Zeit zu manipulieren war niemals ihre Absicht und so steht unser Hauptcharakter “Okarin” oft Situationen gegenüber, die er so gar nicht fassen kann, da er Dinge erlebt und gesehen hat, welche diese schlicht und einfach unmöglich machen. Ich kann und möchte an dieser Stelle gar nicht detaillierter auf die Geschichte eingehen, da das Spiel ja davon lebt und ich euch sonst eventuell etwas vorweg nehmen würde. Das was ich euch aber verraten kann, ist, dass ihr die Geschichte in verschiedene Richtungen lenken könnt. Ihr bekommt ab und an mal E-Mails aufs Handy geschickt, welche ihr mit unterschiedlichen Vorlagen beantworten könnt. Je nach eurer Entscheidung ändert sich die Geschichte ein wenig. Da dies im Anime nicht vorgesehen war, wurden viele dieser alternativen Szenen neu gezeichnet, animiert und vertont. Es wurden übrigens sämtliche japanische Original-Synchronsprecher dafür gewonnen, was das Ganze für Kenner des Anime zu einem wahren Fest macht. Die Texte liegen aber auch auf Englisch vor, wodurch man doch eine solide Grundkenntnis dieser Sprache mitbringen sollte, um die Geschichte voll und ganz genießen zu können. Deutsch als Option ist keine Wahl und scheint auch in Zukunft nicht zur Verfügung zu stehen. Bei mehr als 80.000 Zeilen Text aber mehr als nur verständlich.

Die Nintendo Switch Version hat einen exklusiven Bonus, welcher auf der PlayStation 4 bzw. PlayStation Vita nicht verfügbar ist: das 8-bit Adv Steins;Gate. Hier erlebt ihr in nostalgischer 8-bit-Manier die Geschichte in einem neu interpretierten Akihabara und in komprimierter Form. Wo man in Steins;Gate Elite gut und gerne mal 30-40 Stunden versenken kann, wird man die Stunden im 8-bit-Ableger eher auf einer Hand abzählen können und nicht mal alle Finger dafür benötigen. Ihr erlebt die rudimentäre Zusammenfassung der Geschichte auf eher unspektakuläre Art und Weise, indem ihr euren Charakter aus der Vogelperspektive steuert und immer wieder aus verschiedenen Dialogoptionen wählt, um weiterzukommen. Speichern kann man nicht, wodurch das Spiel von Anfang an so konzipiert war, wie NES-Spiele der guten alten Zeiten. Sprich: ihr müsst diese ein einer Sitzung durchspielen, sonst heißt es wieder zurück an den Start. Leider muss man gestehen, dass die PlayStation 4 bzw. PlayStation Vita Version zusammen mit einem viel attraktiveren Bonus kommen. Dort sind nämlich Geschichten enthalten, die zuvor niemals im Westen veröffentlicht wurden und gut und gerne mal 20-30 weitere Stunden an Unterhaltung bieten. Dafür kann die Nintendo Switch Version mit Portabilität punkten und ist für uns Europäer auch die einzige Version, die unterwegs genossen werden kann. Die Version für PlayStation Vita erscheint außerhalb Japans nämlich nicht, warum auch immer.

Fazit

Steins;Gate Elite ist ein visual novel zum Vollpreis. Welche Argumente hat man also, um einem das Spiel zu diesen Konditionen schmackhaft zu machen? Nun, es ist eine spielbare Geschichte, welche durch die animierten Szenen des Anime an Attraktivität gewonnen hat. Durch die Liebe zum Detail und den völlig neuen Szenen ist auch für Kenner des Originals bzw. des Anime etwas dabei, das einen Kauf rechtfertigen könnte. Die Geschichte selbst ist hervorragend und richtig interessant. Wer sich für Zeitreisen interessiert und schnell mal 30 Stunden in der Materie versenken möchte, dem kann ich das Spiel nur wärmstens empfehlen. Ansonsten muss man so ehrlich sein und sagen, dass Steins;Gate Elite sicherlich ein Nischenprodukt und definitiv nicht für jedermann ist. Unter dem Strich bleibt aber ein positives Erlebnis zurück, das man als Otaku sicherlich nicht missen möchte!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Steins;Gate Elite für Nintendo Switch
Steins;Gate Elite für PlayStation 4

The Good

  • Das Original in elitärer Umsetzung mit Szenen aus dem Anime
  • Neue Szenen für alternative Geschichtsverläufe
  • Sprachausgabe in Japanisch
  • Interessante Geschichte rund um Zeitreisen und Intrigen

The Bad

  • Teilweise zensierte Szenen bei Gewaltdarstellungen
  • Nur englischer Text und somit für alle, die nicht sattelfest in dieser Sprache sind, eine Herausforderung

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at