Star Wars: Battlefront II

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Star Wars: Battlefront II Review

Die dunkle Seite der Videospielindustrie hat zugeschlagen.

Star Wars: Battlefront II hatte keine leichten Wochen bereits vor und auch nach der Veröffentlichung. Die anhaltende Welle an Empörung seitens der Star Wars Fans und der Videospiel-Community wollte aufgrund des richtig üblen Pay2Win-Geschmacks nicht abreißen. Doch was ist bislang eigentlich passiert? Für all jene, die hinter dem Mond leben, eine kleine Zusammenfassung.

Star Wars: Battlefront II konnte bereits in der Beta-Phase als auch im EA Access keineswegs überzeugen. Schuld daran war die Kombination der Lootboxes und der Ausbeute an Credits, die man durch das Spielen von Star Wars: Battlefront II erlangen konnte. Die Charaktere im Spiel konnte man nur durch eine irrwitzige Anzahl an Credits freischalten, wovon man alleine für Darth Vader 60.000 an der Zahl benötigte, was sich wiederum in rund 40 Spielstunden ummünzen hat lassen. 40 Stunden Grinding nur für einen einzigen Charakter – hat man davon mehrere im Auge, darf man zu dieser Zeit ruhig noch ein bisschen was dazu addieren. Zudem war die Vergabe der Credits durch das Spielen diverser Modi alles andere als großzügig. Lediglich 200-300 Credits konnte man nach einer Partie erlangen, die gut und gerne mal 15 Minuten eurer Zeit in Anspruch nehmen konnte. Aber das alleine war nicht das eigentliche Problem, sondern die Tatsache, dass man sich mit Echtgeld eine zweite Währung im Spiel kaufen konnte, die einen schnelleren Weg zum Erfolg ebnen sollte. Aber selbst da zeigten Versuche, dass man für gekaufte Lootboxes um sage und schreibe 200 US-Dollar nicht einmal die Hälfte des Weges bis zu Darth Vader schaffen konnte.

Obendrein gibt es auch noch so genannte Sternenkarten, die ihr für eure Charaktere benötigt. Diese werden euch aus den Lootboxes gewährt, wenn ihr eine davon kauft und sie öffnet. Es gibt jedoch keine garantierten Sternenkarten, sondern immer rein zufällige und auch nicht unbedingt immer bessere, als man sie schon hat. Selbst für Charaktere, die man niemals spielen möchte, muss man diese unfreiwilligen Geschenke annehmen. Das Ganze war so sehr vom Glück abhängig, dass sogar die Glücksspiel-Aufsichtsbehörde auf das Spiel aufmerksam wurde und das Thema Lootboxes in Videospielen bereits in einigen Staaten dieser Welt zu einer großen Debatte wurde. Belgien beispielsweise, leitet bereits sämtliche Schritte dagegen ein und auch die Niederlande, Australien und Hawaii beschäftigen sich mittlerweile damit. Rechtzeitig zur Veröffentlichung des Spiels für den freien Markt (EA Access gibt Spielern bereits eine Woche davor Zugang), zog man jedoch die Notbremse und eliminierte die Möglichkeit – nach eigenen Aussagen “temporär” – für Echtgeld Credits und folglich damit Lootboxes zu kaufen. Aber nicht aus eigenem Willen oder einem Samariterakt, sondern aufgrund dessen, dass über dieses geldgierige Vorhaben bereits in den Mainstream-Medien berichtet wurde und Disney, dem Inhaber der Franchise, das überhaupt nicht schmeckte. Man könnte fast schon von Rufschädigung der Star Wars Marke reden. Die kolportierten Konsequenzen seitens Disneys wurden zwar niemals bestätigt, doch Electronic Arts wäre vermutlich das Lachen vergangen. Was bleibt war ein Spiel, das vorne und hinten nicht mehr zusammenpasste. Einerseits besteht weiterhin das alte Grundgerüst, andererseits gibt es kein aktives Pay2Win mehr. Alle Aussagen seitens des Entwicklers oder Publishers waren damit als ultimative Lüge entlarvt, da diese immer behauptet hatten, dass die Möglichkeit der Echtgeldinvestition keinerlei Einfluss auf das Spiel hat. Nun, wäre dem so gewesen, hätte man nicht einige Patches benötigt, um die Kosten der Charaktere zu senken oder die Belohnungen am Ende einer Schlacht zu erhöhen. In der Vergangenheit war es nämlich egal, ob ihr gut oder schlecht gespielt habt – die Credits, die ihr erhalten habt, waren beinahe gleich viele. Der Arcade-Modus hatte die Credit überhaupt gesperrt, solltet ihr zu lange daran Spaß gehabt haben. Das gehört nun fast alles der Vergangenheit an – mit Müh und sehr viel mehr Not.

Leider bleiben einige Probleme nach wie vor bestehen. Beispielsweise die Tatsache, dass Spieler, die davor Echtgeld investiert hatten, ihre Sternkarten und Charaktere behalten durften. Sternkarten an sich sind meiner Meinung nach ohnehin das größte Problem des Spiels, denn ihr habt niemals die Chance, ein ausgeglichenes Gefecht zu spielen, bei dem es auf euren Skill ankommt. Ihr habt von Anfang an unterschiedliche Chancen, wie in einem MMO. Je besser eure Ausrüstung ist, desto besser seid ihr aufgestellt. Bei einem Multiplayer-Spiel, bei dem es auf Skill ankommen sollte, ein absolutes No-Go. Als neuer Spieler oder jemand, der ohnehin schon den Vollpreis für das Spiel bezahlt hat und es auch dabei belassen möchte, gibt es keinerlei andere Möglichkeit, als sich endlos lange durch das Spiel zu würgen und darauf zu hoffen, dass man aus den Lootboxes, die man sich nach wie vor kaufen muss, brauchbare Sternkarten erhält, um seinen Charakter stärker zu machen. Oder zumindest irgendeinen Charakter, denn ein gezieltes Aufpowern ist de facto nicht möglich. Da hilft es dann auch wenig, dass man aus der dritten “Währung” im Spiel die einzelnen Fähigkeiten freischalten kann, um zumindest ein wenig mithalten zu können.

Sehen wir aber mal komplett von dieser Problematik ab, gibt es fünf euch zur Verfügung stehende Modi, die ihr mit bis zu 40 Spielern gleichzeitig spielen könnt. In ‘Galaktischer Angriff’ kämpft ihr auf riesigen teamorientierten Karten gegeneinander. Ihr könnt dabei lediglich aus Trupplerklassen wählen, jedoch einige Vehikel steuern und beim Erfüllen einiger Missionen helfen. In ‘Sternenjäger-Angriff’ gilt es wiederum Geschick beim Hantieren von Flugobjekten zu beweisen. Es gibt ebenfalls Missionen, die ihr im Auge behalten müsst, um am Ende Siegreich aus dem Gefecht hervorgehen zu können. ‘Helden vs. Schurken’ bietet euch klassisches vier-vs-vier mit den beliebtesten Star Wars Charakteren. Sofern ihr zumindest euren Helden freischalten konntet. Ihr seid abwechselnd das Ziel der Begierde und müsst entweder überleben oder den anderen den Garaus machen. ‘Angriff’ bietet euch Missionsziele in einer Schlacht acht-vs-acht und ‘Gefecht’ steckt jeweils zehn Spieler in enge Räume und lässt diese auf einander los. Ich persönlich finde ‘Galaktischer Angriff’ zu unübersichtlich und ‘Sternenjäger-Angriff’ auf Dauer zu hektisch, aber zumindest letzteren Modus wirklich gut. Man merkt, dass Criterion Games hier ihre Finger im Spiel hatte. ‘Helden vs. Schurken’ kann durchaus überzeugen und macht eigentlich eine Menge Spaß, wenn man gleich starke Gegner findet. ‘Angriff’ hat ebenfalls das gewisse Etwas, aber der ‘Gefecht’-Modus sagt mir leider überhaupt nicht zu. Fazit: ein etwas durchwachsenes Erlebnis.

Und dann war da noch der Story-Modus, welcher nach rund fünf Stunden vorbei ist. Abgesehen davon, dass jede einzelne Cutscene ruckelt, ist dieser auch in Hinsicht auf die eigentliche Geschichte keine große Nummer. Vor allem Hauptcharakter Iden Versio ist keinesfalls ernst zu nehmen. Anfangs kämpft sie noch für das Imperium, da ihr Vater ein verbissener Untergebener Darth Vaders ist, doch später läuft sie quasi von einem Moment auf den anderen zur guten Seite der Macht über, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Kurz davor hatte sie noch mit Freude sämtliche Rebellen abgeknallt. Außerdem vertraut ihr Lando Calrissian quasi blind und lässt sie “nur machen”. Jemand, der etwas Wert auf die Story legt, knallt bei dieser nicht nur ein paar mal den Schädel kräftig gegen die Wand. Aber gut, es wurde ja auch offiziell bestätigt, dass der Story-Modus schnell zum Abschluss gebracht werden musste, da die Deadline der Veröffentlichung des Spiels viel zu nahe gerückt ist. Nun, Releasedatum kommt eben nun mal vor der Qualität eines Spiels, wie Electronic Arts einmal mehr beweist.

Fazit

Der Grund, warum das Review für Star Wars: Battlefront II so lange benötigt hat, war, dass quasi wöchentlich neue Patches veröffentlicht wurden, die das Spielerlebnis  komplett anders wirken lassen. War es in der Beta- als auch EA-Access-Phase noch ein reines Pay2Win-Spektakel, so mausert es sich schön langsam zu einem spielbaren Produkt ohne Seele hin. Dennoch bleibt es eine absolute Katastrophe, was hier Electronic Arts abgezogen hat und wie man an Need for Speed Payback oder auch UFC 3 erkennen kann, wird sich die schier endlose Geldgier des Konzerns so schnell auch nicht ändern. Schade, denn Star Wars: Battlefront II hätte etwas wirklich Gutes werden können. Spieler, die man anfangs mit Pay2Win abgeschreckt hat, kommen aber jetzt nicht wieder und all jene, die noch dabei sind, sind es wohl auch nur, weil sie nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen. Offen und ehrlich gesprochen ist Star Wars: Battlefront II definitiv keinen Blick wert, da es derzeit wie Frankensteins Monster wirkt. Nicht Fisch, nicht Fleisch und an allen Ecken sind noch die Überreste des Pay2Win-Systems zu erkennen und diese werden es auch niemals gänzlich aus dem Spiel schaffen. Wer weiß, wie lange die temporären Änderungen anhalten werden? Vielleicht nur so lange, bis die Medien das Thema nicht mehr aufgreifen oder bis der neue Kinofilm dieser Tage anläuft? Wir wissen es nicht. Aber auch ohne diesem Wissen lässt sich sagen: lasst lieber die Finger von Star Wars: Battlefront II.

Hinweis

Die Wertung des Spiels bezieht sich nicht auf den Inhalt während der Beta- oder EA-Access-Phase, sondern zum Zeitpunkt des Reviews am 12. Dezember 2017. Zu diesem Zeitpunkt ist der Pay2Win-Aspekt gewaltig reduziert worden und Belohnungen im Form von Credits, sowie Kosten für Charaktere wurden auf eine akzeptable Menge angepasst. Wir können jedoch nicht garantieren, dass dies so bleibt und warnen daher vorsichtshalber vor weiteren Verschlimmbesserungen seitens Electronic Arts zu einem späteren Zeitpunkt!

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.


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The Good

  • Microtransactions sind zum Zeitpunkt des Reviews nicht mehr im Spiel

The Bad

  • Lootbox-Galore
  • Bitterer Pay2Win-Beigeschmack
  • Im derzeitigen Zustand gut spielbar, jedoch aufgrund von Sternkarten nicht ausgeglichen
  • Story-Modus ziemlich schwach und kurz
4

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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