South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe

By on on Reviews, 2 More

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe Review

Nächster Halt: South Park – Teil zwei.

Nach dem unerwartet großartigen Einstieg in die Videospielewelt von South Park – Der Stab der Wahrheit, legt man bei Ubisoft nun mit einem nicht minder verwerflichen zweiten Teil nach. Die Viertklässlertruppe rund um Eric Cartman aka. „The Coon“ lädt wieder zu einem neuen verrückten Abenteuer ein, welches euch nicht nur quer durch alle Klischees dieser Welt führt, sondern auch durch die Zeit reisen lässt.

Die rektakuläre Zerreißprobe setzt direkt an die Geschehnisse aus Der Stab der Wahrheit an. Diesmal begeben sich Cartman & Co. in ein Superhelden-Abenteuer, welches auf der Straße ausgefochten wird. Es entsteht jedoch bald eine hitzige Diskussion über Cartmans Franchise-Pläne für Superhelden-Filme und -Serien. Folglich schließen sich die Kinder unterschiedlichen Gruppen an – die einen bei Coon & Friends geführt von Eric Cartman und der Rest bei den Freedom Pals, welche unter den Fittichen von Timmy stehen. Ihr seid das „New Kid“ in der Stadt, und schmeißt euch auf die Seite von Coon & Friends, doch es bleibt nicht bei einer simplen Spielerei. Vielmehr kollidieren die Franchise-Pläne der beiden Gruppen so sehr, dass das Ganze zu einem Krieg zwischen den Fraktionen eskaliert. Um Coon & Friends die Oberhand gewinnen zu lassen, ergreift Cartman kurzerhand die Initiative. Er möchte eine verschwundene Katze wiederfinden, die auf allen Plakaten der Stadt zu sehen  ist. Mit dem Finderlohn von einhundert Dollar möchte er seine Superhelden-Franchise kickstarten und so den Freedom Pals zuvorkommen. Die Suche nach dem Fellknäuel beginnt.

Nach der anfänglichen Zusammenstellung eures Charakters und der Einstellung des Schwierigkeitsgrades über eure Hautfarbe (je dunkler, desto schwieriger), merkt man bereits, dass sich South Park – wie gewohnt – kein Blatt vor den Mund nimmt. Rassen, Prostituierte, Minderheiten oder auch die Kirche werden knallhart an den Pranger gestellt, auf ihre eigene, aber lustige Art und Weise. Man braucht viel schwarzen Humor, viel Toleranz und einiges an Durchhaltevermögen, um all das konsumieren zu können. Eines vorweg: das Spiel richtet sich am allerwenigsten an die breite Masse da draußen, denn dafür ist diese nicht geschaffen. Doch die gesellschaftskritischen Momente dieses Spiels, dürfen durchaus auch von South Park Neulingen mit einem gewissen zweiten Hintergedanken konsumiert werden.

Das Spiel an sich ist ein klassisches Rollenspiel, welches einem roten Faden der Geschichte folgt. Es gibt zwar einige optionale Nebenmissionen, aber die Anzahl derer ist überschaubar. Der Fokus liegt hier klar auf den Geschehnissen rund um die Hauptcharaktere und den Franchise-Plänen der Kids. Das Spiel vermittelt euch höchst interaktiv alles Wissenswerte über das Kampfsystem, euren Charakter und dessen Klassen. Ihr habt einen Pen & Paper Charakterzettel vor euch, der nach und nach gefüllt wird. Welches Geschlecht habt ihr, welche sexuellen Vorlieben, welcher Rasse und Religion gehört ihr an – das alles und noch einiges mehr bindet sich geschickt in die Geschichte ein und zaubert einige Schmunzler auf euer Gesicht. Und wo wir gerade bei Klassen waren: ihr werdet ihm Spiel anfangs zwar nur aus einer Klasse wählen können, im Laufe des Spiels jedoch aus bis zu vier verschiedenen, ehe ihr am Ende sogar das beste aus allen Welten erhalten könnt. Jede Klasse hat seine Vor- und Nachteile und sobald ihr die zweite Klasse erlernt habt, könnt ihr die Attacken nach Belieben kombinieren. Von denen habt ihr übrigens vier verschiedene: drei normale Attacken und eine Super-Attacke.

Auf dem rechteckigen Spielfeld, welches in kleine Quadrate eingeteilt ist, könnt ihr euch pro Zug eine Gewisse Anzahl an Feldern bewegen und eure Attacke abfeuern. Attacken haben jedoch eine gewisse Angriffsstruktur. Manche sind nur ein Feld voraus wirksam, andere wiederum haben einen Effekt auf alle an eure Position angrenzenden Felder, wiederum andere gehen quer drüber oder in Tetromino-ähnlichen Formen. Zudem müsst ihr auch nicht alleine Kämpfen. Bis zu drei weitere Verbündete könnt ihr gleichzeitig aufs Feld schicken und jederzeit vor dem Kampf auswechseln. Das Kampfgeschehen selbst ist genau so verrückt, wie der Rest des Spiels. Es wird geschimpft, geflucht und sämtliche Aktionen auf die witzigste Art und Weise kommentiert. Es ist zwar ein sehr generisches Kampfgeschehen und vielleicht auch nicht das tiefgründigste, aber dennoch eines, welches unterschiedliche Taktiken bei unterschiedlichen Widersachern benötigt. Ihr werdet jedenfalls unterhalten sein.

Dann wären da noch eure Verbündeten, die auch in South Park helfen, neue Gebiete zu erreichen. Sei es starke Insulin-Muskelprotze, durch die Lüfte fliegende Hamster, die euch Zugangskontrollen hacken lassen oder auch Staubsauger, die LEGO-Lava-Steine beseitigen. All diese Hilfen schwören jedoch auf eure Fürze, die dafür herhalten müssen. Sie bieten die nötige Flug- oder Motivations-Kraft, um all das bewerkstelligen zu können. Selbst im Kampf geben sie euch einen Vorteil. Ihr könnt so gegnerische Züge überspringen oder die Zeit anhalten, um euren Kontrahenten eins auf die Nase zu geben. Am Ende ermöglichen Morgan Freemans Burritos in Kombination mit euren Fürzen dann sogar, durch die Zeit zu reisen, was jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Spätestens ab dann bekommt der doppeldeutige Originaltitel The Fractured But Whole eine ganz neue Bedeutung. Großartig!

Ansonsten spielt sich Die rektakuläre Zerreißprobe recht solide, erfindet aber keinesfalls irgendwelche Räder neu. Es ist eine unterhaltsame rund zwölf-stündige Reise durch die verrücktesten und oftmals auch geschmackslosesten Witze und Plots dieses Universums. Viel gibt es an diesem Spiel nicht auszusetzen, aber auch nicht mehr vieles, was herausstechen würde. Für South Park Fans und allen, denen bereits Der Stab der Wahrheit gefallen hat, braucht es keine zweite Überlegung, um auch hier zuzugreifen. Aber alle, die mit beidem bislang nichts anfangen konnten, sollten lieber die Finger davon lassen. South Park ist eigen – sehr, sehr eigen. Und wer die Toleranz dafür nicht aufbringen kann bzw. den Kontext dahinter nicht versteht, der wird keine Freude darin finden können. Es ist eben Satire auf höchstem Niveau.

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die Bereitstellung eines Testmusters.


Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden 🙂

The Good

  • Solide Fortsetzung des ersten Teils
  • Teils wirklich geniale Anspielungen
  • Komplett mit Sprachausgabe und Originalstimmen

The Bad

  • Nicht für jedermann
  • Teils generisches Kampfsystem
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at