Sid Meier’s Civilization VI

By on on Reviews, 2 More

Sid Meier’s Civilization VI: Rise and Fall Review

Das Strategiespektakel wird noch besser.

Beitrag von Ronja Antesberger

Knapp anderthalb Jahre ist es nun her, dass wir uns Civilization VI im Detail angeschaut haben. Auch nach dem Review folgten stundenlange Sessions im Ringen um die Weltherrschaft. Wer kennt es nicht, das vielzitierte “nur noch eine Runde…”? Mit Rise and Fall veröffentlicht Firaxis nun die erste volle Erweiterung und mit ihr ein großes Bündel an neuen Inhalten, signifikanten Änderungen an der Spielmechanik und verspricht eine Verbesserung der häufig bemängelten KI.

Vollgepackt mit schönen Sachen

Neben den zu erwartenden neuen Inhalten wie neuen Welt- und Naturwundern, neuen Nationen und Anführern wartet Rise and Fall mit einer ganzen Reihe Neuerungen im Gameplay auf. Das neue Loyalitätssystem macht es nun möglich, Städte auch friedlich an unser wachsendes Reich anzuschließen. Die Gouverneure mit ihren einzigartigen Boni und Mechaniken machen die Spezialisierung von Städten noch wichtiger als im Hauptspiel und die neue Zeitaltermechanik verwandelt die mitunter langatmigen Spielrunden in kurzweilige, kürzere Abschnitte mit Zwischenzielen und einer Zeitleiste, auf der sich all unsere Erfolge und Errungenschaften nachverfolgen lassen.  Die verbesserten KI-Gegner können wir nun in spezialisierten Allianzen an uns binden oder uns in einem Notfall kurzfristig gegen einen übermächtigen Gegenspieler verbünden.

Neue Nationen, neue Herrscher

Natürlich wäre Rise and Fall keine Civilization Erweiterung ohne neue Nationen und Herrscher. Ihr habt die Wahl zwischen kriegerischen Völkern wie den Mongolen oder Zulu, den wissenschaftsorientierten Koreanern, den Schotten, welche die Zufriedenheit und den Wohlstand ihres Volkes unter anderem mit Golfplätzen sicherstellen und den handelsorientierten Niederlanden sowie Cree. Mit Georgien und den Mapuche gibt es zwei neue Herrscher, die besonders im Einklang mit den neuen Features der Loyalität, Gouverneure und Zeitaltern sind – und nicht zuletzt erhält Indien mit Chandragupta einen zusätzlichen Herrscher, der eine militärischere Strategie verfolgt, wie schon Ghandi aus dem Hauptspiel.

Lenke dein Schicksal: Zeitalter für Zeitalter

Die für mich spannendste Neuerung mit Rise and Fall ist die Einführung der Zeitaltermechanik. In jedem Zeitalter von der Antike bis ins Informationszeitalter müssen wir eine Mindestzahl der neuen Zeitalterpunkte sammeln, um ein goldenes Zeitalter zu erreichen oder um zumindest nicht in ein dunkles Zeitalter abzustürzen. Mit Anbruch eines neuen Zeitalters können wir Spezialisierungen auswählen, die unsere Strategie von nun an beeinflussen. Besonders im frühen Spiel gibt es besonders viele Punkte für das Erkunden der Karte und die Vernichtung von Barbaren. Wählen wir zum Beispiel Extrapunkte für angeschlossene Handelsrouten aus, müssen wir uns auf möglichst kurze und viele Handelsrouten konzentrieren, um das Soll zu erfüllen. Für andere Spezialisierungen müssen wir unsere Wissenschaftsgebäude oder Flughäfen ausbauen.

Auf der Zeitleiste können wir unsere Errungenschaften jederzeit nachschauen.

Geht es sich einmal nicht ganz aus, so können wir in einem dunklen Zeitalter aus neuen, zum Teil sehr starken Politiken wählen, die einzigartige Boni verknüpft mit jeweils einigen Mali bieten. Je nach Spielweise kann es sich aber lohnen, diese Nachteile in Kauf zu nehmen. Alles in allem bewirkt die Zeitaltermechanik, dass die lange Civilization Partie in kleinere, überschaubarere Häppchen aufgeteilt wird, mit spannenden Zwischenzielen aber auch der Möglichkeit, sich von Abschnitt zu Abschnitt in einem gewissen Maß neu auszurichten, sollte die vorherige Strategie nicht zum Erfolg führen. Wenn wir es nach einem dunklen Zeitalter schaffen, direkt genug Punkte für ein goldenes Zeitalter zu sammeln, läutet unsere Zivilisation ein heroisches Zeitalter – wieder mit eigenen Spezialisierungen – ein. All unsere Errungenschaften und historischen Ereignisse können wir jederzeit in der neuen Zeitleiste wieder durchleben.

Gouverneure und die Loyalität

Das Loyalitätssystem ist neben den Zeitaltern die grösste Neuerung in Rise and Fall und hat den größten Einfluss auf das allgemeine Spielgefühl. Städte weisen nun einen Loyalitätswert auf, der durch diverse Faktoren positiv sowie negativ beeinflusst wird. Zufriedene Bürger, die Nähe anderer Städte unseres Reichs oder eingesetzte Gouverneure haben einen positiven Einfluss, während beispielsweise zu nah angrenzende Städte unserer Gegner, der Fall in ein dunkles Zeitalter oder feindliche Spionageaktivitäten einen negativen Effekt ausüben.

Je nachdem, wie sich die Loyalität einer Stadt entwickelt, können die Bürger rebellieren und die Stadt spaltet sich von der jeweiligen Nation ab. Es ist nun uns überlassen, ob wir sie mit militärischer Gewalt (zurück)erobern oder warten, bis der Loyalitätsdruck der Umgebung die freie Stadt dazu bewegt, sich uns oder im schlimmsten Fall unserem Gegner anzuschliessen. Diese Mechanik erlaubt auf der einen Seite, mit gut platzierten und ausgebauten Grenzstädten unser Gebiet stetig auszuweiten, macht aber das Siedeln auf einem von einem anderen Spieler dominierten neuen Kontinent fernab unserer Hauptstadt zu einer großen Herausforderung.

Mit jedem Gouverneurstitel stellt sich die Frage: Neuer Rekrut oder Upgrade eines bestehenden?

Neu mit Rise and Fall können wir nun Gouverneure in unseren Städten (und im Fall von Gouverneurin Amani auch in Stadtstaaten) einsetzen. Ein Gouverneur erhöht die Loyalität der Bürger in dieser und je nachdem auch in angrenzenden eigenen oder fremden Städten signifikant. Darüber hinaus weist jeder der sieben Charaktere ganz spezifische Boni auf, die wir nach und nach mit den neu im Forschungs- und Ausrichtungsbaum freischaltbaren Gouverneurstiteln ausbauen können. Während Amani hervorragend einsetzbar ist, um Städte an unseren Reichsgrenzen zu stärken und vielleicht sogar fremde Städte dazu zu bewegen, sich uns anzuschliessen, können wir mit anderen die Stärke militärischer Einheiten im Stadtgebiet oder die Effizienz von Wissenschafts- und Theaterbezirken erhöhen.

Allianzen und Notfallbündnisse

Allianzen kennen wir schon aus dem Hauptspiel – mit Rise and Fall erfahren sie jedoch eine notwendige Überarbeitung, die sie komplexer und interessanter machen. Nun ist es uns möglich, Wirtschafts-, Kultur-, Wissenschafts-, Religions- oder Militärallianzen mit unseren Mitspielern zu formen. Wir können immer nur eine Allianz eines Typs aufrecht erhalten, also sollte unsere Wahl mit Vorsicht getroffen werden. Mit einer Wissenschaftsallianz bekommen wir beispielsweise Wissenschaftsboni auf alle Handelsrouten. Haben wir über längere Zeiten eine Allianz, so steigen wir mit diesem Mitspieler im Allianzlevel auf, was bessere Boni mit sich bringt. Es macht also Sinn, eine Allianz passend zu unserem angestrebten Sieg mit einem mit uns freundschaftlich verbundenen Mitspieler zu gründen, mit dem wir auch schon bestehende Handelsrouten teilen.

Positiver und negativer Loyalitätsdruck wirken auf unsere Stadt ein.

Im Hauptspiel war der Angriff eines übermächtig gewordenen Mitspielers mit viel Vorbereitung verbunden, wenn wir nicht üble Kriegstreibermali riskieren wollten. Mit der Erweiterung wird nun die Mechanik des “Notfalls” eingeführt. Bei einem Notfall können sich Spieler gegen einen anderen miteinander verbünden – zum Beispiel, wenn dieser nah am Sieg ist, eine fremde Stadt eingenommen oder eine starke Machtdemonstration wie einen Atomschlag ausgeführt hat. Man sollte sich allerdings gut überlegen, ob man beim Notfall mitmacht: es gilt das angegebene Ziel gemeinsam in einer festgelegten Anzahl an Runden zu erreichen. Bei einem Erfolg teilen sich alle teilnehmenden Spieler die Belohnung, bei einem Misserfolg kann aber das Ziel des Notfalls selbst starke Boni erhalten. Man sollte sich die Teilnahme oder gar das Starten eines Notfalls somit sehr gut überlegen.

Fazit

Rise and Fall ist eine solide Erweiterung zu einem stolzen Preis (€29,99). Der erste große DLC ist nicht im Season Pass der Digital Deluxe Edition enthalten, wie die vorangegangenen sechs kleineren DLCs, die neue Nationen, Herrscher und Szenarien beinhalteten. Dies sorgt in der Community nicht nur für Jubelschreie. Rise and Fall bietet allerdings tiefgreifende Änderungen an der Spielmechanik, die meiner Meinung nach das Spiel kurzweiliger gestalten und die es besonders Spielern, die nicht auf eine militärische Übermacht aus sind, sondern mit Wissenschaft und Kultur siegen möchten, wesentlich interessanter macht. Die neuen dunklen, goldenen und heroischen Zeitalter fühlen sich fast wie ein Spiel im Spiel an, das Loyalitätssystem lässt uns permanent um die Städte am Rande unseres Reiches bangen oder beschert uns Erfolgserlebnisse, wenn Städte benachbarter Reiche lieber zu uns gehören möchten als zum Gegner. Wer sich richtig in das Mikromanagement seiner Städte reinfuchst, kann hier besonders viel rausholen. Die neuen spezialisierten Allianzen verleihen der Kommunikation mit anderen Nationen in Partien gegen die KI etwas mehr Tiefe und die KI selbst macht einen weniger dummen Eindruck als noch im Originalspiel (siehe unser Review). Für Fans und Vielspieler des sechsten Teils der Serie ist das Addon definitiv ein Muss.

The Good

  • Loyalitäts- und Zeitaltermechaniken verändern das Spiel signifikant und machen es dynamischer
  • Nicht-militärische Siegesbedingungen bekommen einen großen Boost und machen nun richtig Spaß
  • Interessante neue Herrscher besonders auch für nicht-militärische Spieler (angespielt haben wir Wilhelmina, Poundmaker und die Schotten)

The Bad

  • Die Aktionen der KI sind nach wie vor nicht immer nachvollziehbar
  • Die Auswirkung von Zeitaltern könnte noch signifikanter sein
  • Mikromanagement wird noch wichtiger (z.B. Bürger)
  • Hoher Preis und nicht im Season Pass enthalten
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

No comments yet.

Leave Your Reply