Sid Meier’s Civilization VI

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Sid Meier’s Civilization VI: Gathering Storm Review

Sid Meier’s Civilization VI greift nach ungeahnten Höhen.

Es ist mir nach den letzten Monaten eigentlich fast schon unerklärlich, wie viel Liebe seitens der Entwickler und auch Publisher dieser Tage noch in so manches Videospiel gesteckt werden kann. Es scheint sich wohl oder übel der Trend durchzusetzen, ein unfertiges Spiel auf den Markt zu werfen und anschließend links liegen zu lassen, ungeachtet dessen, ob diese Veröffentlichungspolitik dem eigenen Ansehen schadet. Doch dann gibt es wiederum Firaxis Games unter der Haube von 2K Games, die offenbar nicht genug von der eigenen 4X-Simulation bekommen können und Sid Meier’s Civilization VI nun mit der Erweiterung Gathering Storm bereits zum zweiten Mal mächtig ausbauen. Diesmal dreht sich vieles um Naturkatastrophen, die erstmals ins aktive Spielgeschehen eingreifen können und euch somit viel mehr Strategiedenken abverlangen, als es das bislang nötig war. Wie schon im tatsächlichen Hier und Jetzt bereitet uns die Erderwärmung durch den rücksichtslosen Umgang mit der Natur nun auch in Civilization reichlich Kopfzerbrechen. Baut ihr beispielsweise Kohlewerke oder andere Gebilde, welche die Atmosphäre belasten, so wird sich diese eines Spieltages mal rächen. Die globale Temperatur wird steigen, die Polkappen werden schmelzen, der Meeresspiegel wird nach oben schießen und damit Überflutungen auslösen oder gar ganze Bevölkerungen verschlingen. Auch Tornados oder Vulkanausbrüche stehen auf der Tagesordnung und zwingen euch zu taktisch vorkehrenden Entscheidungen. Je nach Schwierigkeitsgrad oder manueller Einstellung variiert das Auftreten dieser Umweltkatastrophen, sorgt aber allenfalls für frischen Wind und bringt auch Vorteile mit sich. So hinterlassen überflutete Stellen beispielsweise fruchtbaren Boden, welcher wiederum zum Ressourcenanbau genutzt werden kann.

Prinzipiell ist eine Naturkatastrophe jedoch nicht herbeizusehnen und bestenfalls zu vermeiden. Dazu habt ihr nun beispielsweise die Möglichkeit Staudämme zu bauen, mit denen ihr Überflutungen abfangen könnt. Um so etwas in Zukunft vermeiden zu können, ist es nun auch möglich, Strom zu erforschen und diesen für saubere Energie zu nutzen. Dazu könnt ihr passend Windräder platzieren oder auch Atomkraftwerke bauen, welche aber wiederum andere Risiken mit sich bringen. Auch Solarfelder wäre eine Möglichkeit, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Wurde man dennoch Opfer einer Katastrophe, so kann man den Notstand ausrufen und der Weltkongress wird eine Sitzung einberufen, welche ansonsten alle 30 Runden stattfindet. Hier ist eure Diplomatie gefragt, indem ihr auf verschiedene Themen eure Stimme abgebt, die der Kongress aushandeln möchte. Auch Hilfeleistungen werden besprochen und darüber abgestimmt, ob man seine Unterstützung anbietet oder der Katastrophe ihren Lauf lassen möchte. Eure Stimme ist jedoch nicht die einzige, die berücksichtigt wird, sondern auch jene, sämtlicher anderer Nationen. Damit eure Stimme jedoch mehr Gewicht bei solchen Entscheidungen bekommt und ihr mehr Entscheidungsgewalt habt bzw. andere Nationen überstimmen könnt, benötigt ihr Gunst. Diese könnt ihr euch durch diverse diplomatische Aktionen, wie beispielsweise das Befreien von besetzten Städten oder Ähnlichem verdienen. So könnt ihr euch von nun an auch den Gesamtsieg durch Diplomatie einheimsen, was sich jedoch als etwas langwieriger Prozess herausstellt.

Es gibt natürlich auch wieder neue Zivilisationen, welche die Gesamtanzahl damit auf insgesamt 45(!) erhöhen. Die Māori sind recht naturverbunden und starten ihr Abenteuer im kühlen Nass. Eleonore, Herzogin von Aquitanien ist eine ganz besondere Anführerin, welche als erste in der Civilization-Reihe zwei Länder führen kann. Ihr habt hierbei die Wahl zwischen Großbritannien und Frankreich. Dido, oder auch bekannt als Elissa, ist die Gründerin und Königin von Karthago. Mit ihr bleibt ihr lieber landverbunden und meidet das Meer. Königin Kristina von Schweden liebt Große Werke und Wunder, die ihr priorisieren solltet, wenn eure Wahl auf sie fällt. Mansa Musa aus Mali hat nur Augen für glänzendes Gold wohingegen Matthias Corvinus von Ungarn eher auf der militärischen Seite angesiedelt ist. Pachacútec Yupanqui zieht es, wie auch alle anderen Inka, in die Berge, Süleyman I. schaut auf das Wohlbefinden seines Osmanischen Volkes und Wilfrid Laurier zählt nicht nur gerne kanadische Ahornblätter, sondern ist auch immer zur Stelle, wenn Not am Mann ist. Passend zu eurem Spielstil werdet ihr aus der fast schon unüberschaubaren Menge an Optionen sicherlich die richtige Wahl für euch treffen können. Die Vielfalt ist jedenfalls gegeben und Abwechslung für mehrere Spielrunden garantiert, da auch bereits bekannte Zivilisationen Anpassungen mit der Erweiterung erhalten haben, wie auch das Ausspionieren anderer Städte oder der Kultur- bzw. Wissenschaftssieg.

Außerdem gibt es es eine völlig neue Ära mit Zukunfts-Technologien in eurem Talentbaum, welche auf futuristische Errungenschaften abzielen, die auch den neuen Umwelteinflüssen trotzen sollen. Diese irrwitzigen Ideen lassen euch beispielsweise auch einen Lebensraum auf dem Meer errichten. Zudem gibt es neben neuen Wundern, Einheiten, Bauwerken oder Technologien auch noch zwei neue Szenarien. Der “Schwarze Tod” ist eine Pandemie, welche im 14. Jahrhundert rund ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung ausgerottet hat. In diesem Szenario müsst ihr daher auf der Hut sein, eure Bewohner am Leben zu halten und auch dem Rest der Tragödie zu trotzen. Und dann werden natürlich auch Weltkrieg-Szenarien niemals alt. Diesmal wird zur Abwechslung jedoch mal der Erste Weltkrieg beleuchtet. Ihr habt die Wahl zwischen Deutschland, mit denen ihr Paris einnehmen müsst oder auch Frankreich, mit welchem ihr den Angriff abwehren sollt.

Fazit

Auch die zweite Erweiterung Gathering Storm zu Sid Meier’s Civilization VI kann wieder beeindrucken. Mit unglaublich vielen Änderungen und dem Rebalancing des bereits Bekannten fühlt es sich oft wie ein völlig neues Spiel an. Der neue Content fügt sich nahtlos ins Geschehen ein und sorgt für frischen Wind. Selbst jene, die bereits hunderte Stunden in die Simulation versenkt hatten, werden sich neue, spannende Herausforderungen im Kampf um den Gesamtsieg finden. Neulinge müssen sich jedoch keinesfalls fürchten, da es in Sid Meier’s Civilization VI per Tutorial eine langsame und ausführliche Einführung gibt, damit man sogleich Fuß fassen kann. Der stolze Preis von rund EUR 39,99 für die Erweiterung ist jedenfalls gerechtfertigt und ein Pflichtkauf für jeden Civilization-Fan.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Neue Umwelteinflüsse sorgen für frischen Wind
  • Neue Weltwunder, Bauwerke, Technologien, ...
  • Zwei neue Szenarien
  • Eine Vielzahl an neuen Zivilisationen und Anführern
  • Rebalancing bereits bekannter Elemente
  • Der Weltkongress ist zurück

The Bad

  • Relativ hoher, wenn auch gerechtfertigter, Preis für die Erweiterung
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at