Sea of Thieves

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Sea of Thieves Review

Wir blicken auf einen Monat des Piratendaseins in Rares Multiplayer-Sandkasten Sea of Thieves zurück.

Einen passenden Piraten aus dem Charakter-Karussel auswählen, die Crew zusammentrommeln und in See stechen. Das war zum Release von Sea of Thieves vor etwas mehr als einem Monat gar nicht so leicht gesagt, wie getan. Zu Beginn hatte Rares Piraten-Sandkastenspiel mit massiven Serverproblemen zu kämpfen. In den ersten Tagen war es vielen nicht oder nur nach langen Wartezeiten möglich, mit ihren Freunden in See zu stechen, da zeitweise die Login-Server ob des schieren Andrangs an Spielern nicht verfügbar waren.

Zusammenarbeit ist der Schlüssel (zur Schatzkiste, yarr!)

Wenn man es dann endlich ins Spiel geschafft hat, geht es nach der ersten Orientierung auf der Startinsel daran, unser Schiff startklar zu machen – sei es nun die Schaluppe mit einer Maximalbesetzung von zwei Spielern oder der großen Galeone für bis zu vier Spieler. Die Segel hissen und in den Wind stellen, das Ziel auf der Karte festlegen und den Anker lichten, immer mit einem Ausguck im Mast oder am Bug, um den Kapitän vor Felsen, Untiefen oder Stürmen voraus zu warnen.

Zu Beginn ist alles neu, spannend und wunderbar. Auf dem Schiff zusammenzuarbeiten zwingt unsere Crew zur konstanten Kommunikation. Dies ist entweder per Ingame-Voice-Chat oder via einem Tool eurer Wahl möglich. Es können auch über das Ingame-Menü kurze Standard-Textbefehle gegeben werden, wenn ein Mitspieler gerade keine Möglichkeit hat zu sprechen. Hier ist aber definitiv die verbale Verständigung vorzuziehen, um Reaktionszeiten möglichst kurz zu halten. Nach einer konfusen Eingewöhnungsphase ohne Tutorial geht die Steuerung recht schnell und leicht von der Hand und wir können wagemutigere Manöver wie den Stopp aus voller Fahrt via Anker ausprobieren oder uns mit den Kanonen selbst auf ein gegnerisches Schiff bzw. eine Schatzinsel katapultieren. Begegnungen mit anderen Spielern sind hier bereits ein paar Tage nach Launch selten ausgewogen: Entweder erkennt man die Spieler mit mehr Erfahrung schon an ihren optisch aufgewerteten Segeln am Horizont oder wir machen kurzen Prozess mit offensichtlichen Neulingen, die gerade noch die Steuerung verinnerlichen.

Als relativ friedfertige Piratencrew versuchen wir, die Konfrontation mit anderen Spielern möglichst zu meiden. Werden wir beim Sichern unserer Schatzkisten allerdings angegriffen, gibt es keine Gnade. Das Gold muss um jeden Preis verteidigt werden, immerhin steht die Piratenehre auf dem Spiel.

Fahr zu dieser Insel und hol das (und mach es zu Gold, yarr!)

Ein Piratenleben besteht nicht nur aus Segeln, Kapern, Musizieren und Grog trinken – jedenfalls nicht ganz. Um Goldmünzen zu “verdienen” müssen wir für eine von drei Fraktionen Aufträge erledigen, die von einfachen Fahrt-dorthin-und-grabt-eine-Kiste-aus-Szenarien über Killquests gegen Horden von Untoten bis hin zu Handelsquests gehen. Für Letzteres müssen wir meist mit bereitgestellten Käfigen Schweine oder Hühner auf Insel A einfangen, um sie dann bei Insel B abzuliefern. Je nach Schwierigkeitsgrad werden die Quests mehrstufiger. Es gilt dann bereits mehrere Inseln anzufahren und kleine Rätsel zu lösen, um den richtigen Ort zu finden, um mit der Schaufel im Sand zu graben. Hierbei erlangen wir auch Erfahrungspunkte und steigen im Ruf der jeweiligen Fraktion auf, was neue Quests und Titel freischaltet. Hierbei weichen die Aufträge aber nie maßgeblich von den genannten Mustern ab. Das Gold- und Erfahrungssammeln fühlt sich schnell wie eine unendliche Aneinanderreihung von fantasielosen MMO-Killquests an.

Mit der Zeit fällt auch die gewisse Sterilität der an sich bunten und schön animierten Welt auf. Die Quest-NPCs sind auf jeder Insel die gleichen, die Dialogoptionen eindimensional und ohne den von der Comic-Grafik suggerierten Humor. Was hätten wir für ein wenig Monkey Island Feeling gegeben! Segelt man ohne Quest zu einer der zahlreichen Inseln so sind diese, bis auf den einen oder anderen “Zufalls-Untoten”, leer. Es gibt keine Überraschungen in einer lebendigen Spielwelt zu entdecken – alles ist an die laufende Quest gebunden.

Ein wunderschöner Piratensimulator

Es ist aber nicht alles fad in Sea of Thieves. Lasst uns über die Grafik reden, die einzigartige Animation des Wassers, den Wechsel der Farben und der Stimmung beim Einlaufen in einen neuen Sektor oder beim Segeln in einen wilden Sturm. Das verspielte Grafikkonzept passt zum Piratenthema und wir hoffen, dass hier in Zukunft mehr Leben einkehren wird.  Stärke zeigt das Spiel unserer Meinung nach (noch) nicht in den Quests, sondern in dem Gefühl, mit unserer Crew allein auf weiter See zu sein, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen und den wunderschönen Ausblick zu geniessen. Sea of Thieves bietet viel Potenzial für Rollenspiel, und ich könnte stundenlang vorne am Bug sitzen und dem Auf und Ab der Wellen auf hoher See zusehen, die Idee einer Meeresbrise und den Geruch von Salz mit ein wenig Fantasie erahnbar.

Ich weiss nicht genau warum, aber ich habe Spaß mit Sea of Thieves und auch wenn ich mich an den Inhalt unserer Fahrten bald nicht mehr erinnern können werde, so bleibt doch das positive Gefühl, mit Freunden (und Fremden) etwas erlebt zu haben. Das eine Mal, wo wir absichtlich in den Sturm gesegelt sind, nur um die turmhohen Wellen zu sehen, oder das andere Mal, als einer von Board ging und wir ein wildes Rettungsmanöver gestartet haben, bevor wir wussten, dass ein Meerwesen ihn retten und in Sicherheit teleportieren würde.

Nach jeder Partie verbringen meine Crew und ich noch ein paar Minuten im sicheren Hafen (spezifischer in der Taverne), um uns mit Grog zu besaufen und die begangenen Abenteuer Revue passieren zu lassen, während wir schief eines der möglichen Piratenlieder zu spielen.

Zukunftspläne mit neuen Monstern, Schiffen, Mechaniken (YARR!)

Nach dem ersten Hype wurde es schnell still um Sea of Thieves. Zu wenig und vor allem repetitiver Inhalt ließ die Piratensause schnell zu einem Grind nach Goldmünzen werden und eine Invasion aus Hackern machte das Spielen zwischenzeitlich frustrierend. Die bisher nur kosmetischen Upgrades für Charaktere und Schiffe boten darüber hinaus wenig Langzeitmotivation, die fehlende große Belohnung für die “Piraten-Legende”, für Spieler, die das Maximallevel erreicht hatten, schuf zusätzlichen Unmut.

Nachdem der letzte Patch sich hauptsächlich auf das Beheben von Abstürzen und Bugs konzentriert hat, gab Rare nun in einem Blogbeitrag einen Überblick über die geplanten Inhalts-Updates. Ein erstes ist mit “Der Schlund der Tiefe” für Mai angekündigt. Hierbei hält sich Rare zu den Inhalten noch recht bedeckt. Zusätzlich zu neuen KI-Gegnern sind damit einhergehende neue Spielmechaniken und -features angekündigt, die auch nach Ende der Events im Spiel bleiben sollen, um es so nach und nach zu erweitern. Für die Events soll es spezifische Belohnungen geben, die exklusiv nur während der begrenzten Laufzeit zu holen sind, hierbei sollen ab Mai auch wöchentliche Events eingeführt werden. Mit “Segel der Verdammten” und “Einsame Ufer” sind zwei weitere Inhalts-Updates für den Sommer 2018 geplant, die unter anderem einen neuen Schiffstyp sowie einen neuen Teil der Spielwelt einführen sollen.

All diese Updates sollen ohne zusätzliche Kosten im Laufe der kommenden Monate zum Spiel hinzugefügt werden, ganz in der Tradition von “Games as a Service” Konzepten bzw. MMOs wie Guild Wars 2, die laufend kapitelweise Inhalts-Updates zum Spiel hinzufügen. Es bleibt abzuwarten, ob größere Erweiterungen in Form von kostenpflichtigen DLCs hinzukommen.

Fazit Ronja

Einen Monat nach Release steht für Sea of Thieves das erste Inhaltsupdate an. Hiermit soll dringend benötigte Beschäftigungsmöglichkeiten nachgereicht werden, die zum Launch der wunderschönen Piratensimulation nach wenigen Stunden ausgereizt waren. Trotz der fehlenden Inhalte haben wir einige unserer schönsten Koop-Spielstunden der letzten Monate hier verbracht. Es ist schwer zu beschreiben, was wir wirklich gemacht haben außer einen gemütlichen Segeltörn, ingame Grog trinken und sich gegenseitig mit Erbrochenem zu bewerfen (ja, sorry), aber es war phantastisch. Leider hat dieses positive Gefühl nicht dazu gereicht, unsere Crew zu regelmäßigen Wiederholungen zu motivieren.

Wer Sea of Thieves im Xbox Game Pass inkludiert hat, soll sich unbedingt ein paar Freunde schnappen, und die See per Schiff und Enterhaken erkunden. Um das Spiel zum Vollpreis von stolzen € 69,99 zu kaufen, fehlen unserer Meinung nach derzeit noch die Langzeitmotivation und die Inhalte. Bleibt abzuwarten, was die kommenden Updates bringen.

Fazit Michael

Als Microsoft das erste Mal Rares neues Machwerk vorgestellt hatte, war ich wenig beeindruckt und dachte einst, es wäre nur ein kleines, aber feines Spielchen für Zwischendurch. Die Vorbestellungen gingen damals für schlappe 40 Euro über die Bühne und dabei hätte es auch besser bleiben sollen. Jemand, der die Alpha und Beta dieses Spiels erlebt hat, der findet nicht wirklich mehr Inhalt im vermeintlich finalen Produkt. Mir stellt sich die Frage, was Rare die letzten zwei Jahre getrieben hat, denn das Spiel unterscheidet sich kaum von dem, was man schon vor einer Ewigkeit dem Publikum auf der E3 gezeigt hat. Es wirkt fast so, als wäre die Zeit seither stillgestanden. Es gibt kaum nennenswerte Momente in Sea of Thieves, außer jenen, die man sich selbst mit anderen Spielern liefert. Aber relevante Höhepunkte durch Story- oder Nebenquests sucht man vergebens. Es ist ein kontinuierlicher Ablauf nach Schema F und hält nicht mal eine ganze Handvoll an verschiedenen Quests für uns parat. Das einzige, was Microsoft in den letzten Monaten beinahe perfekt dargebracht hat, war einen Hype um das Spiel rum aufzubauen. Klar, das war nicht wirklich schwer, wenn aus erster Hand ansonsten keine Spiele mehr kommen. Doch wenn das Spiel am Ende nicht das liefert, was man versprochen bekommen hat, ist das etwas mager. Microsoft wirkt derzeit auf mich, als hätte man diese Generation bereits abgeschlossen, denn wenn nicht mal mehr First-Party-Produkte ansatzweise überzeugen können, dann brennt gewaltig der Hut. Der Grund, warum ich so hart damit ins Gericht gehe, ist, weil es eine Schande ist, was man daraus hätte machen können und was man tatsächlich abgeliefert hat. Microsoft ist ein milliardenschweres Unternehmen und bringt es nicht zustande, ein vollwertiges Produkt mit mehrjähriger Entwicklungsphase zum Launch bereitzustellen. Es wirkt im derzeitigen Status eher wie ein Early-Access-Titel eines Indie-Studios, mit dem Unterschied, dass diese meistens mehr bieten und weitaus geringer zur Kasse bitten. Ich hoffe inständig, dass man hier regelmäßig Content nachliefert, um das Schiff vor dem Untergang zu retten. Und wehe, ich sehe ein einziges Mal, dass ein kostenpflichtiger DLC angedacht wird. Zuerst muss mal die Lücke für die unglaublichen € 69,99 UVP gefüllt werden, bevor man einen Schritt weitergeht. Im Übrigen hatte ich sonst auch Spaß am Spiel, so ist’s ja nicht. Leider in der Vergangenheitsform, da es derzeit einfach nichts gibt, was einen lange bei Laune halten oder gar motivieren würde. Hoffentlich ändern das die nächsten Monate mitsamt der neuen Inhalte. Aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das Spiel zum von Microsoft gewünschten Preis nicht weiterempfehlen.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Sea of Thieves für Xbox One

The Good

  • Einfach eine gute Zeit mit Freunden
  • Wunderschönes Wasser
  • Atmosphärisch (in HDR)

The Bad

  • Leere Welt wenn keine Quest aktiv
  • Eintönige Aufträge
  • Leblose Welt, generische NPCs
  • De facto kein Inhalt für Langzeitmotivation
  • Technisch noch kein ausgereiftes Multiplayer-Erlebnis

Written by: Ronja Antesberger

Social Bumblebee Seit ich mir einen eigenen PC leisten konnte, bin ich den Pixeln verfallen, und blicke auf eine lange Karriere als bürgermeisternde Schneiderin in Ultima Online, täglich raidende Assassine in EverQuest 2 und alles-und-jede-Quest-abschließender Geralt in allen Witcher Spielen zurück. Meine Liebe gilt den Strategiespielen der späten 90er, wie Age of Empires und Command & Conquer sowie jeglicher Variante an Rollenspiel. Mein Faible für Indies und Selbstdarstellung hat mich vor einigen Jahren zum Streaming und zu YouTube gebracht, und in Konsequenz auch endlich beruflich in den Bereich. Nach über einem Jahr bei der Wiener Video Game Livestreaming Plattform Hitbox konzentriere ich mich nun auf meinen selbstständigen Pfad als Social Media Marketing und PR Beraterin, Bloggerin und SchreiberlingIn for „All Things Video Games“. Ich freue mich, als Neuzugang beim Continue-Magazin dabei zu sein, wir hören uns im nächsten Podcast! Bei Fragen, Anregungen und Feedback: antesberger@continue-magazin.at oder einfach auf Twitter.

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