Salary Man Escape

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Eine Hommage an unsere verquere Gesellschaft.

In unserer heutigen Gesellschaft ist es fast schon zum Usus geworden, dass man sich bis zum Umfallen im Job abrackern soll. Keine Überstunde ist zu viel und kein Nervenzusammenbruch eine Ausrede für den Krankenstand. Der Mensch ist ein Arbeitstier und er wird bis zu seinem Tod von kapitalistisch agierenden Vorgesetzten gemolken. Salary Man Escape nimmt genau das als Thema und verpackt es in einem kleinen, aber richtig feinen Puzzle-Spiel für die PlayStation VR.

Der recht minimalistisch gestaltete und mit einem abgedrehten japanischen Soundtrack untermalte Puzzler ist jede Minute eurer Zeit wert. Ihr findet in insgesamt sechs Kapiteln sage und schreibe 78 verschiedene Aufgaben, die es zu lösen gilt. Ihr seid der Salary Man und wollt eurem Leben entfliehen. Ihr habt das Ziel die ganze Zeit vor Augen und müsst lediglich einen Weg finden, wie ihr dorthin gelangt. Die einzelnen Level bestehen aus grauen Blöcken, zwischen denen einige rote platziert sind. Diese könnt ihr in sämtliche Richtungen bewegen, sollten es die physikalischen Gesetze zulassen. Dabei dient wahlweise der DualShock oder PlayStation Move Controller als Eingabegerät. Ihr könnt Blöcke ziehen, um jene darüber in den Sturzflug zu bringen oder auch neue Gänge in diversen Labyrinthen schaffen. Hebel, Förderbänder und andere Utensilien bringen die nötige Würze in die Rätsel, welche einige Male richtige Kopfschmerzen hervorrufen können, wenn man zu kompliziert denkt. Manchmal ist der Weg zum Ziel ein einfacher, ein anderes Mal wieder nicht. Aber wer die physikalischen Gesetze verinnerlicht hat, wird sich definitiv geschickter beim Lösen anstellen.

Der Salary Man bewegt sich nur, wenn er eine direkte Linie zum Ziel, zu einer Münze als freiwilligen Sammelgegenstand oder zu einem Checkpoint hat. Letzteres wird durch eine köstliche Tasse Kaffee dargestellt, die euch dann auch bei einem fehlerhaften Versuch hilft, um nicht immer das gesamte Level neu starten zu müssen. Leider aber nur, wenn euer Salary Man nicht stirbt, erschlagen oder von Security Mitarbeitern gefasst wird. Auch wenn ihr die Tür in die Freiheit zerstört heißt es wieder zurück an den Start. Was anfangs noch recht simpel erscheint und sich auch noch leicht lösen lässt, wird in jedem Kapitel um einen weiteren Kniff erschwert. Förderbänder können beispielsweise nicht nur in horizontaler Lage verwendet werden, sondern auch in vertikaler als Lift; die Jenga-ähnlichen Bauklötze werden in späteren Kapiteln auch ihre Form erweitern und drei- oder gar sechseckig werden, wodurch sich völlig neue Möglichkeiten bieten, wie beispielsweise Brücken oder Stiegen bauen und auch Glasblöcke sind ein wichtiger Aspekt beim Freilegen der Route. Wird ein solcher zu schwer belastet, bricht er zusammen. Dies könnt ihr nutzen, um eine Plattform eine Ebene tiefer zu bekommen oder eine Rampe zu bauen.

Apropos zu schwer belasten: dies kann nicht nur durch andere Blöcke geschehen, sondern auch, wenn ihr im späteren Spielverlauf mehrere Salary Men innerhalb eines Zeitlimits von fünf Sekunden nach dem ersten Flüchtling ins Ziel bringen müsst. Dann heißt es die perfekte Route vorbereiten und die einzelnen Anzugträger so loszuschicken, dass sie relativ zeitgleich ans Ziel kommen. Und bei zwei von der Sorte wird es nicht bleiben, also seid besser gut vorbereitet! Das einzige, was man an Kritik üben könnte, wäre, dass man gezwungenermaßen immer zuerst zu einem Checkpoint laufen muss, anstatt direkt ans Ziel. Es kam bei unserem Playthrough manchmal vor, dass wir einen genialen Weg zum Ziel gefunden hatten, der wohl so nicht beabsichtigt war. Der Salary Man lief aber nicht weiter, ehe wir den Weg zum Checkpoint freigemacht hatten. Teilweise werden auch zuerst Münzen eingesammelt, die man gar nicht wollte, wodurch sich dann oft eine ärgerliche Konfrontation mit einem Security Typen ergeben hat und man das Level neu starten musste. Abgesehen davon war es eine große Freude das Spiel durchzuspielen, wenn man von kleinen Bugs, wie stecken gebliebene Blöcke, die aufgrund der physikalischen Gesetze manchmal auftraten, absehen kann. Aber da die einzelnen Level recht kurz sind, tat ein Neustart nie wirklich weh. Insgesamt bekommt man für seine EUR 14,99 (UVP) ein kurzweiliges VR-Abenteuer geboten, welches sich durchaus sehen lassen kann und auch mit Freunden auf der Couch sehr viel Spaß macht, die einen dabei unterstützen können. Ein geselliger Abend ist damit allenfalls gesichert.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Salary Man gibt es im österreichischen oder auch deutschen PlayStation Store digital zu erwerben.

The Good

  • 78 teils recht knifflige Rätsel
  • Art-Design und Soundtrack
  • Verschiedene Steuerungsmöglichkeiten

The Bad

  • Immer eine vorgegebene Route ohne gefundene Abkürzungen
  • Blöcke bleiben immer wieder mal stecken
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at