Resident Evil 2

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Resident Evil 2 Review

Ein traumhafter Horrortrip.

Die Resident Evil Franchise hatte definitiv ihre Höhen und Tiefen. Aber eines kann man ihr nicht abstreiten: den Einfluss, den sie auf die gesamte Videospielindustrie hatte. Beginnend mit dem bahnbrechenden ersten Teil, welcher damals das Survival-Horror-Genre definierte bis hin zum alles verändernden vierten Ableger, welcher die Over-the-Shoulder-Kameraperspektive in Videospielen zu einem Standard werden ließ. Danach nahm die Geschichte rund um Leon S. Kennedy, Chris Redfield & Co. eine steile Talfahrt. Auch wenn ich, nach zehnmaligem Durchspielen, persönlich Resident Evil 5 als einen persönlichen Favoriten sehe, so muss ich gestehen, dass dieser nur mehr wenig mit dem eigentlichen Horror, welches die Serie so prägte, zu tun hatte. Resident Evil 6 war ohnehin der Tiefpunkt des Ganzen – mal abgesehen von diversen Mehrspieler-Action-Shootern, die völlig am Ziel vorbeischossen. Nun ist Capcom ja bekannt dafür, ihre Softwareperlen über Konsolengenerationen hinweg neuem Publikum zur Verfügung zu stellen – um nicht zu sagen, dass man sich quasi einen Ruf als Portierungs-Studio gemacht hat. Gut, ich als jemand, der die Resident Evil Teile immer bewundert hat, aber aufgrund der grausamen Steuerung nie spielen konnte, wurde mit den letzten HD-Ports erstmals sehr glücklich. Capcom hat sich tatsächlich die Arbeit angetan, die Spiele von Grund auf zu erneuern und diese auch mit in der Branche üblichen Steuerungsmethoden zu versehen, wodurch ich erstmals in den wahren Genuss von Resident Evil und Resident Evil 0 kommen konnte. Nun war natürlich die Lust auf mehr vorhanden und als man verkündete, dass nun auch erstmals Resident Evil 2 einem Facelifting unterzogen wird, war der Hypetrain nicht mehr aufzuhalten. Jetzt ist es endlich da und mir kribbelte es schon unter den Fingern.

Resident Evil 2 versetzt euch in die Lage von Leon S. Kennedy, einem Neuling beim R.P.D., und Claire Redfield, der Schwester von Chris, einem der Protagonisten aus dem ersten Teil. Beide verschlägt es nach Raccoon City, in welcher ein Virus ausgebrochen ist, der beinahe sämtliche Stadtbewohner in Zombies verwandelt hat. Um einerseits der Sache auf den Grund zu gehen und nach Überlebenden zu suchen und andererseits auch Ausschau nach Chris zu halten, schließen sich die beiden zusammen. Doch wie es der Zufall so will, werden sie bereits am Anfang ihres Vorhabens getrennt und sind folglich auf sich alleine gestellt. Und genau das ist es, was Resident Evil 2 nicht nur interessant, sondern auch zu einem Fan-Favorite macht. Ihr habt bei eurem ersten Durchlauf die Wahl zwischen den beiden und schaltet nach dem Abschluss der Geschichte den jeweiligen zweiten Durchlauf frei, welcher euch diese dann aus der Situation des anderen Charakters erleben lässt. Die Kampagnen dauern jeweils rund 8-10 Stunden und ergeben in Summe somit gut und gerne bis zu 40 Stunden an Spielzeit, wenn man sämtliche Story-Happen erleben möchte. Die ersten Durchläufe (oder im Original auch “A” betitelt) mit Leon und Claire unterscheiden sich nicht so stark von einander, als im Vergleich zum zweiten Durchlauf (bekannterweise auch als “B” bezeichnet). Somit ergeben sich euch die Möglichkeiten einerseits Leon A und Claire B, als auch Claire A und Leon B zu spielen. Beide Varianten stellen jedoch sicher, dass ihr so gut wie alles von der Geschichte mitbekommt. Auch wenn der Schwierigkeitsgrad durch das Remake ein wenig angezogen hat, so fordert euch Durchlauf B noch ein wenig mehr – allein schon wegen der Tatsache, dass ihr weniger Speicherpunkte vorfinden werdet.

Durch den Wechsel auf die Kamerafahrt über eurer Schulter mussten natürlich Anpassungen vorgenommen werden, die so im Original nicht zu finden sind. Neue verwinkelte Korridore gewährleisten den ein oder anderen Schreckensmoment, wenn man plötzlich einem Zombie hinter der nächsten Ecke begegnet und auch sonstige Neuerungen gewährleisten ein interessantes Spiel für Neulinge, als auch Veteranen und Fans des Originals. Zombies sind nun keine ungefährlichen Wanderstöcke mehr, sondern blockieren euch Gänge und Räume in intelligenter Manier. Ihr Verhalten hat sich auch dahingehend geändert, als dass sie euch nun Anfallen, wenn sie nur mehr ein paar Schritte entfernt sind. Somit kann das Nachladen in ungünstigen Momenten zu einem verheerenden Angriff werden oder auch das risikofreudige Spielen, wenn man denkt, dass man diesen einen letzten Schuss noch anbringen könnte. Spätestens der Game-Over-Bildschirm wird euch lehren, vorsichtiger zu spielen. Ein neues Feature, welches aus später folgenden Spielen übernommen wurde, ist das Kombinieren von Schießpulvern, um neue Munition zu erschaffen. Das kann hin und wieder lebensrettend sein. Doch das nach wie vor streng limitierte Inventar zwingt euch dazu, perfektes Ressourcenmanagement zu betreiben. Waffen, Munition, Pulver, wichtige Gegenstände, zu entwickelnde Filme und anderes Zeug möchte alles Platz finden. Dafür könnt ihr nach und nach Gürteltaschen finden, die euer Inventar um jeweils zwei Plätze erweitern. Ihr müsst zumeist Rätsel lösen, Tresore öffnen oder Codes knacken, wofür ihr die Hinweise nicht nur in Dokumenten, die überall verteilt sind, sondern auch auf Gegenständen selbst findet, welche von euch penibel genau untersucht werden wollen. Hier bemerkt man schnell, welch gutes Level-Design Resident Evil 2 aufweist. Man geht eigentlich niemals einen Gang zwei Mal entlang, ohne etwas Neues zu finden oder neue Türen zu öffnen. Es ist eine richtige Freude und Wohltat zu sehen, wie viele Gedanken man sich damals noch gemacht hat. Beim Großteil der heutigen strikt linearen Spiele vermisst man dies schmerzlich.

Grafisch als auch Atmosphärisch kann sich Resident Evil 2 mehr als nur sehen lassen. Am Titelbildschirm und in den Optionen zur Auswahl der alternativen Outfits war ich kurz verblüfft, ob es sich hierbei um Fotos oder tatsächliche Charaktermodelle handelt. Nicht nur Leon und Claire, sondern die gesamte Umgebung strotzt nur so vor Fotorealismus und einer absoluten Augenweide in 4K und HDR. Die Licht- als auch Schatteneffekte sowie das gesamte Sounddesign sind perfekt auf die Umgebung abgestimmt, weswegen man das ein oder andere Mal Herzrasen bekommt, ohne auch nur einen Zombie zu sehen. Es wird ein verdammt beklemmendes Gefühl vermittelt, wodurch man ständig auf der Hut sein muss. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass im weiteren Spielverlauf auch noch der Tyrant T-00 auf euren Fersen ist und euch jederzeit im ungünstigsten Moment entgegenkommt. Dieser scheinbar unbesiegbare Koloss macht auch nicht vor sicheren Räumen halt und verfolgt euch auch gerne mal bis zum nächsten Speicherpunkt in der Haupthalle. Apropos speichern: die Schreibmaschinen feiern ihr Comeback, jedoch ohne Farbband, was nicht nur euer Inventar erleichtert, sondern auch den Schwierigkeitsgrad ein wenig senkt. Insgesamt betrachtet war Resident Evil 2 im HD-Gewand definitiv seine Reise wert. Die Kampagnen waren durch die neue Engine ein wahrlich elektrisierendes Erlebnis und auch die Geschichte konnte durch die Erzählung per Zwischensequenzen einiges an Intensität dazu gewinnen. Lediglich der ein oder andere Bosskampf kann euch den letzten Nerv rauben, wenn ihr bereits angeschlagen und mit wenig Munition unterwegs seid. Dann wird der wahre Horror plötzlich ganz neu definiert.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Resident Evil 2 für PlayStation 4
Resident Evil 2 für Xbox One
Resident Evil 2 für PC

The Good

  • Von Grund auf neu in Szene gesetztes Remake
  • Zeitgemäße Änderungen mit Treue zum Original
  • Grafisch und Atmosphärisch eine Wucht
  • Kleine Feinheiten und Neuerungen, die Fans sicherlich überraschen werden

The Bad

  • Bosskämpfe können frustrieren, jedoch per Assistenz-Modus vereinfacht werden
10

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at