One Piece World Seeker

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One Piece World Seeker Review

Ruffy sticht wieder in See.

Nachdem sich mein Interesse an Animes die letzten paar Jahre über gewaltig gesteigert hat, kann ich eigentlich nicht mehr genug von diversen Serien-Ablegern bekommen. Klar, Pokémon & Co. standen schon immer weit oben auf meiner Favoritenliste, aber auch Dragon Ball, Berserk oder One Piece haben es mir seit geraumer Zeit angetan. Das meiste davon sind jedoch lediglich Umsetzungen im Warriors-Stil oder klassische Fighting-Games, doch so richtige Action-Adventures sucht man vergebens. Nun, hier springt One Piece World Seeker in die Presche und versucht, das Action-Adventure-Genre mit dem des Open-World-Rollenspiels zu kombinieren, was sich wohl durchaus sehen lassen kann,  auch wenn viel Raum für Verbesserungen hinterlassen wurde. Doch gehen wir es einfach der Reihe nach durch, solltet auch ihr Interesse an Ruffys neuestem Abenteuer gefunden haben.

Die Geschichte, welche ich aus Spoiler-Gründen nicht näher beleuchten werde, handelt, grob ausgedrückt, über den Krieg zwischen Marine-Befürwortern und deren Gegner. Das Ganze wird auf einer riesigen Insel ausgetragen, die viel Platz für Erkundungen und Missionen bietet. Ruffy, der anfangs vom Himmelsgefängnis auf die Insel herabstürzt, muss jedoch zuerst seine Crew zusammentrommeln, die ebenfalls in verschiedenen Inselbereichen am Boden der Realität aufgeschlagen hat. Dieser Umstand wird nicht nur genutzt, um die Gebiete nach und nach zu erkunden, sondern auch, um euch mit dem Kampfsystem und den restlichen Kniffen des Spiels vertraut zu machen. Dabei geht auch alles recht einfach von der Hand, da ihr fortgeschrittenere Techniken erst mit dem Freischalten durch Erfahrungspunkte erhaltet. Habt ihr genügend davon gesammelt, könnt ihr euch durch den Talentbaum wühlen und eurem Geschmack entsprechend unterschiedliche Angriffe oder Verbesserungen für Ruffy freischalten. Diese reichen von mehr Gesundheitspunkten, über höhere Ressourcen-Drops bis hin zu neuen Attacken und höheren Schaden für diese.

Mit Fortlauf des Spiels könnt ihr euren Angriffs-Modus, auch Haki genannt, übrigens jederzeit ändern. Der Unterschied der beiden liegt darin, dass ihr mit dem einen eher auf Angriff und mit dem anderen auf Verteidigung aus seid. Jeder Modus hat seine eigenen Spezialattacken, die über den Talentbaum freigeschaltet werden können, wie beispielsweise die Gum-Gum-Bazooka, welche sich ingesamt betrachtet zu meiner Lieblingsattacke gemausert hat. Das hat aber auch einen etwas traurigen Grund. Nachdem die Gegner keine große Herausforderung darstellen und das Kampfsystem eher mau ist, war die Gum-Gum-Bazooka der schnellste Weg, die Widersacher aus dem Weg zu räumen. Kurz den Angriffs-Button gedrückt halten, loslassen, und schon war alles erledigt. Schade, dass das Kampfsystem nicht mehr Tiefe bietet. Auch wenn mich nach Dark Souls & Co. kaum mehr eines wirklich vom Hocker haut, ein bisschen anspruchsvoller sollte es dann aber auch in einem ulkigen Action-Adventure sein.

Die Missionen, welche euch in diesem aus 15 Kapiteln bestehenden Abenteuer führen, sind größtenteils okay. Mal müsst ihr mit verschiedenen Charakteren sprechen, um spezielle Kämpfe auszulösen, mal bestimmte Ressourcen finden, die zum Weiterkommen nötig sind. Doch manchmal ist es auch notwendig, bestimmte Charaktere finden, die prinzipiell überall auf der Map sein könnten. Mit vagen Hinweisen müsst ihr euch dann von NPC zu NPC vorarbeiten, welche eventuell die nötigen Hinweise haben könnten, die euch weiterhelfen. Solche Missionen fühlen sich leider richtig fehl am Platz an, da es in der offenen Welt wenig Interessantes zu tun gibt. Es gibt viel weite Leere und außer ein paar kleine Basen mit den typischen Gegnern, ist hier nicht viel los. Glücklicherweise gibt es bald die Schnellreise-Funktion, mit der ihr in bereits besuchte Gebiete über das Menü reisen könnt.

Doch die Missionen zwingen leider dazu, dieses Feature fast ständig zu nutzen. Startet ihr eine Mission, müsst ihr meist einen Charakter ansprechen, der euch auf einen anderen verweist. Ihr nutzt also die Schnellreise, um diesen aufzusuchen, nur um festzustellen, dass dieser euch wieder weiterschickt und ihr abermals im Menü und damit auch Ladebildschirm landet. Das ist zwar nicht bei jeder einzelnen Mission der Fall, aber bei einer großen Anzahl davon. Karma-Missionen erfordern es ohnehin nur, dass ihr an einem bestimmten Ort mit einem bestimmten Charakter redet, welcher euch eine Handvoll Zeilen Text präsentiert, ehe die Mission geschafft ist. Apropos Karma: es gibt verschiedene Charaktere oder auch Charaktergruppen, die euch gegenüber vorerst neutral eingestellt sind. Mit diversen Aktionen, welche diese Individuen befürworten, könnt ihr eure Beliebtheit bei ihnen steigern. Dies bringt euch folglich mehr verfügbare Missionen und Zwischensequenzen, die Näheres über die Geschichte, die einzelnen Charaktere oder die Insel verraten. Also für all jene, die nicht genug von One Piece bekommen können, ein netter Anreiz.

Zusätzlich dazu könnt ihr auch Ausrüstungen herstellen, um eure Statuswerte zu verbessern. Dafür habt ihr aber lediglich bis drei Ausrüstungsplätze zur Verfügung und auch die Gegenstände selbst beschränken sich auf Ringe, die unterschiedliche Werte verändern und gegebenenfalls auch selten und damit besser sein können. Solltet ihr die Ressourcen, die ohnehin überall auf der Insel verteilt sind, gerade nicht parat haben, könnt ihr auch einen eurer Crew-Mitglieder mit einem Lunchpaket losschicken, um welche zu sammeln. Diese benötigen dann rund einen Tag dafür und kommen hoffentlich mit etwas Brauchbarem zurück. Wirklich ausgiebig genutzt hatte ich dieses Feature jedoch nie, da ich das Spiel in zwei längeren Sessions durch hatte und somit keinen Tag warten musste.

Die Geschichte selbst ist mit vielen Kniffen und dramatischen Wendepunkten geschmückt. Ich persönlich hatte es sehr genossen und die Story war eigentlich auch der einzige Grund, der mich am Weiterspielen motiviert hat. Der Rest des Spiel war leider nur durchschnittlich ohne das Augenmerk auf Details. Insgesamt waren rund elf Stunden meiner Zeit für das Durchspielen nötig mit wohl nur der Hälfte an erledigten Nebenmissionen. Holt man sich alles, was es zu holen gibt, kann man wohl auch gut und gerne seine 20 Stunden aus dem Spiel rausquetschen. Leider wird man in den letzten beiden Kapiteln Zeuge davon, wie künstlich versucht wird, die Spielzeit zu strecken. Hier wird euch nämlich die Möglichkeit der Schnellreise genommen, wodurch ihr mehrmals quer über die gesamte Insel laufen müsst, um eure Missionen zu erfüllen. Ich kann mich an kein anderes Spiel erinnern, welches so ein schlecht gestaltetes Finale hatte. Versteht mich nicht falsch, von der Geschichte aus betrachtet, ist es an Dramaturgie und Emotionen nicht zu übertreffen, aber leider völlig nervtötend in Szene gesetzt worden. Hat man das Spiel dann beendet, kann man zwar noch die restlichen Missionen erledigen, wird aber wieder zwei Kapitel zurückgesetzt. Eine heutzutage etwas ungewöhnliche Entscheidung.

Fazit

Es war schön zu sehen, dass Ruffy & Co. sich auch mal wieder ohne Warriors-Absicht ins Getümmel schmeißen. Leider war das Abenteuer aber nicht ganz so bombastisch, wie man es vielleicht erhofft hatte. Ich denke, dass die Crew der Thousand Sunny noch nicht ganz bereit für ein wahres Open-World-Spiel war, hoffe aber, dass man eventuell einen Nachfolger mit Verbesserungen bei allen kritisierten Punkten bringt, um nicht nur One-Piece-Fans anzusprechen, sondern auch den ein oder anderen Neuling. So ist es nunmal nicht mehr als Fan-Service an jene, die kein Kapitel in der One-Piece-Geschichte auslassen möchten. Wer von den Schwächen des Spiels absehen kann, wird eine spannende und gute Geschichte erleben. Wer das nicht kann, wird wohl eher enttäuscht werden.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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One Piece World Seeker für PlayStation 4
One Piece World Seeker für Xbox One

The Good

  • Eine große offene Insel ...
  • Eine packende Geschichte ...
  • Die wichtigsten Zwischensequenzen sind mit den Originalsprechern des Animes in OT synchronisiert worden

The Bad

  • ... auf der es wenig zu erkunden gibt
  • ... die von den Schwächen des Spiels ausgebremst wird
  • Missions-Design relativ mau
  • Die letzten beiden Kapitel sind relativ qualvoll zu spielen
6

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at