Octopath Traveler

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Octopath Traveler Review

Ein traumhaftes Abenteuer der etwas anderen Art.

Octopath Traveler war wohl eines der heiß ersehntesten Exklusivspiele für die Nintendo Switch der letzten anderthalb Jahre. Gleich vom ersten Moment an konnte es mit seiner “HD-2D” Repräsentation bei vielen Retro-Fans der 16-bit-Ära punkten. Das Spiel besticht mit dem Charme, quasi wie ein Diorama aufgebaut zu sein und bewahrt somit den nostalgischen Flair von damals, als es noch eine Kunst war, zweidimensionale Umgebungen und Charaktere zu gestalten und animieren, als auch die technischen Fortschritte von heute. Beides gepaart liefert zusammen mit einem gewohnt fantastischen Soundtrack aus dem Hause Square-Enix eigentlich die besten Voraussetzungen für ein richtig gutes J-RPG. Bleiben nur noch die Story und das Kampfsystem als große Fragezeichen, um das Erlebnis perfekt abzurunden. Nun, nach den kombiniert rund 60 Stunden, welche meine Freundin (als große J-RPG-Liebhaberin) und ich separat in Octopath Traveler verbracht hatten, ziehe ich ein Fazit, ob sich die Geld- als auch Zeitinvestition in das Spiel lohnt.

Kommen wir gleich zur Story, denn diese werdet ihr etwas anders erleben, als vielleicht von anderen Vertretern des Genres gewohnt. Euch stehen anfangs gleich acht Charaktere zur Auswahl, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da wären Cyrus, der Gelehrte; Ophilia, die Klerikerin; H’aanit, die Jägerin; Therion, der Dieb; Alfyn, der Apotheker; Primrose, die Tänzerin; Tressa, die Händlerin und Olberic, der Krieger. Jeder einzelne von ihnen kommt mit eigenen Fähigkeiten und Ausrüstungen und repräsentiert eine gewisse Klasse. Mit Ophilia werdet ihr den heilenden Weg einschlagen, wogegen H’aanit mit Tieren kämpt, die sich ihr angeschlossen haben. Alfyn kann durch das Mischen von Substanzen ungeahnte Vorteile im Kampf verschaffen oder Cyrus mit soliden Elementarattacken auftrumpfen. Entscheidet ihr euch für einen Charakter, ist dieser als Hauptfigur eurer Geschichte anzusehen, welcher nicht aus eurer Party verschwinden kann. Sämtliche andere Charaktere können durch das Spielen ihrer Geschichte hinzugefügt und auch jederzeit ausgetauscht werden. Die einzelnen Geschichten sind bei jedem einzelnen in vier Kapiteln aufgeteilt, wovon ihr jedoch nicht alle spielen müsst, wenn ihr nicht wollt. Doch der Drang nach den Story-Happen wird spätestens nach dem Abschluss des jeweils ersten Kapitels spürbar, welche prinzipiell als Einführung in die Hintergrundgeschichte dienen und euch zeigen, welche Kniffe jeder einzelne Charakter so hat. Nach jeweils rund einer Stunde könnt ihr dann die nächsten Geschichten aufsuchen, welche sich in gänzlich von den anderen unterscheidenden Gebieten befinden.

Hier kommt uns auch bereits der Erfahrungswert mehrerer Spieler zugute. Meine Freundin wählte als ihren Hauptcharakter Primrose, welche sich auf einem Rachefeldzug befindet. Mit ihr war der Einstieg wirklich schwer, da ihr erstes Kapitel wohl eines der Kürzeren ist und aufgrund der wenigen Kämpfe leider der Grind herhalten musste, um dieses abschließen zu können. Mit Cyrus, welcher mir am meisten für den Einstieg zugesagt hatte, war es hingegen kein großes Problem, in die Welt von Octopath Traveler einzutauchen. Spätestens nachdem ihr das erste Kapitel aller Charaktere abgeschlossen habt, könnt ihr euch eure Gruppe von vier Kämpfern gleichzeitig nach Belieben als auch Effektivität zusammenstellen, was den Fortlauf des Spiels erheblich vereinfacht. Ich konnte hingegen durch das geschickte Abklappern der Städte bereits zu Anfang eine gute Truppe aus Nahkämpfer, Elementarkämpfer und Heiler zusammenstellen. Was die einzelnen Story-Happen jedoch ein wenig repetitiv erscheinen lässt, ist der sich ständig wiederholende Ablauf von ein wenig Geschichte gefolgt von einem Dungeon, einem monumentalen Bosskampf und dem anschließenden Cliffhanger. Das kann auf Dauer ein wenig ermüden, doch die gut geschriebenen Dialoge und die Sprachausgabe sind ein willkommener Bonus, um das alles dann doch aufzuwerten. Apropos Sprachausgabe: nicht alles ist vertont, was als Text in den Dialogboxen erscheint. Sämtliche wichtigen Szenen, als auch einzelne Wörter, sind es jedenfalls, um auch die Wichtigkeit derer zu untermauern.

Das Kampfsystem ist glücklicherweise nicht so stupide langweilig ausgefallen, wie in vielen anderen J-RPGs. Ihr habt einerseits normale Attacken mit eurer Waffe, die je nach Charakter auch während des Kampfes gewechselt werden können. Dann stehen euch noch Elementarattacken zur Verfügung, welche sich wiederum je nach eurer Klasse offensiv oder defensiv ausrichten können. Beispielsweise bietet Cyrus die Möglichkeit, starke Eis-, Feuer- oder Blitz-Attacken rauszuhauen oder hingegen aber den Gegner zu studieren und eine seiner Schwächen bzw. die verbleibenden Lebenspunkte zu offenbaren. H’aanit hingegen kämpft gerne mit ihrem Bogen, welchen sie nicht nur normal, sondern auch als Spezial-Attacke einsetzen kann. Außerdem kann sie Monster im Kampf fangen, nachdem sie geschwächt wurden und sie dann als Spezialbeschwörung für sie kämpfen lassen – Pokémon lässt grüßen. Die Schwächen eurer Gegner bleiben anfangs verdeckt, ehe ihr diese per Fähigkeit (beispielsweise das Studieren von Cyrus) oder effektiven Angriff aufdeckt. Weiters haben eure Widersacher ein blaues Schildsymbol mit einer Zahl darin, welche angibt, wie viele effektive Angriffe benötigt werden, um es niederzustrecken. Ist dies geschafft, kann euer Gegenüber nicht angreifen und nimmt spürbar mehr Schaden, als noch zuvor. Dies könnt ihr weiter verstärken, indem ihr eure Bonuspunkte, die pro Spielzug erhöht werden, geschickt einsetzt. So könnt ihr beispielsweise mehrfach pro Runde angreifen (um so auch effektiv das Schild eures Gegners zu durchbrechen), euch besser heilen, länger anhaltende Stärkungen erwirken oder eben auch mehr Schaden anrichten. So obliegt es euch, wie ihr am besten mit diesen Mitteln umgeht und zu eurem Vorteil nutzen könnt.

Jeder eurer Charaktere hat natürlich sein eigenes Level und nur jene, die sich auch mit euch im Kampf befinden, können darin aufsteigen. Je mehr Erfahrung ihr über den Verlauf des Spiels sammelt, desto mehr Fähigkeiten könnt ihr freischalten und eurem Charakter aus einer großen Auswahl an solchen zuweisen. Außerdem habt ihr auch noch passive Fähigkeiten, die mit so genannten Laufbahnpunkten (quasi die gesamten gesammelten Erfahrungspunkte) erworben werden können und euch wiederum gewisse Vorteile im Kampf bieten. Die charaktereigenen Fähigkeiten könnt ihr aber auch in der Welt fast jederzeit einsetzen. So könnt ihr mit Tressa beispielsweise NPCs diverse Items abkaufen oder sie mit Therion einfach stehlen. Therion bietet zudem die Möglichkeit, spezielle Schatzkisten in der Welt zu öffnen, welche anderen Charakteren sonst verschlossen bleiben. H’aanit kann Leute provozieren und sie im Kampf besiegen, damit sie einen vormals von ihnen blockierten Weg freigeben. Jeder Charakter bietet eine Möglichkeit, mit seiner Fähigkeit zu punkten. Doch diese ist nicht immer von Erfolg gekrönt und ihr müsst abwägen, ob euch das Risiko eines geschädigten Rufes das Wert ist, solltet ihr scheitern. Doch keine Panik: selbst wenn das passiert, gibt es immer noch die Möglichkeit gegen bare Münze im Gasthaus euren Ruf wiederherzustellen. Klatsch und Tratsch bringt ja manchmal doch etwas.

Im weiteren Spielverlauf könnt ihr euren Charakter dann auch noch mit einer zweiten Klasse ausrüsten und Fähigkeiten nach Belieben kombinieren. Dies bringt dann nochmals die nötige Würze ins Spiel, um es bis zum Schluss interessant zu halten. Die Story der einzelnen Charaktere sind jedoch bis zum Schluss hin nie wirklich in einander verflochten, was einerseits recht schade ist, da das Potential einer monumentalen Super-Geschichte groß gewesen wäre, andererseits hat man so die Möglichkeit sämtliche Zweige separat zu genießen, welche sich ja doch vehement von einander unterscheiden und gut geschrieben sind. Wenn man nun alles in Betracht zieht und sich am Ende fragen müsste, ob es die Zeit und das Geld wert war, welches man in Octopath Traveler gesteckt hat, dann würde ich mit einem völlig überzeugten Ja antworten. Es ist ein recht umfangreiches und liebevoll gestaltetes J-RPG, das mit acht verschiedenen Geschichten sicherlich für jeden etwas bietet. Die abwechslungsreichen Charaktere können ebenso überzeugen, wie das Kampfsystem. Die einzigen Kritikpunkte wären wohl, dass die Geschichten nicht wirklich ineinander übergehen und es quasi immer die selbe Formel für die einzelnen Story-Abschnitte ist. Ansonsten bietet Octopath Traveler ein einzigartiges und vor allem exklusives Erlebnis auf der Nintendo Switch.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Octopath Traveler für Nintendo Switch
Octopath Traveler (Download-Code) für Nintendo Switch
Octopath Traveller Compendium Edition für Nintendo Switch

The Good

  • Wunderschöne HD-2D Optik
  • Toller Soundtrack
  • Acht abwechslungsreiche Charaktere und Geschichten
  • Gutes Kampfsystem und mehrere Klassen kombinierbar

The Bad

  • Keine übergreifende Geschichte
  • Repetitive Formel für den Ablauf der einzelnen Abschnitte
  • Die Karte im Spiel ist verwirrend und irreführend
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at