No70: Eye of Basir

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No70: Eye of Basir Review

Guter Horror bleibt einem noch bis in die eigenen Träume erhalten. Kann No70: Eye of Basir liefern, was es verspricht?

No70: Eye of Basir wirkt auf den ersten Blick wie eine Mischung aus einem Walking-Simulator und Myst gepaart mit Horror-Elementen. Nun, so weit ist es am Ende dann gar nicht gefehlt, bleibt man doch gleich verwirrt zurück, wie bei beinahe allen Vertretern genannter Genre bzw. Spiele. Das vom türkischen Entwicklerstudio ‚Old Mustache Gameworks‘ kreierte Abenteuer ist in drei Abschnitte aufgeteilt, in denen man eine sehr mysteriöse und übernatürliche Geschichte erzählt bekommt. Der Fokus liegt auf dem Erkunden der einzelnen Bereiche und dem Lösen diverser Kopfnüsse. In klassischer Myst-Manier sucht man sich Hinweise und Gegenstände zusammen, um Objekte damit zu bestücken oder findet dadurch Codes für Türen, um diese zu öffnen und neue Bereiche begehbar zu machen.

Im Laufe des Spiels erhält man dann auch noch das besagte ‚Eye of Basir‚, welches eine mysteriöse Lupe darstellt, die an das Auge der Wahrheit aus The Legend of Zelda: Ocarina of Time erinnert. Sieht man hindurch, eröffnen sich einem übernatürliche Wahrnehmungen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen gewesen wären.

Das Spiel selbst vermittelt einige Male eine sehr angespannte und Gänsehaut erregende Atmosphäre. Durch den Soundtrack, der das Geschehen perfekt untermalt und einem Titelsong, der bereits beim ersten Anhören zu einem Ohrwurm mutiert, gewinnt das Spiel ungemein an Flair. Leider können die Rätsel nicht immer mit dem Rest des Spiels mithalten und so sind diese teilweise mit uninspiriertem Backtracking verbunden. Vor allem anfangs läuft man immer wieder zwischen den beiden Punkten im Haus hin und her, die am weitesten von einander entfernt sind, nur um das jeweilig andere benötigte Item zu finden, welches einen neuen Weg öffnet. Hier wurde enorm viel Rätsel-Potential auf der Strecke liegen gelassen.

Die Story ist sehr verwirrend. Ich bin mir auch Tage nach dem Durchspielen nicht gänzlich im Klaren, was diese mir wirklich erzählen wollte. Hauptsächlich wird sie jedoch durch Textpassagen auf Zetteln und Objekten erzählt, die über die Gebiete verteilt sind und gefunden werden wollen. In einigen Szenen gibt es aber auch einen Sprecher, der das Geschehen und die Gedanken mit einer sehr angenehmen Stimme erzählt.

Die Präsentation des Spiels ist sehr stimmig und gut umgesetzt. Einige Male flimmern jedoch die Schatten und Kanten über den Bildschirm, als auch eine seltsam ‚poröse Unschärfe‘ bei Objekten, die nicht im Fokus sind. Ich hatte auch einige Probleme beim Anschließen eines Controllers, wodurch ich nach einigem Rumprobieren wieder zurück auf die Tastatursteuerung gewechselt war.

Alles in allem ist No70: Eye of Basir ein Titel, der mehr Potential in sich hat, als schlussendlich ausgeschöpft wurde. Mit Layers of Fear kam zudem erst letztes Jahr ein ähnlicher Titel, welcher im direkten Vergleich in sämtlichen Belangen die Nase vorn hat. Das Spiel ist derzeit nur für PC erhältlich, an Konsolen-Ports wird offenbar noch gearbeitet. Der ursprünglich angepriesene VR-Support für die PC-Version ist derzeit ebenfalls noch nicht in das Spiel eingearbeitet und folgt in unbekannter Zukunft. Nach all diesen Erkenntnissen ist es derzeit also schwer das Spiel ohne ein wenig Bauchweh weiterzuempfehlen. Wer jedoch ein Fan des Genres ist und ein 2- bis 3-stündiges Kurzabenteuer sucht, soll sich dennoch nicht davon abhalten lassen, in das Spiel selbst einzutauchen.

The Good

  • Stimmige Atmosphäre
  • Toller Soundtrack

The Bad

  • Uninspiriertes Backtracking
  • Wenige Horror-Momente
  • Verwirrende Story
  • Technisch unausgereift
6

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at