Nintendo Labo

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Nintendo Labo Review

Innovation aus Pappe.

Wer sich schon mal in einer geselligen Gruppe über Videospiele unterhalten hat, der kennt das Szenario: die einen faseln lediglich über 4K und 60fps, andere wiederum bevorzugen die blutrünstigsten Spiele unserer Zeit und dann ist da noch der Nintendo-Fan, der seit seiner Kindheit der japanischen Spieleschmiede die Treue gehalten hat. Doch Letzterer wird meist nur belächelt, da er doch nicht “cool” oder “stark” genug für den Rest der Truppe ist. Genannte Eigenschaften beziehen sich aber wohl auch auf die Konsolen selbst, die Nintendo auf den Markt bringt. Doch was viele in diesem Nebel an protzigen “Größenvergleichen” immer wieder vergessen: ohne Nintendo wäre der Videospielmarkt nicht dort, wo er heutzutage ist. Die Innovationen, die Nintendo über die Jahre hinweg in unseren Alltag geschummelt hat, sind überall – auch bei der Konkurrenz. Doch im Gegensatz zu dieser geht Nintendo nach wie vor den Weg der Experimente und schafft es einmal mehr dem Rest der Industrie zu zeigen, was man noch so abseits all der GHz und TeraFLOPS so machen kann.

Nintendo Labo: Toy-Con 01 Multi-Set

Das erste Nintendo Labo Set beinhaltet insgesamt fünf verschiedene Projekte, die in der Schwierigkeit und Länge des Zusammenbauens kontinuierlich steigen. Den Anfang macht das Remote-Control-Car, ein simples mit den JoyCon gesteuertes Fahrzeug. Dabei dienen der Nintendo-Switch-Bildschirm als Steuereinheit und die JoyCon als der Antrieb des Autos. Durch das geschickte Vibrieren des HD-Rumbles in jedem der beiden Controller lässt sich das Fahrzeug relativ gut steuern und bietet auch die Möglichkeit, durch die im rechten JoyCon eingebaute Infrarot-Bewegungskamera, Bilder seiner Umgebung zu zeigen. Dadurch kann man auch gerne mal Ausflüge in das ein oder andere Nebenzimmer machen und so seinen Eltern oder Geschwistern einen unerwarteten Besuch abstatten.

Der Einstieg in die Welt des Bastelns ist relativ einfach. Sobald ihr das Spielmodul in die Konsole gesteckt und die Software gestartet habt, erhaltet ihr ein simples Tutorial, bei dem ihr zugleich eine JoyCon-Halterung herstellt. Danach könnt ihr frei wählen, welches Bauprojekt euch am ehesten zusagt. In einer Schritt-für-Schritt-Anleitung bekommt ihr dann auf dem Bildschirm angezeigt, welche Teile der Pappbögen ihr benötigt und wie ihr diese falten müsst. Anschließend setzt ihr die einzelnen Teile zusammen und bringt eventuell auch noch Gummiringe, diverse Schnüre oder Reflektorensticker für spezielle Mechaniken an die Teile an. Dies kann je nach Projekt gut und gerne mal bis zu vier Stunden in Anspruch nehmen, macht jedoch sehr viel Spaß, wenn man entweder jung geblieben ist, einfach Spaß am Basteln findet oder die ein oder andere helfende Kinderhand bei sich sitzen hat.

Ein weiteres Projekt aus diesem Set wäre dann noch das Klavier. Hier ist nicht nur Sitzfleisch gefragt, sondern auch sehr viel Geduld. Das wohl umfangreichste Projekt dieses Pakets kann am Ende einer rund vierstündigen Basteleinheit aber auch mit Vielseitigkeit überzeugen. Ihr könnt darauf nicht nur simple Noten spielen, sondern diese auch mittels verschiedener Drehknöpfe modifizieren, um beispielsweise statt normaler Töne Katzen-Miaue zu produzieren. Weiters sind auch verschiedene Zusatzschablonen für den erweiterten Funktionsumfang beigelegt, um noch mehr verrückte Effekte anzuwenden oder auch Tonhöhen zu verstellen, um nicht auf lediglich eine Oktave beschränkt zu sein.

Das Haus bietet euch eine Art Tamagotchi-Verschnitt. Ihr müsst einem kleinen knuffigen Wesen Bohnen, Süßigkeiten oder andere Spezialitäten füttern, um das Aussehen und die Farbe von diesem zu ändern. All diese Zutaten bekommt ihr durch das Spielen von Minispielen, welche durch den Einsatz von drei verschiedenen Hebeln freigeschaltet werden können. Der Clou daran ist, dass die Kombination und Anzahl dieser entscheidet, welche Spiele ihr freischaltet. Dann erwartet euch ein Loren-Rennen, ein Ringe-Spiel unter Wasser oder beispielsweise auch ein Balloon-Schwebespiel.

Die Angel lädt euch dann zum gemütlichen Fischen ein, wie ihr es schon immer mal machen wolltet, ohne dabei eklige Köder oder schleimige Fische anzugreifen zu müssen. Einmal gebastelt, hängt ihr quasi mit eurer Schnur am Bildschirm der Nintendo Switch und müsst im richtigen Moment euren Fisch davon überzeugen, herzhaft zuzubeißen. Eure glorreichen Fänge könnt ihr dann im Aquarium begutachten und in weiterer Folge sogar eigene Fische erfinden und diese mit dem Aussehen eurer Fantasie ausstatten. Selbiges gilt auch für das Motorrad, indem ihr nicht nur vorgegebene Rennstrecken im Grand-Prix absolvieren könnt, sondern auch eure eigenen gestaltet. Für mich ist dieses Projekt das wohl interessanteste und lustigste, da man sein Motorrad sehr intuitiv durch das Neigen der gebastelten Vorrichtung steuert und auch verschiedene Hebel zum Umgang mit dem Zweiräder dienen. Außerdem kann man sogar Wheelies vollführen – was will man eigentlich mehr?

Viele dieser Funktionen sind aber nicht von Anfang an spielbar. Erst gilt es nämlich den Bastel-Modus abzuschließen, ehe man ein paar Testläufe im Spielmodus abschließt. Anschließend kann man die einzelnen Projekte entdecken, indem man sich auf dem Bildschirm viele Funktionen erklären lässt und dann nach und nach neue freischalten kann. Doch wichtig ist eben, dass ihr sämtliche Grundfunktionen des jeweiligen Projekts intus habt, bevor ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen könnt.

Nintendo Labo: Toy-Con 02 Robo-Set

Wolltet ihr schon immer mal ein Transformer sein? Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor mehr als 20 Jahren immer wieder den Otto-Katalog durchstöbert hatte, meistens lediglich auf zwei Seite darin beschränkt. Zum einen die aktuellen Nintendo 64 Spiele und zum anderen die Seite mit den Transformers- und Power-Rangers-Figuren, die sich verwandeln konnten und ineinander stecken ließen. Nun, jetzt habt ihr die Möglichkeit dazu, selbst einer zu sein. Mit dem Robo-Set von Nintendo Labo könnt ihr euch nach relativ aufwändigem Zusammenbauen der Komponenten einen soliden Rucksack umschnallen, zwei Hebel um die Füße geben und weitere zwei davon in die Hände nehmen. Außerdem werdet ihr einen recht chicen Helm tragen, der euch vollendet. Und dann heißt es ab in’s Abenteuer. Als riesiger Metallklumpen könnt ihr dann an einer Vielzahl an Herausforderungen teilnehmen, die die verschiedene Aspekte eurer Fähigkeiten auf die Probe stellen. Doch das beste daran: ihr könnt alles um euch rum zerstören!

Solltet ihr nicht der einzige mit dem Robo-Set sein, könnt ihr sogar einen zweiten Mitspieler zu euch holen und folglich gemeinsam gegeneinander antreten. Die Möglichkeiten sind hier ebenso kreativ wie zuvor. Um euch fortzubewegen, müsst ihr lediglich eure Füße abwechselnd am Stand hochheben und wieder senken. Die Hebel, die um eure Füße geschnallt sind, lösen dann im Rucksack die nötigen Bewegungen im Spiel aus. Eure beiden Hände nutzt ihr dazu, um zuzuschlagen, Gegner dem Erdboden gleichzumachen oder Häuser niederzureißen. Das Ganze spielt sich in der Third-Person-Perspektive ab – zumindest so lange, bis ihr euer Visier runtergebt. Danach habt seid ihr tatsächlich mittendrin und seht alles aus First-Person-Perspektive. Gebt ihr beide Arme nach unten, löst ihr den Jetpack aus, welcher euch in luftige Höhen katapultiert und durch das Neigen eures Körpers könnt ihr dann die Richtung bestimmen. Und dem noch nicht genug, denn solltet ihr in die Hocke gehen, verwandelt ihr euch in ein schnelles Gefährt und könnt fröhlich durch die Gegend düsen. In unseren Tests mit Freunden gab es sehr viele lustige Momente und sehr viel Gelächter. Vielleicht haben all diese Spiele nicht den nötigen Tiefgang, um auf Dauer interessant zu bleiben, aber für gesellige Abende oder kleine Einlagen zwischendurch sind sie perfekt. Außerdem ist es wirklich erfrischend mal wieder etwas völlig Neues auszuprobieren. Und da hat Nintendo definitiv etwas geschaffen, was sich sonst nirgendwo in dieser Form finden lässt.

Die Toy-Con-Werkstatt

Ein weiterer Aspekt all dieser Nintendo Labo Spiele ist die Toy-Con-Werkstatt. In dieser könnt ihr nach Belieben eigene Kreationen erfinden und in die Tat umsetzen. Seien es einfache Abläufe, die den JoyCon vibrieren lassen, falls ein gewisser Knopf gedrückt wird oder auch eine komplexe Gitarre mit fetzigen Sounds – der Kreativität ist spätestens hier definitiv keine Grenzen mehr gesetzt. Wer möchte, kann sich auch auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Nintendo einige Ideen und Anleitungen hierzu ansehen. Gebastelt wird dann meist mit eigenen Kartons, die auch nach Belieben bemalt und verziert werden können. Wer also auch nach den üblichen Projekten weiterhin Spaß an Nintendo Labo finden möchte, dem sei die Toy-Con-Werkstatt wärmstens empfohlen.

Was tun, wenn Teile verloren gehen oder beschädigt wurden?

Nachdem sämtliche Bauteile von Nintendo Labo aus Karton sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese eventuell irgendwann einmal durch äußere Einflüsse beschädigt werden oder dass Einzelteile verloren gehen. In diesem Fall bietet Nintendo in Bälde einen Ersatz über den eigenen Online-Shop an. Unter https://nos.nintendo.at/ können dann Komplettsets von Projekten oder gleich das gesamte Nintendo Labo Set nachgekauft werden. Preislich bewegt man sich dann zwischen EUR 3,65 und EUR 12,00 für Projektsets oder deren einzelne Baugruppen bzw. EUR 30,00 bis EUR 35,00 für sämtliche Teile eines Nintendo Labo Pakets ohne die dazugehörige Software.

Fazit

Nintendo Labo ist für mich eine kleine Überraschung. Erst fand ich die Idee recht nett, aber für mich als Vielspieler und jemandem, der vom Schwierigkeitsgrad oder den Gameplay-Ideen her ansprechende Spiele bevorzugt, war all das etwas zu wenig, um mich in den Bann ziehen lassen zu wollen. Jetzt, nachdem ich unzählige Stunden mit Nintendo Labo verbracht habe und auch Freunden und Bekannten davon erzählt und es sie selbst ausprobieren habe lassen, bin ich doch ganz anderer Meinung. Vielleicht auch im Hinblick darauf, dass wir zuhause Nachwuchs erwarten und ich natürlich Ausschau nach perfekten Einstiegsmöglichkeiten in die Videospielwelt halte. Nintendo Labo ist neu und erfrischend, es macht Spaß und fördert Kreativität. Nicht nur bei jungen Kids, sondern auch bei der älteren Generation. Die Minispiele sind unterhaltsam genug, um einige Zeit lang unterhalten zu werden und die Toy-Con-Werkstatt bietet zusätzliche Motivation für ganz eifrige Erfinder. Insgesamt betrachtet finde ich das Nintendo Labo: Toy-Con 01 Multi-Set für den Einstieg perfekt, da es auch mehrere Projekte mit reichlich Abwechslung bietet. Für junge Transformers-Fans und solche, die es noch werden wollen, empfehle ich das Nintendo Labo: Toy-Con 02 Robo-Set mit Mecha-Power. Es ist zwar lediglich auf ein Projekt und Spiel beschränkt, dafür aber mit einem ziemlich coolen. Wie dem auch sei, es bleibt am Ende dem persönlichen Geschmack überlassen, wozu man eher tendiert oder ob man ohnehin bei beiden Paketen zuschlägt. Von uns gibt es allenfalls einen Daumen nach oben und ein herzliches Dankeschön an Nintendo für die anhaltende Innovationswelle und den frischen, neuen Ideen.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

Nintendo Labo: Toy-Con 01 Multi-Set für Nintendo Switch
Nintendo Labo: Toy-Con 02 Robo-Set für Nintendo Switch
Nintendo Labo: Design-Paket für Nintendo Switch

The Good

  • Bastelspaß für die gesamte Familie und alle Altersklassen
  • Tolle und verständliche interaktive Bastelanleitung
  • Neue und innovative Ideen um zu spielen

The Bad

  • Relativ teuer für "ein paar Pappbögen"
  • Keine Spiele mit Langzeitmotivation. Lediglich Gimmicks.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at