Nights of Azure 2: Bride of The New Moon

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Nights of Azure 2: Bride of The New Moon Review

Bis(s) zum Neumond.

Nights of Azure 2 ist ein sehr interessantes Project des Entwicklers Gust unter dem Flaggschiff von Koei-Tecmo. Dort, wo ich anfangs ein weiteres Spiel des Warriors-Genres erwartet hatte, verbirgt sich eigentlich etwas ganz anderes, das mein Interesse geweckt hat. Es ist eine Mischung aus einem Warriors-ähnlichen Kampfsystem und einem klassischen JRPG, welches sich einiger weiterer interessanter Mechaniken aus unterschiedlichen Spielen bedient.

Ihr übernehmt die Rolle von Alushe, die von den Ältesten der Curia den Auftrag erhält, ihre beste Freundin Liliana aus Kindheitstagen zu beschützen und sie zur Moon Queen zu eskortieren, wo diese als Oper im Sinne der Bride of Time dargebracht werden soll. Grund dafür ist, dass die Moon Queen das Land mit Dunkelheit übersät und die Opfergabe als Rauszögern dieses Vorhabens dienen soll. Zwiegespalten, jedoch voller Überzeugung, willigt Alushe dem Auftrag der Curia ein und setzt das Vorhaben in die Tat um. Doch auf dem Weg zur Moon Queen werden die beiden von einer weiteren Kriegerin überfallen, die es für ganz und gar nicht klug hält, der Moon Queen dieses Opfer darzubringen, da Liliana mächtig genug wäre, das eigentliche Vorhaben der Moon Queen zu erfüllen: die Ewige Dunkelheit dieser Welt. Ein Kampf entfacht. Doch plötzlich taucht die Moon Queen höchstpersönlich vor den beiden Kontrahenten auf und durchdringt im Eifer des Gefechts den Körper von Alushe mit ihrer Klinge und schenkt ihr so den Tod. Kurz darauf erwacht Alushe jedoch in einem Laboratorium, nichtwissend, wer oder was ihr erneut das Leben geschenkt hat, ehe sich herausstellt, dass eine Wissenschaftlerin sie für ein Experiment hergenommen hat. Alushe ist nämlich fortan ein Halb-Dämon, welcher unglaubliche Schmerzen empfindet und blaues Blut in sich trägt. Doch besser nur halbtot, als ganz, oder?

Besagtes blaues Blut ist auch das, was sämtliche Lebewesen und andere Krieger dieser Welt auf die dunkle Seite gezogen hat. Daher werdet ihr kaum einem friedlich gesinnten Mitstreiter auf eurem Weg durch die verschiedenen Gebiete begegnen. Das Ziel des Spiels ist es natürlich, die Moon Queen zu beseitigen und eure Freundin Liliana zu finden. Dazu bieten euch die einzelnen Story-Akte verschiedene Gebiete mit Haupt- und Nebenmissionen an. Doch ihr kämpft nicht alleine, sondern immer mit einer Partnerin gemeinsam, mit der ihr nebst Warriors-ähnlichem Kampfsystem zusätzlich noch Spezialattacken eurer Partnerin oder auch gemeinsam mit ihr vollführen könnt, um reichlich Schaden anzurichten. Eure Protagonistin könnt ihr, wie in einem JRPG gewohnt, jederzeit mittels Säuberung eures Körpers vom blauen Blut in einem High-Tech-Sarg hochleveln und ihr so auch neue Fähigkeiten verleihen. Eure Partnerinnen, steigen im Level nur dann, wenn ihr mit der jeweils Ausgewählten auch in den Kampf zieht. Über den Verlauf des Spiels hinweg werdet ihr mehrere Unterstützerinnen in euer Team aufnehmen können.

Neu im Spiel sind die Lillies, welche – wie der Name schon sagt – erst aus rosa Lilien befreit werden müssen und die ihr in den Gebieten verteilt währen euren Missionen finden könnt. Diese repräsentieren eure Gefährten, von denen ihr bis zu zwei gleichzeitig mit in den Kampf nehmen könnt. Dabei repräsentieren diese euer Schwert, mit dem ihr kämpft und bieten – sollten sie gerade nicht als Schwert aktiv sein – auch außerhalb des Kampfes mit ihren Spezialfähigkeiten ihre Hilfe an, indem sie Hindernisse wie Dornengestrüpp verbrennen oder Elektrozäune verschwinden lassen können. Wichtig, aber auch gleichzeitig nervig dabei: ihr könnt die Hilfe der Lillies nur in Anspruch nehmen, wenn diese aktiv in eurem Team ist! Solltet ihr während eurer Erkundungstour eine neue Helferin finden, könnt ihr diese während des aktuellen Tages nicht mehr einsetzen.

Wo wir auch zu einem weiteren essenziellen Feature kommen. Seit der Niederlage Alushes, hat es die Moon Queen geschafft, weitere Sonnenaufgänge zu verwehren. Daher seid ihr ständig im Dunkeln unterwegs, mit dem sich anbahnenden Neumond im Nacken. Und dieser spielt dabei auch die wichtigste Rolle, denn, sollte der Neumond in seiner vollen Pracht am Himmel zu sehen sein, ist das Spiel vorbei und die Moon Queen hat gewonnen. Pro Tag nähert sich der Neumond seiner vollen Pracht, doch durch die schweren Verletzungen Alushes kann diese immer nur zehn Minuten am Stück auf Jagd gehen, ehe sie einen ganzen Tag ruhen muss – The Legend of Zelda: Majora’s Mask lässt grüßen. Mit diesem Zeitdruck im Nacken müsst ihr also in stetiger Eile eure Aufgaben erfüllen, Monster besiegen, Items finden oder Gebiete erforschen. Am Ende eines jeden Aktes wartet dann noch ein kniffliger Endboss auf euch, dem ihr, sofern ihr ihn besiegt, das ganze blaue Blut aussaugen könnt, damit sich der Mond wieder „resettet“ und ihr neuerlich mehr Zeit zum Erkunden und Erfüllen eurer Missionen habt.

Das doofe daran ist jedoch, dass, obwohl das Konzept dessen vielversprechend und interessant klingt, ihr oftmals frustriert resigniert, wenn sich ein Rätsel nicht gleich lösen lässt oder ihr kurz vor dem Ausgang seid und die Zeit ausläuft. Beispielsweise ist es mir passiert, dass ich eine neue Lilie vor mir sag, aber erst die Gegner bekämpfen musste, um die Blockaden aufzuheben. Das ist sich gerade um eine Handvoll Sekunden nicht ausgegangen, wodurch ich einen Tag rasten musste, bevor ich erneut vom Level-Anfang starten und mir meinen Weg zur Lilie bahnen konnte. Dort angekommen befreite ich meinen neuen Begleiter aus der Lilie, welchen ich aber nicht gleich einsetzen konnte, da dieser erst ins Team aufgenommen werden muss, welches ich außerhalb meiner Residenz im Kampfgebiet nicht ändern kann und so einen weiteren Tag verloren hatte. Zugegeben: das Spiel gibt einem reichlich Zeit und auch die Möglichkeit zu scheitern, sollte man es nicht auf Anhieb schaffen. Dennoch etwas, das schwer im Magen liegt.

Apropos scheitern: ein vermeintlicher K.O.-Schlag, wenn eure Gesundheit auf Null fällt, ist kein Game Over. Ihr findet euch dann in der Residenz wieder und euer Tag ist vorüber. Solltet ihr am nächsten Tag dann wieder ins gleiche Gebiet vordringen, sind sämtliche Barrieren, die man durch Kämpfe freilegen musste, immer noch freigelegt und auch die Erfahrungspunkte in Form von blauem Blut, die ihr bis dorthin gesammelt habt, bleiben euch erhalten. Somit ist der vermeintliche Tod nicht wirklich tragisch. Damit ihr in Zukunft jedoch länger in der Wildnis ausharren könnt, empfiehlt es sich, die passenden Fähigkeiten zu erlernen. So könnt ihr die Erkundungszeit nicht nur durch den Level-Aufstieg erhöhen. Eure Lillies lassen sich im Übrigen auch Verstärken und sogar entwickeln, wenn ihr diese bis auf Level 30 bringt. Dazu benötigt ihr spezielle Erfahrungspunkte, die ihr durch das Erfüllen von Nebenmissionen erhaltet.

Grafisch repräsentiert sich das Spiel auf der Nintendo Switch recht fein und kann überzeugen. Auch wenn die Umgebung bzw. die Kampfgebiete recht simpel und eintönig gehalten sind, so hat das Spiel insgesamt einen schönen Art-Style und einen eigenen Charme. Der Soundtrack ist recht passend und der Titelsong, den ihr während des Intros hört, ein richtiger Ohrwurm. Im Handheld-Modus der Nintendo Switch gibt es auch wenig zu beanstanden, außer, dass hin und wieder bei Spezialattacken die Framerate fällt. Da dies aber keinerlei negative Auswirkungen auf das Spiel hat, da die Spezialattacken ohnehin von selbst ablaufen, ist dies nicht weiter tragisch. Was jedoch ein nerviges Problem darstellt, ist die Tatsache, dass die Bestätigungs- bzw. Abbruchstasten von Szene zu Szene unterschiedlich sind. Mal bestätigt man mit dem A-Knopf und bricht mit dem B-Knopf ab, in der nächsten Szene oder dem nächsten Eingabebildschirm ist es dann aber genau umgekehrt. So wird es quasi zur Denksportaufgabe, was denn jetzt die richtige Knopfwahl wäre. Ich hoffe, dass dies noch mittels Update behoben wird, da ein B-Knopf für das Bestätigen nicht wirklich logisch ist, selbst wenn es am Bildschirm so gekennzeichnet ist.

Fazit

Nights of Azure 2: Bride of The New Moon ist eine interessante Mischung aus verschiedenen Genres der Videospielwelt. Mir gefällt besonders, dass die Story sehr ausgeprägt ist und eigentlich den wichtigsten Teil des Spiels darstellt. Die Möglichkeiten, die sich einem durch die Auswahl der Talente des Hauptcharakters bieten, sind riesig und auch die Idee der Lillies ist recht witzig. Leider ist der Zeitdruck, der aufgrund des Plots durchaus Sinn macht, aber immer eine kleine Spaßbremse, wie es auch schon bei Majora’s Mask der Fall war. Mittendrin in seiner Erkundung zwangsweise von vorne beginnen zu müssen, ist nicht unbedingt das, was ich mir unter einem idealen Gameplay vorstelle. Zugegeben, es ist reichlich Zeit vorhanden, alles zu erkunden und alle Nebenmissionen zu erfüllen, ehe man die Mondphase wieder zurücksetzen kann, doch ungut im Nacken bleibt das Ganze trotzdem. Aber wie dem auch sei, ich bin richtig angetan von Nights of Azure 2 und habe sogar Lust darauf bekommen, den ersten Teil nachzuholen. Daher kann ich Fans des JRPG Genre nur dazu ermutigen, mal einen Blick darauf zu riskieren. Nights of Azure 2: Bride of The New Moon ist für Nintendo Switch, als auch PlayStation 4 erhältlich.

Wir bedanken uns bei Koch Media für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.


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The Good

  • Eine gelungene Mischung aus vielen Genres
  • Sehr storylastig
  • Lillies sind eine nette Idee
  • Viele Möglichkeiten durch Items, Fähigkeiten und Begleiter

The Bad

  • Zeitdruck manchmal suboptimal
  • Team kann nicht außerhalb der Residenz geändert werden
  • Bestätigungstasten variieren und verwirren
7.5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at