Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs

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Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs Review

Im Land der Katzen und Mäuse.

Als vor knapp zehn Jahren bekannt wurde, dass Entwicklerstudio Level-5 zusammen mit Studio Ghibli an einem neuen Videospiel arbeitet, gingen wohl viele Träume in Erfüllung. Nicht nur Anime-Fans sondern auch begeisterte Anhänger von klassischen JRPGs konnten sich auf etwas ganz Besonderes freuen. Erstmals und exklusiv im Jahre 2010 für den Nintendo DS in Japan erschienen, konnte Ni no Kuni: Dominion of the Dark Djinn viele Fans für sich gewinnen. Wenig später im Jahre 2011 wurde dann eine erweiterte und völlig überarbeitete Version des Spiels wiederum nur im Land der aufgehenden Sonne für PlayStation 3 veröffentlich. Erst ganze zwei Jahre später durfte dann auch der Westen sich über eine lokalisierte Veröffentlichung freuen und in das bezaubernde Abenteuer eintauchen. Die Lust auf mehr war enorm, konnte der Titel doch sämtliche Altersgruppen begeistern. Und was habe ich mich gefreut, als dann tatsächlich der zweite Teil der Franchise unter der Haube von Bandai Namco Entertainment bestätigt wurde. Nun konnte ich ihn ausgiebig spielen und bin restlos davon begeistert. Es ist ein wahrlich magischer Moment, wenn man die Atmosphäre des Spiels konsumieren kann – davon werden selbst die Zuseher auf der Couch gepackt und fiebern umgehend mit einem mit.

Anders, als Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin, wird einem sofort das geänderte Kampfsystem auffallen. Weg vom angestaubten Klischee-System, hin zur Echtzeit-Action mit freiem Bewegungsradius. Eine sehr willkommene Änderung, welche eure Reise weit weniger anstrengend macht. Zudem hat man den Schwierigkeitsgrad dahingehend angepasst, als dass ihr nicht mehr grinden oder euch über allzu schwere Kämpfe ärgern müsst. Das Pacing des Spiels ist perfekt auf die Story abgestimmt und somit keine wirkliche Hürde. Natürlich werdet ihr aber auch auf Gegner treffen, die einige Level höher sind, als eure Gruppe. Doch die eher offene Welt, die von euch erkundet werden möchte, lädt zu allerhand Nebenquests ein, um alternative Aufgaben zu lösen, solltet ihr mal irgendwo nicht weiterkommen. Es ist quasi euch überlassen, wie schnell ihr im Spiel voranschreiten möchtet. Auf eurer Reise werdet ihr auch ziemlich bald so genannten Gnuffis begegnen. Diese mit Nintendos Pikmin leicht zu verwechselnden Wesen greifen euch im Kampf tatkräftig unter die Arme. Es gibt verschiedene Arten von ihnen und jede Gruppe ist mit unterschiedlichen Fähigkeiten gewappnet. Grüne Gnuffis können euch heilen, weiße Gnuffis schießen mit einer kurzerhand errichteten Kanone auf Gegner und violette Gnuffis lassen eine Art schwarzes Loch erscheinen, welches massiven Schaden zufügt. Das ist jedoch nur eine Auswahl von dem, was möglich ist.

Eine weitere Neuerung sind auch die Schlachten, welche ein wichtiger Bestandteil des Spiels sind. Hier kämpft ihr mit bis zu vier Soldatengruppen an eurer Seite gegen unterschiedliche Widersacher und versucht, die gegnerischen Kämpfer dem Erdboden gleichzumachen. Dabei betrachtet ihr das Geschehen aus der Vogelperspektive und seid als Miniaturfiguren unterwegs, wie auch sonst überall in der Oberwelt. Ihr könnt verschiedene Spezialangriffe auslösen, die Gruppen um euch rotieren lassen, sodass situationsabhängig starke Kämpfer sich immer an vorderster Front befinden und beispielsweise Bogenschützen immer weit weg von Gegnern. Es ist eine nette Abwechslung für zwischendurch, bietet jedoch keine wirkliche Tiefe, da ihr prinzipiell nur von Gegner zu Gegner marschiert und darauf hofft, dass ihr die Überhand gewinnt. Dazu müsst ihr jedoch eure Kampfressourcen im Auge behalten und gegebenenfalls mit einigen Kronen nachhelfen.

Apropos Kronen: diese stellen die Währung eures neu gegründeten Königreichs dar, auf welches ihr direkten Einfluss habt – immerhin seid ihr ja der neue König. Doch wir meinen das nicht nur so, ihr könnt tatsächlich euer Königreich erbauen und mit allerhand Talenten befüllen. Dazu steht euch ein sehr übersichtlicher Editor zur Verfügung, mit welchem ihr neue Bauten bestimmt; Charaktere, die sich im Laufe des Spiels durch Haupt- oder auch Nebenmissionen euch anschließen, auf ihr Talent prüft und sie so gewissen Abteilungen zuweist (beispielsweise den Schmied-Lehrling der Waffenkammer); oder auch Forschungen in Auftrag gebt. Diese werden dann in einer gewissen Zeitspanne automatisch abgeschlossen und ermöglichen euch so neue magische Sprüche zu erlernen, effizientere Forschung zu betreiben oder auch mehr Ressourcen zu produzieren. Das Königreich wirft nämlich jede Menge davon ab, was von euch wiederum genutzt werden kann, um eure Gruppe zu heilen oder zu stärken. Selbiges gilt auch für Rüstungen und Waffen, die immer wieder mit besseren Werten ausgerüstet werden wollen. All das ist bis auf wenige Momente im Spiel, welche quasi ein gut integriertes Tutorial in den Spielverlauf darstellen, völlig optional, sollte jedoch auch nicht gänzlich ignoriert werden, da es euch enorme Vorteile bringt.

Zaubersprüche sind im Übrigen ein weiteres wichtiges Element im Spiel. Nach und nach werdet ihr entweder von Charakteren im Story-Verlauf oder auch durch Forschung neue Zauber erlernen und somit zuvor unpassierbare Abschnitte in der riesigen Welt von Ni No Kuni 2 betreten können. Diese reichen vom Aktivieren von Propellerblumen, welche euch auf ein höheres Niveau hieven bis hin zum Brückenzauber, welcher versteckte Pfade wieder erscheinen lässt, die euch nicht nur zu neuen Hauptmissionen führen, sondern auch versteckte Höhlen offenbaren, die wiederum neue Nebenmissionen für euch parat halten. Und da wir schon bei Nebenmissionen sind: diese gestalten sich nicht ganz so fahl und lieblos, wie man sie vielleicht aus anderen generischen Open-World-Spielen kennt. Jeder einzelne Nebencharakter hat eine gewisse Geschichte zu erzählen und bietet euch eine damit verbundene Nebenquest an. Klar, nicht jede einzelne Quest kann mit denen der Hauptgeschichte mithalten, aber man merkt dennoch, dass sehr viel Liebe zum Detail in all das gesteckt wurde. Die optionalen Aufgaben bieten euch auch viele nützliche Items oder Belohnungen, die ihr für euer Abenteuer tatsächlich unterstützend gebrauchen könnt und geben euch damit auch den Anreiz und Sinn, diese auch abzuschließen. Außerdem gibt es einige Quests, die sich über mehrere Etappen erschließen, beispielsweise jene, die euch durch Pforten in die Traumwelt schicken, welche über das ganze Land verteilt sind.

Das Spiel selbst glänzt durch eine brillante Präsentation, einem absolut bezaubernden Art-Style und einer durchwegs spannenden Geschichte. Sämtliche Charaktere haben eine glaubwürdige Hintergrundgeschichte und fügen sich perfekt in das Spiel ein. Die verschiedenen Städte sind abwechslungsreich und beeindruckend zugleich. Außerdem werden diese von einem wirklich tollen Soundtrack untermalt. Zudem gibt es auch eine außerordentlich gelungene Sprachausgabe in Englisch, die der japanischen in nichts nachsteht. Leider sind nicht alle Textpassagen des Spiels mit Sprachausgabe versehen. Manche von ihnen werden nur mit einem einzigen Wort oder einem Geräusch wiedergegeben, dann wiederum gibt es Konversationen, die rein mittels Text dargeboten werden, ehe plötzlich die Sprachausgabe für ein bis zwei Zeilen Text einsetzt, bevor man wieder auf reinen Text umschwenkt. Das ist teils etwas irritierend, doch kein wirklicher Showstopper. Die Sprachausgabe ist halt nur wirklich gelungen, wovon man natürlich gerne mehr hätte – ergo ein wahres Luxusproblem. Prinzipiell gibt es ansonsten auch nicht viel an Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs auszusetzen, außer vielleicht, dass man ziemlich abrupt in die Story geworfen wird und man erst ein wenig Zeit braucht, um die Geschehnisse zu akzeptieren, wie sie sind. Das legt sich jedoch mit dem Voranschreiten der Story schnell wieder und ist durchaus entschuldbar. Immerhin steckt es in der Natur des Menschen, die Wahrheit und Gründe hinter mysteriösen und geheimnisvollen Geschichten zu erfahren. Ich könnte auch noch ewig weiter über das Spiel schwärmen, doch ihr solltet es vermutlich selbst erleben und nicht zu viele Informationen von mir erhaschen. Kurzum: ein absoluter Pflichtkauf für JRPG-, Anime- bzw. Studio-Ghibli-Fans und definitiv ein Anwärter auf das Spiel des Jahres!


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The Good

  • Grafische Präsentation quasi wie ein Studio Ghibli Film
  • Tolle Geschichte mit jeder Menge bedeutungsvollen Nebenmissionen
  • Qualitativ hochwertige Sprachausgabe
  • Bezaubernder Soundtrack
  • Die Schwächen des ersten Teils ausgemerzt

The Bad

  • Hin und wieder ein paar Ruckler
  • Ein etwas abrupter Start ins Spiel
9.5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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