Nelly Cootalot: The Fowl Fleet

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Nelly Cootalot: The Fowl Fleet Review

Die Piraten lassen grüßen.

Mein allererstes eigenes PC-Spiel, das ich anno 2001 als Beilage eines Adventure-Magazins erhalten hatte, war Galador: Der Fluch des Prinzen. Dieses bis dato noch immer nicht auf GOG veröffentlichte Spiel (hust) war ein Point-and-Click-Adventure, welches mir bis heute aufgrund des tollen Humors in Erinnerung geblieben ist. Seither stolperte ich natürlich über viele andere Ableger des Genres und holte auch jene nach, die noch viel älter sind, als der Prinz selbst. Darunter natürlich sämtliche Monkey-Island-Klassiker oder andere Werke von LucasArts. Als dann schließlich das iPad auf den Markt kam, sahen sich sämtliche Publisher und Indie-Entwickler dazu genötigt, all ihre Spiele auf das Tablet zu portieren, was ich besonders begrüßte. Doch auch neue Entwicklungen fanden darauf ihren Platz, wie auch Nelly Cootalot: The Fowl Fleet, ein Spiel des Comedians Alasdair Beckett-King in Zusammenarbeit mit dem Entwickler-Studio Application Systems Heidelberg aus Deutschland. Nun, da die Nintendo Switch mit ihrem kapazitiven HD-Touchscreen ebenfalls zum Objekt der Point-and-Click-Begierde geworden ist, erscheint das Abenteuer rund um Nelly, unserer Piratin in spe, nun auch auf Nintendos Hybrid-Konsole, die sich dafür bestens eignet und noch einige neue Boni mit sich bringt.

Wie üblich bei Point-and-Click-Adventures, möchte ich in diesem Review weniger auf die Geschichte und einzelne Rätsel eingehen, als auf das generelle Spielerlebnis. Immerhin möchte sicherlich keiner von euch vorab den Spaß an den diversen Kopfnüssen genommen bekommen; das wäre wohl ziemlich “piratig”. Aber lasst es mich mal so formulieren: wer die klassischen Point-and-Click-Adventures kennt und liebt, wird sich umgehend wie zu Hause fühlen. Nelly, unsere rothaarige Protagonistin, findet sich anfangs auf einem Schiff wieder, welche prinzipiell Post zustellen sollte. Doch ein unerwarteter Besuch des Geistes von William Bloodbeard informiert sie über einen Schatz, den sich Baron Breitbart unter den Nagel zu reißen versucht. Schnell wird klar, dass Nellys Aufgabe als vermeintliche Postbotin ein jähes Ende nimmt und der Weg sie über verschiedene Inseln hin bis in den hohen Norden führt, um Breitbart an seinem Vorhaben zu hindern. Auf ihrer Reise stolpert Nelly immer wieder in neue, ulkige Szenerien, die humoristisch genau meinen Nerv treffen. Ich persönlich bin ein großer Fan des britischen Humors. Es gibt kaum etwas Lustigeres als The IT Crowd oder auch The Office und es ist unverkennbar, dass hier jemand von der vor Kreativität überschäumenden Insel im Norden seine Hände im Spiel hatte.

Der Art-Style des Spiels ist eine Mischung sowohl aus 2D- als auch 3D-Elementen, die aber aufgrund diverser Shader sehr gut zusammenpassen. Animationen sind zweckdienlich, stechen jetzt aber keinesfalls heraus. Dafür sind sämtliche Dialoge nicht nur in schönen Textboxen nachzulesen, sondern auch vollständig in Deutsch (und Englisch) vertont. Vor allem im Deutschen findet man ein breites Aufgebot an Dialekten, zu denen man als Österreicher stets schmunzeln muss. Insbesondere, wenn man in einem Moment im Spiel als “Sprotte” bezeichnet wird und wenig später im Supermarkt tatsächlich vor Sprotten steht und plötzlich grinsen muss. Ich kann also durchaus behaupten, dass Nelly Cootalot: The Fowl Fleet einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Was die Steuerung betrifft, so habt ihr die Wahl zwischen Controller- und Touch-Steuerung. Beides funktioniert recht gut mit seinen jeweiligen Vor- und Nachteilen. Ich habe das Spiel überwiegend im Handheld mit meinem Finger gesteuert und hatte niemals wirkliche Probleme damit. Das Einzige, was man aber auch anderen Point-and-Click-Adventures auf der Nintendo Switch oder dem iPad ankreiden muss, ist, dass man mit seinem Finger über keine Elemente “hovern” kann, um Hinweise zu sehen, oder Menüs einblenden zu lassen. Das geht tatsächlich nur mit einem Cursor, aber man wird es überleben – ich bin ja auch noch da. Der Soundtrack ist sehr stimmig und fügt sich stets nahtlos in das Geschehen ein. Dies fällt vor allem bei einem Straßenmusiker auf, der erst seine Akkorde fertig spielt, bevor er mit uns zu reden beginnt, ehe er im Anschluss wieder weiter trällert. Ein kleines Detail, das aber zeigt, wie viel Liebe man in das Spiel gesteckt hat.

Die Rätsel an sich gestalten sich in üblicher Adventure-Manier, die euch mal mehr, mal weniger Hirnschmalz abverlangen. Teilweise gibt es natürlich wieder die Kopfverdreher, die nur wenig Sinn ergeben, manchmal denkt man dafür aber wieder zu kompliziert, wo die Lösung doch so einfach wäre. Insgesamt hält es sich aber die Waage und bietet, wenn man nicht allzu sehr auf der Leitung steht, rund sechs Stunden an köstlicher Unterhaltung. Solltet ihr aber doch mal nicht weiterkommen, so hilft euch Jürgen, euer gefiederter Freund, gerne mal mit einem kleinen Tipp weiter. Ein Denkanstoß, der oft genügt, um nicht gleich im Internet nach der Lösung suchen zu müssen. Jürgen gliedert sich übrigens auch perfekt ins Spielgeschehen ein und kann Nelly bei der ein oder anderen Situation tatkräftig unterstützen. Auch die verschiedenen Gebiete, die ihr bereist sind abwechslungsreich und die Sprachausgabe jederzeit einen Lacher wert. Genau so, wie die Boni auf der Nintendo Switch. Dabei handelt es sich um lustige Commentary-Tracks, die ihr mit jedem neuen Abschnitt, den ihr betretet, freischaltet und jederzeit abspielen könnt. Insgesamt betrachtet ist Nelly Cootalot: The Fowl Fleet ein kleines aber feines Point-and-Click-Adventure mit großem Unterhaltungspotential. Für mich als Adventure-Fan hat sich die Reise mit unserem Rotschopf definitiv gelohnt und ich würde das Spiel jedem ans Herz legen, der mit diesem Genre etwas anfangen kann. Lasst euch nur nicht vom Grafikstil abschrecken. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht wie ein Kinderspiel, doch es verbirgt sich sehr viel mehr dahinter! Arrr!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Schöner kombinierter Art-Style
  • Stimmiger Soundtrack
  • Witzige Synchronisation in Deutsch und Englisch
  • Ein faires Abenteuer mit Unterhaltungswert

The Bad

  • Weder die Controller-Steuerung noch die Touch-Steuerung perfekt. Es fehlt in manchen Situationen halt doch die Maus.
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at