NBA 2K18

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NBA 2K18 Review

Willkommen im Viertel!

Die NBA 2K Serie spiegelt seit Jahren das beste dar, was Basketball zu bieten hat. Gegenüber dem Konkurrenzprodukt aus dem Hause Electronic Arts konnte man sich stets mit viel Liebe zum Detail absetzen. Auch dieses Jahr hält man wieder einiges für uns parat. Doch neben 4K und noch mehr Fotorealismus war unser Anliegen, mal etwas Neues zu erleben. Deshalb haben wir uns für die Nintendo Switch Version des Spiels entschieden, um auch unterwegs das breitgefächerte Angebot von NBA 2K18 konsumieren zu können. Es ist das erste Spiel seit mehr als fünf Jahren, welches von 2K auf einer Nintendo-Konsole erscheint. Das letzte Mal hatten wir das Vergnügen mit … genau: NBA 2K13 auf der Wii U. Na dann willkommen zurück, 2K!

Ihr habt dieses Jahr die Auswahl aus vier verschiedenen Spielmodi. Jetzt Spielen bietet euch das übliche Basketball-Match für Zwischendurch. Hier wird nicht viel an der erfolgreichen Formel rumgedoktert und ihr tretet mit eurem Lieblingsteam gegen einen Kontrahenten eurer Wahl an. Für jemanden wie mich, der das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren ein virtuelles Basketball-Spiel absolviert hat, fiel der Einstieg jedoch etwas holpriger, als gedacht. Viel hat sich inzwischen geändert – so viel, dass es nett gewesen wäre, hätte man im Ladebildschirm oder bei den ersten Matches ein paar hilfreiche Tipps oder Tastenbelegungen eingeblendet bekommen. Hier schiele ich klar zu NBA Live 18 rüber, das einem den Einstieg viel leichter macht. Nachdem ich aber die ersten Schritte dann doch wieder raus hatte, ging es von Spiel zu Spiel besser voran. Es fühlt sich wirklich gut an, die Stimmung ist hervorragend und auch die Animationen und der Spielfluss gehen einher. Es erfordert sicherlich einiges an Geschick, bis man den „Flow“ bekommt, aber der Einsatz lohnt sich definitiv.

Habt ihr dann aber genug Spontanität abgelegt und wollt euch in etwas Tiefgründigeres schmeißen, dann wäre Meine Karriere perfekt für euch. Hier erlebt ihr die Geschichte eures eigenen Charakters, quasi das „Be a Pro“ von NBA 2K. Der Modus startet mit einigen Freundschaftsspielen am Street Court. Dort werdet ihr von einem Scout entdeckt, welcher euch gerne beim Team eurer Wahl (vor dem Start des Modus) aufnehmen möchte, da er in euch einiges an Talent sieht. Leider habt ihr jedoch keinen Agenten. Welch Glück, dass sich dort aber auch einer rumtreibt und ihr kurzerhand Nägel mit Köpfen macht. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen habt ihr bereits euer erstes Training beim neuen Team und nur wenige Momente später knallt euch euer Agent bereits den Vertrag auf den Tisch. Die Geschichte ist sehr locker und humorvoll erzählt, es macht richtig viel Spaß, daran teilzuhaben. Leider hat dieser Modus aber auch seine Schattenseiten. Zum Einen ist er auf der Nintendo Switch von massiv vielen Bugs und technischen Schwierigkeiten betroffen. Optische Glitches bei Texturen und Schatten sind keine Seltenheit, Dialoge werden ebenfalls von Audio-Problemen und blechernem Trommeln begleitet und selbst die Cutscenes bringen ihren eigenen Willen mit sich. Letzteres tritt vorwiegend nur im Handheld-Modus auf, wenn die Nintendo Switch nicht im Dock steckt. Framerate-Einbrüche lassen die Animationen dann mit langsamerer Geschwindigkeit abspielen, als das Audio dazu. Dies führt zu Szenen, wie aus einem Stummfilm, bei dem die Charaktere mit Mimik und Gestik versuchen, eine Geschichte zu erzählen.

Zum Anderen hat 2K sich dazu entschieden, dass es euer Ziel ist, euren Charakter von Level 60 auf Level 99 zu bringen. Wer einige Stunden in diesem Modus verbracht hat, wird wissen, dass man mit einem 60er Charakter nicht viele Fortschritte macht, da man natürlich weniger Treffsicher ist, weniger Ausdauer hat und sich ingesamt erst seinen Weg nach oben bahnen muss. Das wäre auch völlig okay, wäre da nicht dieses kleine, aber feine Detail, dass man seine Fortschritte auch über Micro-Transaktionen für echtes Geld kaufen kann. Alles im Spiel kostet virtuelles Geld, kurz VC. Haare schneiden kostet VC, neue Dunk-Moves kosten VC, und Attribute erhöhen kostet VC. Ihr bekommt es zwar im Spiel, aber bei mäßigem Erfolg halt auch nur einen Bruchteil davon, als würdet ihr dominieren. Um zu dominieren, müsst ihr aber weit höher als Level 60 sein. Ein Teufelskreis. Man hat den natürlichen Fortschritt einfach so weit runtergeschraubt, dass es keinen Spaß macht endlos viele Stunden in das Grinding von Erfahrungspunkten zu stecken. Schade, denn der gesamte Modus wäre ein absoluter Hit, den man sich so selbst zerstört. Es ist nichts, was man nicht mit einem Patch beheben könnte – sowohl die technischen Gebrechen, als auch die Micro-Transaktions-Problematik. Aber wie es aussieht, hat 2K nicht vom Evolve-Fiasko gelernt.

Nun gut, es gibt ja auch noch Mein GM / Meine Liga. Hier habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Ihr könnt euch in Mein GM als General Manager einen Meisterkader aufbauen und in diesem Story-Modus versuchen, mit eurem Team den Titel zu holen. In Meine Liga könnt ihr sage und schreibe bis zu 80 Saisons bestreiten. Wer die nötige Ausdauer mit sich bringt, wird wohl die restliche Zeit dieser Konsolen-Generation darin verbringen. Dann könnt ihr auch noch eine übliche Saison hinter euch bringen oder in der Postseason an den NBA Playoffs teilnehmen. Am 25. Oktober 2017 erscheint zusätzlich auch noch Heute starten. Dort könnt ihr dann mit eurem Lieblingsteam vom derzeitigen Datum aus mit sämtlichen realen Statistiken, Tabellen und Verletzungen der echten NBA weiterspielen. Insgesamt die wohl solidesten Modi in NBA 2K18, die einen hunderte von Stunden beschäftigen können.

Mein Team bietet euch zum Abschluss noch das wohl bekannte „Ultimate Team“ Erlebnis, bei dem ihr aus verschiedenen Packs Spieler, Trainer, Ausrüstung uns sonstige hilfreiche Karten zieht und euch so ein Team zusammenstellt, mit dem ihr dann gegen die CPU oder online gegen andere Spieler antreten könnt. Dieser Modus ist demnach auch nur spielbar, wenn ihr mit dem Internet verbunden seid. Beim Wunsch nach einer schnellen Partie unterwegs, schaut ihr leider durch die Finger – außer ihr habt euren mobilen Hotspot dabei. Ihr müsst im Übrigen Herausforderungen bestehen, um genügend virtuelles Geld zusammenzusammeln, um neue Packs zu kaufen. Der Clou: es gibt in diesem Modus eine eigene Währung, „MT“ genannt. Dem aber nicht genug: die normalen Packs könnt ihr für diese Währung ohne Weiteres erstehen, wenn auch zu hohen Preisen. Dann gibt’s aber auch noch die Premium Packs, die natürlich bessere Spieler und Items beinhalten. Um diese zu kaufen, dürft ihr dann zusätzlich zur MT Währung auch noch von eurem VC Vorrat löhnen. Erkannt? VC lässt sich mit Echtgeld kaufen. Spätestens jetzt ist klar: mehr Pay2Win geht nicht. Schade.

Fazit

Abschließend sollte man aber den Soundtrack doch noch positiv hervorheben. Dieser ist wieder mal (wie von 2K Spielen eigentlich gewohnt) erstklassig und stellt den von NBA Live 18 in den Schatten. Leider kann das alleine das Spiel auch nicht mehr retten. Nach so vielen Jahren der Dominanz über Metacritic & Co. wird es für NBA 2K18 dieses Jahr sicherlich eng, weiter damit prahlen zu können. Und es ist einfach ein Jammer. Man liefert ein absolut sagenhaftes Basketballerlebnis ab und verhaut es sich einerseits mit technischen Schwierigkeiten auf der Nintendo Switch und andererseits mit der schier endlosen Gier nach mehr Geld, das man den Spielern aus der Tasche ziehen kann. Micro-Transaktionen sind ein verhasstes Objekt – nicht nur von mir, sondern auch von vielen, vielen Spielern da draußen. Hier testen Publisher jedes Jahr neue Grenzen aus, wie man noch mehr Geld für ein Vollpreisspiel ergattern kann. Ihr könnt euch im Spiel so 450.000 VC kaufen, die sage und schreibe rund 100 Euro kosten. Der Kauf-Bildschirm erinnert stark an Free2Play mobile Games, die Fantasiepreise für ihre Diamanten & Co. verlangen. Nun, wäre NBA 2K18 ein Free2Play Spiel, könnte man diskutieren, ob das in Ordnung wäre. Aber ihr zahlt Vollpreis dafür und das Erlebnis im Spiel leidet unter dieser Entscheidung, sodass ihr entweder keinen Spaß an manchen Modi empfindet oder ihr quasi gezwungen seid, noch mehr Geld zu investieren, um das Spiel genießen zu können. Das Unverständliche dabei ist, dass 2K keineswegs aus Evolve gelernt hat. Ein Pay2Win Fiasko in einem Vollpreisspiel par excellence. Nach dem Fall hatte man einen Neustart mittels Free2Play versucht, was geglückt ist, ehe man erneut Micro-Transaktionen ins Spiel gepatcht hat und dem Spiel somit den finalen Todesstoß verpasst hat. NBA 2K18 scheint wohl bald das gleiche Schicksal zu ereilen, wenn man nicht rasch den Ernst der Lage erkennt. Über die technischen Katastrophen kann man mit zwei blauen Augen hinwegsehen, aber über Pay2Win in einem Vollpreis definitiv nicht. (Und da steht 2K gerade nicht alleine da. Warner Bros. steht mit Mittelerde: Schatten des Krieges bereits in den Startlöchern.)

Solltet ihr übrigens die Xbox One oder PlayStation 4 Version des Spiels bevorzugen, dann kann ich euch beruhigen. Dort ist nichts weiter von den technischen Mängeln zu spüren. Ganz im Gegenteil, dort gibt’s sogar 4K Auflösung und grafisch noch einige andere Schmankerl. Ich hoffe, dass 2K bei der Nintendo Switch Version nochmals ordentlich nachbessert, denn die normalen Modi machen Spaß und sind auch für unterwegs auf der Nintendo Switch bestens geeignet. Und es ist absolut lobenswert, dass es sich dabei auch um einen Port ohne jegliche Abstriche handelt! Davon kann sich Electronic Arts noch einiges abschauen (im Ausblick auf FIFA 18). Aber im derzeitigen Zustand kann man das Spiel leider nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Auch wenn man es gerne möchte.

Wir bedanken uns bei 2K für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Spielmodi ohne Pay2Win sind top
  • Soundtrack
  • Ulkige Story in Meine Karriere

The Bad

  • Pay2Win zerstört das optimale Erlebnis
  • Technische Schwierigkeiten bei Grafik, Sound und Steuerung
  • Handheld-Modus hat mit enormen Slowdowns zu kämpfen
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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at