My Time at Portia

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My Time at Portia Review

In den Fußstapfen eures Vaters.

Die Nintendo Switch erfreut sich anhaltender Beliebtheit und so ist es für Entwickler und Publisher keine denkbar schwierige Entscheidung, diese Plattform auch weiterhin zu unterstützen. Team17 ist einer dieser Publisher, welcher unseren neuen Lieblings-Handheld fleißig mit Nachschub beliefert. Nach strategischen Spielen wie Worms W.M.D oder auch actionreichen Plattformern wie Yooka-Laylee ist diesmal etwas simulationslastiges an der Reihe. My Time at Portia tritt in die Fußstapfen von Harvest Moon & Co. und wirft euch, wie der Name schon sagt, in die fiktive Stadt Portia, die euer Handwerksgeschickt benötigt. Nach dem Tod eures Vaters habt ihr eine Werkstätte vererbt bekommen, die nun wieder auf Touren kommen soll – Familienehre und so. Nun liegt es an euch, alles der Reihe nach zu erlernen und dem größten Konkurrenten in Portia die Aufträge abzuluchsen. Ob das was taugt, haben wir uns für euch angesehen.

Die letzte wirklich gelungene Simulation in diese Richtung hat nun doch schon einige Jahre auf dem Buckel. Harvest Moon war ein beispielloser Vorreiter solcher Zeitfresser, welches noch am Game Boy zu begeistern wusste. Danach gab es wohl noch einige gute Fortsetzungen, ehe es durch die problematische Situation der Namensrechte in Europa zu einem tiefen Fall der Qualität kam. Das wahre Harvest Moon hieß plötzlich Story of Season, blieb aber auch hinter den Erwartungen zurück. Erst der Indie-Hit Stardew Valley konnte wieder Millionen von Menschen begeistern und zeigte auf, wie genial eine Simulation des alltäglichen Lebens tatsächlich sein kann. Nun soll My Time at Portia den selben Weg einschlagen und mit einer Mischung aus Harvest MoonDragon Quest Builders und Minecraft die Spieler begeistern. Nun, aller Anfang ist schwer. Nach einem endlos wirkenden Ladevorgang, der euch gut und gerne mal fünf Minuten eurer wertvollen Zeit kosten kann, geht es an die Charaktererstellung und dem anschließendem Kennenlernen der Stadt und deren Einwohner. Das erste, das einen definitiv überwältigen wird, ist die Größe des Areals, welches man erkunden kann. Danach folgt umgehend die alltägliche Arbeit, die euch einiges an Sitzfleisch kosten wird, bis ihr alles irgendwie raus habt. Die Mühlen in My Time at Portia mahlen sehr langsam und das solltet ihr im Hinterkopf behalten, wenn ich mit einem Kauf liebäugelt. Der Ablauf des Tages gestaltet sich im Großen und Ganzen immer gleich. Ihr erwacht relativ erholt in eurem Bett, marschiert anschließend die Felder ab, um Ressourcen zu sammeln und verarbeitet diese denn mit den jeweilig passenden Maschinen zu besserem Material, welches ihr für die Anfertigung diverser Objekten nutzt. Damit erfüllt ihr Aufträge, die euch Geld und andere Belohnungen bringen, das wiederum in den Ausbau eurer Werkstätte, eures Feldes und Hauses fließt.

Maschinen jeglicher Art stehen euch aber anfangs noch gar nicht zur Verfügung. Diese müssen erst in einem mühsamen Prozess gefertigt werden. Gesammeltes Bronze reicht oft nicht aus, sondern muss erst zu Bronzebarren weiterverarbeitet werden. Der Schmelzofen dafür ist jedoch schnell aus den üblichen auffindbaren Ressourcen baubar. Hat man sich dann zur Verbesserung der Materialien entschieden, beginnt das lange Warten. Zum Einen müssen die Maschinen mit Energie betrieben (und somit ständig aufgetankt) werden und zum Anderen benötigt der Fertigungsprozess selbst auch ein gutes Stück eurer Zeit. Da ist dann schon mal von mehreren (Ingame-)Stunden die Rede, die ihr mit dem Sammeln anderer Ressourcen oder dem Shoppen überbrücken könnt. Oder aber ihr sucht auch die lokale Mine auf, die immer wieder zufällig generierte Ebenen bietet, in denen ihr nach antiken Materialien graben könnt. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr dann auch Felder bepflanzen und auf eure Tiere Acht geben. Langweilig wird euch sicherlich nicht, aber bis es mal zu diesem Punkt kommt, vergehen doch mal einige (Reallife-)Stunden. Ob man das jetzt gut oder schlecht findet, sei mal jedem selbst überlassen. Es wird zumindest alles in eurem schlauen Buch, welches ihr ebenfalls von eurem Vater geerbt habt, erklärt. Dies beinhaltet nicht nur den Bauplan der einzelnen Maschinen oder Objekte, sondern auch die benötigten Materialien, wie man diese herstellt und wo man die Grundmaterialien dafür findet. Ist man bereit sehr viel Zeit in My Time at Portia zu investieren, wird man auch ein herrliches Spiel vorfinden, welches einen in seinen Bann zieht. Dafür sorgen auch jede Menge Charaktere, mit denen man in der Stadt eine Beziehung aufbauen und pflegen kann. Je mehr ihr mit Charakteren interagiert und ihre Aufträge erfüllt, desto zwischenmenschlicher läuft auch euer Leben in Portia ab.

Aber Portia beschränkt sich nicht nur auf die Anfangsgebiete. Mit Fortlauf des Spiels könnt ihr auch weitere Gebiete erkunden, für welche ihr die nötigen Brücken, o.ä. gebaut habt. Somit ergibt euer Dasein am Ende sogar einen größeren Sinn. Was aber schnell mal auffällt, ist, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt. So kommen durchaus die bereits erwähnten Ladezeiten auf der Nintendo Switch als negativ hervor. Nicht nur der Start des Spiels dauert viel zu lange, sondern auch diverse Aktionen im Spiel, wie beispielsweise das Öffnen eines Menüs oder das Finden von Gegenständen. Immer wieder hängt das Spiel für einen kurzen Moment, was jetzt nicht spielentscheidend ist, aber dennoch ungut auffällt. Das Kampfsystem ist quasi sinnlos, da ihr euch einfach gegenüber steht und so lange auf einander einschlägt, bis einer umfällt und auch die Wartezeiten der einzelnen Bau-Aktionen sind für meinen Geschmack viel zu lang. Natürlich kann man zwischendurch anderes Zeug erledigen, aber ihr habt immer nur ein gewissen Kontingent an Ressourcen, die ihr verarbeiten könnt und wenn ihr schlafen geht und euch geht inzwischen die Energie aus, um die Maschinen zu betreiben, müsst ihr diese am nächsten Morgen wieder auftanken und könnt euch gleich erneut ins Bett begeben, um euer Werk zu vollenden. Man verschwendet so wertvolle Tage, die man sicherlich sinnvoller nutzen kann. Ein Spiel zu spielen, nur um dann in Menüs zu verbringen und andauernd irgendwelche Timer zu eliminieren, ist wohl auch nicht unbedingt das Lustigste auf Erden. Dennoch überzeugt das Spiel mit seinen positiven Seiten. Ich möchte hier zwar keine Spoiler offenbaren, aber das Spiel hat in weiterer Folge noch viel mehr zu bieten, das für den einen oder anderen vielleicht auch überraschend kommt.

Fazit

Für Fans von Simulationsspielen mit einem langen Geduldsfaden ist My Time at Portia sicherlich einen Blick wert. Ihr habt unzählige Möglichkeiten eure Werkstätte, Farm und Weide auszubauen, Aufträge zu erledigen, in den Kampf zu ziehen, auf Entdeckungsreise zu gehen oder einfach nur eure Zeit zu vertreiben. Es ist sicherlich ein zäher Start, der sicher aber bezahlt macht. Ich persönlich finde den langsamen Einstieg zwar relativ öde, aber dennoch gut gemacht, da dieser nach und nach erklärt, wie alles funktioniert und was ihr alles zum Erfolg benötigt. Ihr werden nicht, wie in vielen anderen Spielen, von einer Informationsflut erschlagen, von denen ihr ohnehin wieder den Großteil vergessen habt, nachdem die letzte Textbox über den Bildschirm gelaufen ist. Somit muss man sich einfach durchkämpfen, um am Ende eine erholsame Zeit in Portia genießen zu können. Von mir gibt’s eine Kaufempfehlung mit dem Hinweis, dass die Nintendo Switch Version leider nicht die am besten optimierte darstellt. Das Spiel gibt’s aber auch für alle anderen Plattformen inklusive PC. Wer also die Wahl hat, kann auch auf eine andere Konsole ausweichen.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

My Time at Portia für PlayStation 4
My Time at Portia für Xbox One
My Time at Portia für Nintendo Switch

The Good

  • Langsamer, aber verständlicher Einstieg
  • Viele Möglichkeiten des Zeitvertreibs
  • Toller Soundtrack
  • Verschiedene unterhaltsame Charaktere mit zwischenmenschlichen Errungenschaften

The Bad

  • Laaaaaaange Ladezeiten (Nintendo Switch)
  • Das Spiel ruckelt und hängt bei vielen Aktionen

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at