Mortal Kombat 11

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Mortal Kombat 11 Review

It is on!

Eines der ersten Fighting Games, die ich in meiner professionellen Karriere als Videospielredakteur betreuen durfte, war Mortal Kombat 9, welches im Jahre 2011 auf den Markt kam. Es war eine verdammt gute Umsetzung einer der ältesten Fighting-Franchises am Markt, deren Wurzeln bis zurück in die Arcadehallen reichen. Mortal Kombat war u.a. aber auch der Grund für die Gründung der Prüfstelle ESRB in den Vereinigten Staaten. Die grundlegende Brutalität war für den bis dato offenen Videospielmarkt einfach zu viel das Guten und Eltern dem blanken Unwissen ausgesetzt, wenn ihre Schützlinge mal wieder was für unter den Weihnachtsbaum haben wollten. Dies sollte fortan durch klare Kennzeichnung Warnsignale aussprechen und Minderjährige (bzw. für diese) von einem Kauf abhalten. Nichtsdestotrotz ist Mortal Kombat eine Marke, die nicht nur durch explizite Gewaltdarstellung, sondern auch durch spielerische Höhepunkte glänzen kann. Der neueste Ableger, MK11, setzt genau dort an, wo die alten Teile aufgehört haben und erscheint auch erstmals seit Armageddon (Wii) nach mehr als zwölf Jahren wieder für eine Nintendo Konsole. Genau diese haben wir auch unter die Lupe genommen, da sie für uns am interessantesten schien.

Zunächst möchte ich die positiven Punkte von MK11 hervorheben, die, wie fast immer, in der Geschichte liegen. Diese wird wieder äußerst aufwendig in Szene gesetzt und ist bislang die wohl beste in der langen Laufbahn der Franchise. Um aus Spoiler-Gründen nicht zu viel davon zu verraten, belassen wir es bei einer kurzen Einleitung: Kronika, ein neuer Charakter im MK-Universum, hat ein wenig am Ablauf der Zeit geschraubt und so verschiedene Zeitlinien überlappen lassen, wodurch sowohl altbekannte Kämpfer in neuem Gewand, als auch deren Verkörperungen aus der Vergangenheit in der Geschichte Platz finden und demnach auch spielbar sind. So könnt ihr beispielsweise von Johnny Cage den schrillen Draufgänger oder aber auch gealterten Routinier spielen. Die Geschichte teilt sich in doch recht viele Kapitel auf, in denen jeweils mehrere Kämpfer einer Fraktion zur Verfügung stehen, die zwischen den Story-Sequenzen für einen Kampf herhalten müssen. Manchmal könnt ihr auch zwischen Kämpfern wählen, die sich vom Kampfstil her nicht immer unbedingt ähneln. Somit ist es eine Frage des Geschmacks oder eures Geschicks, mit wem ihr besser zurechtkommt. Hier wird auch gleich deutlich, mit welchen Schwierigkeiten optischer Natur die Nintendo Switch zu kämpfen hat. Das Gameplay an sich ist butterweich und läuft sowohl im Dock als auch im Handheld-Modus mit stabilen 60fps. Lediglich an der Optik musste man seitens Netherrealm Studios schrauben. Das Spiel sieht prinzipiell brutal gut aus, aber der Übergang von einer Story-Sequenz zur Kampf-Sequenz macht die Mängel deutlich. Wenig bis gar keine ordentliche Belichtung mit Schatten, stark verringerte Details in der Umgebung und den Charaktermodellen und auch die Schrift ist auf seine eigene Art und Weise unscharf. Man merkt deutlich, dass es sich hier um einen Port handelt, der wenig Liebe zum optischen Detail erhalten hat. Aber wie bereits erwähnt, läuft das Spiel ohne Probleme und so flüssig wie kein anderes auf dem Handheld-Hybriden und darauf kommt es bei einem Fighting-Spiel nun mal an. Kudos dafür.

Wer im Übrigen mit Fighting-Spielen nichts am Hut hat, aber doch mal einen Blick riskieren möchte, der wird durch ein richtig gutes Tutorial geführt. Hier lernt man Schritt für Schritt, wie die einzelnen Moves vonstattengehen, wie ihr blockt, eure Gegner werft oder auch einen Fatal Blow einsetzt, welchen ihr immer dann erhaltet, wenn eure Energieleiste in den kritischen Bereich gerutscht ist. Ich empfehle übrigens einen Fighting Stick für solche Spiele, da die Eingabe viel präziser und angenehmer stattfinden kann. Neben der Story gibt es auch noch die Krypta und die Türme der Zeit, die beide irgendwie zusammenhängen. Nun muss ich aber ein wenig ausholen, um die Problematik der Videospielindustrie zu erklären, bevor wir diese beiden Bereiche beleuchten. Ein Publisher, in diesem Falle Warner Bros. International Enterprises, kann niemals genug Geld scheffeln. Die besten Zahlen sind selbst dann noch zu wenig, wenn man bereits alle Rekorde gebrochen hat. Das führt dann zu Gier, wie sie fast schon perfekt in MK11 zu sehen ist. Für sämtliche Aktionen im Spiel bekommt man Koins. Diese (und andere “Währungen”, wie Herzen oder auch Zeitkristalle) dienen dann dazu, für seine Charaktere einzukaufen. Skins, Modifikatoren für Kämpfe, Konzeptzeichnungen und weitere feine Goodies, die man bis vor Kurzem noch durch das tatsächliche Spielen des Spiels als Belohnung freischalten konnte, stehen zur Auswahl. Kann man zwar immer noch, aber durch einen nicht mehr zu rechtfertigenden Grind. All die Systeme in MK11 sind so abgestimmt, dass der Frust und die Ungeduld des Spielers ihn zum Geldbörsel greifen lässt und dieser dann für bare Münze shoppen geht.

Da es die Taktik der Publisher ist, den Shop und all die damit verbundenen Kosten immer erst nach sämtlichen Reviews der “großen Medien” online zu schalten, um so einer verheerenden Kritik aus dem Weg zu gehen, warte ich mit meinem Review immer gerne zwei bis drei Wochen länger, um das wahre Ausmaß dieses Fiaskos beurteilen zu können. Und dieses liegt in der Krypta, welche quasi die Heimat der Lootboxen in MK11 darstellt. Ausgestattet mit euren Koins könnt ihr hier unzählige Kisten öffnen, die mal mehr, mal weniger nette Sachen beinhalten, aber stets rein zufällige Inhalte beherbergen. Daher ist auch ein Online-Zwang nötig, was bei der Nintendo Switch Version zum Problem unterwegs wird. Manche Kisten, die augenscheinlich prächtiger sind und wohl besseres Zeug beinhalten können, kosten mehr als 20.000 Koins, um sie öffnen zu können, was bei einer niedrigen dreistelligen Koins-Anzahl nach gewonnenen Kämpfen exorbitant hoch ist. Am Ende bekommt man dann gar nur Müll aus der Kiste, wodurch der Frust nur noch tiefer sitzt. Da hilft auch die Augenauswischerei seitens Ed Boons auf Twitter nicht viel, der bekräftigt, dass seine Netherrealm Studios niemals solche geldgierigen Spiele machen würden. Fakt ist aber, dass der Grind ungerechtfertigt ist in keiner Relation zum restlichen Balancing des Spiels steht und man gleichzeitig auch sämtliche Skins im Shop einfach so kaufen kann, dafür jedoch mehrere tausend Euro hinlegen müsste, wenn man denn wirklich alles freischalten will. Oder man spielt MK11 gefühlt für den Rest seines Lebens solange die Server aktiv sind und schaltet irgendwann auch so alles frei. Nun ja, ich habe eine gefestigte, persönliche Meinung zu diesem Thema: all das ist abscheulich und zu strengstens zu verurteilen! Das Schlimmste daran ist aber, dass MK11 das gar nicht nötig hätte. Es ist ein Vorzeige-Fighting-Spiel, das sich selbst durch solche Mikrotransaktions-Ausbrüche unnötig beschmutzt. Ach und die Krypta sieht auf der Switch übrigens aus, wie ein Nintendo-64-Spiel: verwaschen, mit viel Nebel und ohne Himmel. Aber nachdem hier spielerisch nicht viel zu holen ist, wohl verschmerzbar.

Die Türme der Zeit sind von der Idee her prinzipiell recht unterhaltsam. Man hat eine gewisse Anzahl an Gegnern, die es zu bewältigen gilt und erhält dafür unterschiedliche Boni in unterschiedlichen Mengen, je nachdem, wie hoch der Turm und euer gewählter Schwierigkeitsgrad ist. Leider sind auch die Gegner auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gnadenlos übermächtig und lassen euch keine Chance, außer ihr habt die perfekten Modifikatoren als Items parat und setzt diese ein. Dies wurde nun aber per Patch angepasst und zusammen mit Entschuldigungs-Boni auf sämtlichen Plattformen aktualisiert. Man hat wohl selbst eingesehen, dass es ein wenig unfair war. Habt ihr Zugang zum Internet, könnt ihr auch die Online-Modi austesten, die allesamt perfekt funktionieren. Hier könnt ihr nicht nur Eins-gegen-eins-Kämpfe austragen, sondern auch anderen Spielern zusehen und ihnen erneut mit Modifikatoren im Kampf helfen. Eine recht witzige Idee, die Spaß machen kann. Solltet ihr auf der Nintendo Switch im Übrigen mal nicht online sein und einen Modus spielen, der das zwar nicht erfordert, euch jedoch Belohnungen bringen würde, könnt ihr diese nachträglich vom Server anfordern, sobald ihr wieder mit dem Internet verbunden seid. Recht seltsam und problematisch, wenn ihr mich fragt.

Fazit

Ich werde wohl nie verstehen, warum manche Publisher den Weg der gierigen Monetarisierung ihrer Produkte gehen müssen. Vor allem Warner Bros. International Enterprises hatte bereits in der Vergangenheit mit Mittelerde: Schatten des Krieges einsehen müssen, dass dieser Weg der falsche ist und die Pay2Win-Mechanik und Mikrotransaktionen einige Monate nach Veröffentlichung wieder aus dem Spiel entfernt. Als das Verbot von Lootboxen (bzw. deren Deklaration als Glücksspiel) plötzlich sogar in Gesetzen einiger Länder Platz gefunden haben, gab es schnell eine Richtungsänderung einiger Publisher, welche wieder ein wenig Abstand davon genommen haben. Dennoch finden sich diese in MK11 wieder, was sich völlig meinem Verständnis entzieht. Damit überschattet dies nicht nur das Spiel selbst, sondern auch mein Review und das sonst so lobenswerte Spiel. Aber was soll man machen. Die Publisher lernen nicht dazu, demnach sei es ihnen auch vergönnt, wenn die Blase eines Tages platzen wird und der nächste große Video Game Crash vor der Türe steht. Dann wird es nur noch Indie-Games geben, von denen man in 10-15 Jahren seinen Kindern erzählen wird. Bis dahin ist MK11 vermutlich gar nicht mehr spielbar, nachdem die Server abgedreht wurden. Was bleibt also als Fazit übrig? Um ehrlich zu sein: MK11 ist eines der besten Fighting-Games am Markt und leider nicht das einzige, das mit solch unrühmlichen Aktionen auffällt. Wer aber eine gute Story und brutale Action erleben möchte, darf zugreifen. Gegner von Gier und Crunch wohl eher nicht.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Mortal Kombat 11 für PlayStation 4
Mortal Kombat 11 für Xbox One
Mortal Kombat 11 für Nintendo Switch

The Good

  • Brutal gute Story
  • Gutes Tutorial, Turm-Herausforderungen und Online-Sessions
  • 60fps auf auf der Nintendo Switch, sowohl im Dock, als auch im Handheld-Modus
  • Viele spielbare Charaktere – auch nostalgisch angehauchte

The Bad

  • Mikrotransaktionen so weit das Auge reicht
  • Kein Balancing von Belohnungen und Kosten
  • Online-Zwang für viele Modi
  • Lootboxen ohne Ende in der Krypta
  • Nintendo Switch grafisch teilweise recht schwankend in der Qualität

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at