Monster Hunter World

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Monster Hunter World Review

Die Jagd geht weiter.

Mit mehr als 14 Jahren am Rücken kehrt die Monster Hunter Franchise nun nach längerer Abstinenz auf die “großen Konsolen” zurück. Vorübergehend auf Nintendos Handhelds beheimatet, bleibt World diesmal diesen Systemen fern und kann dadurch nicht nur mit einem komplett überarbeiteten Erlebnis, sondern auch mit viel komplexeren Ideen aufwarten. Das soll die Spiele für den Nintendo 3DS jedoch keinesfalls schlecht reden – ganz im Gegenteil. Jeder, der sich auch unterwegs auf Monsterjagd begeben möchte, sollte bitte unbedingt zu diesen Titeln greifen, vor allem, da die Nintendo Switch diesmal ebenfalls leer ausgeht. Nun haben eben PlayStation 4 und Xbox One Besitzer die Möglichkeit, die abgedrehten Monster zu bändigen. Die Story bekommt in Monster Hunter World einen ganz besonderen Fokus. Kaum ein anderer Ableger der Kultserie wurde bislang so cineastisch und mit Sprachausgabe erzählt. Ihr erstellt anfangs mit einem recht umfangreichen Editor euren Wunschcharakter und strandet wenig später mit eurem Schiff in der neuen Welt, welche es fortan zu erkunden gilt. Dabei fällt umgehend auf, wie eingängig alles gestaltet wurde. Egal, ob man ein eingesessener Jäger oder gänzlich unerfahren ins erste Abenteuer stürzt: Monster Hunter World erklärt schrittweise und einsteigerfreundlich, was zu tun ist. Und das ist vermutlich auch das größte Problem mit sämtlichen bisher erschienenen Teilen der Franchise gewesen: sie waren viel zu kryptisch und schwerfällig, sodass man ohne weiterer Hilfe durch das Monster Hunter Wiki kaum weiterkam. Capcom hat hier jedoch an den Schrauben gedreht und das Spielerlebnis dahingehend modernisiert, dass es nun jedermann bedenkenlos spielen kann.

Damit das auch garantiert ist, habt ihr die Auswahl aus insgesamt vierzehn verschiedenen Waffen, die unterschiedliche Spielstile erfordern und demnach auch sämtliche Schwierigkeitsgrade abdecken. Wählt ihr beispielsweise das Schwert mit Schild, so seid ihr zwar flink wie ein Wiesel, teil jedoch nur wenig Schaden aus. Habt ihr hingegen einen riesigen Stahlblock ausgerüstet, lässt sich mit diesem ein ordentlicher Wumms samt dementsprechenden Schaden austeilen, dafür seid ihr jedoch in eurer Wendigkeit eingeschränkt. Mögt ihr lieber den Fernkampf, habt ihr ebenso die Möglichkeit euch mit unterschiedlichen Geschossen auszurüsten. Wie ihr spielt, bleibt dabei gänzlich euch überlassen und ihr könnt die Waffe eurer Begierde auch jederzeit wieder ändern, solltet ihr nach neuen Herausforderungen suchen oder eine andere Taktik für spezielle Monster einschlagen wollten. Apropos Monster: diese sind wieder einmal der Höhepunkt des Spiels. Jedes einzelne von ihnen kann nicht nur mit einem schrägen Design beeindrucken, sondern ist auch wahnsinnig detailliert animiert und mit eigener Kampftaktik ausgerüstet. So wird jeder Kampf gegen ein neues Monster auch eine neue Herausforderung, die sich gut und gerne mal über einen längeren Zeitraum erstrecken kann. Ingesamt habt ihr 50 Minuten pro Questauftrag Zeit, diesen abzuschließen. Davon nimmt der Kampf gegen das Monster wohl die meiste Zeit ein. Doch zuerst müsst ihr dieses mal finden. Dabei hilft euch nicht nur die Spurensuche, sondern auch eure Glühwürmchen, die den Weg weisen. Früher musste man das mit diversen Farbkugeln erledigen – etwas, das nun in vereinfachter Form den Spaß an der Jagd keinesfalls mindert, sondern eher frustfreier macht.

Die Monster haben – wie ihr euch sicherlich denken könnt – einen ganz eigenen Willen. Solange sie vor Kraft strotzen, werden sie euch auch aktiv angreifen. Habt ihr dann aber einzelne Knochen gebrochen oder Körperteile abgehackt, werden sie versuchen sich zurückzuziehen und ergreifen die Flucht über das halbe Gebiet. Dann müsst ihr ihnen nach und sie in eine Ecke treiben, um den finalen Schlag anbringen zu können – solltet ihr sie erlegen wollen. Ihr habt nach wie vor auch die Option, sämtliche Monster zu fangen. Während eines Kampfes kann es auch immer wieder zu unvorhergesehenen Situationen kommen. Da ihr nicht alleine in den Gebieten umherirrt, ist es durchaus möglich, dass sich auch andere Monster zum Gefecht hinzugesellen. Diese greifen dann entweder euch oder das gejagte Monster an. Es kann auch passieren, dass ein Monster das andere frisst und ihr dann kurzerhand einen neuen Plan schmieden müsst. Die Vielfalt an Möglichkeiten in Monster Hunter World ist schier unendlich und jeder Kampf fühlt sich aufs Neue ganz anders an. Das ist es, was das Spiel so erfrischend zu all dem generischen Zeug am Markt macht. Ein gutes Beispiel dafür ist auch der zentrale Lagerplatz, der quasi einer kleinen Stadt gleicht. Hier findet ihr alles, was euch in den Sinn kommen könnte. Eure temperamentvollen Truppenführer, die euch über Missionen informieren; charmante Händler, die allerhand Nützliches verkaufen wollen; die Gastronomie mit ulkigen Katzen-Köchen, die euch nicht nur Stärkung, sondern auch Buffs und temporäre Fähigkeiten anbieten können oder auch den Schmied mit seiner motivierten Truppe, welcher aus gesammelten Ressourcen neue Rüstungen anfertigen oder bestehende verstärken kann. Gleiches gilt für Waffen, die einem speziellen “Talentbaum” folgen und ihr neues Zeug erst anfertigen könnt, wenn ihr die jeweiligen Slots freigeschaltet habt. Alles in eurem Lager ist lebendig und mit Persönlichkeit ausgestattet. Nichts ist einfach nur da, weil es da sein muss.

Solltet ihr im Übrigen nicht alleine kämpfen wollen, könnt ihr auch jederzeit online mit anderen auf Jagd gehen. Selbst, wenn ihr anfangs nicht vorhattet, Gesellschaft zu bekommen, ist es durch ein Not-Leuchtsignal (fast) jederzeit möglich, nach Hilfe zu rufen. Habt ihr Schwierigkeiten mit einem Monstern, so feuert einfach eines davon ab und in Windeseile können andere Jäger euch zu Hilfe stürmen. Ein ziemlich cooles Feature, welches in brenzligen Situationen durchaus die Quest und eure Motivation retten kann. Neu in Monster Hunter World ist auch, dass ihr einfach in einem der Gebiete ohne Ziel herumirren und es erforschen könnt. So gefundene Hotspots werden dann dauerhaft auf eurer Karte markiert und können mittels Glühwürmchen jederzeit und einfach wieder gefunden werden. So macht das Ressourcensammeln gleich viel mehr Spaß, da ihr nicht mehr blind durch die Gegend streift. Weitere Verbesserungen, wie beispielsweise die dauerhaft verfügbare und unzerstörbare Hacke, eliminieren die ärgerlichen Momente, wenn einem Ressourcen entgehen, weil man entweder gerade kein passendes Werkzeug dabei hat oder dieses gerade erst zerbrochen ist. Monster Hunter World hat viele dieser kleinen Feinheiten und Verbesserungen, die das Produkt als Ganzes viel zugänglicher machen und man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann, ohne, dass es überkompliziert wird.

Und eigentlich sollte man es nicht erwähnen müssen, aber durch das bittere zweite Halbjahr 2017 ist dies fast schon zu einer Notwendigkeit geworden: Monster Hunter World ist ein komplettes Produkt, welches weder Mikrotransaktionen, noch Lootboxen oder ähnlichen Blödsinn enthält, welcher das Spiel in seinem Kern zerstören würde. Und dafür muss man bereits kräftigen Applaus spendieren. Monster Hunter World lädt dazu ein, das Spiel selbst zu erkunden, es nach seinen eigenen Vorstellungen zu spielen und keinerlei Abkürzungen zu nehmen. Es kann alleine oder gemeinsam gespielt werden und selbst etliche Stunden nach der ersten Jagd gibt es immer noch Neues zu entdecken und macht einfach Spaß. Capcom beweist hiermit, wie Spiele auch 2018 noch beeindrucken und nicht verärgern können und liefert den ersten wirklichen Must-Have-Titel des Jahres ab. Von mir gibt es eine absolute Kaufempfehlung für alle und ich hoffe, dass auch die Nintendo Switch mit einem neuen Monster Hunter gesegnet wird, damit das Abenteuer auch unterwegs weitergehen kann.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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The Good

  • Monster Hunter in prachtvollem 4K/HDR
  • Viele Verbesserungen für ein besseres Spielerlebnis
  • Unzählige neue Stunden an Monsterjagden
  • Tolles Monsterdesign und Animationen

The Bad

  • Story-Fokus ist zwar da, aber die Story ist belanglos
  • Oftmals zu kleine Schriftgröße in Menüs und Erklärungen
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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