Miitopia

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Miitopia Review

Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld …

Miitopia mag auf den ersten Blick wie ein belangloses Gewimmel an Mii-Charakteren aussehen, hat jedoch auf den zweiten Blick ein viel tiefer greifendes Gameplay, als man denken möchte. Nintendos Gute-Laune-Aushängeschilder, die uns seit der Wii bereits in etlichen Spielen begleiten durften, gehen einmal mehr auf Abenteuerjagd und wir dürfen sie begleiten.

Es ist kein guter Tag für unsere Miis. Der böse Fürst der Dunkelheit hat sich nämlich sämtliche Gesichter von Miitopias Bewohnern geschnappt und seine Schwergen damit versehen. Eure Aufgabe ist es, diese natürlich wieder zurückzuholen und dem unheilvollen Treiben in Miitopia ein Ende zu setzen. Der Clou dabei: sämtliche Charaktere, die eine größere Rolle im Spiel haben, können von euch mit einem selbst kreierten Mii-Gesicht versehen werden. So könnt ihr euren übelsten Erzfeind als den Dunklen Fürsten engagieren, mit euren engsten Freunden auf Reisen gehen und die Prinzessin auch mal Zelda sein lassen, wenn ihr diese auf eurem 3DS gespeichert habt. Der Rest der Bevölkerung wird teilweise aus vielen tausenden Mii-Charakteren zusammengesetzt, welche die Community erstellt und freigegeben habt. Also keine Sorge, solltet ihr euch zusammen mit Miitopia einen neuen Nintendo 2DS oder 3DS gekauft und noch keine Miis gebastelt haben. Das Spiel gibt euch eine recht breite Palette aus der ihr wählen könnt.

Das Spiel selbst läuft recht einfach ab. Ihr zieht von Gebiet zu Gebiet und erkundet die düsteren Wege. Dabei bewegen sich eure Charaktere von selbst und machen nur für gefundene Items, Schatzkisten oder Kämpfe Halt. In den Kämpfen gibt’s dann rundenbasiert eine auf die Mütze. Die Gegner, welche die Gesichter der Bevölkerung tragen, müssen unschädlich gemacht werden, um diese einzusammeln. Je mehr Gesichter ihr sammelt, desto mehr Boni bekommt ihr für eure Reise und desto schneller könnt ihr eure Mitbürger wieder glücklich machen und ebenfalls Goodies einheimsen.

Die Kämpfe laufen wie in den bereits bekannten StreetPass-Spielen Rette die Krone! und der Fortsetzung ab. Kämpfe haben die Option, dass sie automatisch gespielt werden können oder eben auch manuell. Ersteres eignet sich entweder dafür, dass ihr schneller in der rund 30-stündigen Kampagne voranschreiten könnt oder wenn ihr als Elternteil euren Kids mit frustfreier und lustiger Unterhaltung den Einstieg in die Gaming-Welt ermöglichen wollt. Habt ihr euch für die manuelle Variante entschieden, ist ein kluges Köpfchen gefragt, denn so simpel, wie es anfangs wirken mag, ist es gar nicht mal. Entscheidend sind bereits die Klassen, die ihr für euch selbst und eure Begleiter gewählt habt. Egal ob Dieb, Ritter oder Magier: jede Klasse hat ihre eigenen Fähigkeiten und Angriffe, sowie die passende Ausrüstung dafür. Außerdem bekommt jeder Spieler noch eine persönliche Eigenschaft verpasst, die im Kampf seine Vor- und Nachteile haben kann. Lässige Charaktere können im Kampf eher die Ruhe bewahren, als andere. Neugierige Charaktere hingegen eigenen sich besser dafür, am Weg zwischen den Kämpfen versteckte Güter zu finden.

Habt ihr einen Kampf hinter euch gebracht und den Weg bis ans Ende geschafft, werdet ihr ein Gasthaus auffinden, in dem ihr übernachten könnt. Ihr habt fünf verschiedene Zimmer, die von euch belegt werden können. Steckt ihr alle Miis in separate Zimmer, wird sich nicht viel in eurer Gruppe tun. Gebt ihr jedoch Pärchen in einen Raum, wird sich die Freundschaft und Zuneigung zwischen den beiden erhöhen und ihr bekommt pro Zuneigungs-Level eine neue Fähigkeit, die euch im Kampf enorm zugute kommt. So könnt ihr beispielsweise euren Partner vor einem Angriff warnen und ihn so ausweichen lassen oder wenn ihr es wirklich wissen wollt, könnt ihr auch vor ihm oder ihr angeben und damit mehr Schaden verursachen. Das sind nur einige der möglichen Boosts, die ihr durch Zuneigung erhaltet. Eine gute Idee ist es also, dass ihr immer wieder Pärchen zusammen in ein Zimmer gebt. Weniger gut ist es, wenn ihr mit eurer Freundin in einem Zimmer seid und sie ins Zimmer eures besten Kumpels will … der aber wiederum nur von euch selbst schwärmt. Miitopia versprüht einen ziemlich ulkigen, aber wirklich unterhaltsamen Charme, der auch mich nach anfänglicher Skepsis in den Bann gezogen hat.

Das Einzige, was man Miitopia ankreiden kann, ist, dass es künstlich in die Länge gezogen wird. Es wird Situationen im Spiel geben, wo einem Glauben gemacht wird, dass das Spiel bald zu Ende ist, ehe es nochmals quasi von Vorne beginnt. Habt ihr nach zehn Stunden bereits genug – was eine angenehme Länge für das Spiel gewesen wäre –, werdet ihr nochmals rund zwanzig davon investieren müssen, um das Spiel zu beenden. Hier macht dann das automatische Kämpfen wieder mehr Sinn. So könnt ihr diverse Motivations-Hänger überbrücken und euren Miis trotzdem beim Kämpfen zusehen.

Fazit

Alles in allem ist Miitopia ein solides RPG, welches mit Charme und Witz für viele Stunden unterhalten kann. Die fehlende Abwechslung und die viel zu lange Kampagne kann zwar abschrecken, aber wer bereits mit den StreetPass-Spielchen seine Freude hatte, kann hier nicht viel falsch machen. Auch Fans von Tomodachi Life & Co. werden auf ihre Kosten kommen. Die Tatsache, dass ihr alle wichtigen Charaktere im Spiel mit euren eigenen Kreationen versehen könnt lockert das Ganze so sehr auf, dass das alles aber nicht weiters tragisch ins Gewicht fällt. Und für Eltern ist der Titel ohnehin zu empfehlen. Besser kann man den Einstieg in die Gaming-Welt für den eigenen Nachwuchs wohl kaum gestalten.

Wir bedanken uns bei Nintendo für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Eigene Charaktere im Spiel
  • Ausgeklügeltes Kampfsystem
  • Witzig, ulkig, spaßig

The Bad

  • Zähe Kampagne
  • Wenig Abwechslung
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at