Meisterdetektiv Pikachu

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Meisterdetektiv Pikachu Review

Das etwas andere Pokémon-Abenteuer.

Die Pokémon-Marke ist mit weltweit mehr als 300 Millionen verkauften Spielen eine der erfolgreichsten Franchises aller Zeiten. Neben den Spielen der Hauptserie erblicken auch immer wieder kleine Spinoffs das Licht der Gaming-Welt, die mal mehr, mal weniger überzeugen können. Meisterdetektiv Pikachu ist definitiv ein Überraschungshit und zählt zur guten Seite der Pokémon-Welt. Mit einem charmanten und doch leicht ulkigen, sprechenden Pikachu als Meisterdetektiven geht es zusammen mit Tim, dem Protagonisten des Spiels, welchen ihr steuert, auf eine mysteriöse Jagd nach der Antwort auf eine Frage: was ist mit eurem Vater geschehen? Dieser wurde nämlich in einen Unfall mit seinem vormals normalen Pikachu verwickelt, worauf dieser spurlos verschwunden ist. Der gelbe Nager hingegen konnte plötzlich und ausschließlich mit unserem Nachwuchshelden kommunizieren, wodurch eine spezielle Bindung der beiden anfing zu wachsen und sie damit begannen nach Antworten zu suchen.

Was einem auf den ersten Blick sofort auffällt, ist der hohe “production value”, welcher in das Spiel geflossen ist. Es ist in allen wichtigen Videosequenzen mittels Motion-Capturing in Szene gesetzt worden und bietet zudem auch noch eine wirklich gelungene Sprachausgabe in Englisch. Doch das birgt bereits das erste potentielle Problem, da trotz vollständiger deutscher Untertitel das Spiel doch auf Kinder und Jugendliche ausgelegt ist. Ob diese bereits so fundierte Englischkenntnisse besitzen, bleibt fraglich. Die Videosequenzen laufen nämlich ohne Pausen durch, die man ansonsten mit einem Button weiter schalten hätte können. Jüngere Spieler werden zudem nicht nur das Problem mit der Sprachausgabe, sondern auch mit dem Lesen der deutschen Untertitel in diesen Videosequenzen haben, da diese doch recht schnell wieder verschwinden. Der Rest des Spiels ist jedoch ohne Sprachausgabe und der Text kann im selbst bestimmten Tempo gelesen werden.

Jedes der insgesamt neun Kapitel, welche das Spiel zu einem rund 15-stündigen Abenteuer machen, hat ein eigenes Setting und einen besonderen Fall zu lösen, welcher zu einem großen Gesamtbild gehört. Dabei steuert ihr mit dem Schiebepad unseren Nachwuchsdetektiven, um die einzelnen Umgebungen frei nach Point-and-click-Adventure-Manier zu inspizieren. Der gelbe Meisterdetektiv watschelt euch hinterher und hilft euch immer wieder auf die Sprünge, solltet ihr mal nicht weiterkommen. Außerdem hat er noch recht sinnfreie Einlagen zu bieten, die zwar nichts zur Lösung des Falls beitragen, jedoch recht unterhaltsam sind und sicherlich das ein oder andere Schmunzeln hervorrufen. Außerdem kann Pikachu auch mit anderen Pokémon kommunizieren und dies Tim weiter vermitteln, wodurch das Duo einen enormen Vorteil gegenüber anderen Polizisten oder Agenten erhält, die oftmals falsche Vermutungen in den Raum stellen. Zur Lösung der Fälle werden letztendlich immer schlagkräftige Hinweise benötigt, was aber immer wieder auch mal frustrierend sein kann, wenn man die Lösung bereits kennt. Da fehlt dann oft nur eine Konversation, um den Fall abzuschließen, die man jedoch partout nicht finden kann. Ein Tipp meinerseits: bei Personen oder Pokémon, die man bereits angesprochen hat, immer wieder mal nachhaken. So klappt’s auch mit der Conclusio.

Die Fälle sind bei genauerer Betrachtung nicht wirklich schwer zu lösen, doch die Geschichte und Erzählung dazu ist wirklich ansprechend und aufwändig präsentiert. Es ist nett zu sehen, wie die Pokémon im alltäglichen Leben integriert werden – sei es als Yanma-Kamerateam oder mit starken Muskeln als Helfer am Bau. Ich muss zugeben, dass ich anfangs nur wenig von Meisterdetektiv Pikachu angetan war, da ich darin auf den ersten Blick ein übliches Spinoff gesehen hatte, welches die Lücken zwischen den Hauptspielen füllen sollte. Doch nach wenigen Spielminuten waren sämtlichen Zweifel bereits verflogen und ich war vollends begeistert davon. Wer ein liebevolles und witziges Adventure erleben möchte, um am Ende eines langen Arbeitstages ein wenig Unterhaltung zu genießen, dem sei dieses Detektivspiel wärmstens empfohlen. Kindern und Jugendlichen möchte ich das Spiel gerne empfehlen, doch die englische Sprachausgabe macht das ein wenig schwierig. Hier sollte man im Zweifelsfall das Spiel mit jemanden zusammen spielen, der der englischen Sprache mächtig ist bzw. dessen Lesegeschwindigkeit mit jener der Untertitel der Videosequenzen mithalten kann. Der Rest des Spiels ist auch für die jüngere Generation unter uns problemlos zu bewältigen, doch wer in den vollen Genuss der Geschichte kommen möchte, ist eventuell auf ein wenig Hilfe angewiesen. Allenfalls gibt’s von mir den Daumen hoch!


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Meisterdetektiv Pikachu für Nintendo 3DS

The Good

  • Liebesvolles Adventure für Groß und Klein
  • Vollständige Sprachausgabe ...
  • Hoher Grad an Polishing und Produktionswert
  • Quasi wie ein interaktiver Film

The Bad

  • Kein stereoskopisches 3D
  • ... jedoch leider nur in Englisch
  • Manchmal etwas mühsam, wenn man die Lösung bereits kennt, aber durch einen fehlenden Hinweis nicht weiterkommt
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at