Lost Sphear

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Lost Sphear Review

Wenn Erinnerungen zum wertvollsten Gut der Menschheit werden.

Lost Sphear lässt euch in die Rolle eines Jungen namens Kanata schlüpfen, der, wie es der Zufall so will, eine besondere Gabe besitzt. Nach und nach verschwinden große Teile der Welt und gar Personen im weißen, nebeligen Nichts, völlig ohne Vorankündigung. Die Erinnerungen dieser Welt geraten in Vergessenheit und sind der Grund für die kontinuierliche Auflösung alles Seins. Doch unser Protagonist kann, wie bereits eingangs erwähnt, mittels seiner Fähigkeit übrig gebliebene Erinnerungen sammeln und so die verloren geglaubten Personen, Objekte und Gebiete wiederherstellen. Schnell bildet sich eine Gruppe aus unterschiedlichen Individuen, die das selbe Ziel vor Augen haben: die Welt, wie sie einst bestand, wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen und Kanata bei seinem Vorhaben wie nur möglich zu unterstützen.

Entwickler Tokyo RPG Factory setzt bei Lost Sphear genau dort an, wo dieser mit I am Setsuna aufgehört hat – es darf quasi als spiritueller Nachfolger dessen gesehen werden. Ein J-RPG der alten Schule, jedoch in modernem Gewand. So wurde auch das aktive Kampfsystem übernommen und weiß nach wie vor zu begeistern. Ihr könnt euch während eures Zuges frei auf dem Kampffeld bewegen und von jeder beliebigen Position aus euren Angriff starten. Charaktere, die dem Fernkampf frönen, können dabei auch eine visuelle Linie ziehen und all jenen Schaden zufügen, die sich auf dieser befinden. So bleibt das Kampfgeschehen dynamisch und spannend zugleich. Ihr könnt demnach nicht nur mehrere Gegner auf einen Fleck locken und diese einfach und mit wenigen Schlägen beseitigen, sondern auch Gegnern entfliehen, in deren Zielradius ihr euch sonst befinden würdet – vor allem praktisch bei Bosskämpfen. Neben den üblichen Attacken könnt ihr auch Spezialangriffe ausführen, die jedoch von eurer Magieleiste naschen und auch nicht jede Runde ausgeführt werden können, sollte eure Regeneration etwas hinterherhinken. Abgesehen davon könnt ihr auch mittels perfekt abgestimmtem Knopfdruck einen Setsuna-Bonus für euch beanspruchen, der folglich mehr Schaden verursacht und somit den Kampf etwas verkürzt. Vorausgesetzt jedoch, ich habt Setsuna-Punkte dafür gesammelt, von denen ihr bis zu drei gleichzeitig haben könnt und die ihr im Laufe des Kampfes zugesprochen bekommt. Sterbt ihr im Kampf, so könnt ihr automatisch mit einem Kraftpunkt eure Reise fortsetzen, vorausgesetzt, ihr könnt den Kampf mit den restlichen Charakteren davor für euch entscheiden. Tut ihr dies nicht, gibt es ein klassisches “Game Over” und ihr müsst vom letzten Speicherpunkt erneut starten, wie in guten alten Zeiten.

Seid ihr ein gutes Stück in der doch recht interessanten Story vorangeschritten, habt ihr auch noch Zugriff auf die Volcusuits. Diese Art Mecha-Anzüge verleihen euch alternative Möglichkeiten im Kampf, erfordern jedoch eine gemeinschaftliche Ressource an VP-Punkten, die prinzipiell immer manuell aufgeladen werden muss. Mit der Zeit könnt ihr aber auch Monumente auf der Weltkarte platzieren, die euch bei der Regeneration nach einem Kampf unter die Arme greifen. Apropos Monumente: diese sind wiederhergestellte Bauwerke, die ihr an gewissen Stellen auf der Weltkarte aus euren Erinnerungen “errichten” könnt und es obliegt eurer Entscheidung, welche ihr davon wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Einige dieser Monumente geben euch einen lokalen Bonus, andere wiederum wirken sich auf die gesamte Weltkarte aus. Sei es das schnellere Fortbewegen, die Regeneration nach Kämpfen oder anderen nützliche Boni.

Apropos Boni: so genannte Spritinite sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Mit Hilfe dieser Steine könnt ihr eure Waffen und Rüstungen ein gutes Stück voranbringen. Außerdem schaltet ihr damit neue Skills oder auch passive Fähigkeiten frei. Es gibt Spiritnite in jeder Menge verschiedener Farben, ihr könnt jedoch pro Ausrüstungsteil nur einen Stein jeder Farbe anbringen. Diese sind ziemlich teuer bei Händlern zu erstehen, bringen euch aber ein großes Stück vorwärts und je mehr Farben ihr angebracht habt, desto unberechenbarer werdet ihr.

Leider können die diversen Dungeons und Rätsel nicht mit dem Rest des Spiels mithalten. Diese sind leider sehr einfach gestrickt und erfordern nicht wirklich viel Hirnsport. Schalter, die sich direkt neben verschlossenen Türen befinden und andere offensichtliche Lösungsansätze verspielen das große Potential, welches im Spiel stecken würde. Dafür ist die Charakterentwicklung umso stärker und mitreißender. Jeder einzelne erzählt über den Spielverlauf seine eigene Geschichte – manche etwas detaillierter, andere nur oberflächlich. Die unterschiedlichen Gemüter und Hintergrundgeschichten machen das Abenteuer jedoch zu einem recht unterhaltsamen und spannenden. Auch grafisch präsentiert sich das Spiel mit seinem “modernen Old-School-Look” sehr beeindruckend und kann mit dem Art-Design bei J-RPG Fans der ersten Stunden (auf SNES & Co. – Stichwort: Chrono Trigger) durchaus punkten. Auch der Soundtrack untermalt das Geschehen in den einzelnen Passagen perfekt und besticht durch die typische “Square-Enix”-Atmosphäre. Insgesamt kann man gut und gerne seine 40-50 Stunden aus dem Spiel holen, ehe man sich zum Abspann zurücklehnen kann. Wer auf der PlayStation 4 Pro spielt, darf sich sogar an 4K Auflösung erfreuen – Spieler auf der Nintendo Switch hingegen können das Spiel jederzeit an entlegenste Orte mit hin nehmen. Allenfalls sollten jedoch Fans von I am Setsuna ihre Augen auf diesen Titel werfen. Trotz einiger Schwächen durchaus empfehlenswert!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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The Good

  • J-RPG der alten Schule in modernem Gewand
  • Tolles Kampfsystem
  • Stimmiger Soundtrack
  • Portable Switch-Version

The Bad

  • Teils einfallslose Rätsel
  • Teilweise zähe Stellen in der Erzählweise der Story (langsame Animationen oder Wartezeiten)
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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