Lost Horizon 2

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Lost Horizon 2 Review

Die nordische Mythologie ist wieder in.

Rund um die Veröffentlichung von God of War für die PlayStation 4 und der dort thematisierten nordischen Mythologie finden sich auch vereinzelt kleine, aber feine Nischenspiele auf anderen Konsolen und Tablets, die ebenfalls Bezug darauf nehmen. Man möge fast meinen, dass die Geschichten rund um Thor & Co. fast wieder in geworden sind. So musste ich auch ein wenig schmunzeln, als ich damit begann, die Portierung von Lost Horizon 2 für iOS zu spielen. Dieses ist ein Point-and-click-Adventure, welches viele von euch eventuell bereits kennen. Ursprünglich 2015 für den PC erschienen, setzt sich Animation Arts nun wohl das nachvollziehbare Ziel, ihr hauseigenes Line-up auch auf Apple-Hardware zu veröffentlichen. Ich als großer Fan des Genres begrüße das natürlich sehr, vor allem, da ich das iPad nach wie vor als perfekte Plattform für solche Art von Spielen sehe.

In Lost Horizon 2 dreht sich alles um ein mysteriöses Wikinger-Artefakt. Der Forscher Dr. Brunner konnte im Jahre 1942, während des Zweiten Weltkrieges, eine bahnbrechende Entdeckung diesbezüglich machen. Doch diese wollte er dem Regime verheimlichen, als diese sein Haus stürmten und ihn zur Rede stellten. Besagtes Artefakt sollte immerhin den Nazis zum Sieg über die restlichen Nationen verhelfen können und wäre damit von unschätzbarem Wert gewesen. Doch selbst, wenn Dr. Brunner es zu verhindern wusste, die Informationen preiszugeben, so verhalf ihm das nicht, dem Tod zu entrinnen. Einige Jahre später, anno 1956, setzt dann auch die eigentliche Spielhandlung ein. Fenton Paddock, bereits erfolgreicher Protagonist des ersten Teils von Lost Horizon, ist wieder auf Abenteuerjagd und findet sich im Sueskonflikt wieder, wo er drauf und dran ist, Koordinaten für einen unmittelbaren britischen Bombenangriff zu erhaschen. Als sich die Ereignisse jedoch überschlagen und nun auch der KGB auf der Suche nach dem Artefakt ist, wird zudem auch noch Paddocks Tochter vom russischen Geheimdienst entführt. Zusammen mit der israelischen Geheimagentin Anne macht sich Paddock nicht nur auf die Suche nach seiner Tochter, sondern auch nach dem sagenumwobenen Wikinger-Artefakt.

Doch genug von der Story, richten wir unsere Blicke auf das Gameplay. Immerhin soll die Geschichte ja jeder selbst noch erleben können. Lost Horizon 2 serviert meistens das, was sich ein eingesessener Point-and-click-Spieler wohl erwartet. Es gibt jede Menge Dialoge, die nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern auch das ein oder andere Rätsel mit sich bringen. Das Inventar füllt sich wieder mit zahllosen Gegenständen, die nicht nur auf Objekte angewandt, sondern auch begutachtet, auseinandergenommen oder kombiniert werden können. Das generelle Rätsel-Design ist recht gelungen, teilweise sind auch einige Kopfnüsse dabei, die man anschließend belächelt. Die Lösung ist nämlich nicht wirklich schwer, man muss nur manchmal stark um die Ecke denken. Aber das macht ja den Reiz solcher Spiele aus und ich kann es nur gutheißen, dass Lost Horizon 2 einige Stunden lang die eigenen Hirnzellen anregt. Die Story selbst ist ganz okay, jedoch nichts wirklich Weltbewegendes. Euer Abenteuer führt euch durch unterschiedliche Gebiete, die allesamt ihren eigenen Charme mitbringen. Für Abwechslung im Setting ist also definitiv gesorgt.

Weiters weiß das Spiel durch eine komplette Sprachausgabe zu begeistern und sah zudem auch recht ordentlich am von mir verwendeten iPad aus. Im Vergleich zur PC-Version kann man zwar leichte Unterschiede erkennen, aber die sind keinesfalls so gewaltig, dass man weniger Freude daran empfinden würde. Die iOS-Version hat jedoch auch Kürzungen hinnehmen müssen. Beispielsweise muss man in der PC-Fassung den Weg zur geheimen Basis selbst finden und sich durch den Wald navigieren. In der iOS-Fassung hingegen fällt dies und die Rätsel dazwischen komplett weg. Warum genau man sich für diesen Schritt entschieden hat, kann ich nicht sagen. Aber wie auch schon bei Geheimakte 2 dürfte das wohl unter “Director’s Cut” fallen, um das Spiel einerseits abzurunden und ihn andererseits nicht aus dem Erlebnis zu werfen. Einige Elemente in der PC-Version wurden ja kritisiert, fehl am Platz zu sein.

Nun, wie dem auch sei: die Videosequenzen sind sowohl in der PC- als auch iOS-Version nicht das Gelbe vom Ei. Die CGI-Videos sehen in ihrer niedrigen Auflösung oftmals so aus, als wären sie mit stark veralteter Technik erstellt worden – etwas steif, abrupte Animationen und eben niedrig aufgelöst. Auch das Inventar und die Lösungshilfen bringen ihre Makel mit sich. Wo es sich bei Letzterem nur um optische Mängel handelt, da der Text nicht in den dafür vorgesehenen Boxen bleibt, handelt es sich beim Inventar um einen Spielspaß mindernden Bug. Dieser kann immer wieder mal das Ansehen von Gegenständen verhindern oder sie euch gar nicht auswählen lassen. Manchmal bleibt die Inventarleiste auch etwas versetzt am Bildschirm stehen und verschwindet erst wieder, wenn ihr andere Objekte untersucht habt. Das Scrollen durch die Items dürfte wohl der Auslöser dafür sein und wir hoffen, dass dies in einem künftigen Patch behoben wird, da man das in einem Point-and-click-Spiel andauernd machen muss und keinesfalls drum rum kommt. Ansonsten macht Lost Horizon 2 einen ziemlich soliden Eindruck und bringt sicherlich genügend Futter für Adventure Fans mit sich, um bis zur nächsten Portierung unterhalten zu bleiben. Wir finden’s jedenfalls gut und geben daher einen Daumen nach oben, selbst wenn das iOS-Erlebnis ein etwas holpriges ist.

Lost Horizon 2 ist im österreichischen als auch deutschen iOS-Store erhältlich.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Lockere, mehrstündige Unterhaltung
  • Sprachausgabe
  • Preis-Leistung unschlagbar

The Bad

  • Videosequenzen technisch veraltet und unschön
  • Polishing fehlt an manchen Stellen
  • Inventar stark verbuggt
  • Gekürzter Inhalt im Vergleich zur PC-Fassung
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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