LEGO Worlds

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LEGO Worlds Review

Endlich kann man seine Ideen auch mit virtuellen LEGO-Steinen umsetzen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Review mit dem Satz „Wer hat LEGO nicht in seiner Kindheit gespielt?“ beginnen möchte. Bei den 90s-Kids bin ich mir absolut sicher, aber ich weiß nicht, ob die Generation Y überhaupt noch weiß, was LEGO ist. Die haben ja meist ihre Smartphones und Tablets schon in die Wiege gelegt bekommen. Wie dem auch sei: LEGO ist jedenfalls das Genialste, das die Menschheit erfunden hat. Oder so ähnlich. Zumindest ich verbrachte endlos viele Stunden meiner Kindheit damit, meinen Fantasien freien Lauf zu lassen. Heute spiele ich zwar selbst nicht mehr mit LEGO, doch meine wertvollen Schätze sind mir erhalten geblieben und schlummern in unzähligen Kisten in meinem Abstellraum, bis ich diese mal meinen Kindern weitergeben werde. Das Grundkonzept von LEGO ist simpel, verständlich und für die Konkurrenz bislang unerreicht. Nun ist mit LEGO Worlds die Situation jedoch genau umgekehrt. Waren LEGO Spiele bislang eher von Story getrieben und einem Film nachempfunden, so ist das Gebiet des „Freeplays“ doch eher unberührt geblieben. Minecraft hat es vorgemacht und auf den ersten Blick könnte man meinen, dass LEGO Worlds versucht, hier nachzuziehen. Nun, wir haben uns das Spiel für die Nintendo Switch ausgiebig angesehen und klären auf.

LEGO Worlds ist prinzipiell ein Spiel mit offener Welt, in der es keine Grenzen gibt. Ihr könnt die einzelnen Planeten der Galaxie, die ihr mit eurem Raumschiff bereist, frei erkunden, bebauen oder ganz einfach auch zerstören. Wer es jedoch klassischer mag: es gibt auch so etwas eine Story, die sich quasi wie ein roter Faden durch das Spiel zieht. Eure Galaxie bietet einen fixen Weg, den ihr bestreiten könnt. Für neue Welten sind jedoch goldene Bauklötze nötig, die ihr durch das Erledigen von Quests erhaltet. Auf den einzelnen Planeten gibt es unterschiedliche Bedingungen. Ihr werdet neben grünen Inseln mit Meerblick so auch durch die Wüste düsen oder mit Schneeschuhen im Frostgebiet rumstampfen. Oder es verschlägt euch aber auch an Orte, die voller Süßigkeiten sind. Dementsprechend gestalten sich dann auch die Anforderungen der NPCs. Solltet ihr in einer Welt jedoch keine goldenen Steine mehr finden oder ihr schlichtweg die Nase voll von eurer Umgebung haben, könnt ihr jederzeit auch eine neue Welt suchen und finden, indem ihr einfach die entsprechende Option in der Galaxie-Übersicht anwählt. So werden euch zufällig generierte Welten zugänglich gemacht, die wieder neue Aufgaben und Steinchen für euch bereit halten. Egal, welchen Weg ihr auch einschlagen mögt, der Forscher-Drang in euch wird definitiv gestillt werden.

Um das alles zu bewerkstelligen, habt ihr diverse Tools, die ihr euch zunutze machen könnt. Da gibt es zum einen das Entdeckungswerkzeug, mit dem ihr Objekte und Lebewesen durch das anvisieren registriert und dann mit gesammelten LEGO-Steinen kaufen bzw. freischalten könnt. Habt ihr das gemacht, könnt ihr ausgewählte Objekte, Tiere, Vehikel, Charaktere oder auch ganze Häuser oder Burgen in der Welt platzieren. Je mehr ihr forscht und entdeckt, desto mehr Objekte schaltet ihr frei. Als nächstes wäre da das Bau-Werkzeug, welches quasi das klassische LEGO-Erlebnis darstellt. Ihr könnt damit einzelne LEGO-Steine in ihrer Form und Farbe auswählen und sie auf einander stapeln, um neue Kunstwerke zu kreieren. Der Editor hierfür ist recht gut gelungen, kann aber ab und an etwas hakelig sein. Mit dem Farb-Werkzeug könnt ihr eure Gebilde nach Lust und Laune einfärben. Dafür könnt ihr die Form eures „virtuellen Pinsels“ wählen und alles in der Welt beklecksen, das nicht euren Farbvorstellungen entspricht. Mit dem Kopier-Werkzeug spart ihr euch obendrein noch sehr viel Arbeit. Manche Charaktere möchten gerne eine Kopie von etwas in der Welt oder mehrere Ausführungen von ihrem Eigentum haben. Mit dem Werkzeug nichts leichter als das. Das Landschafts-Werkzeug bietet euch die Möglichkeit, Steine zu entfernen, Hügel zu ebnen oder zu erschaffen, Ebenen zu glätten oder Steine mit einem neuem Element zu ersetzen, beispielsweise Schnee, Matsch oder auch Erdbeermarmelade.

Ihr könnt auch Fahrzeuge in der Welt finden, die euch neue Bereiche eröffnen, sowie auf Drachen fliegen und damit die Gegend unsicher machen. Denn wenn es Nacht wird, schlüpfen auch Bösewichte aus ihren Löchern und machen euch das Leben schwer. Mit eurem Arsenal aus Vehikeln, Waffen oder verschiedenen Charakteren, könnt ihr euch gegen solche Gegner Vorteile verschaffen. Nach und nach könnt ihr auch neue Waffen und Ausrüstungen erlangen, wie u.a. Ritterschwerter, Paintball-Pistolen oder Samurai-Katanas. Kennt ihr die Anzahl an LEGO-Steinen auf dieser Welt, kennt ihr auch die Anzahl an Möglichkeiten, die euch offen stehen. Manche Gegner erfordern jedoch eine spezielle Art von Waffe, um besiegt werden zu können. Sterben ist in diesem Spiel zwar möglich, bringt jedoch keine Nachteile mit sich, außer eine kurze Wartezeit, bis ihr wieder erscheint.

Im Großen und Ganzen war es das dann auch schon. Ihr fliegt zu einem Planeten, forscht, sammelt runde LEGO-Steine für euren Einkauf und goldene für das Freischalten neuer Welten. Ihr erledigt Quests, macht Lebkuchenmännchen mit Zuckerwatte glücklich und helft Schweinen, die sich wieder mal durch einen Eintopf gefressen haben und nun nicht mehr aus eigener Kraft aus dem riesigen Topf gelangen. Es ist genau so verrückt, wie es klingt und macht richtig viel Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Für mich war es anfangs schwer reinzukommen, da ich als Perfektionist alle Steine einer Welt holen wollte, bevor ich zur nächsten weiterziehe. Aber das ist nun mal nicht immer möglich. Man muss neue Welten erkunden, um stärker zu werden und sich selbst mit besserem Equipment auszurüsten. Dann kann man gerne wieder zurück und offene Quests erledigen.

Ingesamt präsentiert sich das Spiel sehr gut. Die Steuerung und Menüführung sind jedoch gewöhnungsbedürftig. Es ist nicht wirklich intuitiv, wie ihr durch die einzelnen Schritte eurer Handwerkskunst navigiert und auch das Hauptmenü und die Planetenanwahl lassen Raum für Verbesserungen. Auf der Nintendo Switch spielt sich das Spiel genau so gut, wie auf anderen Konsolen, lediglich im Handheld-Modus kann es ab und an vorkommen, dass die Framerate etwas sinkt. Jedoch nicht so drastisch, dass dies dem Spielspaß Abbruch tun würde.

Im Vergleich zu Minecraft kann man also sagen, dass die beiden Spiele Parallelen haben, aber am Ende dann doch verschieden sind. LEGO Worlds hat im Gegensatz zu Minecraft den Charme, dem niemand widerstehen kann. Immerhin sind doch die meisten von uns mit LEGO aufgewachsen. Wenn ich die beiden Spiele vergleichen müsste, was ich ja auch hier und jetzt tue, dann würde ich sagen, dass Minecraft einen Duplo-Bausatz darstellt. Im Vergleich zu LEGO also einfach zu plump und uninteressant. Vermutlich auch der Grund, warum ich niemals mit Minecraft warm geworden bin. LEGO Worlds hingegen konnte mich nach anfänglicher Skepsis dann doch überzeugen. Für Zwischendurch ist es vor allem auf der Nintendo Switch immer wieder seine zeit wert. Für lange Sessions am Stück bin ich mir aber nicht sicher. Wenn man die Steuerung noch etwas intuitiver gestalten bzw. überarbeiten könnte, wäre das perfekt. So ist es ein oftmals mit kleinen frustrierenden Momenten gespickter Spaß für die gesamte Familie. Wer aber nach den üblichen LEGO-Story-Games sucht ist hier falsch. LEGO Worlds ist lediglich die Chill-Out-Zone unter den LEGO-Spielen.

Wir bedanken uns bei Warner Bros. Interactive Entertainment für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Gesamte Welt aus LEGO-Steinen
  • Totale kreative Freiheit

The Bad

  • Menüführung fraglich
  • Trotz vieler Erklärungen oft viele offene Fragen
7.5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at