LEGO Harry Potter Collection

By on on Reviews, 2 More

LEGO Harry Potter Collection Review

Harry zaubert im Doppelpack nun auch unterwegs.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den letzten zwei Jahren in meinen Einleitungen zu einem Review über das Existenzrecht von Remakes und Ports geschrieben habe. Nun, es liegt wohl in der Natur eines Publishers, seine Spiele auf so vielen Plattformen wie nur möglich zu veröffentlichen, um jeden einzelnen der potentiellen Käuferschicht zu erreichen. Meine Einstellung dazu hat sich nach wie vor nicht geändert: Portierungen und Remakes sind in meinen Augen nicht nur vertretbar, sondern enorm wichtig, um die Möglichkeit zu wahren, sein Produkt über viele Generationen hinweg den unterschiedlichsten Spielern präsentieren zu können. Jemand, der besagtes Spiel schon in seiner Sammlung oder bereits mehrere Male durchgespielt hat, ist ja ohnehin zu keinem Kauf gezwungen und alle anderen können erstmals in den Genuss kommen, sofern sie möchten. Nur so war es mir möglich, beispielsweise die Shenmue-Reihe kennenzulernen, da ich nie einen Dreamcast besessen hatte. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: der LEGO Harry Potter Collection. Diese besteht auch zwei gesonderten Spielen: Jahre 1-4 und Jahre 5-7. Beide sind ursprünglich zwischen 2010 und 2011 auf den Markt gekommen und wurden nun in eine feine Kollektion auch auf der Nintendo Switch veröffentlicht – dort, wo LEGO-Spiele meiner Meinung nach am besten hinpassen. Ein weiterer Port also, welcher die Switch erreicht. Ob dieser den Aufwand wert war und das Gesamtwerk nach wie vor seinen Charme versprüht klären wir in unserem Review.

Eines vorweg: entweder man mag das Harry Potter Universum oder man mag es nicht. Ich oute mich generell immer als kein Fan der Franchise, auch wenn ich dafür stets böse Blicke ernte. Ich kann jedoch sagen, dass ich mehr mit Harry Potter zu tun hatte, als so manch anderer, der mit dem Fantasy-Werk nichts anfangen kann. Ich war bereits bei der Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter und schlenderte stundenlang durch die faszinierenden Hallen voller Requisiten aus den Filmen. Ebenfalls habe ich sämtliche Filme gesehen und passend dazu auch die dazugehörige Episode in den LEGO Harry Potter Spielen mit meiner damaligen Freundin im Co-op-Modus hinter mich gebracht. Ich kann die Faszination verstehen, denke aber, dass ich aufgrund des späten Einstiegs in die Filmreihe weniger Magie verspürt habe, als so mancher, der diese im richtigen Alter gesehen hat. Da ich aber großer LEGO Fan und auch einer der ulkigen Spiele bin, mussten natürlich schon damals die LEGO-Ableger her, welche mich gut unterhalten hatten. Nun auf der Nintendo Switch erleben diese gerade den zweiten Frühling und haben es wiederum geschafft mich köstlich zu unterhalten. Diese folgen je stets dem gleichen Rezept, bei dem es darum geht, eine vorhandene Geschichte so schräg und abstrus wie nur möglich mit LEGO Charakteren nachzuerzählen. Da das Spiel jedoch schon einige Jahre am Buckel hat, merkt man auch, dass sich die Uhren inzwischen weitergedreht haben. Mittlerweile sind LEGO-Spiele, wie auch alles andere in der Videospielindustrie, teilweise schon Open-World, mit passender Sprachausgabe in mehreren Sprachen versehen und in 4K zu bewundern. Das alles gibt’s hier nicht, wodurch man eventuell ein wenig enttäuscht sein könnte, wenn man die zuletzt zahlreich erschienenen LEGO-Spiele konsumiert hat und sich Ähnliches erwartet.

Das tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch, denn wenn man Fan von Harry Potter ist, wird man bestens unterhalten werden. Open World würde in diesem Fall auch gar keinen Sinn machen, da man eine durchgängige Geschichte hat, die sich sowohl durch Jahre 1-4 als auch Jahre 5-7 zieht. Beide können im Hauptmenü übrigens separat angewählt werden und haben keine Relation zueinander. Sprich: alles, was ihr im ersten Spiel sammelt und freischaltet hat keinen Einfluss auf das zweite Spiel und umgekehrt. Auch die Steuerung ist für beide Spiele leicht unterschiedlich und kann einen nach etlichen Stunden im einen Spiel durchaus verwirren, wenn man dann auf das andere wechselt. Hauptsächlich betrifft dies aber nur Änderungen der Button-Belegung, der Rest des Konzepts bleibt gleich. Apropos viele Stunden: wie üblich in LEGO-Spielen gilt es zuerst einmal die Geschichte hinter sich zu bringen, welche euch pro Szenario gewisse Charaktere zur Verfügung stellen, welche wiederum unterschiedliche Fähigkeiten mit sich bringen. Ihr werdet im Spielverlauf aber immer wieder an Punkte kommen, die sich nicht mit den verfügbaren Figuren lösen lassen. Der Clou daran ist, dass ihr, sobald ein Level abgeschlossen wurde, der “Freie Modus” dafür zugänglich wird, in welchem ihr euch eine bunte Mischung aus allen Charakteren zusammenstellen könnt, die ihr bis dahin freigeschaltet oder gekauft habt. So könnt ihr auch sämtliche Geheimnisse eines Levels lösen und alle Sammelgegenstände einheimsen. Der Wiederspielwert ist vor allem für Komplettisten dadurch enorm erhöht. Und wo wir schon bei Charaktere kaufen sind: diese lassen sich mit im Spiel gesammelten LEGO-Steinen erstehen. Mikrotransaktionen gibt es keine – was für ein Glück!

Die Level sind recht abwechslungsreich und detailgetreu gestaltet, wenn auch hin und wieder stark vereinfacht. Klar, nicht alles lässt sich eins-zu-eins umsetzen, was auf der Kinoleinwand zu sehen ist, aber TT Games hat hier durchaus einen guten Job gemacht. Man muss aber auch so ehrlich sein und sagen, dass jemand, der die Filme nicht gesehen hat und nur das Spiel konsumieren möchte, definitiv mit dem ein oder anderen Fragezeichen über dem Kopf zurückgelassen wird. Vieles versteht man, auch aufgrund der stummen Erzählung, ohne das nötige Hintergrundwissen leider überhaupt nicht. Daher würde ich jedem empfehlen, sich zeitgleich auch alle acht Filme zu genehmigen und unterhaltsame Abende einzuplanen. Am besten gleich mit einem Partner, der sich dann auch beim Spielen anschließen kann. Glücklicherweise gibt’s hier wieder bzw. noch den dynamischen Splitscreen, welcher in späteren Spielen wieder abgeschafft wurde, es aber so richtig einfach macht, zu zweit auf einem Bildschirm zu spielen, da sich dieser je nach Position zu einander stets verändert, um das beste Erlebnis zu bieten. Grafisch gibt es die gewohnte Qualität, welche man von LEGO-Spielen kennt und was den Soundtrack betrifft, so gibt es die originalen Klänge der Filme zu lauschen. Als Gesamtpaket betrachtet also ein absoluter Knaller für Harry Potter Fans, welchen ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen kann. Neulinge sollten sich aber erst in die Materie einlesen oder auch den ein oder anderen Film ansehen, ehe sie sich ins Abenteuer auf der Nintendo Switch stürzen.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

LEGO Harry Potter Collection für Nintendo Switch
LEGO Harry Potter Collection für PlayStation 4
LEGO Harry Potter Collection für Xbox One

The Good

  • Zwei Spiele in einem preiswerten Paket
  • Die gesamte Harry Potter Geschichte zum Nachspielen
  • Co-op-Modus mit dynamischem Splitscreen
  • Originaler Soundtrack der Filme
  • Auch heute noch gute spielbar und unterhaltsam
  • Zwei zusätzliche DLC Pakete mit neuen Charakteren und Zaubersprüchen inkludiert

The Bad

  • Teilweise gibt's abrupte Framerate-Einbrüche
  • Nicht mehr ganz zeitgemäß im Hinblick auf die fehlende Sprachausgabe
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at