Layton’s Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre

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Layton’s Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre Review

Professor Layton lässt grüßen: nun übernimmt seine Tochter das Ruder!

Die Professor Layton Reihe war stets mit einer sehr mysteriösen Spielerfahrung verbunden. Man wusste kaum etwas über den nachdenklichen Professor und musste sich erst durch abstruse Rätsel knobeln, eher man ein paar kleine Informationen über ihn ans Tageslicht bringen konnte. Doch das Mysterium geht weiter und so verschwindet der Professor, ohne jegliche Nachricht zu hinterlassen und lässt seine Tochter Katrielle alleine zurück. Diese beschließt daraufhin, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und eröffnet ein Detektivbüro. Zusammen mit Ernest, ihrem Assistenten, machen sie sich daran, das erste große Rätsel in London zu lösen. Doch bevor es überhaupt dazu kommt, läuft ihnen ein sprechender Hund über den Weg, der das Geschäftsmotto der beiden bewiesen haben möchte. „Wir lösen jedes Rätsel“, wird versprochen und nach einer kurzen Überzeugungsarbeit schließt sich Sherl, wie sie ihn kurzerhand nennt, dem Duo an. Dieser hat nämlich sein Gedächtnis verloren und weiß ohnehin nicht, was er gerade machen soll. So hat sich das neue Detektiv-Trio gefunden und das Abenteuer kann beginnen.

Selbst wenn der Professor diesmal nicht daran teilnimmt, Kriminalfälle zu lösen, so ist prinzipiell alles wie gewohnt angerichtet. Die leicht ulkigen, jedoch unterhaltsamen Charaktere, die wunderschön animierten Zwischensequenzen und auch die stimmig gewählten Klänge im Hintergrund. Ihr durchsucht die verschiedenen Szenen nach Hinweisen und sprecht mit Personen, denen vielleicht etwas zum jeweiligen Fall aufgefallen sein sollte oder löst ihre Rätsel, die ihnen gerade den Kopf verdrehen. Die Steuerung erfolgt ausschließlich über den Touchscreen und funktioniert tadellos. Ihr zieht mit dem Touchpen über den Bildschirm, um die Lupe am oberen Bildschirm zu bewegen. Für eine Aktion tippt ihr den Touchscreen an. Das war’s auch schon. 3D-Effekt bleibt bei diesem Spiel jedoch aus, was etwas schade, aber manchmal aufgrund der unterschiedlichen Rätsel vielleicht auch sinnvoll ist. Die Geschichte zieht sich jedoch nicht durch ein großes Ganzes, sondern durch unterschiedlichste Fälle, die – je nach bei euch verfügbarem Hirnschmalz – rund eine Stunde in Anspruch nehmen. Perfekt also für Zwischendurch.

Die Rätsel selbst sind das Essenzielle des Spiels und gleichzeitig aber leider auch genau das, was die Suppe gehörig versalzt. Katrielle mag es nämlich etwas anders, als es die Logik vermuten ließe. Ein Problem kann eindeutig mathematisch gelöst werden? Völlig egal! Katrielle hat ihren eigenen Willen, den nicht mal Kinder mit überdimensionaler Fantasie gutheißen können. Ein Beispiel gefällig?

Zwei Schwestern gehen zur Schule. Die eine legt einen Meter pro Sekunde zurück, die andere zwei Meter pro Sekunde. Die erste Schwester geht sofort los, die zweite erst, nachdem die erste Schwester 100 Meter zurückgelegt hat. Wenn beide immer weiter gehen und keine auf dem Weg kehrt macht, wann holt die zweite Schwester die erste ein?

Die Lösung wäre ganz einfach:
100 (m) + 1 (m/s) * T (s) = 2 (m/s) x T (s)
100 + T = 2T // -T
100 = T

Nach 100 Sekunden hätte die erste Schwester nämlich ihren 100-Meter Vorsprung + weitere 100 Meter zurückgelegt, also 200 Meter insgesamt. Die zweite Schwester geht in einer Sekunde ganze zwei Meter und hätte nach 100 Sekunden ebenfalls 200 Meter zurückgelegt. Leicht, oder? Nun, nicht ganz. Denn hier fängt Katrielle an zu schummeln. In der Anleitung steht nämlich, dass beide immer weiter gehen und keine hält oder kehrt macht. Die Lösung von 100 ist jedoch falsch. Selbst weitere Tipps bringen nicht mehr Hilfe, ehe man verzweifelt feststellen muss, dass die Lösung 50 ist. Wieso? Nun, niemand hat gesagt, wie weit die Schule entfernt wäre. WENN die Schulde nämlich nur 100 Meter entfernt wäre, dann würde die zweite Schwester die erste nach eben jenen 50 Sekunden einholen, da die erste Schwester 100 Meter Vorsprung hat und keinen weiteren Meter mehr gehen muss.

Was daran also Bullshit ist? Nun, es ist niemals die Rede davon, dass man sich bei der Schule trifft, dass die Schule 100 Meter entfernt wäre oder dass eine Schwester halt machen würde. Das tut sie nämlich bei der Schule. Es heißt wortwörtlich, dass beide immer weitergehen. Ergo ist hier mit Logik nichts anzufangen und das Ganze artet schnell in ein Rate- anstatt Rätselspiel aus.

Und das ist nur ein Beispiel aus den mehr als 200 Rätseln der insgesamt 12 Kapiteln des Spiels. Natürlich sind nicht alle Rätsel diesem „Vorbild“ entworfen worden. Es gibt auch Geschicklichkeitsspiele oder andere Denkaufgaben, die nicht der unmöglich nachvollziehbaren Denkweise von Katrielle Layton entsprungen sind. Leider ist das aber ein absoluter Spaß-Killer und hat in meinen Augen auch nichts in einem Rätsel-Spiel verloren. Schade, dann so endet der erste Auftritt von Katrielle Layton sehr unrühmlich und hat in meinen Augen auch keine Zukunft. Die Professor Layton Spiele waren genial und für jedermann zugänglich. Natürlich gab es dort auch den ein oder anderen Nussknacker zu lösen, aber die waren nicht annähernd so lang an den Haaren herbeigezogen, wie in Layton’s Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre. Aber das gute daran ist, dass der vorhersehbare Plot und die ziemlich durchsichtigen Fälle im Vergleich dazu beinahe in Gold glänzen (Achtung: Ironie!). Schade. Mehr gibt’s daher auch nicht dazu zu sagen, außer: spielt lieber die alten Professor Layton Teile.

Wir bedanken uns bei Nintendo für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Tolle Animationen und Sprachausgabe
  • Über 200 Rätsel ...

The Bad

  • ... die größtenteils unlogisch sind und euch was vorgaukeln
  • Quantität über Qualität
  • Nur ein Schatten der Professor Layton Spiele
5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at