L.A. Noire

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L.A. Noire Review

Wir kehren zurück ins Los Angeles der 1940er Jahre.

Ich kann mich noch gut erinnern, als wir in den heiligen Redaktionsräumen im Jahre 2011 das erste Mal L.A. Noire anspielen durften. Damals noch auf der PlayStation 3 zu Hause, war es ein Ausnahmetitel, den die Welt in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Abgesehen vom genialen Noir-Setting des Jahres 1947, in welchem das Spiel angesiedelt ist, gab es auch eine herausragende neue Technik namens MotionScan. Denken wir kurz zurück und erinnern uns, als man rund um das Jahr 2009 angefangen hat, Zwischensequenzen nicht mehr als CGI-Video abzuspielen, sondern mittels Grafik direkt aus dem Spiel wiederzugeben. Der Durchbruch war damals enorm, da die Konsolen endlich leistungsstark genug dafür waren und Spieleentwickler die Technologien dafür offenbar gemeistert hatten. Dennoch waren die Ergebnisse limitiert und für ein Detektivspiel, in dem es darum geht, Personen beim Lügen zu erwischen und sie zu überführen, nicht ausreichend. Daher entwickelte man eine Technologie, welche mit einer Vielzahl an Kameras Schauspieler beim Einsprechen ihrer Rollen filmte und diese Videosequenzen dann quasi als Textur für die Charaktere im Spiel verwendet hat. Dadurch war es möglich, dass man authentische Gesichtsanimationen und Emotionen vermitteln konnte, welche selbst Jahre später, auf der nächsten Konsolengeneration und sogar in 4K, immer noch beeindrucken. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass MotionScan immer noch unerreicht ist und finde es schade, dass bislang nicht mehr Spiele auf diese Technologie zurückgegriffen haben.

Screenshot der Xbox One / PlayStation 4 Fassung

Zum Spiel selbst möchte ich ebenfalls ein paar Worte verlieren, da wohl nicht jeder damals schon das Vergnügen hatte. Es ist ein klassischer Krimi mit Cole Phelps als Protagonisten, einem Kriegsveteranen, welcher nach seinem traumatischen Erlebnis im Pazifikkrieg nun lieber als Streifenpolizist beim L.A.P.D. sein Brot verdient. Als er einen brisanten Streifeneinsatz mit Bravour hinter sich gebracht hat und gleichzeitig auch das Verhör mit dem Kriminellen leiten durfte, hinterließ dieser so viel Eindruck bei seinem Vorgesetzten, dass er kurz darauf zum Kriminalbeamten aufsteigen durfte. In seinem neuen Umfeld begleitet ihn sein Partner, Stefan Bekowsky, welcher immer für einen Scherz gut ist und die Geschichte, welche sehr cineastisch erzählt wird, auflockert. Ihr behandelt eine Reihe von Mordfällen oder ähnlich verdrehten Diebstählen bzw. Betrugsfällen. Jeder rund 30- bis 60-minütige Akt besteht aus einer Bestandsaufnahme, dem Finden von Hinweisen und Beweismitteln und dem Verhör von verdächtigen Personen. Durch das Verhör, welches eigentlich den Hauptbestandteil des Spiels ausmacht, kommt ihr dem Verbrechen auf die Schliche und entlarvt so die ein oder andere Person. Die Aussagen der Befragten können dabei jedoch nicht nur von Wahrheit geprägt sein, sondern auch durch Verheimlichungen oder schlichte Lügen. Hier liegt es an euch, richtig zu reagieren. Ihr habt nach jeder Aussage die Wahl, ob ihr den guten oder den bösen Cop spielen wollt. Das spiegelt sich in der schärfe des Tons wider, wonach – bei richtiger Reaktion – die Verdächtigen weiter auspacken. Solltet ihr jedoch die falsche Wahl getroffen haben, machen die Befragten dicht und ihr bekommt am Ende mächtig Ärger. Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, den Gesprächspartner einer Lüge zu bezichtigen. Diese muss jedoch mit einem Beweisstück untermauert sein, welches ihr zuvor gefunden habt. Ansonsten wird der mächtige Ärger zu einem wahren Feuerwerk.

Screenshot der Nintendo Switch Fassung

Jeder Fall bekommt am Ende dann eine Wertung, welche von einem mickrigen Stern „bewältigt“ bis hin zu fünf satten Sternen reichen, die eine herausragende Leistung kennzeichnen. Das hängt davon ab, ob ihr genug Hinweise gefunden, Fragen richtig beantwortet und wenig Schaden angerichtet habt. Schaden, der an Personen, Gegenständen oder Autos verursacht wurde, denn ihr könnt und müsst natürlich immer wieder mal von Ort zu Ort fahren, um euren Fall zu komplettieren. Auf dem Weg dazwischen kann es durchaus auch mal sein, dass ihr den ein oder anderen freilaufenden Verbrecher stellen oder eine Verfolgungsjagd aufnehmen könnt. So bleibt das Lösen der Fälle zu jedem Zeitpunkt spannend. Solltet ihr am Ende dennoch eine grauenhafte Wertung erhalten, so geschieht eigentlich nicht viel. Der Fall wird trotzdem gelöst, euer Ansehen ist jedoch für kurze Zeit angeknackst, eher ihr im nächsten Fall wieder frisch startet.

Das Remake des Originals landet nun auch das erstmals auf einer Nintendo Konsole, nämlich der Nintendo Switch. Rockstar hat hier einen beinahe makellosen Port mit einer intuitiven Touch-Steuerung ausgestattet, welche ihr exklusiv im Handheld-Modus benutzen könnt. Dadurch wirkt diese Version des Spiels am interessantesten, da ihr nicht nur unterwegs in die Kriminalfälle eintauchen, sondern auch per Touchscreen nach Hinweisen suchen könnt, ehe ihr diese im Detail inspiziert. Selbst die Steuerung der Kamera und der Charaktere ist damit möglich, wobei Letzteres doch noch mit dem Control-Stick zu bevorzugen ist. Es funktioniert zwar auch mit einem Tippen auf den Bildschirm, aber das bewirkt leider nicht ganz das befriedigende Gefühl, den der Rest der Gestensteuerung vermittelt.

Screenshot der Xbox One / PlayStation 4 Fassung

Nintendo Switch vs. PlayStation 4 / Xbox One X

Die Spielinhalte sind auf sämtlichen Versionen identisch. Das Spiel selbst kommt inklusive aller DLC-Inhalte daher und macht dabei keinerlei Abstriche oder beinhaltet zusätzliche Kauf-Optionen. Auf der Nintendo Switch müsst ihr jedoch ein rund 7GB großes Update herunterladen, welches dadurch anfangs eine Internetverbindung benötigt und in weiterer Folge auch eine Micro-SD-Karte, sollte euer interner Speicher keinen Speicherplatz mehr freihaben. Warum ist nicht bekannt, aber wir vermuten mal durch das Sparen von Mehrkosten, die man aufgrund eines größeren Spielmoduls verursacht hätte. Eine sehr unrühmliche Praxis vom Take 2 Konzern, welcher selbiges ja auch schon bei NBA2K18 auf der Nintendo Switch praktiziert hatte.

Wie dem auch sei, sind davon abgesehen die Unterschiede zu den 4K-fähigen Konsolen marginal. Klar, die Texturen sind auf der Nintendo Switch teilweise nicht so hochauflösend und auch die Bildschirmauflösung ist auf 720p im Handheld-Modus bzw. 1080p im gedockten Modus beschränkt, wogegen auf der PlayStation 4 bzw. Xbox One X alles in 4K erstrahlt. Sonstige grafische Unterschiede kann man jedoch nicht erkennen, da das Spiel ja auch schon einige Jahre am Rücken hat.

Die Nintendwo Switch Version bietet außerdem exklusiv eine JoyCon-Unterstützung, welche HD-Rumble, sowie Ziel- und Gestensteuerung unterstützt. Außerdem könnt ihr euch auch frei nach Rocky mittels JoyCon-Gesten prügeln. Die übrigen Änderungen, wie beispielsweise mehr als 700 überarbeitete Hinweiselemente, ein überarbeitetes Befragungssystem sowie einige neue Sammelgegenstände sind in sämtlichen Konsolenversionen vertreten.

Screenshot der Nintendo Switch Fassung

Fazit

Auch im Jahre 2017 ist L.A. Noire immer noch ein Ausnahmespiel, welches nichts von seinem Charme eingebüßt hat. MotionScan beeindruckt immer noch wie am ersten Tag und die cineastische Präsentation der Missions-Happen eignen sich (vor allem auf der Nintendo Switch) perfekt für Zwischendurch oder auch mal einen längeren Krimi-Abend. Die grafische Repräsentation ist klarerweise ein wenig in die Jahre gekommen, aber diese ist im Falle von L.A. Noire eher zweitrangig. Wer das Spiel damals schon konsumiert hat, dem bieten sich wenige Argumente für eine Neuanschaffung zum Budget-Preis von rund 40-50 Euro. Außer man ist ein Fan des Spiels und möchte es unbedingt nochmals erleben. Dann stellt sich die Frage, welche Konsolen man zur Verfügung hat. Für meinen Geschmack sind die 4K-Upgrade zwar nett, aber sie bieten keine wirklich neue Spielerfahrung, wogegen die Nintendo Switch Version mit Gesten- und Touch-Steuerung nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs jede Menge Unterhaltung bieten kann. Sollte man also Neuling oder ein wiederkehrender Fan mit Zugang zu einer Nintendo Switch sein, dann empfehle ich euch diese Version zu spielen. Alle anderen können sich an einem Los Angeles in 4K erfreuen und definitiv nichts falsch machen. Aber egal, wie man sich am Ende entscheidet: zumindest einmal sollte man L.A. Noire im Leben gespielt haben. Und wer weiß, vielleicht ist dieses Remake ja ein Wink mit dem Zaunpfahl und uns steht ein zweiter Teil kurz bevor?

Wir bedanken uns bei Rockstar für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.


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The Good

  • Nach wie vor ein unvergleichlicher Titel
  • MotionScan Technologie nach wie vor unerreicht
  • Touch Controls eine gut integrierte Erweiterung
  • Komplettpaket inkl. aller DLC Inhalte

The Bad

  • Grafisch leicht angestaubt
  • Keine Wirkliche Strafe bei einem Totalversagen
8.5

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at