Hey! PIKMIN

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Hey! PIKMIN Review

Nintendo erfüllt Fanboy-Träume: endlich gibt es Pikmin auch für die Hosentasche!

Anno 2000, als Nintendos lila Heimkonsolenwürfel aka GameCube auf der Space World 2000 vorgestellt wurde, gab es eine technisch recht spektakuläre Demo zu sehen. Vielen als Super Mario 128 bekannt, sah man eben jene Anzahl an Marios gleichzeitig auf einem Bildschirm rumlaufen. Man wollte damit die Leistungsfähigkeit der Konsole präsentieren. Erschienen ist das Spiel unter dem ominösen Namen jedoch nie. Dennoch entstand aus den Ideen und Experimenten in der Folge ein kleines, aber feines Spiel namens Pikmin, welches 2001 das Licht der Gaming-Welt erblickte. Nun, nach zwei Fortsetzungen für GameCube und Wii U sowie New Play Control! Remakes für die Wii später, dürfen wir den ersten Ableger für den Nintendo 3DS in Händen halten.

Für all jene, denen Pikmin gar kein Begriff ist, kurz eine Erklärung. Pikmin sind rund drei Zentimeter kleine Wesen, die unserem Protagonisten der Reihe ‚Captain Olimar‘ über den Weg laufen. Unser Nachwuchs-Astronaut ist nicht unbedingt ein vom Glück verfolgter Geselle. Sein Raumschiff ist ein Geflick aus verschiedensten Teilen, wodurch er immer wieder auf diversen Planeten abstürzt. Ihm zu Hilfe kommen aber besagte Pikmin, welche er mit seiner Trillerpfeife rumkommandieren kann. Wirft er sie auf Gegenstände, Pflanzen oder Gegner, kämpfen und schuften sie für ihn. Finden sie unterwegs Gegenstände, so bringen sie diese zum Raumschiff zurück und helfen damit unserem Captain, sein Gefährt wieder startklar zu machen.

Es gibt mittlerweile eine Menge verschiedene Arten von Pikmin, welche allesamt unterschiedliche Fähigkeiten haben und auch nicht in allen Spielen angetroffen werden können. In Hey! PIKMIN findet man fünf verschiedene Arten. Rote Pikmin können Feuer unbeschadet überstehen; gelbe Pikmin können höher und weiter geworfen werden und leiten Elektrizität; blaue Pikmin haben keine Scheu vor Wasser; Stein-Pikmin sind resistent gegen Stampfattacken und können Kristalle zerstören und rosa Pikmin haben Flügel, mit denen sie Gegenstände hochhieven oder Olimar im Fall auffangen können.

Am Kern-Prinzip von Pikmin hat sich auch im Spin-off für den Nintendo 3DS nichts geändert. Ihr stürzt wieder einmal auf einem unbekannten Planeten ab und wollt so schnell wie möglich wieder zurück nach Hocotate, eurem Zuhause. Wie es der Zufall so möchte, findet ihr unterwegs Pikmin, welche euch helfen, verschiedenste Gegenstände zu sammeln, die Olimar dann mit lustigen Namen versieht. Insgesamt benötigt ihr 30.000 Glitzernüsse, um euer Raumschiff in Schwung zu bekommen. Gefundene Gegenstände haben einen gewissen Wert, welcher euren Glitzernuss-Counter ebenfalls in die Höhe treibt. Habt ihr das alles geschafft, ist es vermutlich lediglich wieder der Anfang vom nächsten (Bruchlande-)Abenteuer.

Von der Echtzeit-Strategie der ersten drei Spiele ist jedoch weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen hat man das Pikmin-Konzept in einen seitlich scrollenden Plattformer gepackt. Ihr benötigt zur Steuerung des Spiels lediglich das Schiebepad bzw. das Steuerkreuz und euren Touchscreen. Mit ersterem bewegt ihr – wenig überraschend – Captain Olimar und mittels Touchscreen könnt ihr eure Pikmin auswählen, sie werfen bzw. zu euch herrufen oder auch euren Jetpack einsetzen. Pikmin folgen euch prinzipiell zu jeder Zeit, außer ihr hebt mit dem Jetpack ab, um versteckte Bereiche zu erkunden. Dann bleiben sie an Ort und Stelle stehen. Entfernt ihr euch zu weit von ihnen, sterben sie jedoch. Genau so, wenn sie Gegnern zum Opfer fallen oder mit Substanzen in Berührung kommen, gegen die sie keine Resistenz aufweisen können. Beispielsweise gelbe Pikmin im Feuer oder rote Pikmin im Wasser.

Die Level sind recht linear und wenig fordernd gestaltet. Hin und wieder wird man zwar vor die Entscheidung gestellt, welchen Pfad man als nächstes nehmen sollte, aber meist versteckt sich nur ein Glitzernüsse-Vorrat bzw. ein wertvoller Gegenstand am aufwändiger bewältigbaren Pfad. Ans Ziel der Level kommt man aber eigentlich immer ohne Probleme. Einige Level haben auch einen Geheimausgang, der euch auf eine alternative Route der jeweiligen Welt führt. Außerdem gibt es zusätzlich immer wieder kurze Geheimlevel, in denen ihr kleine Puzzleaufgaben lösen müsst, um euren Pikmin-Vorrat weiter aufzustocken. Leider sind diese recht simpel zu knacken. So simpel, dass sie oft überflüssig und deplatziert wirken.

Die Endgegner jeder Welt sind jedoch sehr liebevoll gestaltet und fordern alle eine andere Taktik von euch. Vor allem in den letzten Welten sieht man, welches Potential in dem Spiel stecken könnte. Insgesamt hat man für waschechte Pikmin-Fans jedoch zu wenig aus dem Ganzen rausgeholt, wodurch der Schrei nach Pikmin 4 nur noch lauter wird. Noch zu erwähnen sei, dass es mir oft passiert ist, dass Pikmin ohne mein Verschulden sterben mussten. Sei es, weil sie an Mauern hängen geblieben sind, mir partout nicht folgen wollten oder eine Cutscene den kleinen Rackern den Garaus gemacht hat. Auch wusste die K.I. oft nicht, was sie in manchen Situationen anfangen sollte, wodurch ein wirres Hin- und Herlaufen zum Tod führte. Ärgerlich, da man von Nintendo ein bisschen mehr Polishing gewohnt ist.

Fazit

Für jemanden, der mit Echtzeit-Strategie nichts anfangen kann und dennoch ein wenig Pikmin-Luft schnuppern möchte, bietet das Spiel einen guten Einstieg. Vielleicht macht es ja Lust auf mehr. Und allzu lange sollte es ja auch nicht mehr dauern, bis auch die Nintendo Switch ihre Bruchlandung mit Captain Olimar erleben darf. Für knallharte Pikmin-Fans dürfte das Spiel jedoch eine Enttäuschung sein. Von Echtzeit-Strategie kann keine Rede sein und mehr als ein einmaliges Durchspielen bietet sich leider auch nicht an. Für dieses eine Mal ist es aber ganz nett, vor allem, wenn man beim entspannenden Soundtrack vom Alltag abschalten möchte. Ich warte dennoch weiter auf das nächste „echte“ Pikmin. Pikmin 4!

Wir bedanken uns bei Nintendo für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Bosskämpfe sind recht ausgeklügelt
  • Immerhin Pikmin zum Mitnehmen ...

The Bad

  • ... aber leider ohne den Clou der Konsolen-Spiele
  • Recht linear und einfach
  • Käfer sind nicht die einzigen Bugs im Spiel
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at