Gran Turismo Sport

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Gran Turismo Sport Review

Der Rennspiel-Klassiker geht neue Wege.

Gran Turismo Fans der ersten Stunde müssen jetzt ganz tapfer sein. Das PlayStation-exklusive simulationslastige Rennspiel verabschiedet sich von seiner alten Formel und möchte auf der PlayStation 4 mit neuen Ideen punkten. Vorbei sind die Zeiten, in denen man endlos viele Strecken und Rennen abklappern musste, um sich seinen Weg nach oben zu bahnen. Vielmehr ist diesmal der Fokus auf die Online-Erfahrung gelegt, welche aber durchaus unterhaltsam ist und mit täglichen Herausforderungen und Rennen dauerhaft auf Trab halten möchte.

Der Karriere-Modus ist jedenfalls Geschichte. So viel steht mal fest. Stattdessen wird man mit unzähligen Missionen im Einzelspieler-Modus konfrontiert, die es nach und nach abzuarbeiten gilt. Angefangen bei grundlegenden Sachen, wie Beschleunigen, Lenken oder auch Bremsen erstrecken sich die Aufgaben bis hin zur Verbesserung der Position über kleine Streckenabschnitte oder dem Podiumsplatz ganz oben bei kleinen Rennen. Es gibt hin und wieder auch ulkige Ziele, wie beispielsweise Straßenhütchen umzufahren, um das ganze etwas aufzulockern. Klingt erstmals ziemlich langweilig, zumindest die Grundlagenaufgaben – Autofreaks werden aber um jede Tausendstel kämpfen, um die begehrte Gold-Trophäe einheimsen zu können und sich damit etliche Stunden auseinandersetzen. Interessanterweise kann der Einzelspieler-Modus ausschließlich mit Online-Zwang gespielt werden, was nicht ganz nachvollziehbar ist, jedoch in unserer heutigen „always on“ Gesellschaft niemanden wirklich daran hindern sollte. Außer, die Server des Spiels sind mal down oder in ungewisser Zukunft nicht mehr verfügbar. Spätestens dann wird das Spiel zu einem Briefbeschwerer, sollte man es noch physisch in seinen Händen halten. Der Arcade-Modus hingegen ist der einzige Bereich, der auch offline funktioniert. In diesem könnt ihr eure neu erworbenen Fahrzeuge und freigeschaltete Strecken gegen die K.I. austesten, sofern ihr diese eben schon euer Eigen nennen dürft.

Online sieht das alles dann schon etwas anders aus. Bevor ihr euch jedoch in das Vergnügen stürzen könnt, müsst ihr die so genannte „Rennetikette“ befolgen. Um euch diese einzubläuen, werden euch zwei rund drei-minütige Videos aufgezwungen, die euch nahelegen, fair zu bleiben und niemanden von der Strecke zu stoßen bzw. zu rammen. Bei meiner ersten Online-Fahrt krachten mir jedoch gleich einige Leute rein, die dann nicht nur als „kollisionsfreier Geist“ auf der Strecke weiterfahren mussten, sondern im Anschluss auch mit Zeitstrafen sanktioniert wurden. Zumindest das mildert dann den Frust, der in einem aufsteigt, wenn man seine Top-Position dadurch verliert. Außerdem spiegelt eure Sportgeistwertung euer Verhalten wider, wodurch jeder eure Rennattitüde auf den ersten Blick erkennen kann.

Seid ihr online recht erfolgreich unterwegs, steigt ihr in eurer Fahrerwertung, die für das Matchmaking verantwortlich ist. Die täglichen Online-Rennen platzieren euch dann mit Gleichgesinnten in einer Gruppe, die rund 20 Minuten Zeit hat, um sich für das Rennen vorzubereiten. Ich könnt während dieser Wartezeit einige Qualifying-Runden drehen und so eure Startposition für das Rennen aufbessern. Funktionieren tut das alles recht simpel und verlässlich, auch in Betracht auf Warte- bzw. Ladezeiten und der Performance des Servers. Für zukünftige, regelmäßige Turniere (die im November 2017 starten sollen) ist also vorgesorgt.

Schade ist, dass nach den mehr als 1.000 auswählbaren Fahrzeugen in Gran Turismo 6 nur noch rund 160 zur Verfügung stehen. Auch bei den Strecken hat man den Rotstift angesetzt. Übrig geblieben sind rund 20 Strecken mit etlichen Variationen. Das klingt jetzt alles recht wenig, vor allem, wenn man auf die Konkurrenz schielt, doch oftmals ist weniger eben mehr und ihr habt nun eine recht überschaubare Auswahl an erstmals komplett ausmodellierten Fahrzeugen. Mir persönlich sind reduzierte Speisekarten auch lieber, als dicke Wälzer in einem Restaurant. Daher kann ich persönlich mit einer eingeschränkten, dafür jedoch spitzenmäßigen Fahrzeugauswahl leben. Aber wenn man Forza Motorsport 7 oder Project Cars 2 deshalb Gran Turismo Sport vorziehen möchte, ist das nur verständlich und nachvollziehbar. Vor allem, weil diese auch noch einen umfangreicheren Einzelspieler-Modus bieten.

Grafisch präsentiert sich das Spiel von seiner besten Seite. Die 4K-Auflösung samt HDR-Unterstützung bietet kristallklare Optik und kann durch täuschend real aussehende Grafik (abgesehen von Bäumen) wirklich auf jedem Level beeindrucken. Spielerisch lenken sich die Boliden genau so, wie man es wohl im echten Leben erwarten würde und Fahrfehlern wird nur wenig verziehen. Einstellmöglichkeiten zu euren Vorlieben sind ebenfalls reichlich vorhanden, sodass sowohl Neulinge, als auch Experten auf ihre Kosten kommen, ohne sich auf Kompromisse einlassen zu müssen. Außerdem unterstützt Gran Turismo Sport den VR-Modus, in dem ihr in Einzelrennen gegen einen Gegner eure Runden drehen müsst. Ein sehr immersives, jedoch nur kurzweiliges Erlebnis, da das restliche Spiel darauf verzichtet und auch – wie bereits erwähnt – in brillantem 4K erlebt werden darf und soll. Alles in allem ist das Spiel trotz massiver Neuerungen und Streichungen ein Erlebnis wert – vor allem, wenn man Autonarr ist und ohnehin nicht genug von Rennspielen bekommen kann. Alle, denen diese Neuerungen nicht zusagen, bleiben aber lieber bei Gran Turismo 6 oder schauen mal bei Forza Motorsport 7 bzw. Project Cars 2 rein, sofern man die Möglichkeit dazu hat.

Wir bedanken uns bei Sony für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.


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The Good

  • Solides Rennspiel mit toller Fahrphysik
  • Jede Menge Solo-Missionen
  • Stabiler Online-Modus
  • Grafisch beeindruckend

The Bad

  • Strecken nicht so detailliert, wie die Fahrzeuge
  • Kein Karriere-Modus
  • Keine richtigen Schadensmodelle
  • Wenig Autos und Strecken im Vergleich zu GT6
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at