God of War

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God of War Review

Kratos und der Norden.

Als Besitzer einer PlayStation-Konsole war God of War seit der PlayStation-2-Ära immer ein Pflichttitel. Trotz des recht simplen Button-Mashings unterhielt die Serie mit imposanten Kämpfen und einer stets beeindruckenden Präsentation für viele Stunden. Doch seit God of War 3 und God of War: Ascension ist es ruhig um Kratos geworden. Abgesehen von einem God of War 3 Remastered für die PlayStation 4 gab es nicht viel anderes zu bewundern. Doch nun hat das Warten ein Ende, denn das neueste God of War Abenteuer mit selbigem Titel kehrt in voller Pracht auf die 4K-Bildschirme zurück – jedoch anders, als man es vielleicht erwarten möchte. Abgesehen davon, dass man der griechischen Mythologie den Rücken kehrt und sich nordischen Geschichten widmet, hat sich auch das Gameplay massiv geändert. Dieses vereint nun viele Elemente aus Spielen wie beispielsweise The Last of Us, Mittelerde: Schatten von Mordor, DiabloDark Souls, Tomb Raider oder auch Horizon Zero Dawn. Das ist grundsätzlich nichts Schlimmes, denn wie sagt man so schön: besser gut kopiert als schlecht erfunden. Doch lasst mich das einfach anhand einiger Beispiele erklären.

Die Geschichte handelt von Kratos und seinem Jungen Atreus. Beide haben den Verlust von Faye, Kratos’ zweiter Frau und Atreus’ Mutter, zu verschmerzen und möchten ihren letzten Wunsch in Erfüllung bringen: ihre Asche auf dem höchsten Gipfel der neun Welten Midgards zu verstreuen. Doch bevor ihre Reise beginnt werden sie von einem recht schlaksigen, aber allenfalls mächtigen Typen konfrontiert, welcher ihrer Reise noch vor dem Start wieder den Garaus machen möchte. Es stellt sich heraus, dass der unbekannte Hipster-Verschnitt Baldur, Odins Sohn und Halb-Bruder von Thor, und folglich auch kein umgänglicher Geselle ist. Was folgt, ist eine emotional erzählte Geschichte, die ihre Inspiration definitiv aus The Last of Us gezogen hat. Auf der einen Seite ein erfahrener und vom Leben gezeichneter Mentor, auf der anderen ein Kind, welches eine schwierige Zeit durchmacht. Im Falle von God of War zieht die Geschichte aber durchaus mühsam ihren roten Faden durch die Geschichte, da die Vater-Sohn-Beziehung keine wirklich rosige ist. Kratos wirkt stets sehr reserviert und genervt, der Junge hingegen wissbegierig, aber auch lästig. Etwas, das durchaus auch negativ auf den Spieler wirken kann. Doch ulkige Charaktere, denen man im Spiel begegnet, lockern die Situationen immer wieder positiv auf.

Das Kampfsystem hat sich ebenfalls gehörig weiterentwickelt. Wo ihr zu griechischen Geschichten immer nur den ein oder anderen Button mashen musstet, bringt die nordische Mythologie ein doch recht feines Kampfsystem mit sich. Ihr seid standardmäßig mit einer frostigen Axt ausgerüstet, welche nicht nur Konstruktionen, sondern auch Widersacher einfrieren kann. Das könnt ihr wiederum zu eurem Vorteil nutzen, indem ihr kurz darauf mit euren bloßen Händen unzählige leichte und harte Faustschläge oder gar Tritte folgen lässt. Auf Knopfdruck gelang die Axt wie aus Götterhand zu euch zurück und kann auch nach euren Gegnern geworfen werden. Einige davon sind jedoch gegen gewisse Elemente immun und zeigen nur bei richtiger Anwendung eurer unterschiedlichen Kampfeskunst ihre Schwächen. Dass ihr nicht nur blind drauf los schlagen könnt, zeigt euch der Schwierigkeitsgrad, von dem es ingesamt vier verschiedene gibt. Der ausgeglichene Modus war für meinen Geschmack zu wenig ausgeglichen und oftmals frustrierend, da auch unglücklich gewählte Checkpoints einen in einem endlosen Kampf gefangen halten können. Daher musste ich den Schwierigkeitsgrad kurzzeitig herabsetzen, um bei einem eventuellen Neustart keine Spielzeit zu verlieren. Gegner sind diesmal mit recht kluger Taktik ausgestattet, die euch einiges abverlangen – Dark Souls lässt grüßen.

Abseits von Kämpfen könnt ihr Kratos auf verschiedene Arten und Weisen stärken. Die wichtigste davon ist wohl die Ausrüstung selbst, die ihr entweder beim Zwergenschmied neu herstellen oder auch verbessern könnt. Wie auch schon in Diablo könnt ihr mit neuen Runen auch die vorhandenen Sockel füllen und nette Bonuseffekte erzielen. Die einzelnen Statuspunkte definieren dann eure Stärken und Schwächen und zählen insgesamt auch zu eurer Gesamtstärke, welche wiederum neue Fähigkeiten im Fertigkeitenbaum freischaltet. Wie auch schon in Mittelerde: Schatten von Mordor könnt teilweise beliebige Fähigkeiten für einzelne Waffen oder Kategorien mit erhaltenen Erfahrungspunkten aus Kämpfen erwerben. Einige davon sind jedoch von vorangehenden Fähigkeiten abhängig und können gegebenenfalls verbessert werden. Auch Atreus’ und sein Bogen können aufgewertet werden, um euch im Kampf hilfreich beiseite zu stehen, was vor allem in hektischen Situationen mit mehreren Gegnern von Vorteil sein kann.

Die riesige Welt von Midgard und seiner Umgebung birgt natürlich jede Menge zu erkundender Geheimnisse. So könnt ihr abseits der Hauptgeschichte immer wieder neue Bereiche erklimmen oder vormals blockierte Pfade passieren, die ihr mit neuen Waffen oder Fähigkeiten zugänglich macht. Das Backtracking ist teilweise für ein God of War Spiel ungewohnt hoch und erinnert ein wenig an Metroid-Spiele. Ihr werdet von Atreus immer wieder darauf hingewiesen, dass es Neues zu erkunden gibt. Pflicht ist dies zwar nicht, bringt aber nette Boni für eure Reise. Was mich aber ein wenig traurig stimmt, ist die Tatsache, dass es kaum spektakuläre Gegner gibt und falls einer davon mal ein etwas größerer Brocken ist, hat man diesen im Spiel bereits gesehen. Das einzige, was diesen Gegner dann vom vorigen unterscheidet, ist das Element – einmal Eis, ein anderes Mal Feuer, etc. Hier hätte man durchaus mehr bieten können – God of War Fans der ersten Stunde werden da ein wenig enttäuscht sein. Diese müssen sich aber ohnehin im Klaren sein, dass God of War nicht mehr God of War ist. Es trägt in meinen Augen eigentlich nur mehr denselben Namen, alles andere ist neu. Es ist, wie schon geschrieben, eine Mischung aus vielen verschiedenen Franchises und ist vom Hack and Slay zu einem Action-Adventure-RPG aufgestiegen. Es spielt sich eigentlich wie Tomb Raider dieser Tage, nur eben mit nordischen Göttern und deren Einflüssen.

Grafisch und technisch präsentiert sich das Spiel von seiner besten Seite. Zumindest größtenteils, denn ich hatte auf der PlayStation 4 Pro eigentlich in jeder anspruchsvollen Szene Ruckler und Frame-Drops zu vermerken. Da Sony jedoch täglich einen neuen Patch einspielte, sind die Probleme seither eigentlich verschwunden und es lässt sich nun auch in 4K mit HDR für die meiste Zeit problemlos spielen. Von den konstanten 60fps ist man jedoch meilenweit entfernt. Man hat zwei Optionen, aus denen man wählen kann. Einerseits bietet einem das Spiel die grafische Priorität an, welche euch 4K ausgibt und maximal 30fps zustande bringt. Diese fallen jedoch immer wieder mal unter diese Marke, wodurch ein Ruckeln in manchen Szenen entsteht. Der Modus für bevorzugte Leistung reduziert das Bild auf Full-HD (1080p) und entfernt das Limit der Bildwiederholfrequenz. Somit ist je nach Situation alles zwischen 40fps und 60fps möglich, es pendelt sich jedoch meist bei 45-50fps ein. Somit bleibt es dem eigenen Geschmack überlassen, welchen Modus man bevorzugt. Eure PlayStation 4 wir jedoch in beiden Fällen eine Flugzeugturbine simulieren, wodurch es ratsam ist, den Fernseher etwas lauter zu drehen. Das Positive daran: man kann dem fantastischen und epochalen Soundtrack lauschen, welcher die Situationen immer perfekt untermalt.

Abseits all dieser Kleinigkeiten, wird God of War wieder mal seinem Namen gerecht. Diesmal zwar auf eine etwas andere Weise, aber viele andere Franchises hatten auch ihre Reboots hinter sich und haben dabei nicht nur alteingesessene Fans, sondern auch neue für sich begeistern können. Man muss mit der Zeit gehen und das tut God of War definitiv. Wer jedoch an alten Tugenden festhält und sich nicht davon trennen kann, dem rate ich, dass er lieber zu God of War 3 Remastered greift und dieses bis zum Abwinken abfeiert. Kratos ist erwachsen geworden und wird dies sicherlich auch bleiben. Schade nur, dass das Genresterben weiter seinen Lauf nimmt und immer mehr Spiele “more of the same” werden. Auch God of War ist hier keine Ausnahme. Habt ihr ein Horizon Zero Dawn oder auch Tomb Raider gespielt, wird euch Kratos’ Reboot nicht mehr ganz so vom Hocker hauen, als eventuell einem Neueinsteiger in die Gaming-Welt. Auch ich habe in meinem Leben schon beinahe alles gesehen und bin daher bereits recht schwer zu beeindrucken und doch fand ich enormes Gefallen daran. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass eine neue Ära für Kratos angebrochen ist, die nichts mehr mit der alten zu tun hat – wovon jedoch jede ihre eigenen Reize hat. Aber um es kurz zu machen: man sollte ohnehin alle davon gespielt haben und auch God of War für PlayStation 4 stellt einen absoluten Pflichtkauf für mich dar. Denn egal, wie viel man von anderen Spielen kopiert hat, man hat es verdammt gut gemacht!


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God of War für PlayStation 4
God of War 3 Remastered für PlayStation 4

The Good

  • Eine sehr emotional erzählte Geschichte
  • Grafisch sehr beeindruckend
  • Intelligentes Kampfsystem
  • Action und Rätsel in richtigen Mengen

The Bad

  • Kein typisches God of War der alten Zeiten mehr
  • Wenig Abwechslung bei Gegnern
  • Hin und wieder in 4K nicht ganz ruckelfrei
10

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at