Fuser

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Fuser Review

Hey Mr. DJ, put a record on.

Gastbeitrag von Emanuel Liesinger

Es ist einige Jahre her, seit Harmonix dafür sorgte, dass jede gut sortierte Videospielsammlung auch aus ein paar Plastikinstrumenten bestehen muss. Guitar Hero, und später Rock Band, machten sie zu einer weltbekannten Größe. Einen Crash des Rhythmusgenres und dem folgenden Verkauf des Entwicklers von Viacom an eine private Holding später, wurde es still um das Bostoner Studio – und es hielt sich mit Virtual Reality-Spielen und einer Kooperation für das Brettspiel DropMix mit Hasbro über Wasser, welches zwar kein großer finanzieller Erfolg war, aber von Kritikern gelobt wurde. In DropMix, einem Kartenspiel mit zusätzlicher Smartphone-App, war es möglich, innerhalb von Sekunden individuelle Remixes verschiedener Songs zu kreieren, welche aufgrund eines ausgefeilten Algorithmus auch meist ziemlich gut klangen. Drei Jahre später wurde dieses Konzept zu Fuser weiterentwickelt und zeigt, dass professionelle DJs vielleicht doch etwas mehr machen als in iTunes den Play-Button zu betätigen.

Im Gegensatz zum üblichen Output von Harmonix war DropMix allerdings kein wirkliches Rhythmusspiel. Musik spielte natürlich eine wichtige Rolle, im Grunde handelte es sich aber um ein Kartenspiel, bei dem es darum ging, die Karten des Gegner so strategisch wie möglich zu übertrumpfen und damit Punkte zu gewinnen. Jede Karte stellte hier eine Spur aus dem originalen Lied dar, aufgeteilt auf Drums, Bass, Instrumente und Gesang. Die App generierte aus den fünf auf dem Spielbrett liegenden Karten einen Mix. Fuser geht es hier ganz anders an – nicht nur stehen nun bei den einzelnen Liedern alle Spuren zur Verfügung, diese müssen auch passend zum Takt am DJ-Pult gemixt werden. Auch zusätzliche Features wie Instrumente oder Effekte kommen zum Einsatz, um dem jeweiligen Mix die ganz persönliche Note zu verleihen. Hier führt die Kampagne über etwa 10 Stunden langsam an die einzelnen Möglichkeiten heran, und macht einen nach und nach zum Profi-DJ.

Natürlich macht es nicht immer Sinn, eine Spur im Grundtakt des Liedes aufs Pult zu legen – professionelle DJs legen eine Gesangsspur selbstverständlich dann auf, wenn beispielsweise der Refrain gerade startet. Auch das ist bei Fuser möglich, indem jede Spur ihre eigenen Entrypoints mitbringt – erwischt man diese, freut sich das Publikum noch ein Stück mehr. Legt man seine Platten allerdings weder an einen solchen Punkt noch im Takt auf, verliert man recht schnell wieder das gewonnene Ansehen. Das Spiel gibt einem im Verlauf des Mixes immer wieder Aufgaben, etwa eine bestimmte Spur einzusetzen oder die Gesangsspur stummzuschalten, und auch die Fans schalten sich auch immer wieder mit Musikwünschen dazwischen, welche bei Erfüllung zusätzliche Punkte mit sich bringen. Fuser hat natürlich keine Möglichkeit, objektiv zu bewerten, ob der derzeitige Mix wirklich gut klingt – folglich ist es in Wirklichkeit irrelevant, welche Songs man wie einsetzt – wichtig ist nur das Mixen im richtigen Takt, regelmäßiges wechseln der Spuren und das Erfüllen der Missionen, um die von Harmonix bekannten fünf Sterne bei einem Auftritt zu erreichen.

Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass die Musikauswahl in Fuser keinen Einfluss auf den Spielspaß hat. Die Entwickler haben hier eine Musikauswahl getroffen, die von den den 1960ern bis heute reicht, und egal wie man diese kombiniert: der Algorithmus ist zumeist in der Lage, einen gut klingenden Mix daraus zu kreieren. Und man möchte nicht glauben, dass Rick Astleys Never Gonna give you up in Verbindung mit Benny Benassis Statisfaction und Rock the Casbah von The Clash auch nur im Entferntesten als Musik zu bezeichnen wäre – hier klingt ein solcher Mix allerdings hervorragend. Daher ist auch der Freestyle-Modus der wohl zufriedenstellendste im Spiel. Hier kann man ohne Zeitdruck oder Aufgaben seinen eigenen Mix komponieren und ausbauen wie man möchte – und dabei Stunden verbringen. Wer sich gerne mit anderen DJs messen möchte, kann im Mehrspielermodus Online gegen den Rest der Welt antreten. Komplexere Funktionen wie Crossfades oder Tempowechsel sind hier allerdings deaktiviert, was dem Ganzen ein wenig den Spaß nimmt. Eine Frage stellt man sich allerdings: wie kann der Entwickler, der ein Jahrzehnt lang Haushalte mit Plastikgitarren versorgt hat, bei seinem neuen Vollpreistitel vollständig auf eine physische Version verzichten, und Fuser nur digital auf den Markt bringen? #Physical4Ever

Fazit

Fuser ist die logische Weiterentwicklung der schon in DropMix eindrucksvoll eingesetzten Algorithmen, die aus jeder noch so konfusen Kombination einen spannenden Mix basteln. Mit Liedern auf fünf Jahrzehnten findet jeder “seinen” Lieblingstrack, der in jedem Mix seinem Einsatz findet, und die Rhythmusmechaniken ziehen einen schnell in den Bann. Schade nur, dass der Mehrspielerspaß, für den der Entwickler bisher bekannt war, ein wenig auf der Strecke bleibt. Im Grunde hat Harmonix hier mehr Werkzeug als Spiel geschaffen. Aber es macht auch in dieser Form sehr viel Spaß – zumindest, wenn man sich für Musikspiele begeistern kann.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Exzellente Musikauswahl
  • Eindrucksvolle Mix-Ergebnisse
  • Schier unendliche Kombinationen

The Bad

  • Schwacher Multiplayer
  • Wenig Langzeitmotivation
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at