Fire Emblem: Three Houses

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Fire Emblem: Three Houses Review

Eine große Schlacht erwartet euch, Magister.

Die Fire-Emblem-Reihe ist wohl eine der am längsten laufenden Franchises, welche es auf Nintendo-Konsolen zu finden gibt. Diese reicht mit Fire Emblem: Shadow Dragon and the Blade of Light für das Nintendo Entertainment System gar zurück bis ins Jahr 1990, wobei zu erwähnen ist, dass es erstmals im Jahre 2003 ein Ableger in den Westen geschafft hat. Das Spiel für den Game Boy Advance lautet passend einfach nur Fire Emblem und markiert den Startschuss für einen erfolgreichen Feldzug außerhalb Japans, welcher bis heute im Taktik-Genre anhält. Mein persönlicher Einstieg war zwei Jahre später auf dem GameCube, als mir Fire Emblem: Path of Radiance meine gesamte Freizeit nach der Schule stahl. Nun, nach mehr als elf Jahren Konsolen-Abstinenz seit Fire Emblem: Radiant Dawn für die Wii, landet endlich auch wieder ein Fire Emblem auf einer Nintendo-Heimkonsole. Fire Emblem: Three Houses ließ zwar durch einige Verschiebungen lange auf sich warten, dafür kann es sich aber umso mehr sehen lassen und birgt schier endlos viele Stunden an Genuss für jeden Taktiker da draußen. Wir haben ein ganzes Monat mit dem Spiel verbracht und schildern nun unsere Eindrücke dieses Pflichttitels.

Da Fire-Emblem-Spiele immer einen großen Fokus auf die Geschichte legen, werden wir diese nur kurz ansprechen, um euch eine ungefähre Richtung des Settings zu zeichnen ohne euch gleich zu viel davon zu verraten. Ihr werdet durch mehr oder weniger glückliche Umstände an einer Akademie in der Region Fódlan als Magister aufgenommen, in welcher die Militärkräfte von morgen ausgebildet werden. Fódlan ist in drei Regionen unterteilt, die allesamt von einem eigenen Haus regiert werden. Da wären zum einen Die Schwarzen Adler, zum anderen Die Blauen Löwen und zu guter Letzt und definitiv nicht zu verachten Die Goldenen Hirsche. Alle buhlen um euer Geschick, wodurch ihr euch ziemlich bald für eines der Häuser entscheiden müsst. Eure Aufgabe besteht fortan damit, die Nachwuchshelden des gewählten Hauses zu unterrichten, sie zu leiten und im Kampf zu stützen. Ihr seid von nun an das absolute A und O für eure Anhänger und tragt damit auch eine große Verantwortung.

Egal, wie ihr euch entscheidet, ihr werdet im initialen Durchgang eine recht interessante Geschichte erleben, die auf zwei Arten konsumiert werden kann. Einerseits könnt ihr euch ohne viel Tamtam zum Ende eilen oder aber auch mehr über Charaktere und ihre Geschichte erfahren, indem ihr regelmäßig mit ihnen interagiert, Nebenmissionen abschließt oder einfach nur redet – und der Gesprächsstoff wird euch so schnell nicht ausgehen. Jedes mal, wenn ihr erneut in der Akademie herumstreift, werdet ihr neue Dialoge vorfinden, die den Charakteren und der Geschichte eine wahre Bedeutung geben und man diese auch gleichzeitig viel intensiver erlebt, da man eine gewisse Bindung zu einzelnen Individuen aufbaut und Emotionen dabei unerlässlich sind. Vor allem, wenn man den japanischen Schwierigkeitsgrad spielt und Einheiten nach ihrem Tod nicht mehr wiederbelebt werden. Die Geschichte hat jedenfalls einige interessante, aber auch unvorhersehbare Momente parat und schreckt nicht davor zurück, das ein oder andere Mal zu schockieren bzw. zu überraschen.

Das Kampfgeschehen selbst hat sich im Vergleich zu den Vorgängern ein wenig geändert. Hat man bislang stets auf ein “Kampfdreieck” gesetzt, in dem verschiedene Waffen immer genau einen Vorteil und einen Nachteil hatten, so fällt das diesmal zur Gänze weg und Charaktere müssen vielmehr durch ihre Erfahrung, Statuswerte, Klassen und Fähigkeiten punkten und sich so den nötigen Vorteil im Kampf sichern. Der Rest geschieht – wie üblich – auf einem Areal, das in quadratische Felder eingeteilt ist und auf denen die einzelnen Kämpfer sowohl des eigenen Teams, als auch jene des Gegners und der Verbündeten taktisch gefinkelt platziert sind, um eure Aufgabe von Anfang an spannend zu machen. Die Zielbedingungen können dabei von Mission zu Mission variieren, sind jedoch im Allgemeinen mit “Besiege alle Gegner” oder “Besiege den Anführer” größtenteils zusammenzufassen. Jede Einheit hat unterschiedliche Bewegungsfreiheiten und kann so pro Zug mehr oder weniger weit vorrücken oder gegebenenfalls auch diverse Hindernisse, wie beispielsweise Flüsse, überwinden. Gegner in Reichweite können dann mit unterschiedlichen Attacken angegriffen werden, auf die wir ein wenig genauer eingehen müssen.

Wie bereits erwähnt gibt es kein starres “Kampfdreieck” mehr, sondern ihr seid auf euer eigenes Können angewiesen. Jeder Charakter hat eine Klasse, die bereits einen gewissen Vorteil mit sich bring. So habt ihr nicht nur die charakterspezifischen Eigenschaften, sondern auch die Fähigkeiten der Klasse, die der Charakter innehat. Durch diese Fähigkeiten, können gewisse Angriffe ausgeführt werden, die unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten, wie beispielsweise zwei Mal hintereinander anzugreifen. Jeder Angriff kann unter Umständen auch in einem Gegenangriff enden, sollte die Kombination aus Angreifern und Verteidigern dies Zulassen. Beispielsweise kann ein Fernkämpfer einen Gegenangriff auf einen Nahkämpfer landen, umgekehrt jedoch nicht, was wohl logisch erscheint. Zusätzlich erhaltet ihr mit der Fortbildung der Charaktere auch weitere Fähigkeiten, die zusätzlich ausgerüstet werden können und einen weiteren Bonus gewähren. Zu guter Letzt gibt es auch noch Bataillone, die ihr anheuern könnt, um sie für euch kämpfen zu lassen. Hier hält sich der angerichtete Schaden oftmals in Grenzen, dafür kann euer Widersacher jedoch keinen Gegenangriff mehr landen. Dies ist vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden und bei Endgegnern, die in mehreren Stufen besiegt werden müssen, von enormem Vorteil. Abgesehen davon hat ein Bataillon eine gewisse Angriffsformation, mit der man mehrere Felder gleichzeitig treffen kann.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wie ihr eure Charaktere fortbilden könnt. Tja, ihr seid wohl nicht umsonst auf einer Akademie als Lehrkraft eingeteilt worden. Der Ablauf des Spiels abseits der Kämpfe gestaltet sich quasi wie im echten Schulleben. Montags entscheidet ihr generell, was unterrichtet wird und jeder Charakter erhält von euch einen gewissen Aufgabenfokus, auf den er sich konzentrieren soll, um seine Fähigkeiten auszubauen und so in Zukunft eventuell eine neue Klasse annehmen kann. Beispielsweise könnt ihr Kämpfern auch Flugfähigkeiten lehren, um sie so zu Wyvernkämpfern umschulen. Um eine neue Klasse zu erlangen erfordert es jedoch eine Abschlussprüfung in insgesamt fünf Stufen. Dabei sind gewisse Voraussetzungen vonnöten, die eure Erfolgschancen erhöhen. Habt ihr diese noch nicht erlang, könnt ihr aber auch euer Glück versuchen und die Prüfung dennoch schaffen. Dies gewährt euch im Erfolgsfall dann einen enormen Boost in puncto Statuswerten und Schaden.

Den Rest der Woche verbringen die Schüler damit zu lernen und Gemeinschaftsaufgaben zu absolvieren, die wiederum die Gruppe stärken, die Motivation erhöhen und weiteren Statuswerten einen Boost verleihen. Hin und wieder gesellt sich auch ein Geburtstags auf eure Agenda, bei dem ihr wählen könnt, ob ihr eventuell Blumen verteilt oder auch eine Teestunde abhaltet, bei welcher ihr euer Gegenüber besser kennenlernen könnt und die Beziehung zueinander stärkt. All das hat Auswirkungen auf die Motivation und Stärke im Kampf und sollte daher nicht außer Acht gelassen werden. Falls keine ungewöhnlichen Vorkommnisse die Woche durcheinander bringen, habt ihr schließlich am Sonntag die Wahl aus vier verschiedenen Optionen. Ihr könnt entweder die Akademie frei erkunden und euch mit allen Charakteren unterhalten, verlorene Gegenstände wieder zu ihren Besitzern zurückbringen, gemeinsam Kochen und Essen oder auch Einzeltraining absolvieren.

Hin und wieder steht auch ein Kampfturnier an, bei dem ihr euren besten Schützling ins Rennen um den Sieg schicken könnt. Dabei könnt ihr nicht nur Ansehen, sondern auch ein wenig Kleingeld für eure Kassa gewinnen. Zusätzlich könnt ihr auch eurer Hobbygärtnerei nachkommen oder zur Abwechslung auch die Angelrute schwingen. Die Möglichkeiten zum Zeitvertreib in der Akademie sind recht umfangreich, aber auch völlig optional. Was ihr euch aber nicht entgehen lassen solltet ist der Marktplatz, auf dem ihr neue Waffen und Ressourcen kaufen könnt. Je besser die Waffe, desto höher der Grundschaden. Denn was wir bislang noch nicht erwähnt haben, ist, dass ihr mit jedem Spezialangriff eure Waffe schwächt und diese auch zu Bruch gehen kann. Ein taktisches Element, das vor allem am höheren Schwierigkeitsgrad beachtet werden muss, wollt ihr nicht mit einem Haufen nutzlosem Metall den Kampf verlieren.

Die zweite Option wäre das Seminar, bei dem ihr einen Dozenten einen Vortrag halten lasst, der bis zu sechs aufmerksame Teilnehmer bekommt, bei denen im Anschluss zwei Entwicklungsziele gestärkt werden. Dozenten erhaltet ihr von anderen Häusern, die ihr anheuern könnt. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn erst müsst ihr diese Charaktere beeindrucken und mit gewissen Statusausrichtungen Honig ums Maul schmieren. Habt ihr diese aber erstmal für euch gewonnen, könnt ihr sie auch in Kämpfen einsetzen. Die dritte Option wäre dann auch der Kampf, den wir bereits ausgiebig besprochen haben. Es stehen euch nicht nur Hauptmissionen zur Auswahl, sondern immer wieder auch Nebenmissionen oder Spezialmissionen, die ihr von Charakteren erhalten habt. Manche von ihnen verbrauchen auch Zeiteinheiten, von denen ihr nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung habt und die sich mit eurem Dozentenrang erhöhen. Auch Trainings, Kochen oder Ähnliches verbrauchen Zeiteinheiten. Somit müsst ihr euch diese jeden Monat geschickt einteilen, bis sie wieder voll aufgefüllt werden. Zu guter Letzt könnt ihr euch auch noch ausruhen und somit die Motivation eurer gesamten Einheit wiederherstellen. Zusätzlich stellt ihr euch den Nutzwert einiger spezieller Waffen wieder her. Solltet ihr mit dem Internet verbunden sein, wird euch auch die prozentuelle Verteilung sämtlicher Optionen angezeigt, welche Spieler der ganzen Welt gewählt haben. Solltet ihr euch also unsicher sein, was als nächstes zu tun ist, könnt ihr euch ja inspirieren lassen.

Grafisch orientiert sich das Spiel an einem Cell-Shading-Look und sieht in den meisten Einstellungen auch recht gut aus. Leider hat man bei Nintendo auch im Jahre 2019 noch nichts von Anti-Aliasing gehört und so flimmern sämtliche Kanten im Spiel fröhlich vor sich hin. Dies ist zwar keineswegs störend, fällt aber vor allem im Handheld-Modus doch auf. Musikalisch wird das ganze Geschehen von einem wunderbar abgestimmten Soundtrack untermalt, der in jeder Situation die richtige Stimmung mit sich bringt. Seien es mysteriöse Klänge in der Geschichte oder hektische Szenen am Kampffeld. Ich würde sogar empfehlen, das Spiel auf einer guten Sound-Anlage oder mit Kopfhörern zu spielen, um in den vollen Genuss der Klänge kommen zu können.

Abschließend bleibt nur noch zu erwähnen, dass ihr nach Abschluss des Spiel die Möglichkeit habt, ein Neues Spiel+ zu starten und darin ein anderes Haus zu wählen. Dies solltet ihr auch unbedingt tun, um die ganze Geschichte verstehen zu können, da sich weitere Durchgänge doch erheblich von eurem ersten unterscheiden. Für das erstmalige Durchspielen werdet ihr rund 40-60 Stunden benötigen, solltet ihr alle drei Häuser in Angriff nehmen, kann sich das Spiel auch gut und gerne über rund 150 Stunden erstrecken. Damit sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis wohl ohne weitere Fragen geklärt sein. Von uns gibt es jedenfalls eine klare Kaufempfehlung und den Hinweis, dass sich das Spiel im Handheld-Modus auch bestens für Zwischendurch eignet. Und bei der angegebenen Spielzeit habt ihr dann auch etwas länger was davon.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Fire Emblem: Three Houses für Nintendo Switch

The Good

  • Umfangreiche Geschichte in drei Teilen
  • Toller Soundtrack
  • Gelungene Neuausrichtung der Fire-Emblem-Franchise
  • Sämtliche Charaktere haben durch ihre Geschichte einen Sinn

The Bad

  • Oftmals starkes Kantenflimmern
  • Wirkt teilweise durch die Komplexität überkompliziert und erschwert damit den Einstieg ins Spiel
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at