FIFA 19

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FIFA 19 Review

Anstoß zur nächsten Runde.

Alle Jahre wieder erscheint eine neue Iteration sämtlicher Sportspiele aus dem Hause Electronic Arts. Was für Besitzer von Sony- oder Microsoft-Konsolen beinahe schon ein unspektakuläres Ereignis darstellt, ist für Nintendo-Fans fast schon etwas wie Weihnachten und Ostern zusammen. Auf dem Nintendo 3DS gibt es seit etlichen Jahren keinen FIFA-Ableger mehr und selbst die Wii U hatte nach anfänglicher Euphorie ebenfalls das Nachsehen. Das lag aber nicht unbedingt daran, dass Spiele dieser Art auf Nintendo-Konsolen nicht willkommen gewesen wären. Vielmehr lag es wohl am Aufwand, den man aufwenden musste, um die ressourcenhungrigen Spiele auf die leistungstechnisch schwächeren Konsolen zu portieren und natürlich auch an den dementsprechenden Verkaufszahlen. Irgendwann stoppte man dann die Veröffentlichung auf Nintendo-Plattformen, nachdem am Ende wohl kaum Profit aus dem Ganzen herausgeschaut hatte. Es war ein Teufelskreis, den Electronic Arts wohl bis heute nicht versteht. Aber es wurden auch nur mäßige Anstrengungen unternommen, um das volle Erlebnis den Käufern auf einer Nintendo-Plattform bieten zu können. Oft rühmten sich die Spiele mit veralteter Engine oder gar mit fehlenden Features. Dass man dann von einem Kauf absieht oder auf andere Konsolen ausweicht ist wohl recht nachvollziehbar. Nun gab Electronic Arts mit FIFA 18 der Nintendo Switch eine neue Chance und dürfte wohl daran Gefallen gefunden haben. Mit FIFA 19 steht nun erstmals seit Jahren wieder ein sofortiger Nachfolger in Haus, der jedoch abermals gute als auch schlechte Seiten aufweist.

Wie bereits eingangs erwähnt greift auch die Nintendo Switch Version der FIFA-Reihe auf eine eigene Engine zurück. Wo man anfangs vielleicht sofort mit einem Augenrollen reagiert, sollte man diesmal vielleicht nochmals genauer darüber nachdenken: die Nintendo Switch ist sowohl Konsole als auch Handheld in einem. Dass der Akku unter zu viel Spektakel drastisch leidet, sollte wohl jedem klar sein. Demnach ist es durchaus ein kluger Schachzug seitens Electronic Arts eine eigene Engine nur für die Hybrid-Konsole parat zu haben.

Gegenüber letztem Jahr hat sich hier auch wieder einiges getan und man merkt, dass Electronic Arts sich den Kritikpunkten aus dem Vorjahr angenommen hat. Das generelle Handling der Spieler, Torhüter oder auch die grafische Repräsentation wurden einer Maniküre unterzogen und beeindrucken dieses Jahr um einiges mehr, als noch beim Debüt auf der Nintendo Switch. Selbst das ein oder andere neue Feature der “großen Brüder” hat es diesmal auf Nintendos Wunderding geschafft, wie beispielsweise der “Timed Finisher”. Dieser lässt euch den Ball äußert präzise auf das gegnerische Tor knallen, solltet ihr nach dem Aufladen eures Schusses nochmals auf den Schuss-Button drücken, sobald der Fuß eures Spielers den Ball berührt. Ebenfalls neu mit an Bord sind die Lizenzen für die UEFA Champions League, UEFA Europa League und den UEFA Super Cup, samt authentischen TV-Overlays, wie auch in den einzelnen Ligen, um noch mehr “echtes Feeling” vermitteln zu können. Wer, wie ich, FIFA bereits seit Jahrzehnten spielt, der kann den deutschen Kommentar wohl ebenso wenig ausstehen. Die erste Einstellung, die ich immer tätige, ist, diesen auf Englisch umzustellen. Da kommt es gerade gelegen, dass es auch ein neues englischsprachiges Kommentatorenduo mit Derek Rae und Lee Dixon gibt, die ihren Job richtig gut machen.

Das Gameplay an sich hat aber neben all den Verbesserungen auch einige Schattenseiten. Je mehr Partien man spielt, desto eher fällt einem auf, dass Pässe und Flanken nicht immer dort landen, wo sie sollten. Klar, es ist wichtig, den Stick in die korrekte Richtung zu lenken, ehe man den Ball zum Mitspieler befördert, aber selbst wenn man die Routine raus hat und alles gepasst hat, landet der Ball immer wieder mal im Nirgendwo oder beim Gegner. Wenn es dann aber mal klappt, sind die Tore umso schöner. Nicht selten kam es vor, dass ein perfekt getimter Kopfball in die Maschen den Last-Minute-Sieg brachte und damit den Aufstieg in der Champions-League besiegelte. Dann fühlt man sich schon ein wenig gut. Das ist aber wohl auch der gesamten Atmosphäre geschuldet, die einfach stimmt – genau so, wie auch das Ambiente in den großen Stadien.

Ein großer Kritikpunkt vom letzten Jahr war auch, dass man nicht gegen seine Freunde online spielen konnte. Nun, was eigentlich unglaublich klingt, war bittere Realität, ist nun aber auch auf der Nintendo Switch endlich implementiert worden. FIFA 19 gibt euch die Möglichkeit in schnellen Matches oder auch Seasons online gegen eure Erzrivalen anzutreten. Natürlich könnt ihr das auch gegen wildfremde Spieler tun, was größtenteils auch ohne Probleme funktioniert. Nur hin und wieder plagten uns Ruckler und Lags, was aber auch auf der PlayStation 4 und Xbox One immer wieder mal ein Problem war. Ich denke, das liegt rein an der eurer Internetverbindung oder der des Gegners. Aber aus technischer Sicht kann man Electronic Arts hier nichts ankreiden.

Ein neues, cooles Feature sind auch die Hausregeln, mit welchen ihr ab sofort spielen könnt. Im Survival Mode verliert ihr jedes Mal einen Spieler, wenn ihr ein Tor erzielt; Headers & Volleys lassen euch nur bei Kopfbällen, Volley-Schüssen oder Freistößen anschreiben; bei Long Range zählen Tore außerhalb des Strafraums doppelt; First Goal ist quasi das Golden Goal – erstes Tor gewinnt und dann habt ihr auch noch die Möglichkeit gänzlich ohne Regeln zu spielen, frei nach Nintendo World Cup.

Was jedoch einen ganz bitteren Beigeschmack verursacht, ist die Tatsache, dass der Modus “The Journey” wieder nicht mit an Bord der Nintendo Switch Version ist. Dieser erstmals in FIFA 17 eingeführte Story-Modus erzählt die Geschichte von Alex Hunter und seinem Aufstieg zum absoluten Superstar, welche in FIFA 18 fortgeführt wurde und in FIFA 19 nun zu einem Ende kommt. Fraglich, warum man sich bei Electronic Arts dagegen entschieden hat. Ich könnte mir vorstellen, dass man keine unvollständige Geschichte erzählen wollte, da FIFA 17 ja auf keiner Nintendo-Konsole verfügbar war. Aber selbst wenn das der etwas ominöse Grund gewesen sein könnte, so steht man doch der Tatsache gegenüber, dass die Nintendo Switch Version ein gleich tiefes Loch in der Geldbörse hinterlässt, als die anderen, vollständigen Konsolenversionen. Sprich: man bekommt weniger Spiel zum selben Preis.

Fazit

Zusammenfassend muss man aber nahtlos gestehen, dass FIFA 19 auf der Nintendo Switch dennoch eine gute Umsetzung darstellt. Konkurrenz gibt es ohnehin keine, da bleibt Fußballfans gar nichts anderes übrig, als zum Lizenz-Knaller aus dem Hause Electronic Arts zu greifen. Von uns gibt’s auch keine Einwände gegen einen Kauf, selbst wenn wir uns wünschen, dass fehlende Features ab dem nächsten Jahr vollständig nachgereicht werden und die Nintendo Switch kein beschnittenes Produkt mehr erhält.


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FIFA 19 für Nintendo Switch
FIFA 19 für PlayStation 4
FIFA 19 für Xbox One

The Good

  • Viele Verbesserungen gegenüber FIFA 18
  • Neue, lustige Spielmodi
  • Online endlich auch gegen Freunde
  • Neue Lizenzen für Champions League & Co.

The Bad

  • Wieder kein Story-Modus "The Journey" enthalten
  • Pässe und Flanken hin und wieder recht ungenau, was aber nicht immer auf die eigene Schuld zurückzuführen ist
  • Lootboxes auch dieses Jahr wieder im FIFA Ultimate Team Modus (wodurch der Modus unspielbar ist)
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at