Dragon Quest Builders

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Dragon Quest Builders Review

Sandbox 2.0

Mein Problem mit Spielen wie Minecraft ist, dass sie mich nach kürzester Zeit langweilen. Klar – das, was man mit den simplen Bau-Elementen umsetzen kann, ist ziemlich beeindruckend und jegliche über die Welt verteilte Server laden einen zum stundenlangen Bestaunen ein, selbst, wenn man keinen einzigen Block beigesteuert hat. Wenn man, so wie ich, jedoch nicht endlos lange ohne Ziel in der Gegend herumirren möchte, dann ist Minecraft das absolute Falsche für einen – auch wenn das Konzept selbst zu begeistern weiß. Doch genau da, wo Minecraft scheitert, springt Dragon Quest Builders in die Bresche. Das Spiel vereint das Sandbox Genre mit dem des klassischen Action-Adventures und führt auch Neulinge perfekt in die Welt des Gestaltens ein. Warum ich also erst jetzt auf den Titel aufmerksam werde, bleibt mir selbst ein Rätsel. Vielleicht hat es dazu aber eben auch die Nintendo Switch benötigt, die mich das Spiel überall hin mittragen lässt und eben auch für den kleinen Happen zwischendurch perfekt geeignet ist. Kein langwieriges Starten der Konsole, einfach den Standby-Modus beenden und loslegen. Es gibt in meinen Augen demnach keinen besseren Ort für Dragon Quest Builders, als Nintendos kleines Wunderding.

Für all jene, denen Minecraft noch kein Begriff ist: willkommen in dieser Welt! Minecraft ist nicht wirklich ein Spiel, sondern eher ein Tool, um unterschiedliche Gebilde zu errichten bzw. Höhlen und Unterkünfte zu bauen, um sich vor wild herumirrenden Monstern zu schützen. Man kann auch jede Menge craften, nur wird einem das alles ziemlich schlecht erklärt und das Hauptproblem des Spiels ist, dass es eben kein wirkliches Ziel hat. Dragon Quest Builders führt euch durch eine Story, bietet euch weitere Charaktere, die sich euch anschließen, mit euch reden, eine Geschichte zu erzählen haben und euch helfen, die einstmals florierende Stadt wieder zu einer solchen aufzubauen. Dabei achtet das Spiel penibel darauf, dass ihr alles Schritt für Schritt erlernt und tut dies in einer angenehmen Geschwindigkeit, sowie Art und Weise. Ihr bekommt Aufgaben zugeteilt, die ihr zu erfüllen habt, um in der Story voranzuschreiten: stellt ein paar Heilsalben her, baut das Haus wieder auf, erschafft eine Rüstungskammer und mehr. Alleine dieser Umstand führt dazu, dass ihr euch ausgiebig mit dem Spiel beschäftigt, wie das Craften funktioniert, woher ihr einzelne Materialien bekommt und wie ihr Gebäude errichtet und diese anschließend aufrüstet. Ziel ist es, eure Stadt wieder in hellem Licht erstrahlen zu lassen, Monster abzuwehren und neue Gebiete zu erkunden. Was Monster betrifft, so werden diese immer wieder angreifen, je aufpolierter eure Stadt mit der Zeit wirkt. Dazu schmiedet ihr euch mit immer besseren Materialien langlebigere und schützendere Rüstungen, als auch Waffen, die mehr und mehr Schaden austeilen. Und damit das Ganze auch einen Sinn bekommt, lassen besiegte Gegner auch benötigte Materialien fallen, die wiederum für neue Erfindungen herhalten werden. Der ewige Kreislauf des Craftens, sozusagen.

Doch woher nehmt ihr all das Wissen? Nun, ihr seid der sagenhafter Erbauer, welcher in all den Geschichten erwähnt wird. Ihr seid der Retter in der Not der Bevölkerung, die ihren letzten Hoffnungsschimmer schon fast verloren haben. Und genau deshalb gewinnt ihr auch die Gunst der Leute um euch herum. Je mehr ihr mit ihnen interagiert und deren Wünsche erfüllt, desto mehr Pläne für die Herstellung schießen euch wieder in den Sinn. Damit gewährleistet das Spiel, dass ihr nicht von Anfang an überfordert seid und nicht mehr weiter wisst. Und im Gegensatz zu Minecraft bietet euch das Spiel auch viel mehr Möglichkeiten, was ihr Erbauen und anschließend nutzen könnt. Auch für eure Ausdauer und Gesundheit müsst ihr selbst sorgen und könnt dafür die Kochrezepte verwenden, die euch entweder andere Charaktere verraten oder ihr wiederum selbst herausfindet, nachdem ihr gewisse Komponenten das erste Mal aufgesammelt habt. So könnt ihr aus Pilzen leckere Pilzspieße machen oder auch einen Obstsalat, der eure Ausdauer wieder auffüllt. Der Lebensbalken benötigt ebenfalls ein wenig Aufmerksamkeit von euch. Ihr könnt und müsst euch auf eurer Reise mit Heilmitteln ausrüsten, um im Kampf nicht k.o. zu gehen. Mit Lebenssamen könnt ihr jedoch auf Dauer eure Lebensleiste erweitern, wodurch ihr über die Zeit hinweg widerstandsfähiger werdet.

Habt ihr dann genügend Missionen erfüllt und steht vor dem finalen Kampf gegen den Gebietsboss, ist nochmals euer Geschick gefragt. Dieser stellt sich meist als ziemlich schwierig heraus, bis man sein Angriffsmuster erkannt hat und auch genügend Objekte mit sich führt, um diesen zu bekämpfen. Sollte etwas fehlen, muss man sich vorher wieder auf Ressourcensuche begeben und Waffen bzw. andere Kampfgegenstände herstellen, bevor man es erneut versucht. Hat man den Kampf dann erfolgreich hinter sich gebracht, kommt die große Wehmut. Ihr verlasst nämlich die Stadt und zieht weiter, da es noch andere Orte gibt, die eure Hilfe benötigen. Das bedeutet jedoch auch, dass ihr all das Gesammelte und sämtliche Upgrades hinter euch lassen müsst. Ihr beginnt de facto wieder bei null, denn auch die bislang erlernten Herstellungspläne sind euch wieder aus dem Sinn geflogen. Und das ist eigentlich auch der größte Kritikpunkt an Dragon Quest Builders. Das Spiel bietet euch vier separate Kapitel, welches alle ins sich geschlossen sind und euch immer wieder von ganz vorne beginnen lassen. Das ist ein wenig schade, denn eure bis dahin aufpolierte Stadt ist damit Geschichte und jegliche Investitionen sind dahin. Auch euer Charakter und seine Ausrüstung starten wieder am Anfang – selbst die Upgrades für euern Lebensbalken verschwinden. Dafür ist jedes Kapitel herausfordernder als das vorherige und auch die Bauten werden immer größer und größer. Die deprimierenden erste Momente nach dem Kapitelwechsel dauern also nicht allzu lange an, bis ihr wieder im Spielfluss seid und auch eure neue Stadt gedeiht. Wie dem auch sei, Dragon Quest Builders wird euch definitiv in den Bann ziehen. Es gibt einfach viel zu viel zu entdecken und schafft all das, wo Minecraft eben versagt. Und nachdem ihr das erste Kapitel beendet habt, könnt ihr auch einen separaten Spielstand in einer Welt beginnen, in der der gesamte Fokus darauf liegt, eurer Kreativität freien Lauf zu lassen. Worauf wartet ihr also noch?


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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The Good

  • Ein Sandbox Spiel mit Aufgaben
  • Einführung in leicht verständlichen Schritten in die Story implementiert
  • Story-Modus mit vier umfangreichen Abschnitten
  • Modus ohne Story für freie Kreativität

The Bad

  • Die Menüführung und das Bauen könnten noch verbessert werden
  • Jeder Akt setzt euren Fortschritt zurück und ihr müsst von Neuem beginnen
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

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