DIRT 5

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DIRT 5 Review

Jetzt wird’s matschig.

Gute Rennspiele sind schwer zu finden. Das ist zumindest meine Meinung. Ich habe aber wohl auch andere Ansprüche als der übliche Rennspielfanatiker. Für mich müssen Rennspiele spannend, lustig und ein klein bisschen “anders” sein. Selten konnten mich eine waschechte Simulation so begeistern, wie ein abgedrehtes Arcade-Rennen. Für mich persönlich legt diesbezüglich Burnout Paradise die Messlatte am höchsten und ist auch heute noch, mehr als zwölf Jahre nach der Erstveröffentlichung, unerreicht. Ob der neueste Ableger der DIRT Reihe da in irgendeiner Form mithalten kann und ob es sich lohnt, sich selbst in den Matsch zu werfen, möchten wir im Zuge unserer Review-Serie zur Xbox One X|S klären.

Gleich mal eines vorweg: DIRT 5 verabschiedet sich endgültig vom Simulations-Dasein und schmeißt sich glasklar in die Arcade-Ecke. Wer damit nicht klar kommt, kann sich das restliche Review wohl sparen. Für mich persönlich könnte es aber kein schöneres Statement von Codemasters geben, da mich nichts mehr langweilt, als stundenlanges Feintuning in den Optionen, nur um das ein oder andere km/h mehr aus dem Wagen rauszuholen. Von daher war ich schon recht gespannt, was das wohl letzte unabhängige Eigenprodukt von Codemasters zu bieten hat, nachdem es dieser Tage offenbar zu einem Übernahmedeal zwischen Take 2 Interactive und Codemasters gekommen ist, der bis Ende des ersten Quartals 2021 abgeschlossen sein soll. Damit dürften wohl in Kürze sämtliche unethischen Praktiken in F1 und DIRT Einzug halten, die es bereits in den meisten anderen Spielen des Konzerns gibt. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal.

Zurück zum Wesentlichen: DIRT 5. Der neueste Ableger der Colin McRae Rally Franchise verzichtet auf eine riesige Oberwelt und präsentiert euch stattdessen ein Menü, von welchem ihr die einzelnen Events, an denen ihr teilnehmen müsst, auswählen könnt. Diese sind aneinandergereiht, in verschiedene Pfade aufgeteilt und jeweils mit den nächsten Events verknüpft. Erfüllt ihr die Voraussetzungen zum Weiterkommen, könnt ihr direkt verbundene Events nach Belieben auswählen. Dabei setzt der Einzelspieler-Modus, nicht wie andere Rennspiele, auf kleine Herausforderungen, die ihr meistern müsst, um voranzukommen und nicht unbedingt auf das Ziel, erster zu werden. Weiters gibt es auch keinen fixen Pfad, dem ihr folgen müsst, um durch die einzelnen Kapitel zu finden. Je nach Präferenz und Können wird sich jeder Spieler seinen eigenen Weg bahnen.

Die einzelnen Events unterscheiden sich dann einerseits im Ort des Geschehens und in der Art des Rennens. So könnt ihr matschig-nasse Rundrennen durch die Bambusplantagen von China drehen oder müsst euch schnellstmöglich mit Spezialreifen von A nach B zwischen den Gebirgen von Griechenland “durchgraben”. Dabei setzt das Spiel vorrangig auf verschiedene Untergründe, welche von Asphalt über Matsch bis hin zu richtigen Eisplatten reichen und euer Können als Rally-Fahrer unter die Probe stellen. Beeindruckend dabei ist das dynamische Tages- und Wettersystem, wodurch die Rennen abwechslungsreich und frisch wirken. Beispielsweise könnt ihr im hohem Norden schon mal leichtem Schneefall auf der Strecke begegnen, welcher in Runde zwei zu einem richtigen Schneesturm mutiert und die letzte Runde von einer richtig dicken Schneeschicht auf der Piste geprägt wird. Oder ihr dreht eure Runden im Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang, wo speziell HDR zu einem besonderen Erlebnis wird. Hier habe ich aber den Eindruck, dass es manchmal ein wenig zu viel des Guten ist. Teilweise blendet die Sonne so sehr, dass man überhaupt nichts mehr sieht und die in die Abgrenzung vor sich kracht. Hier muss definitiv noch nachgebessert werden. Ein anderer Problemfall sind die Begrenzungen auf der Strecke. Kommt man mal von der Strecke ab, kann man nicht wie in anderen Rennspielen zurückspulen, sondern muss sich selbst aus der Situation retten. Das ist prinzipiell auch völlig in Ordnung, nur wird man teilweise für “Abkürzungen” bestraft, die man so nie begehen wollte. Beispielsweise ist es mir passiert, dass ich von einer Mauer auf die andere Fahrseite touchiert bin, über eine Begrenzung “geschleudert” und danach sofort auf die Strecke zurückversetzt wurde. Das hat mich so weit zurückgeschmissen, dass ich nicht mehr mit den vorderen Platzierungen mithalten konnte, obwohl ich eigentlich nichts falsch gemacht hatte. Aber prinzipiell sind die Rennen sonst recht unterhaltsam, wenn man diese einzeln betrachtet. Zwar sind auch immer wieder Modi dabei, die mir absolut nicht zusagen und an denen ich auch klaglos scheitere, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Betrachtet man das alles als großes Ganzes, dann kann es schon mal langwierig und wenig beeindruckend wirken. Zwar versuchen die Podcaster als Kommenatatoren zwischen den Events ein wenig die Stimmung aufzulockern, scheitern aber meistens daran, dass ihre Scherze und Dialoge einfach nicht lustig sind.

Doch DIRT 5 hat noch einige andere Modi neben dem Karriere-Modus zu bieten. Beispielsweise den Arcade-Modus, bei dem man die zehn verschiedenen Schauplätze mit den verschiedenen Strecken und Autoklassen zusammenwürfeln und zu eigenen Events machen kann. Diese spielt man dann entweder alleine oder gemeinsam mit bis zu drei weiteren Freunden im Split-Screen an einer Konsole. In Zeiten von Corona zwar nicht die beste Wahl und Möglichkeit, aber trotzdem richtig Old-School. Dann gibt’s natürlich auch noch die Time Trials, die in keinem kompetitiven Rennspiel fehlen dürfen. Auch hier könnt ihr eure Events nach Belieben auswählen und euch anschließend mit den besten Spielern der Welt in den Online-Leaderboards messen. Und dann wäre da noch der Playgrounds-Modus, der die richtig verrückten Dinge für euch parat hält. Hier könnt ihr nämlich eure eigenen, abgedrehten Strecken und Arenen basteln und mit anderen Spielern teilen. Dabei gibt es quasi keine kreativen Grenzen und ihr könnt u.a. auf Rampen, Loopings oder auch Ringe des Feuers zurückgreifen. Außerdem gibt es jede Menge Herausforderungen für eure eigenen Kreationen als auch eigene Leaderboards, wodurch ihr euch nicht nur mit euch selbst messen müsst, sondern die ganze Welt dazu einladen könnt. Wenn das nicht bombastisch ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Fazit

DIRT 5 ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits besteht der Einzelspieler-Modus nur aus einer aneinander gereihten Anzahl an Events, die zwar für sich recht unterhaltsam sein können, aber im Gesamtbild dann doch eher einen langweiligen Einzelspieler-Modus bilden. Die fehlende Oberwelt, in der man auch mal auf Erkundungstour fahren könnte, fehlt komplett, auch wenn es aufgrund der weit auseinandergelegenen Schauplätze natürlich Sinn macht. Nichtsdestotrotz fühlt man sich nach einigen Events trotzdem nicht wirklich gehyped. Dafür kann vor allem der Playground-Modus einiges wettmachen und bringt den nötigen Zunder in das Spiel. Wer sich kreativ austoben möchte, hat hier die Möglichkeit dazu. Grafisch, als auch technisch kann das Spiel jedenfalls überzeugen, selbst wenn es das Spiel definitiv nicht in meine Top 3 der besten Rennspiele schaffen wird. Empfehlenswert ist es für Rennspielfreunde aber allemal.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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DIRT 5 für Xbox Series X|S und Xbox One
DIRT 5 für PlayStation 5
DIRT 5 für PlayStation 4

The Good

  • Viele unterschiedliche Events
  • Reichliche Auswahl an Fahrzeugen
  • Tolles, dynamisches Wettersystem
  • Playgrounds-Modus unfassbar lustig

The Bad

  • Einzelspieler-Modus nicht wirklich aufregend
  • Strafversetzungen bei Abkürzungen
  • Kein Rewind-Feature
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at