Devil May Cry 5

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Devil May Cry 5 Review

Einmal Dämonenhölle und zurück.

Meine Anfänge mit Devil May Cry liegen noch gar nicht so lange zurück. Als jemand, der niemals eine PlayStation 2 besessen hatte, war mir der Zugang zu so einigen Spieleperlen verwehrt geblieben, von denen ich die meisten über das letzte Jahrzehnt hinweg brav nachgeholt habe. So auch die Devil May Cry HD Collection, welche sowohl auf der PlayStation 3, als auch der Xbox One ausgiebig genossen wurde. Teil vier war dann tatsächlich der erste Teil der Reihe, welcher mir damals auf der Xbox 360 unter die Finger kam. Speziell der Soundtrack hatte es mir angetan, welcher bis heute immer wieder in meinen Playlists landet. DmC: Devil May Cry war dann ein harter Schlag für alle eingesessenen Fans. Dante hatte plötzlich kurze schwarze Haare und sah wie ein Milchbubi aus. Dennoch spielte sich der Reboot recht gut und war mir eigentlich nur positiv in Erinnerung geblieben. Umso überraschter war ich dann, als tatsächlich ein wahrer fünfter Teil der Hauptreihe angekündigt und nun eben auch veröffentlicht wurde. Gespannt, was mich nach einem sensationellen Resident Evil 2Resident Evil 7 und Monster Hunter World von Capcom bei dieser klassischen Fortsetzung erwartet, schmiss ich mich für euch ins Dämonengetümmel.

Ihr startet die Geschichte mit Nero, welcher das erste mal in Devil May Cry 4 vorkam. Er besitzt nur noch einen Arm, da ihm der andere von einem Dämon in einem Hinterhalt abgerissen wurde. In der Erzählung, auf die ich aus Spoiler-Gründen nicht weiter eingehen werde, fügt sich nach und nach alles zu einem glaubwürdigen großen Ganzen zusammen. Habt ihr die vorhergehenden Teile nicht gespielt, könnt ihr euch auch auf den aktuellen Stand bringen, indem ihr eine kleine Zusammenfassung in Videoform anschaut, die ihr jederzeit aus dem Hauptmenü anwählen könnt. Damit Nero sein Handicap kompensieren kann, wird ihm von Nicoletta Goldstein unter die Arme gegriffen. Sie ist eine sensationelle Handwerkerin und bastelt ständig an so genannten Devil Bringern. Dies sind Aufsätze für Neros fehlendem Unterarm, die nicht nur als Fanghaken fungieren und Gegner an euch ran ziehen können, sondern gleichzeitig auch jeder eine spezielle Attacke auf Lager hat. Egal ob ihr eine Elektrofaust auf eure Gegner herabregnen lassen wollt oder euch à la Mega Man durch die Korridore schießt: die Vielfalt der Devil Bringer ist groß und macht die Kämpfe zu einem geilen Erlebnis.

Einen Haken gibt es jedoch: werdet ihr beim Angriff mit eurem Armaufsatz von einem Gegner getroffen, zerbricht dieser. Das gleiche Ergebnis erhaltet ihr, wenn ihr eine aufgeladene Attacke mit dem Devil Bringer auf eure Gegner loslasst. Nur, dass ihr bei Letzterem guten Schaden austeilt und die Aktion gewollt ist. Einen großen Kritikpunkt sehe ich jedoch in der Art und Weise, wie ihr die Devil Bringer einsetzen müsst. Ihr habt mehrere Plätze in eurem Inventar für diese High-Tech-Utensilien frei, doch die Reihenfolge, in der ihr diese anordnet bzw. ihr sie aufsammelt, kann aus dem Spiel heraus nicht mehr beeinflusst werden. Würden sich andere Devil Bringer in manchen Situationen besser eignen, als der gerade angelegte, dann bleibt euch nichts anderes übrig, als diesen zu zerstören. Ein Wechseln ohne den Verlust ist nicht möglich, wodurch man eher dazu neigt, keinen weiteren mehr aufzuheben oder immer nur die gleiche Art von Devil Bringer zu kaufen und sämtliche Ausrüstungsplätze damit zu füllen. Das ist wohl nicht im Sinne des Erfinders.

Dann gibt es auch noch V, den mysteriösen Neuzugang des spielbaren Trios. Ein philosophischer Emo, der durch eine ganz spezielle Kampftechnik heraussticht. Mit ihm könnt ihr nämlich nicht direkt kämpfen, sondern müsst hingegen seine drei Gefährten steuern. Zum Einen habt ihr einen schwarzen Panther, der sich durch starke, schnelle und auch flächendeckende Attacken auszeichnet. Zum Anderen gibt es noch Griffon, einen dämonischen Vogel, der nicht nur einige ulkige One-Liner für die Geschichte auf Lager hat, sondern auch mit effektiven Fernattacken aufwartet und V gegebenenfalls in Sicherheit fliegt. Zu guter Letzt könnt ihr mit eurer Devil-Trigger-Energie noch einen gigantischen Koloss herbeirufen, der nicht nur selbstständig gute austeilt, sondern auf dem ihr auch reiten könnt und die Dinge selbst in die Hand nehmt. V selbst kann am Ende aber nur die Finisher-Moves anbringen, sobald die Energie eines Dämons auf null gesunken ist. Das alles macht V zu einem taktisch herausfordernden Kämpfer, der eigentlich gar nicht in einen Action-Slasher passen dürfte. Tut er aber dann doch und zwar so gut, dass ich nach einiger Eingewöhnungszeit recht gerne mit ihm in den Kampf gezogen bin.

Und dann darf natürlich Dante selbst auch nicht fehlen: alt, verbaucht und trotzdem noch agil wie ein Wiesel. Mit ihm machte der Kampf wohl am meisten Spaß. Nicht nur, dass er die vielfältigste Auswahl an Waffen parat hatte, er teilt mit seiner dämonischen Erscheinung nach Aktivierung des Devil Triggers auch noch richtig viel Schaden aus. Die Missionen sind dadurch jedoch trotzdem nicht zu einfach, auch wenn ich nicht behaupten würde, dass Devil May Cry 5 beim ersten Mal schwer zu beenden wäre. Man muss halt hin und wieder aufpassen, dass man nicht blind in gegnerische Attacken hineinläuft, dann bleibt alles im grünen Bereich. Sollte euch dann aber doch mal ein Fauxpas passieren, könnt ihr euch von gesammelten rote Kugeln trennen, um keinen Game Over erleiden zu müssen. Oder aber, ihr verwendet einen goldenen Kristall, welcher in jedem Level versteckt ist und welchen ihr euch durch einen täglichen Login geschenkt bekommt. So sollte es dann wirklich nicht zu schwer hergehen, auch wenn man dadurch das Gefühl bekommt, dass es einem am Ende wohl zu einfach gemacht wird.

Das Gameplay selbst orientiert sich an den alten Teilen, wie es Fans wohl begrüßen werden. Hauptsächlich begebt ihr euch von Level zu Level, hackt auf Dämonen rum und löst das ein oder andere relativ simple Rätsel. Richtig spannend ist das eigentlich nicht, was wohl auch daran liegt, dass man rund drei Viertel des Spiels in der selben Umgebung verbringt, die sich optisch nicht wirklich vom vorhergehenden Level unterscheidet. Außerdem wirkt die Farbgebung fast schon monochrom und depressiv mit nur wenigen Stellen, an denen auch mal der Himmel in hellstem Blau erstrahlen darf. Dass das alles durch die Geschichte Sinn macht, sei mal dahingestellt. Aber ein bisschen mehr Abwechslung hätte es dann doch sein dürfen. Dafür sind, sobald man eine Reihe von Fähigkeiten freigeschaltet hat, aber die Kämpfe von hoher Intensität und die Action rasanter denn je. Und genau darauf kommt es auch an: Devil May Cry 5 macht einfach Spaß und kann durch seine drei unterschiedlichen Charaktere und deren eigene Spielstile vollends beeindrucken, so wie auch die grafische Repräsentation. Was man hier aus der RE Engine herausgeholt hat, ist mit eigenen Augen kaum zu glauben. Vor allem in 4K ist das Spiel ein reiner Augenschmaus und auch Animationen und Gesichter sind nicht von dieser Welt. Man könnte fast meinen, dass der kennbare Unterschied zwischen virtueller und tatsächlicher Realität so klein ist, wie kaum zuvor. Wenn ich euch dann noch sage, dass euch auch der Soundtrack wieder einiges auf die Ohren gibt und ihr nach dem Abschluss der Kampagne definitiv Lust auf mehr habt, dann kann das eigentlich nur heißen, dass ihr einem absoluten Pflichtkauf gegenüber steht. Es mag vielleicht nicht perfekt sein, aber es haut trotzdem richtig rein!


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Devil May Cry 5 für Xbox One
Devil May Cry 5 für PlayStation 4
Devil May Cry 5 für PC

The Good

  • Rasanter Action-Slasher mit Stil
  • Drei unterschiedliche Charaktere mit eigenen Kniffen
  • Grafisch richtig sexy
  • Bombastischer Elektro-Soundtrack
  • Interessante Devil Bringer Mechanik

The Bad

  • Leider recht eintöniges Level-Design und wenig Abwechslung
  • Devil Bringer aus dem Spiel heraus nicht frei anwählbar
  • Geschichte ist von Anfang an recht durchschaubar und keine große Überraschung
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at