Déraciné

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Déraciné Review

Ein Horrortrip der freundlichen Art.

Die PlayStation VR bietet seit jeher interessante und obskure Titel, die einen in ihre eigene Welt ziehen. Es ist eine Plattform, die Überraschungen parat hält und immer wieder neue Ideen zutage fördert. Déraciné ist wohl auch so ein Titel, der sich mit dieser Beschreibung identifizieren kann und ist zudem auch noch von einem relativ bekannten Studio umgesetzt worden. From Software, bekannt für ihre Spiele der Souls-Reihe und auch dem PlayStation 4 exklusiven Titel Bloodborne, hat sich diesmal eines etwas ruhigeren Erlebnisses angenommen und erzählt in Déraciné eine mehr oder weniger schaurige Geschichte. Ihr schlüpft in die Rolle eines freundlichen Geistes, der in einem alten und abgelegenen Schulkomplex beheimatet ist. Darin angesiedelt sind noch sechs Jugendliche und der Direktor, mit denen ihr fortlaufend interagieren müsst. Niemand glaubt an eure Existenz, bis auf eines der Kinder, welches den anderen beweisen möchte, dass ihr tatsächlich existiert.

Was anfangs noch recht behäbig voranschreitet, wird mit Fortlauf der Geschichte dann etwas runder und flüssiger. Die ersten Kapitel dienen eigentlich nur dazu, einerseits die Steuerung zu verinnerlichen und andererseits auch die ganzen Charaktere kennenzulernen. Die Steuerung benötigt im Übrigen zwei PlayStation-Move-Controller, die in der virtuellen Realität eure Hände symbolisieren. Mit ihnen könnt ihr nach Objekten greifen, diese manipulieren und auch sonst eure Umwelt erforschen. Die Fortbewegung findet sprunghaft über vordefinierte Ankerpunkte statt, um dem altbekannten Problem der Übelkeit vorzubeugen. Dazu müsst ihr lediglich in die gewünschte Richtung schauen und mit einem Button am Controller die Fortbewegung lostreten. Umsehen, niederknien oder auch Investigieren von Situationen werden ebenfalls mit diversen Button-Belegungen ausgelöst, genau so wie das Aufrufen von Menüs und das Benutzen von aufgesammelten Gegenständen. Um in der Geschichte voran zu kommen, müsst ihr diverse Rätsel lösen, welche in einzelne Kapitel unterteilt sind. Diese haben zumeist mit den Kindern zu tun, wodurch sich auch der Bezug zu ihnen nach und nach verdichtet. Es sind keine wirklich aufwändig gestalteten Rätsel, können aber mit welchen aus diversen Detektivspielen verglichen werden, bei denen man die Umgebung nach Hinweisen erkundet, einer gewissen Spur folgt und einen Gegenstand findet, welchen man dann zur Lösung des Rätsels am richtigen Ort einsetzen muss.

Ihr erfahrt auch mehr über die Geschichte und Charaktere, indem ihr mit den Hüllen der Charaktere oder ihnen selbst interagiert. Die Zeit steht im Schulkomplex nämlich still, wodurch ihr alle Zeit der Welt für eure Aufgaben habt. So können neue Gegenstände oder auch kleine funkelnde Lichter gefunden werden, welche dann wiederum Erzählungen auslösen, welche einem ein gewisses Bild der Situation oder Charakteren vermitteln. Zudem habt ihr auch an jeder Hand einen speziellen Ring, welcher jeweils eine eigene Fähigkeit beherbergt. In der rechten Hand haltet ihr einen roten Ring, welcher die Zeit manipulieren kann. So könnt ihr beispielsweise einer Rebe Weintrauben Zeit entziehen, welche dann zu Rosinen werden, um einer verdorrten Lilie wieder Leben zu spenden. Leider wird diese durchaus interessante Idee recht spärlich über das gesamte Spiel verwendet und weist daher unentdecktes Potential auf, woraus man definitiv mehr hätte machen können. In der linken Hand befindet sich euer blauer Ring, welcher ein Chronometer in Form einer Taschenuhr symbolisieren soll. Hier könnt ihr euch Tipps zur aktuellen Situation holen, solltet ihr mal nicht weiterwissen bzw. euer derzeitiges Ziel abfragen. Auch könnt ihr mit ihr durch die Zeit reisen, indem ihr diese mit eurer rechten Hand berührt – das jedoch nur an bestimmten Stellen im Spiel, welche zumeist das Kapitelende darstellen, um die Geschichte voranzutreiben.

Fazit

Déraciné ist ein recht ruhiges und entspannendes Erlebnis für die PlayStation VR. Es lebt von der Erkundung des Schulgebäudes und -geländes und legt den Fokus auf das selbstständige Erreichen persönlicher Ziele. So ist es durchaus möglich, gewisse Rätsel komplett auszulassen oder nur teilweise zu lösen und trotzdem in der Geschichte voranzukommen. Damit ihr nicht zu viel vorab erkundet, blockieren schwarze Katzen euren Weg an bestimmten Stellen, an denen ihr als Geist nicht vorbeikommt. Alles andere bleibt eurem Forscherdrang überlassen und es zahlt sich aus, jeden Winkel penibel genau zu untersuchen, um vielleicht auch alle acht versteckten Münzen zu finden, die euch am Ende Zugang zu etwas Speziellem gewähren. Als Gesamtwerk bietet Déraciné aber keine Erfahrung, die man nicht schon mal gemacht hätte. Es ist ein nettes VR-Spiel für Zwischendurch und für Fans von From Software sicherlich ein gefundenes Fressen, wenn es um das Suchen nach Hinweisen von unangekündigten Spielen geht.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Déraciné für PlayStation VR (österreichisches PSN-Konto)
Déraciné für PlayStation VR (deutsches PSN-Konto)

The Good

  • Interessante Zeitmanipulationsmechanik ...
  • Stimmige Atmosphäre
  • Grafisch recht nett gestaltet

The Bad

  • ... die leider viel zu selten genutzt wird
  • Keine weltbewegenden Rätsel
  • Anfangs recht zäh
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at