Dandara: Trials of Fear Edition

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Dandara: Trials of Fear Edition Review

Ein Action-Plattformer der etwas anderen Art.

Ich bin bekanntlich ein großer Fan des Metroidvania Genres und von Spielen der Metroid-Franchise im Besonderen. Da die Auswahl der hauseigenen Spiele von Nintendo jedoch viel zu kurz kommt, benötigt es ab und an mal Unterstützung diverser Indie-Studios, welche diese Art von Spielen samt bezauberndem Pixel-Artstyle am Leben erhalten. Heute geht mein Dank nach Brasilien, wo das Indie-Studio Long Hat House beheimatet ist und gleichzeitig natürlich auch an den Publisher Raw Fury, welcher mir die Spielperle Dandara: Trials of Fear Edition näher gebracht hat.

Dandara zeichnet sich durch eine ganz besondere Spielmechanik aus. Ihr könnt in diesem Plattformer nämlich weder laufen, noch frei springen, sondern euch lediglich von Ebene zu Ebene warpen. Die Angriffsflächen, auf denen die Protagonistin landen kann, sind weiß gekennzeichnet und können jegliche Orientierung haben. Um zu zielen, müsst ihr mit dem Fadenkreuz auf eine solche Fläche zielen und auch genügend Reichweite besitzen, um tatsächlich dort landen zu können. Diese kann variieren und im Verlauf des Spiels erweitert werden. Eventuell ist es also nötig, dass ihr Umwege in Kauf nehmen müsst, die euch durchaus in eine brenzlige Lage bringen können. Dandara fordert nämlich nicht nur euer Geschick, sondern auch eure Frustresistenz. Es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass ich mich in die entlegenen Gebiete der melancholisch angehauchten Welt vorgearbeitet hatte, um dann mit einem unachtsamen Moment alles wieder zu verlieren. Solltet ihr sterben, kommt ihr wieder an den letzten der rar gesäten Checkpoints zurück, den ihr aktiviert hattet, verliert jedoch sämtlichen Fortschritt und noch dazu alle Salze, die ihr bis dato gesammelt habt – Salze, mit denen ihr euren Charakter verstärken hättet können. Dies ist nicht nur im Bereich der Lebensleiste möglich, sondern, ihr könnt auch – wie bereits erwähnt, eure Reichweite zum Warpen vergrößern. Außerdem besitzt ihr auch Essenzen der Energie und Stärke, welche eure Lebens- bzw. Kraftleiste wieder auffüllen. Auch diese lassen sich verstärken, wodurch sie mehr Anteile eurer Leisten auffüllen und ihr somit immer einen Backupplan parat habt.

Die Welt ist in einem wunderbaren Pixel-Artstyle gehalten und weiß mit Charme und Liebe zum Detail zu begeistern. Nur wenige Male wird man von der Immersion herausgerissen, wenn kleine Schönheitsfehler ins Auge stechen, wo perspektivische Ansichten auf eine reine 2D-Darstellung treffen, die absolut nicht zusammenpassen. Dafür ist der Soundtrack umso makelloser und vermittelt ein Gänsehautfeeling pur. Stets mit der passenden Melodie untermalt ist es eine wahre Freude durch die einzelnen Gebiete zu warpen, nichtwissend, welche neue Gefahren vor einem liegen. Damit das Abenteuer nicht langweilig wird, findet man stets neue Gegnertypen oder Rätsel, welche die ein oder andere Hirnzelle von euch anregen. Zudem gesellen sich auch immer wieder toll inszenierte Bosskämpfe hinzu, die einen großen Einfallsreichtum aufweisen. Der Schwierigkeitsgrad von Dandara zeigt sich nicht nur im generellen Gamedesign, sondern auch eben in diesen epischen Schlachten. Ihr müsst blitzschnell reagieren, gekonnt den gegnerischen Angriffen ausweichen und zudem natürlich auch selbst genügen Schaden austeilen, um am Ende siegreich aus dem Kampf hervorzugehen. Dabei müsst ihr in der Regel stets in Bewegung bleiben, wodurch die Kämpfe nicht nur rasant wirken, sondern auch ein echter Nervenkitzel sind.

Wie es im Metroivania-Genre so üblich ist, greift man auch in Dandara auf etwas Backtracking zurück, wodurch ihr die Abschnitte der Welt mehrmals besuchen müsst. Durch die neuen Fähigkeiten als auch den ständigen Wandel der Welt selbst ist es jedoch keine wirkliche Bürde, dies über sich ergehen lassen zu müssen – ganz im Gegenteil! Dandara macht es geschickt vor, wie gutes Backtracking auszusehen hat. Es wird durch intelligentes Leveldesign gepaart mit Story und erhaltenen Upgrades zu einem angenehmen Erlebnis. Das einzige, das man Dandara ankreiden muss, ist der unfreiwillig hohe Schwierigkeitsgrad, der sich nicht alleine durch die schnell agierenden Gegner oder die tödliche Umgebung an sich ergibt, sondern eher dadurch, dass ihr viel zu lange Abschnitte ohne Checkpoints absolvieren müsst, was unweigerlich zu Fehlern führt und ihr somit mehrmals auf der Strecke bleiben werdet. Dadurch, dass ihr immer sämtlichen Fortschritt verliert, wird sich langsam aber sicher Frust bei euch ansammelt, der mitunter dazu führen kann, dass ihr das Spiel beiseite legt und w. o. gebt. Das ist enorm schade, denn Dandara hat so viele gute Seiten, die damit leider in den Hintergrund rücken. Die Trials of Fear Edition behebt zwar viele Probleme der Vanilla-Version, kann jedoch auch nicht alles ausbügeln. Beispielsweise dreht sich die Kamera oftmals, wenn ihr einen Raum betretet, der hauptsächlich quer bewältigt wird. Die Karte dazu dreht sich jedoch nicht und verwirrt euch folglich mehr, als sie euch nützt. Nur ein kleines Beispiel von vielen.

Fazit

Um am Ende jedoch nicht noch alles schlecht zu reden, sei erwähnt, dass Dandara: Trials of Fear Edition ein wahrlich tolles Erlebnis sein kann, sollte man die nötige Geduld und einiges an Sitzfleisch mitbringen. Das rund 6- bis 10-stündige Abenteuer bietet euch einige der besten Höhepunkte, die ich in diesem Genre erleben durfte und wartet mit einem aussagekräftigen Soundtrack auf euch. Klar, es bringt euch die ein oder anderen kleinen Kinderkrankheiten mit sich, verspricht aber dennoch gute Unterhaltung und weiß mit seinem hohen Level an Polishing zu überzeugen. Für Kenner des Originals hält die Trials of Fear Edition drei neue Bereiche, einen neuen Boss als auch neue Fähigkeiten für Dandara und ein geheimes Ende für euch parat. Auch wenn die Vielzahl an Quality-of-Life-Verbesserungen das Rotieren der Map aufzählt, so kann ich das beim besten Willen nicht bestätigen. Wie dem auch sei, Dandara: Trials of Fear Edition ist am Ende dann doch eure Zeit wert und auf so ziemlich jeder Plattform spielbar, die euch in den Sinn kommen könnte. Die Frage des “wo?” stellt sich demnach gar nicht, sondern nur die Frage des “wann werdet ihr es spielen?”.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Toller Pixel-Art-Style
  • Stimmiger Soundtrack
  • Intelligentes Level-Design und Backtracking
  • Tolle Bosskämpfe

The Bad

  • Einige Kinderkrankheiten, die auch mit der Trials of Fear Edition nicht behoben wurden
  • Zu wenige Checkpoints, daher die Gefahr sehr viel Spielzeit und Fortschritt zu verlieren
  • Unausgewogenen Spitzen im Schwierigkeitsgrad
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at