Carnival Games für Nintendo Switch

By on on Reviews, 2 More

Carnival Games für Nintendo Switch Review

Der Jahrmarkt hat wieder eröffnet!

Carnival Games war ein unerwartetes Phänomen auf der Nintendo Wii. Mit mehr als vier Millionen weltweit verkauften Einheiten mauserte sich das Spiel zu einem Geheimtipp auf Nintendos erfolgreichster Heimkonsole. Zudem erschienen auch mehrere Nachfolger für die Wii als auch den Nintendo DS, welche aber bei weitem nicht mehr so erfolgreich waren, wie das Original. Selbst für PlayStation VR veröffentlichte man vor nicht allzu langer Zeit einen Ableger, bevor man Spieler nun wieder auf der Nintendo Switch zu einem Karneval-Rundgang einlädt. In meinem Freundeskreis war ich nicht der Einzige, der bereits sehr gespannt auf das Spiel war, sondern auch noch eine Handvoll anderer Leute, die selbst auf der Wii ihren Spaß am Karneval-Getümmel hatten. Doch ehrlich gesagt bekamen wir in gemeinsamen Spieleabenden ein recht trauriges Bild von den einstmals lustigen Spielen, welche ausschließlich per Motion-Controls gesteuert wurden, geboten. Auf der Nintendo Switch werdet ihr einige bekannte Attraktionen vorfinden, welche euch aus früheren Veröffentlichungen bekannt waren und zudem auch viele neue Minispiele, welche aber nicht wirklich etwas mit Karneval zu tun haben. Und genau das ist auch das größte Problem des Spiels.

In einer recht zweckdienlichen Präsentation, welche in keiner Weise mit Liebe zum Detail punktet, könnt ihr wieder aus verschiedenen Themenparks wählen, die euch jeweils eine Handvoll unterschiedlicher Spiele bieten. Viele davon, wie beispielsweise der Basketballwurf oder auch Meteor Storm, sind Klassiker auf dem Karneval und dürfen natürlich auch diesmal nicht fehlen. Viele weitere Attraktionen sind aber völlig aus dem Kontext gezogene Minispiele, wie das Reiten auf Pferden über einen Hindernisparcours oder dem Drehen um die eigene Achse und dem gleichzeitigen Einsammeln von Planetenkugeln. Solche Attraktionen gibt es auf einem Karneval nicht und dementsprechend verwundert waren wir alle über die Auswahl dieser. Zudem kommt noch, dass sämtliche Spiele anfangs lediglich mit dem Controller gespielt werden müssen – ohne Motion-Controls. Sprich: ihr werft den Ball auf Knopfdruck, bestimmt die Wurfstärke über einen sich aufladenden Balken und bewegt eure Spielfiguren mit dem Control-Stick. Habt ihr eine respektable Punktezahl erreicht, so schaltet ihr die Bewegungssteuerung für jedes einzelne Spiel separat frei und dürft dieses dann so genießen, wie es ursprünglich auf der Wii auch angedacht war. Eine Design-Entscheidung, mit der wir rein gar nichts anfangen können, denn genau das war es, was Carnival Games auf der Wii so gut gemacht hat. Dort hat die Bewegungssteuerung perfekt funktioniert und man hatte das Gefühl tatsächlich am Jahrmarkt zu sein. Die unterschiedlichen Positionen, wie man eine WiiMote halten musste, um ein Minispiel bestehen zu können, waren vielfältig und einfallsreich. Auf der Nintendo Switch verkommen die Spiele aber zu langweiligen Button-Mashern ohne Tiefgang oder Herausforderung. Niemand quält sich gerne durch diese Spiele, wovon lediglich ein Drittel wirklich am Jahrmarkt zu finden und auch gut ist, um danach eventuell mit echten Gesten spielen zu können.

Das ist bitter schade, denn, auch wenn das originale Carnival Games vielleicht keinen Preis in puncto Präsentation bekommt, war es ein lustiges Erlebnis, das auch noch heute durchaus unterhaltsam ist. Bestätigt wurde dies durch einen weiteren Spieleabend, bei dem wir ausschließlich die beiden Wii-Titel in unsere Konsole einlegten. New Carnival Games machte da zwar nicht viel anders, aber trotzdem Vieles besser. Das Fazit der gesamten Party-Truppe war also einstimmig. Carnival Games für Nintendo Switch kann durchaus lustig sein und manche der insgesamt 20 Minispiele sind auch recht unterhaltsam und bieten den ein oder anderen genialen Kniff. Bestes Beispiel dafür wäre in meinen Augen der Ice-Hockey Penalty-Shootout. Aber das Minispiel wäre in einer Nicht-Carnival-Games-Kollektion wohl besser aufgehoben gewesen. Zudem machen die Motion-Controls einfach den Unterschied und da hat die Wii von Anfang an die Nase vorn. Öde Button-Masher gibt es am Videospielmarkt schon genug. Leider hat man es hier verabsäumt, Stoff für sich oft wiederholende, gesellige Abende zu liefern. Denn wenn selbst Leute, die sonst nichts mit Videospielen am Hut haben, lieber zur Wii-Version greifen, dann muss ich mich als Kritiker nicht mehr hinterfragen, ob mein Eindruck des Spiel wohl kein falscher ist. Damit bleibt abschließend nur noch zu sagen, dass Carnival Games das Potential nicht annähern ausgeschöpft und mit einer fragwürdigen Auswahl an Minispielen niemanden wirklich vom Hocker haut. Selbst ein eins-zu-eins Port des Nintendo Wii Spiels wäre eine bessere Entscheidung gewesen, als das Produkt auf den Markt zu bringen, welches letzten Endes Goldstatus erreicht hat. Schade, denn da wäre sehr viel mehr drin gewesen!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden :)

Carnival Games für Nintendo Switch

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at