Carcassonne für Nintendo Switch

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Carcassonne für Nintendo Switch Review

Der Brettspielklassiker in neuem Gewand.

Carcassonne ist vermutlich mein allerliebstes Brettspiel. Alleine der Gedanke an eine Spielrunde dieses Klassikers bietet mir bereits Glücksgefühle ohne Grenzen. Da war es für mich natürlich ein absolutes Highlight, als Asmodee Digital verkündete, dass man einige seiner Brettspiele in digitaler Form auf die Nintendo Switch bringen möchte. Nun konnte ich etliche Runden mit dem Spiel verbringen und wurde leider mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Über das Spiel selbst müssen wir nicht reden – das ist unantastbar. Doch wer es noch nicht kennt, dem fasse ich es kurz zusammen. In Carcassonne geht es darum, so viel wie nur möglich zu bauen und auch einzunehmen. Das betrifft in der Ursprungsform Straßen, Burgen und Klöster. Dazu müsst ihr quadratische Plättchen so platzieren, dass sie an eine Seite von bereits abgelegten Plättchen passen. Habt ihr dieses dann platziert, könnt ihr eine eurer limitierten Spielfiguren daraufstellen, um es einzunehmen. Habt ihr ein Bauwerk abgeschlossen und steht mit den meisten Spielfiguren darauf, werden euch die Punkte sofort gutgeschrieben und ihr erhaltet eure Spielfigur(en) zurück. Alles Unvollständige wird dann am Ende zusammengezählt, wobei dann auch die Wiese zur Geltung kommt. Alle darauf befindlichen fertigen Burgen zählen dann abermals zu eurem Punktekonto.

Doch der Clou daran: eure Mitspieler können sich natürlich auch an euren Bauwerken beteiligen, um ebenfalls Punkte einzusacken oder euch diese sogar gänzlich wegschnappen. Seid ihr mit euren Spielfiguren in der Überzahl, erhaltet ihr die vollen Punkte; teilt ihr euch mit einem Mitspieler das Bauwerk, bekommt auch jeder die dafür vorgesehenen Punkte; habt ihr jedoch ein Bauwerk begonnen und jemand anderes gewinnt im Laufe des Spiels mit seinen Spielfiguren Überhand, dann geht ihr leer aus. Doch so einfach ist es dann auch wieder nicht, denn jemand kann sich nur zu eurem Bauwerk dazugesellen, wenn die Positionen, welche mit den Spielfiguren belegt werden, nicht direkt miteinander verbunden sind. Erst durch ein Verbindungsstück kann dies passieren, was jedoch nicht unüblich ist. Somit müsst ihr stets abwägen, ob es nicht sinnvoll wäre, selbst für den Fall der Fälle noch Verstärkung einzubringen.

Bereits jetzt ist eine Erweiterung für das Spiel zu haben, welche es im Nintendo eShop zu erwerben gibt. Diese bringt Flüsse, Kathedralen und noch mehr Features, die einfach durch neue Plättchen dem Spiel hinzugefügt werden und wahlweise aktiviert bzw. auch deaktiviert werden können. Dadurch verlängert sich natürlich aber auch die Spielzeit, denn das Spielende ist erst erreicht, wenn alle Plättchen verbaut sind. Eine Partie benötigt aber dennoch lediglich rund 15-30 Minuten, je nachdem mit wem man spielt, wie viele Spieler insgesamt daran teilnehmen und wie viele Erweiterungen man aktiviert hat. Somit perfekt für zwischendurch und auch unterwegs.

Doch wie eingangs bereits erwähnt, haben sich gemischte Gefühle bei mir aufgetan. Das liegt daran, dass bereits seit 2010 auf iOS-Geräten eine mobile Umsetzung von Carcassonne existiert, welche die Nintendo Switch Version in den Schatten stellt. Diese bietet eigentlich alles, was man auf der Nintendo Switch schmerzlicht vermisst: einen Online-Modus, mehrere Erweiterungen und Touchscreen-Support! Man mag es kaum glauben, aber Carcassonne für die Nintendo Switch lässt sich ausschließlich mit Controller spielen. Generell ist die Steuerung mit diesem aber durchaus gelungen, doch dazu kommt, dass die Geschwindigkeit des Cursors, mit dem man sich über das Spielfeld bewegt und Plättchen platziert, gähnend langsam ist und man diese auch nicht beschleunigen kann. Selbst die im Jahre 2007 erschienene Umsetzung für die Xbox 360 bietet ein klügeres Handling der Platzierungen, indem man nur Felder anwählen kann, die mit dem aktuellen Plättchen auch belegt werden können. Sucht man sich einen anderen Platz aus, kann man ganz einfach hin- und herspringen und muss nicht langsam über das gesamte Spielfeld scrollen. Einzig die 3D-Ansicht, welche auch schon auf der Xbox 360 möglich war, ist der iOS-Version überlegen. Doch da diese nicht wichtig für das Spiel selbst ist, kann man sich davon auch nichts kaufen. Etwas, was das Spiel aber in der Tat beeinflusst, sind die Entscheidungen eurer K.I.-Gegner, solltet ihr alleine spielen. Diese benötigen pro Runde(!) im späteren Spielverlauf gut und gerne mal bis zu 15 Sekunden, um einen Spielzug abzuschließen. In der Zwischenzeit kann man nichts tun, außer auf den Bildschirm zu starren. Solche Performance-Probleme gab es zuvor auf keinem System und trüben den Spielspaß durchaus. Niemand wartet gerne auf seinen Gegenüber und schon gar nicht, wenn es sich um K.I.-Mitspieler handelt.

Fazit

Für jemanden, der keine Xbox 360 zu Hause stehen oder noch an den TV angeschlossen hat und auf seinem Smartphone nicht spielen möchte, ist Carcassonne für die Nintendo Switch dennoch eine Empfehlung mit Vorwarnung. Man muss sich bewusst sein, dass man eine eher suboptimale Umsetzung bekommt, für die man dann auch noch rund 20 Euro löhnen muss. Für dasselbe Geld bekommt man beispielsweise auf iOS das Hauptspiel und beinahe alle Erweiterungen, die bislang erschienen sind und zudem auch noch das bessere Spiel. Ich kann durchaus mit der Tatsache leben, dass es keinen Online-Modus gibt, aber die Steuerung ist ein Graus und der fehlende Touchscreen-Support ist eigentlich unverständlich. Hier muss Asmodee Digital umgehend mit einem Patch nachbessern, um die Nintendo-Switch-Spieler nicht für die bevorstehenden Umsetzungen ihrer Brettspiele zu verschrecken. Alternativ könnt ihr aber auch auf eine Version für Android oder PC von Asmodee Digital ausweichen, welche besser umgesetzt wurden.

Hinweis: Dieses Review bezieht sich ausschließlich auf die Umsetzung für Nintendo Switch. Es gibt von Asmodee Digital auch eine PC- bzw. Android-Umsetzung, welche von diesem Review nicht abgedeckt wurden und qualitativ durchaus besser sind. Die iOS-Version wurde von The Coding Monkeys entwickelt und hat keine Verbindung zu den Versionen von Asmodee Digital.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

Carcassonne für Nintendo Switch
Carcassonne für PC
Carcassonne für Android
Carcassonne für iOS

The Good

  • Carcassonne ist und bleibt ein zeitloser Klassiker ...
  • ... den man nun auch als Nicht-iOS-Besitzer unterwegs digital spielen kann

The Bad

  • Kein Touchscreen-Support
  • Steuerung suboptimal und "Mauscursor" zu langsam
  • Lange K.I.-Nachdenkzeiten bringen den Spielfluss ins Stocken
  • Preis-Leistungs-Verhältnis im derzeitigen Zustand nicht gegeben
6

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at