Blackwood Crossing

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Wenn eine Zugfahrt zur Geisterbahnfahrt wird …

Walking Simulator Spiele sind immer ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es nicht viel Gameplay, welches hartgesottene Gamer ansprechen würde, andererseits jedoch hat man dadurch die Chance eine Geschichte ohne jegliche Ablenkungen oder Stressfaktoren zu genießen. Dafür müssen aber beide Komponenten bis ins letzte Detail gepolished sein, ansonsten wird ein potentiell wunderschönes und emotionales Abenteuer zu einer Achterbahnfahrt mit Entgleisung.

Ich will doch nur basteln!

Blackwood Crossing ist ein Indie-Game des Studios Paper Seven und erzählt die Geschichte von Scarlett und Finn, zwei jungen Geschwistern, die ihre Eltern bereits viel zu früh verloren haben. Wir übernehmen dabei die Kontrolle von Scarlett und wachen nachts in einem Zugabteil auf, ohne, dass uns das Spiel vorab viel darüber verraten würde, warum und weshalb. Plötzlich hören wir unseren Bruder durch das Abteil schreien, er benötige Hilfe. Also machen wir uns auf die Suche nach ihm. Auf dem Weg sammeln wir in alter Adventure-Manier Gegenstände auf, die uns noch nützlich sein könnten. Nun, zumindest teilweise, denn sehr viele Rätsel gibt es in Blackwood Crossing nicht, als dass sie besondere Erwähnung bedürfen. Prinzipiell schlagen wir uns hauptsächlich damit rum, seltsame Gestalten, die Masken tragen, in der richtigen Reihenfolge anzusprechen, um deren Aussage eines Dialogs mit jemand anderem zu hören. Haben wir dann den Gesprächspartner gefunden, verschwinden die Gestalten und wir können im Spiel weiter vorankommen. Wie sich schnell herausstellt, sind es Personen aus unserem Leben, die uns sehr ans Herz gewachsen sind.

Stellenweise gruselig, nicht nur aufgrund der Thematik, sondern auch aufgrund der Technik.

Schon früh zeichnet sich ab, dass dies keine normale Zugfahrt ist und wir in einer Art Trance sein müssen. Die Zugabteile werden zunehmens düsterer und auch die Rätsel ändern sich ab und an, ehe das Spiel wieder hell und fröhlich wird und wir uns an all die lustigen und schönen Dinge aus der Vergangenheit erinnern dürfen. Das Spiel ist eine emotionale Achterbahnfahrt und kann – je weiter sich die Story uns offenbart – mit einigen Momenten punkten, die uns innerlich zermürben. Leider ist das jedoch nicht das einzige, das uns zu schaffen macht. Auch die Technik tut dem Spiel nicht gut. Einerseits sollte das Movement in einem Walking Simulator Spiel oberste Priorität genießen und genau das hat Paper Seven ziemlich verhaut. Die Bewegungen sind viel zu langsam und obendrein lässt die Animation, die offenbar das Vor- und Zurückschwanken darstellen sollte, einen das Gefühl geben, als würde das Spiel ruckeln. Nun, das tut es zusätzlich auch noch, denn die Framerate hat mehrmals immense Einbrüche und trübt so massiv das Spielerlebnis.

Der Zug ist die meiste Zeit der Ort des Geschehens.

Natürlich muss ein von der Story getragenes Spiel nicht sonderlich einfallsreiche Features bieten, wenn man es mit einem Walking Simulator paart. Dennoch sollte zumindest die Steuerung, die zur Eingabe von Lösungen und der Auswahl von Elementen dient, tadellos funktionieren. Aber da auch die Sensitivität des Head-Movements einem einen Strich durch die Rechnung macht, ist es oft schwierig, die richtige Auswahl zu treffen oder zu navigieren.

Was den Art-Style und die Animationen betrifft, so gehen diese einher. Es erinnert ein wenig an alte PlayStation 2 Jump’n’Run-Spiele, auch, was Animationen betrifft. Diese sind sehr abrupt und hektisch, passen aber gut zum Rest des Spiels. Nach rund 2-3 Stunden ist man dann aber auch schon mit dem Spiel durch und hat ein wenig Wehmut. Einerseits aufgrund der Story und andererseits aufgrund des leider nur mittelmäßigen Gesamterlebnisses. Schade, denn das Spiel hätte Potential gehabt.

The Good

  • Emotionale Momente

The Bad

  • Niedrige Framerate
  • Gehgeschwindigkeit zu langsam
  • Bewegungsanimation unschön
  • Rätsel teils unklar
  • Uninspirierte Rätsel
6

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at