Assassin’s Creed Valhalla

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Assassin’s Creed Valhalla Review

Auf den Spuren der Wikinger.

Seit dem Reboot der Assassin’s Creed Franchise mit Origins im Jahre 2017 hat sich viel getan. Unser Hauptprotagonist, seit geraumer Zeit ja jedes Mal ein anderer, ist von Ägypten über Griechenland nun auch im hohen Norden gelandet. Das Spiel, welches sich rund um Hauptfigur Eivor dreht, erzählt vom Einfall der Wikinger (zur damaligen Zeit auch als  Dänen bezeichnet) in die angelsächsischen Königreiche – auch besser bekannt als Englaland, Brittanien oder heutzutage das Vereinigte Königreich Großbrittannien. Dabei handelt es sich jedoch um eine fiktive Geschichte, mit Bezug auf realen Ereignissen – wie immer in der Assassin’s Creed Spielreihe. Nachdem man sich mit den letzten beiden Ablegern nach dem Absturz rund um die skandalösen Veröffentlichungen Unity und Syndicate vom Einjahresrhythmus verabschiedet hatte, kommt man mit Valhalla nun wieder auf diesen zurück. Wohl hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass das Spiel rechtzeitig zur Launch der neuen Konsolengeneration bereitsteht. Und das tut es nun auch. Bleibt nur die Frage zu klären, ob das dem Spiel geschadet hat und ob Ubisoft erneut Gefahr läuft, den Markt zu übersättigen und die Marke an die Wand zu fahren.

Für mich war Origins eines der heiß ersehntesten Spiele überhaupt, behandelt es doch eine von mir so geliebte Ägyptische Mythologie. Dass am Ende nicht viel davon zu sehen war (außer in einem kostenpflichtigen DLC, den ich bis dato nicht gespielt habe), hat meine Freude aber dann doch ein wenig getrübt. Mit Odyssey hatte ich auch so meine Probleme, da ich einfach nicht über den Erfahrungs-Grind hinwegsehen konnte und mir 10%-Erfahrungs-Boosts im spielinternen Shop sauer aufgestoßen haben. Schlechte Vorzeichen also für Valhalla, bei dem noch hinzukommt, dass mich das Wikinger-Setting eigentlich wenig interessiert hat. Aber ich lass die Katze lieber gleich aus dem Sack: Valhalla hat dann plötzlich doch begonnen, mich für sich zu gewinnen. Es ist kaum ein Tag seit Veröffentlichung vergangen, an dem ich nicht durch die nebeligen Sümpfe der brittannischen Lande gestreift bin. Es gibt viel zu entdecken, sowohl in der Hauptgeschichte, als auch mit Nebenmissionen. Man wird jedoch nicht mit Aufgaben überfordert, denn scheinbar setzt man diesmal auf Qualität, anstatt Quantität und selbst Nebenmissionen können nun kleine und vor allem interessante Handlungsstränge haben, die man gerne verfolgt. Es hat mich umgehend ein wenig an The Witcher 3 erinnert, bei dem Nebenmissionen eigentlich auch nie vollkommen sinnlos erscheinen.

Der Hauptcharakter Eivor kann sowohl in weiblicher, als auch männlicher Form gespielt werden. Anfangs schlüpft ihr jedoch in Eivors Kindesschuhe, um die Geschehnisse zu erleben, welche die Grundlage für seinen assassinischen Rachezug bilden. Dabei wird man von Ubisoft aber gleich mal aus der Bahn geworfen, da man in der Anfangsphase (zumindest in der deutschen Übersetzung) explizit als weibliches Kind bezeichnet wird und sich erst danach auf das Geschlecht festlegen kann. Der Prolog stellt einen aber gut auf das kommende Geschehen ein und dauert für seine Verhältnisse recht lang. Erst mit der Ankunft in Englaland und der dortigen Gründung einer neuen Siedlung beginnt dann das Spiel fahrt aufzunehmen und öffnet euch eine riesige und offene Welt, die es zu erkunden gilt.

Natürlich, und wie sollte es auch anders sein, pappt Ubisoft wieder mal ihre bewährte Blaupause über das Spiel, die dem selben Schema folgt, wie sämtliche Spiele der letzten zehn Jahre. Ihr habt verschiedene Gebiete, die ihr nach und nach erkunden müsst und mit dem Besteigen des höchsten Punktes in diesem Areal erweitert ihr eure Sicht auf die dort vorgehenden Dinge und schaltet die erweiterte Karte frei. Jedes Gebiet empfielt einen gewissen Erfahrungsgrad, welcher sich über den Talentbaum definiert, der wie aneinandergereihte Sternenbilder strukturiert ist. Dieser beinhaltet diesmal nicht nur Talente, also spezielle Angriffe oder Fähigkeiten, sondern auch Verbesserungen für die Werte eures Charakters, wie beispielsweise mehr Nah- bzw. Fernkampfschaden, Lebenspunkte, Adrenalin und Weiteres. Zudem könnt ihr sämtliche Verbesserungen mit lediglich einem einzigen Erfahrungspunkt freischalten, den ihr beim Hochleveln erhaltet. So müsst ihr nicht unbedingt auf was Aufregendes zusammensparen, sondern euch lediglich den Weg durch das Sternenbild bahnen, um zum gewünschen Talent zu kommen.

Ein großer Augenmerk liegt diesmal auch wieder auf dem Sammeln von Ressourcen, die ihr durch das Plündern von Häusern oder getöteten Wachen als auch dem Erledigen von Haupt- und Nebenmissionen erhaltet. Außerdem gibt es noch den Jackpot, der sich in Klöstern und Kirchen befinden. Dazu müsst ihr mit eurer Crew und eurem Schiff auf ein solches hinsegeln und dann mit lautem Gebrüll einfallen. Solltet ihr unterwegs sein und euer Schiff sich bei eurer Siedlung befinden, könnt ihr auch durch ein Hornsignal eure Kameraden herbeirufen und müsst nicht manuell herschiffen. Das Raid-ähnliche Ereignis stellt euch dann vor die Aufgabe, die Wachen und andere Widersacher aus dem Weg zu räumen und die Schätze für euch zu beanspruchen. Habt ihr das geschafft, könnt ihr wieder retour segeln und entweder eure Siedlung damit erweitern und ausbauen oder aber auch eure Ausrüstung damit verbessern. Apropos Ausrüstung: hier sind einige Prunkstücke in der Welt in Schatztruhen versteckt, an die ihr nur schwer rankommt. Aber es zahlt sich definitiv aus, sich auf die Suche nach denen zu begeben – vor allem dann, wenn euch die Geschichte ab einem gewissen Zeitpunkt in die etwas knackigeren Gebiete zieht.

Wir haben das Spiel natürlich gleich auf der Xbox Series X getestet, um den besten Eindruck der neuen Generation zu erhalten und hier kann das Spiel zumindest in Sachen Performance glänzen. Es gibt kaum Ladezeiten, die Übergänge bei Schnellreisen sind nur durch sekundenlange Informationseinblendungen unterbrochen und auch sonst bedient es sich sehr reaktionsfähig und ohne Lags. Grafisch kann das Spiel in den meisten Fällen mit einem hohen Detailgrad und wirklich sehenswertem HDR überzeugen, lediglich in dunklen Szenen, von denen es aber relativ viele im Spiel gibt, kommt es mir so vor, als würde das Bild recht ausgewaschen aussehen. Zudem wirken Charaktere an vielen Stellen des Spiels unecht, was man immer wieder an Augen und Bart merkt. Ich könnte mich nicht erinnern, solche Eindrücke bei Origins und Odyssey gehabt zu haben. Soll aber kein Beinbruch sein. Da bin ich mit der Steuerung schon mehr auf Kriegsfuß, da diese manchmal vollständig streikt. Man bleibt oft an Gegenständen hängen und versinkt im Boden und kann nicht mehr aufstehen. Auch das flüssige Von-Objekt-zu-Objekt-Hüpfen ist nicht mehr ganz so makellos, wie es das in den letzten Ablegern noch war. Ubisoft hat hier wohl einige Schrauben überdreht, was wohl so nicht hätten sein müssen. Zugegeben, es passiert nicht oft genug, um den Spielspaß komplett zu eliminieren, aber leider zu häufig, um es unerwähnt zu lassen.

Ein weiterer Punkt, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob ich ihn wirklich mag, ist die neue Kameraperspektive. Diese ist bei Valhalla etwas weiter weg und erinnert ein wenig an Diablo. Nicht nah genug, um es als “Action-Kamera” zu bezeichnen, aber auch nicht weit genug entfernt, um Hack-‘n’-Slay-Feeling zu bekommen, auch wenn es schon ein wenig in diese Richtung tendiert. Durch die ganzen neuen Spezialattacken, von denen ihr insgesamt acht verschiedene der Schnellauswahl zuweisen könnt, und dem Getummel mehrerer Gegner gleichzeitig in eurem Umfeld kommt mir Eivor manchmal eben wie der Barbar aus Diablo 3 vor. Ich will nicht sagen, dass es schlecht umgesetzt ist, aber definitiv ein Aspekt, der Eingewöhnung benötigt. Was die Spezialattacken betrifft: diese können im entscheidenden Moment den nötigen Unterschied ausmachen. Eine gute Erweiterung, die mir manchmal in einem eifrigen Kampf den Kopf gerettet hat.

Fazit

Assassin’s Creed Valhalla erstaunt mich mit seiner Größe, Spiellänge und dem generellen Game Design diesmal mehr, als alle Vorgänger in den letzten Jahren und das obwohl man wieder zum Einjahresrhythmus zurückgefunden hat. Natürlich wurde das Spiel nicht in einem Jahr entwickelt, dafür gibt es ja mehrere Ubisoft-Teams, aber es war trotzdem etwas, das mich anfangs beunruhigt hat. Dafür zeigt das Spiel aber nun schön auf, was mit den neuen Konsolen alles möglich ist und hat mir nicht nur in Sachen Performance, sondern auch mit seinen teilweise wirklich tollen Nebenmissionen sehr viel Freude bereitet. Es gibt aber einige kleine Dinge, die ein wenig am Schuh drücken und welche noch mit einem Patch behoben werden sollte. Vor allem das Charakter-Movement, welches immer wieder mal Aussetzer hat. Aber insgesamt ist das alles nichts, was das Spiel massiv beeinträchtigen würde. Ich würde sogar sagen, dass es das bislang ambitionierteste Asssassin’s Creed ist, das Ubisoft bis dato veröffentlicht hat, auch wenn es aufgrund des Settings wohl niemals so viel Liebe wie Origins bekommen wird. Für mich ist es unterm Strich aber eine ganz klare Kaufempfehlung und ich freue mich schon auf mehr Inhalt mit dem Season Pass.


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Assassin’s Creed Valhalla für Xbox Series X|S und Xbox One
Assassin’s Creed Valhalla für PlayStation 5
Assassin’s Creed Valhalla für PlayStation 4

The Good

  • Schön gestaltete riesige Welt
  • Nebenmissionen haben mehr Bedeutung
  • Grafisch eine Augenweide
  • Talentbaum zugänglicher

The Bad

  • Charakter-Movement hakt hin und wieder
  • Grafisch nicht immer authentisch, vor allem in dunkeln Szenen mit Menschengesichtern
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at