Assassin’s Creed Origins

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Assassin’s Creed Origins Review

Zum 10-jährigen Jubiläum geht’s ab nach Ägypten.

Vor beinahe exakt zehn Jahren durften wir zum ersten Mal in die Rolle von Altaïr schlüpfen und die historischen Ereignisse rund um den Dritten Kreuzzug erleben. Zugleich konnten wir auch die Geschichte von Desmon Miles verfolgen, welcher ein Nachfahre der Assassinen ist und seine eigene Rolle in der originalen Trilogie (samt Auskopplungen) spielt. Nach insgesamt zehn Jahren zählt die Assassin’s Creed Franchise nun auch eben so viele Hauptspiele und noch einige Spinoffs mehr. Nach der letztjährigen Auszeit, die man sich aufgrund der technischen Katastrophen rund um Assassin’s Creed Unity und Syndicate nehmen musste, kehrt man nun in der Rolle von Bayek ins Land der Götter zurück. Und das in völlig neuem Gewand. War Assassin’s Creed bislang von Meuchelmorden und Schleichpassagen geprägt, so hat man das Kampfsystem komplett über den Haufen geschmissen und daraus ein waschechtes Action-Adventure/Action-RPG gemacht, das der Serie meiner Meinung nach enorm gut tut. Es ist zwar kein Dark Souls daraus geworden, aber unüberlegtes Handeln in Fremdgebieten und daraus resultierenden Kämpfen kann euch schneller den Kopf kosten, als ihr „Anubis“ sagen könnt. Der erste Schritt in eine neue, frische und vor allem richtige Richtung.

Ägypten hat vieles zu bieten. Angefangen von der kleinen Gegend Siwa über Memphis bis hin zur Sphinx und den Pyramiden von Gizeh. Dazwischen gibt es endlos weite Landschaftszüge mit Festungen, Wohnsiedlungen oder auch Inseln im Nil, welche allesamt verschiedene Geheimnisse hüten. Assassin’s Creed Origins‚ Geschichte führt euch durch die Erlebnisse von Bayek, der seinen Sohn verloren hat und Rache nehmen will. Doch seine Reise führt in an ganz andere Orte und Ereignisse, die nicht nur auf seine persönlichen Interessen beschränkt sind, sondern ein viel größeres Bild abdecken. Da das Spiel einige Jahrzehnte vor Beginn der Zeitrechnung seinen Verlauf nimmt, werdet ihr u.a. auch Kleopatra und Cäsar über den Weg laufen. Das was ich in Assassins’s Creed Origins jedoch vermisse, ist ein Geschichte, die nicht nur einfach so dahinplätschert, bis sie auf einmal vorbei ist. Es gibt keine dramatischen Wendungen, es gibt keine wirklich nennenswerten Kämpfe und auch die Antagonisten, die Ziel eures Meuchelmordes werden, sind so fahl, wie man selbst, nach einer durchzechten Nacht. Und das ist äußerst schade, denn wenn ich auf das Spiel zurückdenke, welches die Franchise vor einem Jahrzehnt ins Leben gerufen hat, dann blicke ich mit großem Neid zurück, welche Persönlichkeiten dort doch vorhanden waren. Jeder einzelne von denen hatte eine Geschichte, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Und die Attentate selbst waren mit Nervenkitzel und jeder Menge Herzklopfen verbunden. Das blieb in meinen Augen bislang in der Serie unerreicht und auch Origins kann daran leider nicht rütteln.

Doch warum ich das so schade finde, ist, abgesehen von der Tatsache, dass es das dadurch kein herausragendes Spiel ist, dass es ansonsten in allen Facetten scheint und glänzt, die ihr euch nur vorstellen könnt. Die Welt von Ägypten ist bis ins kleinste Eck so detailliert und historisch korrekt nachempfunden worden, wie es Ubisoft nur irgendwie möglich war. Ich suche immer noch nach Stellen, bei denen ich mit dem Finger drauf zeigen und laut „Copy & Paste!“ schreien kann. Ich habe sie bis dato noch nicht gefunden. Jedes Haus, jedes rumstehende Requisit, jede Wandmalerei und auch jeder Bewohner sind aus einer homogenen Masse, die ich bislang noch nicht in einem Spiel gesehen hatte. Grafisch präsentiert sich das Spiel in 4K und HDR auf höchsten Niveau und bietet neben täuschend echten Personen und deren Verhalten auch wunderschöne Belichtungs- und Natureffekte. Selbst das Wasser und das Feuer setzen neue Maßstäbe in Sachen physikalische Korrektheit und visueller Präsentation.

Weiters kann auch das System rund um Bayek und seinen Fähigkeiten punkten. Ihr könnt nun in eurem Charakterlevel steigen und werdet nicht nur physisch stärker, sondern könnt durch gewonnene Fähigkeitspunkte auch neue Kampfkünste erlernen. Der Talentbaum spaltet sich in drei große Bereiche auf, die unterschiedliche Boni freischalten. Mal könnt ihr nach euren Attacken Sand aufwirbeln lassen, mal mit eurem Vogel aus der Luft angreifen oder ihr verbessert eure Zusatz-Waffen mit Brandbomben oder Gift. Egal, welchen Weg ihr schreitet, es gibt genügend Fähigkeiten, um sich seinen eigenen individuellen Charakter zu bauen, der sich je nach Skillung auch unterschiedlich spielen lässt. Die Ausrüstungen lehnen sich an die Diablo-Reihe an und warten nur darauf, verglichen und ausgetauscht zu werden. Doch solltet ihr an euren Waffen hängen und sie nur ungern hergeben wollen, dann gibt es auch die Möglichkeit, diese im Spiel vom Schmied verbessern zu lassen, damit sie wieder euer derzeitiges Level erhalten. Doch was in der Theorie gut klingt, spiegelt sich in der Praxis als eher schwierig wider, denn ihr werdet dazu einen exorbitant hohen Betrag zahlen müssen, den ihr nie und nimmer im normalen Spielverlauf sammeln könnt.

Hier würde der Shop einem Abhilfe schaffen, in dem ihr mit eurem Echtgeld Münzen kaufen könnt. Ubisoft zieht sich mit dem derzeitigen Lootcrate Problem nur geringfügig aus der Schlinge, da man zwar keine Lootboxen direkt mit Echtgeld kaufen kann, dafür aber virtuelle Münzen, die dann folglich dafür herhalten sollen. Das Gute daran: das Spiel lässt sich auch ohne Einsatz eures Portemonnaies absolvieren. Ihr müsst dazu jedoch sämtliche Nebenmissionen abschließen, um genügend Erfahrung zu sammeln, damit ihr nicht unter die Räder kommt. Aber das sehe ich nicht als Negativ an, da das Spiel ohnehin erkundet werden will und die riesige Welt, die uns Ägypten bietet, voller Möglichkeiten steckt, um euren Charakter zu stärken. Prinzipiell haben jedoch Elemente, die das Spiel mit erheblichem Pay2Win-Beigeschmack verunreinigen, nichts in solchen zu suchen. Daher muss man das auch Assassin’s Creed Origins negativ ankreiden, alleine schon aufgrund der Möglichkeit, das in Anspruch nehmen zu können.

Das Spiel hätte das ja wie gesagt auch gar nicht nötig, denn Abwechslung wird einem am Laufenden Band geboten. Mal schleicht ihr euch durch Dickichte, um ein geheimes Lager auszubeuten, mal schlendert ihr auf einem Floß über den Nil und mäht einige Krokodile nieder, dann wiederum klettert ihr auf die Spitze der Cheops-Pyramide oder wagt euch in die geheimen Gänge dieser. Die Pyramiden sind im Übrigen sehr realistisch nachempfunden und bieten auch sämtliche Gänge, die man bislang in diesen gefunden hat. Für mich persönlich war das eigentlich das Highlight des Spiels, da ich großer Ägypten-Fan bin und seit meiner Kindheit davon Träume, einmal die Pyramiden betreten zu können. Alleine dafür hat sich das Spiel bereits für mich gelohnt.

Ansonsten präsentiert sich das Spiel recht solide in jeglicher Hinsicht. Es gibt wenig, das man daran aussetzen könnte, aber auch wenig, was wirklich heraussticht. Der Assassin’s Creed Franchise hat die Pause sichtlich gut getan, doch an die glorreichen Zeiten des ersten Spiels, ist die Serie auch diesmal nicht rangekommen. Klar, Assassin’s Creed II war damals ohne Diskussion das bessere Spiel, aber das dreckige Setting und die einprägsame Story des ersten Teils wurde niemals mehr erreicht, auch wenn Brotherhood objektiv gesehen in meinen Augen den besten Teil der Serie darstellt und da knapp drankam. Das sollte euch jedoch nicht davon abhalten, in die ägyptische Welt einzutauchen, denn mit einer Spielzeit von rund 30 Stunden und gut und gerne nochmals 30, um wirklich alles gesehen zu haben, bietet euch das Spiel mehr als nur genug für euer Geld. Ich hoffe jedoch, dass Ubisoft den nächsten Teil mit einer markanteren Geschichte ausstattet, über die man wieder reden und diskutieren kann und die auch nicht so schnell wieder vergessen ist.

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die Bereitstellung eines Testmusters.


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The Good

  • Grafisch setzt das Spiel eine neue Messlatte
  • Eine einzigartige Welt mit endlos vielen kleinen Details
  • Der Erkundungsdrang wird definitiv gestillt

The Bad

  • Eine Story ohne wirkliche Höhepunkte
  • Pay2Win Angebote für den Einzelspieler-Modus
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at